Sonntag, 10. Juli 2016

Das Geräusch einer Schnecke beim Essen.

Elisabeth Tova Bailey, Das Geräusch einer Schnecke beim Essen.

Vor einigen Jahren war dieses Buch ein Bestseller. Ich habe es damals nicht gelesen, aber jetzt ist mir das Hörbuch zwischen die Finger gekommen - bei einem meiner Rundgänge durch die buchwelten. Da mäandere ich so, einmal hier, einmal da. Dort reinlesen, da etwas entdecken, hier etwas sortieren, dort, nachschlichten, mal ein Buch rausnehmen, lesen, einen anderen, besseren, geeigneteren Platz finden, zurückstellen, durchschauen, entdecken. Immer wieder Neues finden, immer wieder Lust bekommen. Mitheimnehmen. Tisch, Regal, Tasche, Nachtkastl, Schreibtisch, UntermBett. Alle möglichen Plätze anfüllen mit dem, was spannend sein könnte.

Und so ist "Das Geräusch einer Schnecke beim Essen" als Hörbuch in meine Tasche, von dort aufs Nachtkastl und später in den CD-Player auf ebendiesem gelandet.

Ich habe sie in vielen Nächten, vielen Tranchen gehört. Auch deshalb, weil; etwas Vorgelesen bekommen, das ist so ziemlich die schönste Art, einzuschlafen ;-) .

Immer wieder zurück, nochmals anhören, die schöne Vorlesestimme von Barbara Stoll genießen, und die Geschichte verinnerlichen.

Die Geschichte einer Frau, die eine nicht genau definierte Viruserkrankung hat. Genau definiert ist nur die Auswirkung dieser Viruserkrankung: Muskelschwäche, Bettruhe. Sie ist ans Bett gefesselt, aus dem schnellen, turbulenten, lauten Leben hinauskatapultiert. Und zwar für eine sehr lange Zeit.

In "Das Geräusch einer Schnecke beim Essen" beschreibt sie ein Jahr, in dem sie im Bett liegt, unfähig sich selbst zu versorgen, unfähig aufzustehen, und eine Schnecke beobachtet, die sie von ihrer Freundin bekommen hat. Die hat sie ihr mitgebracht. Aus einem naheliegenden Wald.

Das liegende. Das spiegelt sich hier wieder. [Wie man nach der Reform der Reform der Deutschen Rechtschreibung nun das Liegende oder das liegende schreibt, weiß ich gerade nicht. Was mich übrigens sehr verstört, da ich seit der Reform der Reform eine Rechtschreibschwäche bei groß- und Kleinschreibung habe.]

Nun, auch unsere Protagonistin hängt ihren Gedanken nach. Und den Beobachtungen. Wussten Sie, dass eine Schnecke, Vierecke aus den Blättern frisst?

So vieles [groß/Klein] wissen wir nicht.

Und was ist jetzt das Besondere daran, einer Frau in ihrer Gedankenwelt zuzuhören, die sich einliest in die Geschichte der Weichtiere, ihren Ursprung, ihre Verteidigungsmechanismen und da einen Zugang zur Langsamkeit bekommt. Langsam und stetig bewegt sich die Schnecke. Langsam und stetig verbessert sich ihre Gesundheit. Und das ist, was sie lernt. Zeit ist relativ. Zeit haben auch. Geduld ist eine Herausforderung.

Durch die Schnecke schafft sie es, mit ihrer Situation umgehen zu können. Das Interesse an etwas ist geweckt. Sie wird in diesem Jahr zur Schneckenspezialistin.

Ein sehr lesenswertes, natürlich hörenswertes! Buch. Eine faszinierende wahre Geschichte. Hören/lesen Sie es. Sie werden Ihre Freude daran haben. Langsamkeit ist auch ein Weg.

Ihre
Herta Emmer


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