Montag, 12. September 2016

Tony Soprano stirbt nicht.

Antonia Baum. Tony Soprano stirbt nicht.

Hoffmann und Campe

Tony Soprano stirbt nicht wurde mir bei einer Buchempfehlungs-Veranstaltung vorgestellt. Neben zig anderen. Viele kommen dann auf die Liste "Will ich jedenfalls lesen". Viele davon sind körperlich in die Buchhandlung gekommen (auch dieses), manche körperlich zu mir nach Hause, davon einige aufs Nachtkastl, und Tony Soprano stirbt nicht wurde in einem Zug gelesen.

Mich begeistern einfach Geschichten, die so aus dem "ich" kommen. Antonia Baum beschreibt den schweren Unfall des Vaters, der unverletzlich, stark und unnahbar ist. In diesen Stunden und Tagen, Fahrt zum Unfallkrankenhaus, stehen vor dem Bett, warten, in all dieser Zeit durchlebt unsere Protagonistin das Leben mit ihm, dem Vater.

Und der Frage, was ist ein angemessenes Verhalten, wie würden sich die Sopranos verhalten, inwieweit haben wir noch Zugang zu uns, und inwiefern haben wir Verhalten über Serien gelernt? Wie ist es richtig? Was können wir erwarten? Wie sollen wir uns verhalten? Im Angesicht des Dramas.

Ihre Gedanken ziehen sich durch diese Zeit, bis die Lösung (Erlösung) kommt.


Von dem Buch war/bin ich begeistert wie selten. Es ist ganz dünn, aber unglaublich dicht geschrieben, gleichzeitig in einer sehr leichten, persönlichen Sprache, geerdet und in Träumen sich verlierend. Selbstbeobachtend und niemals im jetzt. Immer mit dieser speziellen Distanz.

Sehr genussvoll. Antonia Baum werden wir uns merken.


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