Sonntag, 19. Dezember 2010

Ein geschenkter Tag - Anna Gavalda

Erstens ist das Cover schon so schön - und genau das hält das Buch. Ein schönes Buch. Ein Buch wie ein entspannter Nachmittagsspaziergang, wenn alles in Ordnung ist.

Ein Buch, das von der Liebe zwischen Geschwistern erzählt, die sich für einen Tag aus ihren Verpflichtungen befreien und sich so benehmen, wie es früher war. Als sie noch als Kinder zusammenwaren, die sich aus ihren Erwachsenen-Realitäten rausreißen und es sich einen Tag lang gut gehen lassen.

Sehr empfehlenswert, wenn einem nach Entspannung und Frieden zumute ist.

Montag, 29. November 2010

Thomas Sautner, Fremdes Land


Thomas Sautner, Fremdes Land.

Wow. Sollte zur Pflichlektüre für alle Erwachsenen ernannt werden.

Die schleichende Entmündigung und Überwachung von Menschen durch moderne Technik. Die Ahnungslosigkeit und das fehlende Unrechtsbewusstsein einer herrschenden Kaste.

Menschen, in der Politik, die nur mehr von Schmeichlern umgeben sind, die den Bezug zu Menschenrechten, Persönlichkeits- und Freiheitsrechten verloren haben, abgehoben in Glaspalästen gesteuerte Marionetten von berechnenden Gierigen werden.

Sautner schreibt dies alles in einer Stille und Leichtigkeit dahin, die genau in den Kühlschrank passenden 7 Vitamingetränke, der Vorteil, immer elektronisch vernetzt zu sein. ... und dann kriecht die Kälte herauf.

Die herrschende Meinung, "Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich ja nicht zu verstecken", wird hier vorgeführt. Wie schnell man in die automatisierte Falle gerät. Big brother stand Pate, Fahrenheit 451 wohl ebenso.

Spannend, fesselnd, aufhorchen machend.

Ich konnte mich einen Nachmittag lang nicht losreißen. Ja, ein großer Roman.

Mittwoch, 24. November 2010

Die Sau. Ein voll arger Heimatroman


Also, wenn jemand wissen will, wie das so war, am Land. Bitte lesen!

kurz. gerade. echt. abstechen. innere flucht. kälte. verkapptenazis. tierliebe. überleben.

ja, was es noch hat. es ist eine Mischung zwischen echtem Leben erzählt von einem Linzer Satiriker (deshalb ist wohl die Sprache so messerscharf).
Und gleichzeitig erklärt eine Dekonstruktivistin was da eigentlich abläuft.

WAS ZUM LERNEN!!!

na dann los allerseits :-)

Montag, 22. November 2010

Buchpräsentation Jutta Treiber "Edi Dickstur und der Norz" am 4.12. in den buchwelten




JUTTA TREIBER
liest aus Ihrem neuen Buch
Edi Dickstur und der Norz
für Kinder von 8 bis 12 Jahren.

Am Samstag, 4. 12. 2010
Von 14.30 – 15.30 Uhr
in den buchwelten
Oberpullendorf, Hauptstraße 8

Anschließend laden wir Sie
zu Kinderpunsch und Lebkuchen ein

Ich freue mich auf Ihr Kommen!
Herta Emmer :-)

Mittwoch, 17. November 2010

David Grossmann - Das Gedächtnis der Haut


Grossmann erhielt heuer den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Er war mir bis dahin noch nicht zwischen die Lesefinger gekommen und ich wollte ihn kennenlernen.

Ein Buch, für das ich ziemlich lange gebraucht habe. Sicherlich habe ich es an die zwei Monate auf meinem Nachtkästchen liegen gehabt.

Bei Grossmann habe ich seit langem wieder wirklich aufpassen müssen. Er entzieht sich, bleibt verdeckt hinter seinen Figuren. Die Geschichten gleiten völlig ab in Fantasiewelten, wobei man am Ende nicht weiß, ob nicht beide Realitäten Träume sind.

Das Buch teilt sich in zwei Erzählungen, die in ihren vorgestellten Personen nicht zusammenhängen. Sie werden verbunden vom Thema "unabänderliche Liebe" "Liebe bis zur totalen Abhängigkeit".

Mir hat der zweite Teil mit der Mutter-Tochter Beziehung besser gefallen, wobei ich fast nicht mehr begonnen hätte. Der zweite Teil - "Das Gedächtnis der Haut" erzählt von intensiven Körpererfahrungen, von Vernachlässigung und Ausgeliefertsein.

Was für Grossmann spricht ist seine Intensität; Ich hatte aber zwischendurch immer wieder Anwandlungen, dass mich jetzt gar nicht mehr interessiert, wie es weiter geht. Einerseits, weil es vordergründig absehbar war und andererseits, weil ich - vor allem im ersten Teil - diese Kompliziertheit und Verschlossenheit nicht nachvollziehen konnte.

Vielleicht aber blieb mir Grossmann einfach verborgen und ich entdecke ihn später in meinem Leben wieder.

Dienstag, 2. November 2010

Isabel Allende, Die Insel unter dem Meer



Die Insel unter dem Meer ist jener Zufluchtsort, an den sich die Sklaven der Zuckerrohrplantagen im 18. Jahrhundert hinwünschen. Ihre Lebenserwartung ist generell kurz, nur wenige schaffen es zu grauen Haaren, es ist die Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XVI.

Europa war wohl wirklich sehr mit sich selbst beschäftigt. Nach der französischen Revolution ändert sich auch auf Saint-Domingue (später Haiti)einiges, das Abendland diskutiert gleiche Rechte für alle Menschen.

In den Sklavenkolonien völlig undenkbar, da Sklaven Eigentum, Ware, sind.

Anhand der Hauptdarstellerin, Zarité, einer Mulattin, erzählt Allende die Geschichte der Schwarzen und Mischlinge, der Amerikaner und der Pflanzer, den hochherrschaftlichen Spaniern und Franzosen, so flüssig, fesselnd und menschennah, dass man nicht aufhören kann zu lesen.

Das Buch ist schön geschrieben - Allende übertrifft sich wieder einmal selbst.

Montag, 25. Oktober 2010

Solo - Rana Dasgupta



Wie immer - plötzlich stehe ich da ohne Lektüre in der Tasche. Also nackt. Mein bis dahin aktuelles Buch habe ich spontan weitergeschenkt, man will ja jemandem eine Freude machen.

Eine Süchtige braucht Stoff, diesen findet sie in Frankfurt während der Buchausstellung in einer Buchhandlung. Komisch, sich als Buchhändlerin ein Buch in einer andern Buchhandlung zu kaufen. Dieses Gefühl ist doch tatsächlich ganz neu. Ich entdecke dieses Buch, beim Streichen über viele Buchdeckel muss ich dann dieses nehmen. Warum weiß ich nicht, aber es fesselt mich von Beginn an.

Bis jetzt, wo ich es doch gleich bis zur Mitte gelesen und den zweiten Teil mangels offener Augen (dringende Schlafbedürfnisse haben sich vorgedrängt) dann doch in einigen Tranchen - stückweise - zu lesen gezwungen war, bis jetzt also kann ich nicht genau sagen, was es ist mit diesem Herrn Dasgupta, der mir so plötzlich zwischen die Lesefinger kam.

Das Buch liest sich einfach so schön dahin. Ruhig, immer weitertreibend erleben wir die Geschichte eines Mannes im zehnten Jahrzehnt seines Lebens. Ein wohlhabendes Kind in bürgerlichen Kreisen des beginnenden 20. Jahrhunderts. So nebenbei erleben wir die Geschichte Bulgariens (mich erinnert dies ein bißchen an Mazurka, der Roman Polens, den ich vor ca 100 Jahren gelesen habe). Bis zur ersten Hälfte ist die Geschichte durchgängig, von diesem jungen Mann, der sich immer treiben ließ und die Frage wird laut: "Was ist ein gescheitertes Leben?", hier einer, der nie seiner Begabung gefolgt ist und trotzdem - da ist keiner Bitternis.

Der zweite Teil stellt einen völligen Bruch dar, so brutal, dass ich vorerst gar nicht das Bedürfnis hatte, weiterzulesen. Aber die Erzählform, die Sprache trägt so sanft. Nun doch. Eine völlig andere Geschichte breitet sich aus, Gegenwart, Aktualität, Unmittelbarkeit. Warum dann Ulrich (der Protagonist des ersten Teils) plötzlich wieder auftaucht, bleibt mir schleierhaft. Ich hab wohl den Sinn des Buchs nicht verstanden. Als ob er sich in den zweiten Teil hineinträumen würde. Am Ende aber - und das hält den Roman zusammen stellt sich wieder die Frage: "Was ist ein gescheitertes Leben?" Können Umstände die Unmöglichkeit des eigenen Wegs entschuldigen? Wie ist das mit denen, die einfach nur Überleben wollen?


Ja, wo ich doch dachte, ich hätte keine Worte für diesen Roman. Vielleicht erklärt er einfach den Osten. Und die Menschen, die dort leben. Vielleicht einfach nur das Leben in einer Region, die wir nicht so gut kennen. Einfach nur das Leben.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Anton Zimmermann - Lebenslauf


BUCHPRÄSENTATION und SIGNIERSTUNDE Anton Zimmermann


Anton Zimmermann
Lebenslauf

oder Das Rad Der Zeit

Erzählungen



BUCHPRÄSENTATION
Donnerstag, 28. Oktober 2010, 19.00 Uhr

Oberpullendorf – Rathaussaal

7350 Oberpullendorf, Hauptstraße 9

Musikalische Umrahmung: Clara Frühstück (Klavier)

Dem Autor gelingt es eindrucksvoll in spezifische soziale Sphären einzutauchen und spannende Geschichten zu erschaffen. Seine Erzählweise und Sprache dringen in Dimensionen vor, die Staunen und Schaudern machen. Äußerst dicht und anschaulich präsentieren sich Lebenswelten, die nur an der Oberfläche unauffällig und alltäglich erscheinen. In sie hineingehend werden Obsessionen, Leiden und Leidenschaften sichtbar, die auf Menschen allumfassend wirken und ihr Leben bestimmen können.

Signierstunde:

Samstag, 6. November 2010, 11.00 – 12.00 Uhr

Oberpullendorf – Bücherstube, 7350 Oberpullendorf, Hauptstraße 8




Buchbestellung: direkt bei mir - buchwelten office@buchwelten.at oder 02612-42251
Preis: € 24,-- (zzgl. Versandspesen) / ISBN: 978-3-901757-95-2 Pick It!

Dienstag, 24. August 2010

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Gleich einmal vorweg: Mit Kochen hat dieser Roman gar nichts zu tun. Sondern mit Tataren, ein Volk jenseits des Ural.

Diese neuen Autoren aus dem Osten, jetzt Alina Bronsky (deutsche Autorin russischer Abstammung), davor schon kennengelernt habend Marina Lewycka (britische Autorin ukrainischer Abstammung) begeistern mit ihrer neuen Art, eine (Armuts)-Realität in vordergründig leichte, beschwingt daherkommende, dabei aber beinharte und stellenweise Entsetzen-hervorrufende Familiengeschichten zu packen. Dies erlaubt, einen schnellen Lesefluss (eine Nacht) und ein gleichzeitig aus den eigenen Tiefen heraufkriechendes Entsetzen.

Kalt-warm.

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche ist ein Roman über eine dominante Frau, Mutter, Großmutter, die ein Leben in einer Großstadt jenseits des Urals meistert. Sie als alleinige Beherrscherin des Alltags, der sich Mann, Tochter und Enkelin chancenlos ausgeliefert sehen, schafft es in den sozialen Rahmenbedingungen des russischen Kommunismus ihre Familie durchzubringen.

Diese Großmutter ruft nun doch ambivalente Eindrücke hervor. Vor allem aber zeugt dieser Roman von der pragmatischen Brutalität in einem Nicht-Wohlstands-Umfeld. Keine Zeit für Sentimentalitäten.


LESEN!

Empfehle wirklich, sich die Geschichte nicht genauer erzählen zu lassen. Das nimmt die Spannung in der Begleitung durch die Lebenswirrenentwicklung.

Theo - Antworten aus dem Kinderzimmer



Theo! Endlich ist er wieder da! Schon der Vorgänger "Theo und der Rest der Welt" hat bei uns zuhause wahre (Vor)Lese(tränenlach)Exzesse geliefert.

Theo ist das entzückendste Baby, Kleinkind, Trotzkind, das wir kennen. Alles, was er erlebt, wie Glattauer es beschreibt, ist die liebevolle Darstellung der wahren Erlebnisse mit einem neuen Erdenbürger.

Theo, was wir auch wissen, für die Geschichte und den Lesegenuss, ist es aber nicht unbedingt so wichtig, ist der kleine Neffe von Daniel Glattauer und Daniel Glattauer ist sein frischgebackener Onkel. Eine Familie bekommt ein Baby. Und alle machen mit.

Theo, das sind kleine Sager, die in der Theo-Fangemeinde bereits auf kurze Wortspiele "gemmaBillakaufen", "Das ist der Rolfdertutdirnichts", oder "Banane!" mit Augenzwinkern und stillem wissenden Lächeln reagieren.

Und jetzt wieder; plus Theo als Jugendlicher und nun Interviewer des Onkels. jaja, die Jugend. Keine Gnade vor der Würde das Alters.

Ein Klassiker, ein Kinder-Erwachsenen-Lese-Vorlese-gemeinsamLach-Buch, voller Liebe zu Kindern. Für alle, die selbst Kind waren, solche groß gezogen haben und mit Theo nun die vielen Hoppalas, Verzweiflungen, Erziehungs(not)stände nocheinmal durchleben wollen. Auch sehr zum Vorlesen der eigenen älteren Kinder geeignet. (Damit sie wissen, welche Monster sie auch waren! Und was sie erwartet :-))





Was man sonstnochwo über Theo - Antworten aus dem Kinderzimmer schreibt:

Hanser Verlag: "Theo ist der Neffe von Bestseller-Autor Daniel Glattauer. Bei seiner Geburt fasste sein Onkel den Entschluss, das Kind beim Älterwerden zu beobachten und zu beschreiben, wie es die Welt der Erwachsenen für sich erobert. Einmal jährlich erschienen Porträts des Ein-, Zwei- und Dreijährigen. Mit drei gab Theo sein erstes Exklusivinterview. Danach war bald klar, dass sein Mitteilungsbedürfnis noch lange nicht gestillt sein würde. Nach Theos vierzehntem Geburtstag wurden die Rollen getauscht und das gemeinsame Projekt würdig abgeschlossen: Theo führte ein Revanche-Interview mit Onkel Daniel. Eines der witzigsten, herzerwärmendsten Bücher, das je über Kinder geschrieben wurde."

Der Standard: "Daniel Glattauer: Theo. Antworten aus dem Kinderzimmer

Daniel Glattauer begleitete seinen Neffen Theo von dessen Geburt bis zum 14. Geburtstag. Die ersten Schritte, das erste Interview mit 3 Jahren, die alltägliche Eroberung der Welt durch ein Kind - beobachtet durch den geübten Menschenkenner und stilsicheren Wiener Autoren. Bestellen Fr. 24.90 - Home Groß werden mit "Theo"
23. Juli 2010, 17:39

Daniel Glattauers Geschichten über seinen Neffen Theo liegen nun als Buch vor und geben erneut kluge "Antworten aus dem Kinderzimmer"

Die Kinder der Mediengeneration haben es nicht leicht. Kaum dass sie frei gehen können und noch lange, bevor sie verbal in der Lage wären, sich gegen ihre Vereinnahmung zur Wehr zu setzen, müssen sie schon für die Selbstdarstellung ihrer Eltern herhalten.

Pointenreich werden die kleinen Quälgeister in Kolumnen der Lächerlichkeit ihrer hippen Eltern preisgegeben oder von ihren Vätern, die sich gerne als tollpatschige, um Lesersympathien heischende Ritter der Windelmühlen zeigen, in Selbsterfahrungsbüchern auf den Markt geworfen. Dass hier unter dem Vorwand der saloppen Erziehungsteilung erst recht wieder am konservativen Bild der Geschlechterrollen gemalt wird, ist ein anderes Thema.

Können sie erst einmal sprechen, werden die Kinder in einem prekären Arbeitsverhältnis von ihren schreibenden, bloggenden Erzeugern als Gag-Lieferanten ausgebeutet. Man darf gespannt sein, wann hier die ersten Urheberrechtsklagen auftauchen.

Es gibt aber auch einen Glückspilz unter diesen unfreiwillig früh im medialen Rampenlicht stehenden Kindern: Theo hat keine öffentlichkeitsehrgeizigen Eltern, sondern einen Onkel, der schreiben kann. Einen Onkel, der als Journalist einen respektvollen Umgang mit seinen lebenden Rechercheobjekten pflegte. Der sich 1995 mit noch viel größerem Respekt seinem neugeborenen, zweieinhalb Kilo schweren Neffen nähert. "Wie wäre es, einen Menschen zu beschreiben, der gerade erst begonnen hatte, ein solcher zu sein. Und ein Jahr später wieder, da wäre er dann schon wirklich wer ..." , schrieb der damalige Standard-Redakteur Daniel Glattauer in seinem ersten Theo-Porträt hier im ALBUM.

"Fefamü" ist Pfeffermühle

Und so geschah es: Zwölf Porträts folgten diesem ersten in den ALBUM-Weihnachtsausgaben, und eine immer größere Fangemeinde begleitete Theos Entwicklungsschritte. Wir hörten, nicht ohne den Stolz der Eltern und des Onkels zu teilen, Theos erste Worte, darunter höchst anspruchsvoll "Fefamü" für Pfeffermühle. Wir durften Jahr für Jahr miterleben, wie ein quietschfideles, aufgewecktes Kind groß wurde. Wir gingen mit Theo "Billa einkaufen" , fuhren mit auf Campingurlaub nach Bibione, freuten uns mit ihm über Nachwuchs im Meerschweinchenstall, später über gute Schulnoten und viele Tore für den SC Mauerbach.

Daniel Glattauer, der seit seinem Bestseller-Roman Gut gegen Nordwind ein vielsprachiges Millionenpublikum erreicht und seinen Job im Standard zum großen Bedauern der begeisterten Leserschaft seiner "dag" -Glossen inzwischen ruhen lässt, ist mit seiner Porträt- und Interviewserie, die nun mit den Geschichten Theo und der Rest der Welt aus dem Jahr 1997 als Buch bei Deuticke vorliegt, ein ebenso großartiges wie einzigartiges literarisches Projekt gelungen.

Dass dieses Projekt, Theos Kindheit in Literatur zu bannen, anders, besser geworden ist als vergleichbare Versuche, das Leben (eigener) Kinder journalistisch oder literarisch aufzuzeichnen, dass Glattauers Literaturprodukt Theo in seiner Subjektivität objektiv und allgemeingültig, dabei so authentisch, persönlich und liebenswürdig geworden ist, hat mehrere Gründe. Manche verantwortet der Autor, andere sein Protagonist. Glattauer sieht Theo von Beginn an mindestens als gleichwertigen Partner. Er nimmt schon den im Brutkasten liegenden Winzling für voll und nähert sich ihm mit Liebe und Ehrfurcht.

Jährliche Interviewtermine

Und das Wichtigste: Der Schriftsteller Glattauer ist gewissenhaft und flexibel in der Rolle des Dichters, der sich in den Dienst seiner Geschichten stellt und nicht umgekehrt. Er verändert sich mit seinem Titelhelden weiter, bereitet sich gründlich auf die jährlichen Interviewtermine vor, überlässt ihm Schritt für Schritt, Jahr für Jahr, immer mehr Gestaltungsmacht und Freiraum. Theo wird in keine Geschichten gezwängt, Theo ist die Geschichte.

Und Theo ist eine schöne, optimistische, eine witzige und spannende Geschichte - nicht nur für Eltern, bei denen die Lektüre Vorfreude auf die nächsten Schritte der eigenen Kinder schürt. Theos Geschichte erscheint manchmal wie mit Zeitraffer erzählt, so viel passiert in einem Jahr.

Eben noch entwickelte Theo listige Strategien der Auflehnung gegen das unbegreifliche elterliche "Nein!" , und schon kurz darauf begrüßt den Leser ein wacher, selbst- und medienkritischer Interviewpartner, der mit seinen klugen Antworten selbst gestandenen Philosophen etwas zum Kiefeln gibt und seine Rolle als Zeitungsstar souverän einzuschätzen gelernt hat. Theo ist prominent, er wird auf der Straße erkannt, und er hat sich aus seinem Ruhm das Beste herausgeholt. Er besitzt ein erstaunliches Einfühlungs- und Urteilsvermögen. Er ist, wie übrigens die meisten Gymnasiasten in seinem Alter, cool, tough und gelassen.

Als sich Theo 2007 13-jährig (vorerst) von seinem Publikum verabschiedete und den Rückzug ins Privatleben antrat, konnten wir beruhigt sein. Solange solche Kinder groß werden, brauchen wir uns um die Zukunft keine großen Sorgen zu machen. (Isabella Pohl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 24./25.07.2010)

Daniel Glattauer, "Theo - Antworten aus dem Kinderzimmer" . € 15,40 / 270 Seiten. Deuticke, Wien 2010 "

Dienstag, 27. Juli 2010

Nacktbadestrand



DIE FRAU IST 85!!!!!!!!!

Und daran müssen wir immer denken. Eine 85jährige, lebendige, selbstbewusste Frau leidet unter Schlafstörungen - das Gegenmittel: Sex.

Sie annonciert, "Frau, 85, sucht Partner für Sex" - und es melden sich Männer ab 19.

Das ganz besondere ist,
1. Wie sie sofort in Medias Res geht und völlig ungeniert über ihre Sexerfahrungen berichtet.
2. Dass Sex abseits von Schönheitsideal und Jugendwahn funktioniert
3. Dass Frauen auch jenseits der ? fühlende, lebendige, begierige, normale Menschen sind

Das Buch ist nicht jugendfrei. Das Buch ist nicht pornografisch. Das Buch ist nicht moralisch.

Dieses Buch zeigt eine Wahrheit einer einsamen Frau, die ihr Leben gut gelebt hat und die im Traum nicht daran gedacht hätte, nochmals mit einem Mann schöne Stunden erleben zu können. Sie ist auch im Umgang mit den verschiedenen Männern so - unspektakulär.

Prädikat: sehr lesenswert. spannend.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Christa Wolf, Kassandra



Was soll ich sagen. Kassandra. Die alles vorausgesehen hat. Die Menschen erkannt hat. In ihrem Unglück dazu verflucht, ungeglaubt zu bleiben.

Christa Wolf beschreibt diese Frauenfigur an ihrem letzten Tag, auf dem Weg zur Hinrichtung. Ihr Leben fließt an ihr, der Königstochter von Troja, die alle fallen hat sehen in diesem unmöglichen Krieg, begonnen und gesteuert von falschem Stolz und der Feigheit, zu den eigenen realen Möglichkeiten zu stehen.

Jedes Wort gesetzt. Jeder Satz ein Kunstwerk. Dauerhaft gültig ist dieses Werk, das oft im Leben gelesen werden kann. Weil eben so viele Sätze da sind, die man am liebsten rausschreiben möchte, sich an die Wand pinnen möchte, anderen von diesem einen Satz erzählen möchte, -


wunderbar. erhebend. gegenwärtig.

Sonntag, 20. Juni 2010

Wir Leistungsvereinbarer. Von Olga Flor.


Wir Leistungsvereinbarer
von Olga Flor | 18. Juni 2010, 18:55

Je begnadeter der Körper, desto günstiger die Versicherung. - Ist die Vernetzung der E-Card mit Fitnessclubs und Nahversorgungsketten nur mehr eine Frage der Zeit?

Redlicher Versuch einer SVA-Versicherten, daran zu glauben, dass der Kompromiss mit der Ärztekammer nur zu ihrem Besten ist - Von Olga Flor

underbar. Jetzt hat die SVA mit mir vereinbart, dass ich Leistungsvereinbarungen mit meinem Hausarzt vereinbaren muss, der die Einhaltung oder Nichteinhaltung derselben der gesetzlichen Pflichtkrankenkasse meines Vertrauens mitteilt. Da kann ich dann sehen, was mein Körper so leistet. Oder wie leistungsunwillig er mittlerweile ist.

Da setzt man mir so schlichte Ziele: gesund sein im Rahmen vernünftiger Normwerte, und was mache ich? Ich bin einfach gesundheitsleistungsunwillig. Selber schuld, wenn dann meine Kostenleistung steigt.

Gekoppelt an die geplante Vorratsdatenspeicherung meiner E-Card bieten sich übrigens schöne Möglichkeiten der Gesundheitsförderung. So kann man dann zum Beispiel feststellen, ob ich vielleicht zu viel frei verkäufliches Aspirin erworben habe (oder womöglich ein von einem anderen Arzt oder einer anderen Ärztin als meinem Hausarzt verschriebenes Medikament) und also vermutlich eingenommen haben könnte, und, wenn ich partout nicht damit aufhören will, erzieherische Maßnahmen in Form eines Pönalaufschlags auf meine Beitragsvorschreibungen ergreifen.

Leistungsvereinbarung ist ja überhaupt ein wunderbar euphemistisches Wort, denn vereinbart habe ich persönlich diesbezüglich gar nichts, mit keiner Kasse,

Die Vereinbarung wird selbstverständlich nur zu meinem Besten über mich verhängt. Und das nach der sogenannten vertragslosen Zeit, die den Pflichtversicherten der SVA gezeigt hat, wie ernst es der Kasse mit dem Einhalten ihres Vertragsteils (also der Erfüllung ihrer Leistungsvereinbarung gewissermaßen) ist: nicht sonderlich. Leistungsvereinbarung impliziert Hierarchie: Was mir recht sein muss, billigt die Kasse. Leistungsvereinbarung heißt Pflicht auf der einen und Kontrolle auf der anderen Seite, nichts weiter.

Wobei die allerbeste Leistungsvereinbarung aus Kassensicht die bezüglich meines zeitgerechten Sterbens ist (nach einer ausreichenden Zahl an Beitragsjahren und bevor zu viel altersbedingte Kosten den Leistungsausgleich bei Gegenrechnung meiner Beitragsleistung ins Schwanken bringt).

Alles schön und gut, aber warum so halbherzig? Warum koppelt man das nicht auch gleich mit den Kundenkartendaten des von mir bevorzugten Supermarkts?

Dann lassen sich sofort Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn ich zu viel zu Süßes, zu Fettes, zu Kaltes, zu Cholesterinhältiges, zu Alkoholisches oder sonst irgendwie nicht Opportunes nach Hause tragen will. Gleich beim Einscannen der Lebensmittelbarcodes, das ich zu meinem eigenen Besten gleich selbst mithilfe einer Self-Check-out-Kasse durchführe, kann man mich freundlich (akustisch oder optisch, ganz nach Geschmack, wobei die akustische Variante gleich eine pädagogisch wertvolle volksgesundheitliche Wirkung zeitigt) dazu auffordern, mir zu überlegen, ob der kurze Genuss tatsächlich höhere Beitragszahlungen rechtfertigt. - Eine rhetorische Frage, die ich, indigniert und mit gesenktem Blick, selbstverständlich zum Anlass nehmen werde, all die Pflichtkrankenkassenunverträglichkeiten im Supermarkt zu lassen. Wobei eine Ausgleichszahlung der Krankenkasse an die Nahversorgungskette für den Verdienstentgang natürlich locker drin ist, bei all den präsumtiven Leistungsansprüchen meinerseits, die sie sich durch das beherzte gesundheitspolitische Einschreiten Letztere erspart.

Na, also: Mit ein bisschen mehr strategischen Vernetzungen kann unsere neue Welt noch so viel schöner werden. (DER STANDARD Printausgabe, 19.6.2010)

Olga Flor, Jg. 1968, Physikerin und Schriftstellerin, lebt in Wien.




Dazu ist wohl nichts hinzuzufügen. Dank an Olga Flor

Mittwoch, 16. Juni 2010

"Der verletzte Mensch", von Andreas Salcher



Andreas Salcher habe ich zuerst live erlebt, bevor ich eines seiner Bücher gelesen habe. Wie soll ich sagen: seine Lesung war keine. Er hielt einen Vortrag über die systematische Erniedrigung von Menschen. Vordergründig (bzw. einladungsmäßig) war das Thema "Der talentierte Schüler und seine Feinde", Andreas Salcher aber sprach einen Großteil seiner Zeit über das aktuelle Buch "Der verletzte Mensch", sowie kündigte auch sein nächstes an.

Nichtsdestotrotz: selten ein derartig unwissenschaftlich (im Sinne von verständlich) und somit wohl populärwissenschaftlich (im Sinne von vielen Menschen zugänglich) geschriebenes Wort zum Thema "Überwindung von Verletzungen und wie kann man es schaffen, ohne Gramgesicht durchs Leben zu gehen" gelesen.

Besonders toll an ihm ist, dass sein Zugang lösungsorientiert (ohne simplen Tipps) und aufbauend ist. Ebenso toll, dass dies ein Buch ist, das wohl auch die männliche Halbkugel ansprechen kann, weil völlig frei von Esoterik.

Gleichzeitig ist "Der verletzte Mensch" auch gespickt mit Gesellschaftskritik sowohl in der Erziehungsfrage, als auch im Umgang mit älteren Menschen.

Ich würde es als lesenswert empfehlen, da es sowohl Hinweise für menschliche Reifung, als auch geharnischte Gesellschaftskritik, leicht lesbar und konzentriert in einem Buch anbietet.

Samstag, 5. Juni 2010

Dieses Kind braucht dich umso mehr


Hilda Halwachs beschreibt ihr Leben mit ihrem Kind ohne Arme. Contergan

Wie soll ich sagen. Es ist nun schon länger her, dass ich zu diesem kleinen Büchlein gegriffen habe. Mehr aus - wassollichjetztlesen - und - esdarfnichtzudicksein - Verzweiflung heraus. Ich bin zu diesem Zeitpunkt bei einer Buchpräsentation gesessen, die Veranstaltung im Hintergrund läuft gerade, Stille.

Also blättere ich die vorgestellten Bücher alle selbst durch. An diesem bin ich hängen geblieben.

Um es kurz zu machen: Diese einfache Frau schreibt, als würde sie dir gegenüber sitzen und dir ihr Leben erzählen. Und genau so bin ich in diese Geschichte hineingekippt. Ich habe zugehört.

Ergreifend. Bewunderung. und Tränen.

Wie sie, im Südburgenland, dieses Kind zur Welt bringt, die totale Verzweiflung, und dann dieses Aufraffen, ihr neues Leben mit diesem Kind ohne Arme zu leben. Und welch ein Kind!

Für alle, die glauben, an ihren Aufgaben zerbrechen zu müssen.

Sonntag, 2. Mai 2010

Ein fabelhafter Lügner



Sie, die 16jährige beschreibt ihre Familie. Die faszinierendste Gestalt - der Großvater.

Der, der Großvater nämlich, sich nach einem missglückten Selbstmordversuch in einem Krankenhausbett wiederfindet, umgeben von seiner schwangeren Frau, seiner schwangeren Geliebten und seiner Ex-Frau mit dem 10jährigen Gabor. Dies prägt bis zur Enkelgeneration.

Was am Anfang so skurill daherkommt entpuppt sich als Aufarbeitung einer jüdischen Familiengeschichte in Deutschland. Ausgehend von Ungarn und landend in Buchenwald. Die Erzählerin muss nämlich ein Referat über das KZ Buchenwald halten und da ihr jüdische Vorfahren nachgesagt werden, ist wohl sie prädestiniert. Die Familie trifft sich anlässlich des 100sten Geburtstages des verstorbenen Großvaters in Buchenwald, wo er im KZ war.

Viel Wortwitz, skurille Szenen, Menschen mit allen möglichen Spleens - und auch noch dieser Großvater, dessen Leben nicht zu ergründen ist.

Jedenfalls tolle Geschichtenerzähler hat diese Familie hervorgebracht.

Ich habe immer wieder über die Beschreibung von speziellen Familienszenen wirklich laut auflachen können. Wie es eben so einem pubertierenden Mädchen geht umgeben von selbstbewusster Mutter und starker Tante :-) kombiniert mit schrulligem Onkel.


Was mir an der neuen Literaturgeneration zur Aufarbeitung unsere Geschichte gefällt ist der Zugang über einzelne Personen im Jetzt, die ihr Leben und ihre Familie beschreiben. Und manche Leben und manche Familien haben nun mal diese Geschichte. Und diese Menschen leben auch ein Leben, in dem gelacht wird, in dem Kinder geboren werden, in dem geliebt wird. Nicht nur diese dramatische Aufarbeitung mit schrecklichsten Details und mit der großen Schuldkeule der früheren Jahre. Ich finde den Zugang über diese Romane unmittelbarer, verständlicher und damit auch "anschlussfähiger" (alte Systemikerdiktion ;-))

Freitag, 30. April 2010

Ich geh dann mal heim


Gestern also, da musste ich noch ganz schnell ein paar Bücher einpacken. Weil ich auf Reisen ging. Und ohne Bücher in der Tasche (oder wenigstens einem Buch in der Tasche) kann frau nicht auf Reisen gehen.

Wie schwierig! Hektik, schon fast zu spät für die Abfahrt - welches nehm ich. Will ich jetzt noch einen Roman, oder solls was kurzes lustiges sein - und da, weil ich schon so oft vorbei gehe und es mich immer wieder anlacht (habe ich mich doch schon auf dem Gebiet interessiert)- ok ich nehms mit; die Erzählung zum Österreichischen Weitwanderweg Bregenz - Wien.

Schon voriges Jahr habe ich medial die blog-Variante und den Start eines ganz-normalen-Menschen für diese Wanderung Bregenz - Wien verfolgt. Die Karte zu den österreichischen Weitwanderwegen liegt schon länger zuhause, aber wann denn soll ich das angehen.


Also jetzt: zurück zu gestern. Ich glücklich mit dem Buch in der Tasche starte die Zugreise nach Wels. Und fange einmal ganz kurz an. Das Buch ist so schön bequem gegliedert. Jeder Tag der großen Wanderung extra beschrieben. Wie kurzweilig! Axel Halbhuber (der Wanderer) hat so eine nette Sprache, er ist ein so normaler Typ und die Texte sind von einem lieben Witz getragen. Ich gehe als mit ihm mit. Tag für Tag. Schaue die Bilder. Verstehe die Sehnsucht und die (doch eintretenden) anderen Sichtweisen.

Dazu kommt die Offenheit des Autors, die leichte und gleichzeitig griffige Sprache. Wie unprätentiös es in diesem Buch menschelt. Wie unmoralinsauer die Eindrücke, die bei 60 Tagen Durchgehen einfach entstehen - einfach so eben - da stehen dürfen.

Das besondere an diesem Buch ist, dass es ein blog war. Und damit die Vergänglichkeit der web-Kultur diese Erfahrung nicht schluckt, wurde sie "verewigt". Eben als gebundenes Buch zum Angreifen herausgebracht. Jetzt kann man die Geschichte immer bei sich tragen.

Die Qualität des Buches. Das Buch ist durchgängig in Hochglanzpapier gedruckt, ein Bildband im praktischen Lesebuchformat.

- Ein tolles Buch über Naturerlebnisse. Weil es beides ist, eine Erzählung und ein Wanderführer. 5 Punkte auf der 5Punkte-Skala.

Und das Buch kommt auf die Liste "Für liebe Freunde ein bemerkenswertes Geschenk".


ps: übrigens habe ich das Buch gleich ganz ausgelesen. Gottseidank hatte die Öbb Verzögerungen, sodass ich bei der Rückfahrt ausreichend Zeit hatte auch noch die letzten Seiten fertiglesen zu können.


Wer es haben möchte: einfach mail an office@buchwelten.at
Wer kurz den Sprachklang von Axel Halbhuber anlesen möchte: http://axelwandertdurch.austria.info/tag/ich-geh-dann-mal-heim/


pss: Ich werde mich doch drübertrauen. Über den Weitwanderweg. Österreich ist zu erwandern. Auch für nicht-supersport-und-superprofialpinisten.

Dienstag, 27. April 2010

Dr. Hope - Deutschlands erste Ärztin



Für alle, die wiedereinmal ein Buch über eine starke Frau gebrauchen können. Unglaublich, wie ein junges Mädchen 1870 (!) das Unmögliche möglich macht. Sie studiert, ohne dass Frauen ein Abitur anerkannt bekommen, ohne dass Frauen als ordentliche Hörerinnen zugelassen sind, Medizin. Und sie schafft es, die Anerkennung als ordentliche Ärztin zu bekommen.

Auch privat lebt sie ein selbstbestimmtes Leben.

Da können wir Frauen im 21. Jahrhundert uns ein Scheibchen abschneiden.

Gleichzeitig ist die Geschichte der Ich-Erzählerin so flüssig und leicht geschrieben, dass ich einfach am Samstag Nachmittag hineingesunken bin und erst aufgehört habe, als - leider - nach 285 Seiten Schluss war.

Ich würde das Buch ab 14 Jahren empfehlen. Und zwar allen Menschen.

Donnerstag, 8. April 2010

Donna Milner, Der Tag an dem Marilyn starb


Ein Familienepos aus Kanada. Die Sprache einfach, jedoch lässt sich von Anfang an erahnen, dass da etwas lauert.

Marilyn, eine großartige Frau, die - und das bleibt doch bis zum Ende ungelöst - (un)freiwillig bei einem Gasunfall stirbt. Ihr Mann, traumatisiert zurückgekehrt aus dem 2. Weltkrieg, kann seine Erlebnisse und schrecklichen Erfahrungen aus der japanischen Lagerhaft in Hongkong niemals mit ihr teilen.

Die Ehe ist vordergründig stabil, die Liebe zwischen beiden stark. Doch als die alten Geschichten vor Ort lebendig werden, bricht etwas in Marilyn. Wir erfahren trotzdem nie, wie genau dies vor sich gegangen ist. Aber wir erfahren den Schmerz des Mannes, der seine Albtraumerlebnisse seiner Frau nicht mitteilen konnte. Am Schluss gibts große Versöhnung der Hinterbliebenen, wobei ich doch das Gefühl nicht loswerden konnte, dass die Autorin hier ganz schnell fertigschreiben musste. Schade, der showdown bildet den Hinkefuß dieses sonst ergreifenden und wissenserweiternden Romans.

Wiedereinmal eine Geschichte einer Traumatisierung, wiedereinmal 2. Weltkrieg aus neuer Perspektive. Ich dürfte da gerade eine Phase haben, die Schrecken des Krieges aus neuer Sicht erfahren zu müssen.

Das Buch liest sich leicht und flüssig, durch die kurzen Kapitel ist es auch für Nicht-Fress-LeserInnen gut geeignet.

Dienstag, 30. März 2010

die neuen Buchwelten wachsen

Am 1.4. - Gründonnerstag! - übernehme ich die Buchhandlung Hotz-Behofsits. Derzeit ist alles im Umbruch - neue Zeiten brechen an!

Vorerst einmal die Not-Info-homepage. Übernommen von der alten Hotz-Behofsits-site.
http://buchwelten.buchmedia.at/Aktuelles

Wir arbeiten daran. Der große relaunch braucht noch Weile. (frei nach dem Sager: Gut Ding braucht Weile)

Dienstag, 9. März 2010

Charlottes Traum



Ein ganz normales Mädchen wird aus ihrem schönen, ganz normalen Leben gerissen. Die Eltern trennen sich, völlig überraschend für Charlotte, das Haus wird aufgelassen, binnen eines Jahres dreht sich ihr Leben völlig um. Sie wiederholt die Klasse, dort ist sie Außenseiterin, wo sie in ihrer alten Klasse keine Probleme hatte, wird sie nun geschnitten, die Mutter, damals Vollzeitzuhause, geht jetzt arbeiten, die kleine Brüder sind lästige Verpflichtung.

Und dann auch noch, dass der einzige, der mit ihr spricht, das Klassenekel ist, ein "verhaltenskreativer" junger Bursch. Der zugezogene Italiener macht zum Schluss alles noch komplizierter.

Besonders gut gefällt mir die flüssige Sprache, die Kürze des Werks, wirklich lesbar auch für Nicht-Leseratten, und vor allem die Normalität der Akteure. Wie erfrischend, dass Jugendliche in ihrem Sein einfach sein dürfen. Ohne Koketterie, ohne Coolness, wie das alltägliche Leben eben so ist.

Empfehle ich auch als Klassenlektüre.

Samstag, 6. März 2010

Herta Müller, Atemschaukel



Wie die Katze um den heißen Brei bin ich um diese Geschichte herumgeschlichen. Zerrissen zwischen der Sorge, wieder mit dem belastenden Thema Lageralltag konfrontiert zu sein, wieder die Ungerechtigkeiten, die Mensch Mensch antut anzuschauen. Wieder all die Emotionen hochkommen zu bemerken und wieder die Anstrengung der Verarbeitung zu erleben.

Auf der anderen Seite die Magie dieses Werkes, dieser Magnetismus, den es ausstrahlt, dem ich nicht widerstehen kann.

Nun denn, es muss sein. Buch gekauft, geöffnet - und durchgelesen. Vier Stunden in einem Zug, dann hat meine körperliche Ermüdung gesiegt, der Schluss dann in Einteltranchen, immer wieder 2 Seiten zwischendurch, ganz schnell hergenommen, das Buch nicht weglegen können, bei mir tragend, endllich die Erleichterung, sie ist in mir. Die ganze Geschichte aufgenommen.

Meine Angst vor extreme Gräulichkeit, wie ich es aus KZ-Lagerbüchern kenne, vor Albtraumbildern unbegründet. So etwas ist mir noch nicht passiert. Distanziert und gleichzeitig im Erzähler erleben wir mit, sind wir der Protagonist, der mit 17 Jahren als deutscher Rumäne in ein russisches Arbeitslager deportiert wird. Wie er überlebt durch die Vorstellung seiner schrecklichen Begleiter, für die er da sein muss. Hungerengel, Atemschaukel, Zementsack, Schlacke.

Sein Leben bleibt auf alle Zeiten von diesen 5 Jahren gezeichnet. Schweigen und Distanz sind in ihn eingebrannt.

Zu Recht hat Herta Müller hiefür den Literaturnobelpreis bekommen. Danke für dieses Werk.

Die Symphonie des Augenblicks



Das Buch ist so leicht, wie das Titelbild erahnen lässt. Ich habe es gerne als Nachtlektüre gelesen, in seiner stillen Sprache, in seiner Einfachheit der Erzählform.

Es geht um die Kunst, jeden Tag zu leben. Um den eigenen Weg, der vielleicht aufgrund äußerer Umstände oft holprig, gefährlich und überraschend ist, jedoch immer bei sich zu bleiben ist die Kunst, die die Hauptperson hier vorlebt.

Ich habe es nicht fertig gelesen, da ein lieber Mensch, dem ich vorgeschwärmt habe, dann unbedingt auch das Buch lesen wollte - und so habe ich ihm eine Freude gemacht und es gleich weitergegeben. Ich hoffe, er erlebt die Lesezeit mit diesem Buch ebenso entspannend und interssant wie ich.

Die Arche von Boyd Morrison



Ein Thriller aus dem Amerikanischen mit dem Nachteil, nicht mehr aufhören zu können. Flüssig geschrieben, die Geschichte sehr spannend, beginnt so leicht und unschuldig und wird dann - ja man könnte wohl den Eindruck haben, man bekäme Verfolgungswahn - immer dichter und schneller.

Der Autor hat gut recherchiert, der geschichtliche Hintergrund - es geht um die Arche Noah und ihr Auffinden - erfreut, auch die Studien über neue tödliche Krankheiten beruhen auf Recherchen zu aktuellen Krankheitsbildern.

Somit spannendes Lesevergnügen mit Lerneffekt!

Dienstag, 23. Februar 2010

autofasten

autofasten
gestaltet sich am Land als schwierig. Mangels Alternativen im Öffentlichen Verkehr sind die eingesparten CO2-Mengen gering.

Die Fußkm machen nun mal nicht die Menge aus.

Aber: jeder Schritt zählt!

Freitag, 12. Februar 2010

Alles über Sally von Arno Geiger




Arno Geiger muss wohl einmal eine Frau gewesen sein. und wagt sich über die Geschichte einer langjährigen Ehe. und lässt fließen.

Sally, reif, lebendig, bunt, verheiratet, glücklich, Kinder, Beruf, Familie, fragt sich, wurde doch bürgerlich?!, lebt mit dem Alltag, gelangweilt, dann ein abrupter Schnitt, der Einbruch im Haus, sie räumt ihn weg, ihr Mann verzweifelt. Sie beginnt eine Liaisoin - beendet sie wieder. Dann der plötzliche Schwenk zu Sallys Mann. Wie wichtig ihm Sally ist. Die Ehe besteht.

"Alles über Sally" wird wohl ein Klassiker werden.

Das Buch wurde ja mittlerweile hymnisch besprochen.
Siehe auch:
kurier
orf
Hanser


Frankfurter Allgemeine:
Alles über Sally

Wie viel Untreue darf’s denn sein? Der Österreicher Arno Geiger erzählt in seinem neuen Roman Szenen einer langen Ehe.

„Alles über Sally“ ist ein psychologisches Kabinettstück für zwei plus einen - und ein feines Stück deutscher Gegenwartsliteratur, urteilt Rezensentin Felicitas von Lovenberg. Arno Geiger gelingt es zu zeigen, was Paare zusammenhält, auch wenn Neigungen und Umstände dagegensprechen.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Arnon Grünberg, Gnadenfrist



Ein Mann, der glaubt, sich nicht mit der Realität um ihn herum beschäftigen zu müssen. Ein Mann, der auf sich konzentiert in den Tag hineinlebt. Ausgeglichen, ruhig, glücklich.
Ein Mann, der immer gut damit gefahren ist, keine eigene Meinung zu haben.

Dieser Mann wird plötzlich vom Leben eingeholt.


Dieser Roman kommt ganz lieblich daher, gleichmäßig, bis dann nach und nach ...

Montag, 25. Januar 2010

Martin Suter, Der Koch



Begonnen hat das ganze damit, dass ich im Wartezimmer der Ärztin keine Lektüre hatte außer dem Lesegeschenk für meine Freundin. Da habe ich nun einfach angefangen, im Geschenk zu lesen.

Leider konnte ich das Buch dann nicht herschenken, da ich nicht mehr aufhören konnte - ich musste es sogar zwischen anderen angefangenen Büchern sozusagen "Dazwischenlesen". Genuss, Liebe, exotisch-erotisches Kochen, immer noch einmal umblättern müssen, in Erwartung eines höhepunktlichen Schlusses seiend - der übrigens das einzige zu Bekritelnde ist - ganze Nacht und den ganzen Morgen durchlesend.

Jedenfalls eine wunderbare Zwischendurchlektüre. Und bitte gleich zwei Stück nehmen, damit die Freundin auch gleich eines bekommt ;-)

Sonntag, 24. Januar 2010

Isabel Allende - Von Liebe und Schatten



Habe mich nun in Isabel Allende, ihre Sprache, ihre Leseleichtigkeit, die Unmittelbarkeit verliebt.

Von Liebe und Schatten ist eine tiefgehende Geschichte einer jungen Frau, die unbeschwert, mutig und offenherzig in den Wirren der Diktatur gerade bleibt. Für alle, die sich ein Stückchen Mut und Zivilcourage abschneiden wollen.