Dienstag, 13. Februar 2018

Das Päckchen. Von Franz Hohler

Das Päckchen
Das Päckchen.
Franz Hohler.
Roman. Verlag Luchterhand.

1. Franz Hohler kann man immer lesen.
2. Bücher aus dem Luchterhand-Verlag kann man auch immer lesen.

Beides bürgt für Qualität.

Natürlich habe ich es gleich mit nachhause genommen. Das Buch. Als es bei uns in der Buchhandlung angeliefert wurde. Und auch am selben Abend angefangen. Aber da waren noch ganz viele andere auf dem SUB. (Stoß ungelesener Bücher) und auf dem SAB (Stoß angelesener Bücher).

Begonnen habe ich im November. Fertiggelesen im Dezember. Jetzt schreibe ich darüber. Was sagt das über mich aus?
Erzählt habe ich es schon. Bei Radio OP, dem Minderheiten-Regionalradio, in dem ich jeden Mittwoch ein Buch vorstelle. Nur niedergeschrieben nie. Zum niederschreiben braucht der Mensch Muße. Muße bedeutet, sich verinnerlichen, konzentrieren, einlassen, Sätze kommen lassen.

Heute ist Faschingdienstag, ein Tag an dem ich zuhause bin. Im Burgenland ist Ausnahmezustand und ich lebe zurückgezogen. Das Geschäft ist geschlossen, weil Ausnahmezustand. Oberpullendorf ist eine große Faschingsgemeinde (ups -Stadt)

Aber jetzt einmal zum Punkt kommend. Das Päckchen. Von Franz Hohler.

Es beginnt mit einem Telefonat. Er, der Bibliothekar hört eine Telefonzelle läuten (ja, so etwas gibt es noch. Jedenfalls in der Schweiz. Auf Bahnhöfen). Er sieht sich um. Verwundert. Wen ruft eine Telefonzelle an? Niemand hebt ab.

Er weiß heute noch nicht, was ihn motiviert hat (oder welcher Teufel ihn geritten hat), zum Telefon zu gehen, den Hörer abzunehmen und "Hallo" zu sagen.

Eine alte Frau spricht mit ihm. Sie glaubt, er sei ihr Verwandter, er kann es ihr nicht ausreden und schon ist er drinnen in der Geschichte. Er muss wohl zu ihr gehen, es scheint ihr schlecht zu gehen. War das nicht die Verpflichtung jedes anständigen Menschen? Was würde seine Frau sagen? Er würde sich etwas überlegen.

Er, der brave Bibliothekar rutscht in eine Geschichte hinein, die ihn erstmals in seinem Leben dazu bringt, zu lügen, seiner Frau die Wahrheit zu vertuschen, in der Arbeit früher zu gehen. Verhalten, das er niemals an den Tag gelegt hat, ja das ihm völlig fremd war.

Es geht um ein geheimes Buch. Eine Originalschrift, gesucht von dubiosen Männern. Die Frau drückt es ihm in die Hand. "Nimm es und versteck es, es ist wertvoll". Es wurde vor vielen Jahren bei einer Bergtour gefunden, in einem Tagebuch beschrieben, der Besitzer würde ein reicher Mann werden. Doch wie Besitz eines verschollenen Originals erklären? Wie dies auch beweisen?

Parallel sinken wir in das Mittelalter ein. Wir begleiten einen Schreiberling. Den, der das Werk vollbracht hat. Die Zustände, die Lebenswelten. Liebe, Verrat, Krankheiten. Und kommen wieder hoch ins 21. Jahrhundert.

Doch wie die Geschichte wirklich ausgeht und was das mit Bergsteigen zu tun hat, kann ich leider nicht ausführlicher erzählen. Immerhin muss man die Spannung erhalten ...

Einfach zum Selberlesen.


Eure
Herta Emmer
Lesen tut gut.

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Montag, 12. Februar 2018

Mitgift. Paul Michael Zulehner


Das Buch habe ich vor längerer Zeit schon gelesen und meinen Dank für den Text Paul Zulehner auch geschickt. Ich habe es über ein Jahr lang nicht veröffentlicht. Dabei ist es so gut. Vielleicht ein bißchen pubertär begeistert besprochen. Doch was schadet Begeisterung? Mut. Begeisterung. Tatendrang. Das ist doch, was wir alle wollen und brauchen. Auch Buchhändlerinnen.
Deshalb jetzt doch. Mitgift.

Sehr geehrter Herr Zulehner

Gerade habe ich das von Ihnen empfohlene Buch "Mitgift" fertig gelesen. Von Anfang an, gleich als Sie mir dieses überreichten, hatte ich das Gefühl, sie möchten mir etwas damit sagen. Einen Wink geben. Einen Hinweis liefern. Ein Rätsel entwirren.

Doch welches?

Natürlich vermutete ich unser vorangegangenes Gespräch. Wir saßen am Signiertisch und unterhielten uns, vielmehr tauschten wir Sätze aus, zwischen den vielen Bitten, Wortteilen, Hinweisen, Ermutigungen, Freudbekundungen, die seitens der Zuhörerschaft an Sie herangetragen wurden.

Doch blieb Zeit. Für den einen oder anderen Satz.

Wie sehr hätte ich meine Zunge in Zaum gehalten, hätte ich gewusst! Wiedereinmal ist mir meine offene Ahnungslosigkeit zuvor gekommen und ich habe mich ganz normal mit ihnen unterhalten. Nicht wirklich wissend. Mit wem! Welche Geschichte!

Dass ich es mit einem Kapazunder zu tun habe, das war mir schon klar. Immerhin hatte ich ihrem Vortrag gelauscht. und wie. Verdurstet und verhungert man doch. Hier. Immer wieder. Und ist froh, einen geistig gedeckten Tisch vor sich zu haben. Welch Labsal.

Nun. Ich bin eine Leserin. Ich darf mich wohl so nennen. Auf meinen Tischen, Nachtkastln, Fußböden, leeren Plätzen in verschiedenen Regalen stapeln sich Bücher. Solche die "angelesen" sind, solche die gelesen werden wollen, solche, die wirklich ganz sicher weitergelesen werden, solche die ausgelesen sind aber noch nicht besprochen. Ich lese für gewöhnlich an mehreren Projekten gleichzeitig. Hier ein Fachbuch, dort eine Zeitschrift, auf diesem Stapel Literatur in Form von Leseexemplaren (also vor Erscheinen), wieder an anderen Plätzen Bücher, die ich schon immer lesen wollte, AutorInnen, von denen ich mehr erfahren will. LieblingsschriftstellerInnen.

Mal wird das eine fertig, dann das andere. Und dazwischen gibt es solche, die ich öffne, und die dann diesen bestimmten Drang ausüben. Der bedeutet: ein Drängen in einem, wieder hinzugehen, früher ins Bett als sonst, weiterlesen, mehr erfahren wollen, nicht rausgehen aus dem Text, aus der Geschichte. Immer weiter. Mit zugefallenen Augen warten, ob sie nochmals aufgehen, damit man weiterlesen kann.

Nun. Ihr Buch "Mitgift" gehört zu dieser Sorte. Zuerst hatte ich noch das andere
Gott ist größer als unser Herz von Ihnen in der Hand, reingelesen, immerhin hatte ich mir das selbst ausgesucht, dort auf dem Büchertisch, um eine Signierung (Signatur ist es ja wohl nicht) zu bekommen. Lächelnd zuhause festgestellt, dass  schon ein Exemplar vor dem Bett liegt (vielmehr daneben. Der Sicherheitsstoß. Wenn er fällt, dann nicht mir auf den Kopf.)

Und dann zu "Mitgift" gegriffen. Ich könnte Ihnen nun unterstellen "hellsichtig" zu sein. Wahrscheinlich empathisch, lebenserfahren, das ganz sicher.

Ihre Erzählungen zu ihrem Leben. Kirchengeschichte pur. Am Anfang wie ein Geschichtsbuch. Für mich erhellend, vieles habe ich nur am Rande mitbekommen. Hier tun sich Erkenntnisse auf. Zusammenhänge werden klar. Politik! Macht!

Gleichzeitig ihr persönlicher Zugang. Wie wenig Sie über Ihre Erfolge und wie viel über ihre schmerzlich erfahrenen Ablehnungen schreiben. Tröstlich. Wir alle müssen lernen, mit Ablehnung umzugehen. Teil des "Chaos Lebens". Ihre Zitate. Mein Gott sind Sie gescheit!

Und die Berührung. Arbeiten und Lieben.
Mein Leitspruch. Arbeiten und Lieben sind eins.

Doch Hellseher.

Ich habe einen sehr feinen Mann gesehen. Fleißig. Wie hatte ich doch letztens erst mit jemandem besprochen, wie sehr Heimaufenthalte ein Kind zur Disziplin erziehen. Ich bin da wilder aufgewachsen. Die umfassende Bildung, die deutlich wird - ein Vorbild. Auch ein Lebensziel. Als Mensch wachsen. Reifen, vertiefen.

Die schönen Vergleichsbilder, die Sie zeichnen. Immer auch die Kunst zeigend. Lyrik, die Beziehung zu Musik. Die Kunst macht uns zum Menschen. Sie zeigt uns die Möglichkeit, dass es etwas Größeres gibt. Mehr als Alltag, mehr als Abwicklung und Funktionieren.

Und ihr Mut. Mutige Menschen müssen sich einer steiferen Brise stellen. Feigheit kann sich durchschummeln. Blutige Nasen haben Sie sich genug geschlagen. Und weitergegangen. Vorbildhaft.

Lieben. Gott ist der All-Eine. Die Liebe.

Ja, ich sehe vieles wie Sie. Die Menschen, die für Gott keine Kirche brauchen. Sie wissen mehr als ich. Ich kann nur erahnen, erfühlen, beobachten, sehen. Nur dieses kleine Umfeld wahrnehmen. Immer in der Gefahr, die Scheuklappen würden zu groß, die Selbstbezogenheit im Biotop zu undurchlässig, zu überzeugt. Das Bild von den "dicken Krugwänden". Eingeprägt.

Sie haben auch "aufgemacht". Nicht nur den beweisbaren, sichtbaren, belegbaren Teil der öffentlichen Arbeitswelt, auch - oft nur sehr am Rande erwähnt - den Zugang zur Mystik.
Zu einer Mutterwelt. Das empfangende und gebärende, das intuitive und fühlende. Wie schwer es ist, das anzunehmen in einer rationellen Welt, die nur messbares und beweisbares glaubt und für voll nimmt.

(Als Frau doppelt schwer, ist doch die Gefahr der "Hysterie-Ecke" zu groß - nämlich dort hineingestellt zu werden, nicht mehr als ganzer und denkender Mensch wahrgenommen zu werden. Der Kampf ist schnell verloren.)

Sie als Wissenschaftler! Und dann das! Wie Sie dem Skandal die Stirn bieten. Sie haben nichts zu verlieren? Schon zu viel verloren und damit die Freiheit, so zu sein? Ich werden noch mehr von Ihnen lesen.

Und Sie haben noch etwas aufgemacht. Ihre verborgene, intime Seite. Die Betroffenheit; gleichzeitig - und immer sofort - rauf auf den Feldherrenhügel, den Zusammenhang ansprechen, das gesellschaftspolitische Umfeld. Vom Kleinen ins Große schließen. Ja, so geht es vielen. Ja, dafür kämpfen ist wichtig. Dafür, dass Institution nicht kaputt macht. Dass Liebe viel größer ist, und niemals böse. Nicht der Teufel reitet uns. Gott schenkt uns. 

Was ich abschließend erwähnen möchte. Heute ist Donnerstag, der 2.3.2017. 23:21 Uhr. Vor genau einer Woche habe ich Sie kennengelernt, haben wir miteinander gesprochen.

So schnell geht es, wenn ein Buch, ein Text einen nicht mehr loslässt. (Obwohl dazwischen Fasching war, Verpflichtungen, Termine, Arbeitswelt.)

Ich danke Ihnen für die "Mitgift".

Herzlichst
Herta Emmer

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