Sonntag, 23. Februar 2014

Der See. Von Banana Yoshimoto

http://www.buchwelten.at/list?back=51e1cc952870d4ce49c88bf98bed6c3c&xid=2510769
Banana Yoshimoto. Der See.

Davor hat sie geschrieben (u.a.) "Mein Körper weiß alles".

Wir sind in Japan. Alles ist sehr vorsichtig. Der Umgang mit anderen ist geprägt von der Angst, sich unmöglich, lächerlich zu machen. Etikette ist unglaublich wichtig. Nur ja nicht aufdringlich wirken.

In dieser Welt begegnen wir unserer Protagonistin. Sie erzählt uns von dem jungen Mann vom Fenster gegenüber. Nakajima. Wie vorsichtig sie sich kennengelernt haben. Wie rohe Eier begegnen sie sich. Sie hat vor einiger Zeit ihre Mutter verloren, ihn umgibt ein tragisches Geheimnis. Sie wagt nicht, ihn darauf anzusprechen, zu groß ist ihre Sorge, ihn zu vertreiben.

Überhaupt ist sie geprägt davon, niemanden zu verschrecken, niemanden zu beleidigen, sie ist immer unglaublich zurückhaltend, vorsichtig, vorauseilend besorgt um den anderen. Vor allem um Nakajima. Ob sie ihn schon liebt? Ob das Liebe ist? Sie weiß nur, dass es gut ist, wenn er da ist.

Wir begnen der aufkeimenden Liebe zweier junger Menschen in Tokio, die sich in der anonymen Großstadt vorsichtig annähernd. Beide kommen aus ungewöhnlichen Verhältnissen. Sie, Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die eine Bar führt (oder vielmehr führte), er ... ja, ihn umhüllt eine tragische Geschichte. Auffällig ist nur seine tiefe Verbindung zu seiner verstorbenen Mutter. Etwas ganz unheimliches muss ihm passiert sein.

Irgendwann wird er fähig, sie einzubinden. Mit ihr zu einem Ort zu fahren, zu dem er sich schon lange nicht mehr hingewagt hat. An den See.


Banana Yoshimoto kann mit ihrer feinen, sorgsamen Sprache uns in die fragile Welt dieser jungen Menschen einführen. Nach Murakami nun die nächste Geschichte, die uns diesen Druck in der japanischen Gesellschaft vielleicht annähernd spürbar machen lässt. Zwei einsame Gestalten. Auch sie wollen ihr Glück finden.

Zum Unterschied von Murakami gibt es hier eine grundsätzliche Angst vor dem immerwährend gleichen Alltag. Ein großes Thema. Wie ein Leben gestalten, wo klar ist, dass der größte Teil Alltagsroutine ist? Banan a Yoshimoto vermittelt hier nicht die Sicherheit des Alltags, wie sie Murakamis Protagonis "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" findet, sondern ihre ständige Sorge, wie sie mit ihrem Freund durch diesen Alltag kommen soll.

Die Gleichheit, Beständigkeit, das ewig wiederkehrende in der Natur, im Jahreskreis, im Leben. Ein ganz wichtiges Thema im Leben Japans. Ist das das Thema des Buddhismus? Ist das oberste Priorität in der Erziehung in Japan? Finde dich ein, gliedere dich ein in das Immerwiederkehrende? Die philosophische Frage, an der der einzelnde bricht? oder wächst?


Banana Yoshimoto hat eine faszinierend feine Sprache. Ich habe mich stellenweise mit dieser übertriebenen Vorsicht der Protagonistin schwer getan, Ungeduld machte sich breit. Warum gar so viel Rücksichtnahme? Doch sie hat ihren Nakajima gut eingeschätzt. Er brauchte die Zeit, und ihre Geduld, sich zu öffnen. Den beiden ist eine gute gemeinsame Zukunft beschieden.

Auch sie hat ihren sicheren Platz gefunden.


Eine schöne, feine Liebesgeschichte über die Bewältigung der 20er Jahre eines Lebens. Richtungsentscheidungen, Beziehungsentscheidungen, Selbstreifung.


hier gleich besorgen: www.buchwelten.at



Keine Kommentare: