Sonntag, 24. September 2017

Ein guter Mensch. Von Jürgen Bauer.

Ein guter Mensch
Ein guter Mensch
Jürgen Bauer
Verlag Picus.

Jürgen Bauer beschreibt in seiner Dystopie einen Mann, der sich bereit erklärt hat, als Wassertankfahrer anderen Menschen zu helfen.

Wir leben in Mitteleuropa. Es hat seit ewigen Zeiten nicht mehr geregnet. Selbst jetzt, im Frühling ist die Erde schon ausgetrocknet. Nur zeitweise kommt Wasser aus der Leitung, dann ist es aber grauslich und braun und stinkt.

Wasser sparen ist das Gebot der Stunde.

Die Lokale haben geschlossen, da sie das Geschirr nicht mehr abwaschen können. Auf den Wiesen sitzen arme Menschen, sie nennen sie "Die Durstigen". An der Stadtgrenze, eingepfercht in Lager die Hitzeflüchtlinge. Ihnen bringt er Wasserrationen.

Die Welt steht vor dem Kollaps. Die Reichen haben sich schon in die Berge oder in den Norden abgesetzt. Nur wenige sind da geblieben. Er zum Beispiel. Er findet, es können doch nicht alle einfach weggehen. Man muss doch auch vor Ort etwas tun.

Und er benimmt sich so, wie es erwartet wird. Er gibt niemandem, der sich nicht regelkonform an der Wasserausgabestelle angestellt hat. Auch nicht, wenn diese alte Frau kollabiert. Was soll er tun. Er hat seine Vorschriften. Und die sind streng.

Seine geliebt Frau ist weggegangen. Darüber kommt er nicht hinweg. Er folgt ihr auch nicht. Immerhin hilft sie ihrer Familie im Süden. Wer geht schon in den Süden? Waldbrände, noch größere Armut, noch weniger Wasser. Man hört auch von wilden Horden, die raubend und mordend durch die Gegenden ziehen.

Abends treffen sich die letzten Freunde abseits der Stadt. Man kennt sich schon lange. Jeder in seiner Welt gefangen. Darf man Hoffnung schöpfen?

Eine Gegenbewegung schürt Unruhe in diese schlimmen Zeiten. Sie verbrauchen Wasser! Sie schwimmen, sie schütten wertvolles Trinkwasser aus, sie demonstrieren. Sein Freund schließt sich auch diesen Wahnsinnigen an. Ganz irre wirkt er schon. Oder ist es die Hitze?

Er wirft seine letzte Blume weg.


Jürgen Bauer schreibt einen flüssig zu lesenden Roman über eine Möglichkeit der Zukunft, die nicht so weit weg erscheint. (Brände in Südeuropa, Wasserrationierung in Rom, ...)

Aber was er noch in diesen Roman legt ist die Frage: ist Wasser tatsächlich knapp oder verdienen da einige wenige an der Not von vielen? Stimmt es, was die Wahnsinnigen sagen? Und ist die Selbstgerechtigkeit des guten Menschen berechtigt?

Sehr lesbar ab 15. Das ist ein Roman für Erwachsene!

Ich habe ihn gelesen, als er gerade ganz heiß war. Im Sommer. Passte sehr gut. Not der Menschen gepaart mit autoritären Verbrechensregimes, begleitet von korrupten Mitläufern. Schöne Aussichten.


Ihre Herta Emmer

im buchwelten online-shop erhältlich. Und natürlich in der Buchhandlung selbst! :-)


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