Montag, 11. Juli 2016

Lesen ist cool!

Lesen ist cool!
Vom Vorlesen zum Selbstlesen
Zuerst erkannte ich das Buch (wieder). Immerhin bestelle ich meine Bücher halbjährlich und erfreue mich somit zweimal an jedem. Das erste Mal, wenn ich es sehe und kaufe und das zweite Mal, wenn es geliefert wird.

Was ist das für eines? Wo gehört es hin? Zu den Kindern? Und wenn ja zu welchen? Zu den Erwachsenen? Und wenn ja, in welches Regal? Zu den Ratgebern? Welches Alter?

Sehr schwierig. Ein Buch, das das Vorlesen bewirbt gehört überall hin. In die Baby-Abteilung. Denn dort beginnt das Vorlesen, in die Abteilung Familie, denn das Vorlesen inniglicht das Familienleben. Zu den Lesetipps, denn in diesem Buch sind viele Lesetipps. Zu den Bilderbüchern, denn da geht das Vorlesen langer Geschichten los. Zu den Ratgebern und Lebenshilfebüchern. Denn da ist ganz viel Lebenshilfe drin.

So war es dann auch. Die Bestellung wurde in Tranchen aufgeteilt und das Buch an möglichst vielen verschiedenen Plätzen in der Buchhandlung hingestellt. (Platziert wäre jetzt wohl zweimal das Gleiche [groß/Kleinschreibung])

An alle Lehrer: Ich hätte gerne eine Nachhilfestunde in Groß- Kleinschreibung!

Herrn Ulbricht habe ich in Leipzig (bei der Buchmesse) live diskutieren gehört, mit Bildungsexperten. Die Bildungsexperten waren fad und überheblich, aber Herr Ulbricht nicht. Er erzählt nämlich von der Praxis. Wie es ist, mit dem Kind im Bett zu liegen und nochmals in die Geschichten der eigenen Kindheit einzutauchen. Welche Lust es auch für den Vorleser macht (und er plädiert an die Väter, vorzulesen). Wie viele gute Gespräche wir aufgrund einer Geschichte mit den Kindern führen können, wie anhand von Helden der Bücher, Erlebnisse aus der eigenen Umwelt besprechbar, formulierbar werden. Vor allem für die ganz Kleinen.

Und was Arne Ulbricht auch noch macht: Er ergänzt mit einem Anhang der schönsten und besten Kinderbücher. Und das total subjektiv! Wie schön! Ein Schatzbuch!

Kaufen, Bücher nachschauen, eigenes altes Bücherregal durchforsten, neue Bücher dazukaufen, und dann - versinken. Hineinfallen in andere Welten.


Welche Leidenschaft!

Hier gleich besorgen www.buchwelten.at und im buchwelten-online-shop 

Und: Vorlesen, bis dich das eigene Kind aus dem Bett wirft. Das ist so mit 12/13. Dann ist es vorbei. Dann mag das Kind schon lieber alleine lesen. Und Mama braucht dann wirklich schon zu viel Platz und Papa vergisst immer mehr, bei den spannenden Büchern laut vorzulesen. (;.))


Sonntag, 10. Juli 2016

was fehlt dir?

Was fehlt dir?
Wenn du gehst . . . dann spürst du den Rhythmus der Erde unter deinen Füßen
Ecowin Verlag 2012

Ein Reisebuch. Der Versuch, sich dem Leben voll anzuvertrauen. Martin Weber hat "Der Mensch im Gleichgewicht" geschrieben und damit großen Erfolg gehabt. Ein einfacher Mann, der spät seine Fähigkeiten entdeckt, Heilung an anderen Menschen zu ermöglichen. Er wird von der Österreichischen Skinationalmannschaft konsultiert. Also, irgendwas muss da ja funktionieren, wenn die Profisportler seine Hilfe annehmen.
 
Und nun dieses Reisebuch. Gregor Sieböck und Martin Weber gehen los. Immer wieder innere feedback-Schleifen zu dem, was hier passiert. Wie kann man das aushalten, sich dem Leben anzuvertrauen.
 
Wen könnte das interessieren? Wer könnte das lesen?
 
In der Beschreibung durch den Verlag steht:
Auf der Suche nach der eigenen Bestimmung machen wir beide uns mit Weggefährten auf die Reise. In einer Welt, die hilflos erscheint, Konfrontationen friedlich zum Wohl aller zu lösen, sind wir bereit, im Kleinen damit anzufangen, Konflikte zu erkennen und uns damit auseinanderzusetzen.
 
Ja, das ist es wohl. Hinhorchen.
 
 
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Das Geräusch einer Schnecke beim Essen.

Elisabeth Tova Bailey, Das Geräusch einer Schnecke beim Essen.

Vor einigen Jahren war dieses Buch ein Bestseller. Ich habe es damals nicht gelesen, aber jetzt ist mir das Hörbuch zwischen die Finger gekommen - bei einem meiner Rundgänge durch die buchwelten. Da mäandere ich so, einmal hier, einmal da. Dort reinlesen, da etwas entdecken, hier etwas sortieren, dort, nachschlichten, mal ein Buch rausnehmen, lesen, einen anderen, besseren, geeigneteren Platz finden, zurückstellen, durchschauen, entdecken. Immer wieder Neues finden, immer wieder Lust bekommen. Mitheimnehmen. Tisch, Regal, Tasche, Nachtkastl, Schreibtisch, UntermBett. Alle möglichen Plätze anfüllen mit dem, was spannend sein könnte.

Und so ist "Das Geräusch einer Schnecke beim Essen" als Hörbuch in meine Tasche, von dort aufs Nachtkastl und später in den CD-Player auf ebendiesem gelandet.

Ich habe sie in vielen Nächten, vielen Tranchen gehört. Auch deshalb, weil; etwas Vorgelesen bekommen, das ist so ziemlich die schönste Art, einzuschlafen ;-) .

Immer wieder zurück, nochmals anhören, die schöne Vorlesestimme von Barbara Stoll genießen, und die Geschichte verinnerlichen.

Die Geschichte einer Frau, die eine nicht genau definierte Viruserkrankung hat. Genau definiert ist nur die Auswirkung dieser Viruserkrankung: Muskelschwäche, Bettruhe. Sie ist ans Bett gefesselt, aus dem schnellen, turbulenten, lauten Leben hinauskatapultiert. Und zwar für eine sehr lange Zeit.

In "Das Geräusch einer Schnecke beim Essen" beschreibt sie ein Jahr, in dem sie im Bett liegt, unfähig sich selbst zu versorgen, unfähig aufzustehen, und eine Schnecke beobachtet, die sie von ihrer Freundin bekommen hat. Die hat sie ihr mitgebracht. Aus einem naheliegenden Wald.

Das liegende. Das spiegelt sich hier wieder. [Wie man nach der Reform der Reform der Deutschen Rechtschreibung nun das Liegende oder das liegende schreibt, weiß ich gerade nicht. Was mich übrigens sehr verstört, da ich seit der Reform der Reform eine Rechtschreibschwäche bei groß- und Kleinschreibung habe.]

Nun, auch unsere Protagonistin hängt ihren Gedanken nach. Und den Beobachtungen. Wussten Sie, dass eine Schnecke, Vierecke aus den Blättern frisst?

So vieles [groß/Klein] wissen wir nicht.

Und was ist jetzt das Besondere daran, einer Frau in ihrer Gedankenwelt zuzuhören, die sich einliest in die Geschichte der Weichtiere, ihren Ursprung, ihre Verteidigungsmechanismen und da einen Zugang zur Langsamkeit bekommt. Langsam und stetig bewegt sich die Schnecke. Langsam und stetig verbessert sich ihre Gesundheit. Und das ist, was sie lernt. Zeit ist relativ. Zeit haben auch. Geduld ist eine Herausforderung.

Durch die Schnecke schafft sie es, mit ihrer Situation umgehen zu können. Das Interesse an etwas ist geweckt. Sie wird in diesem Jahr zur Schneckenspezialistin.

Ein sehr lesenswertes, natürlich hörenswertes! Buch. Eine faszinierende wahre Geschichte. Hören/lesen Sie es. Sie werden Ihre Freude daran haben. Langsamkeit ist auch ein Weg.

Ihre
Herta Emmer


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