Samstag, 12. März 2016

Enigma. Von Eric-Emmanuel Schmitt


An einem Sonntag. Ich krame in meinen Regalen herum. Sortiere (was ich sehr liebe), schaue, gustiere, probiere aus. Im CD-Player läuft gute Musik. Die Welt steht still. Ein perfekter Sonntag.

Ich sortiere meine Hörbücher. Sortierkriterium. Schon gehört - noch nicht gehört. Da fällt mir Enigma in die Hände. Das habe ich mir noch nie angehört! Einmal reinhören.

Man muss grundsätzlich sagen, dass ich Erich-Emmanuel Schmitt sehr gerne lese.
z. B. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Nun mache ich etwas, das man als Buchhändlerin wahrscheinlich nicht machen sollte. Ich spreche über ein Hörbuch, das nur mehr antiquarisch zu besorgen ist. Aber was soll man machen? Die Geschichte, dieses Hörspiel ist zu gut, als dass man sie nicht erwähnten dürfte.

Enigma. Ein Journalist und ein Autor/Schriftsteller. Interview. Sehr distanziert. Der Autor unmöglich unfreundlich. Der Journalist bemüht sachlich. Unterhalten sich. Und in dieser feinen Sprache, in dieser verkrampften Szenerie schälen sie die Leben der beiden ab. Sie schälen sich Schicht um Schicht aus. Der Journalist lässt sich nicht vertreiben und treibt den Schriftsteller vor sich her.

Doch all das ist erst sehr viel später, im Laufe der Geschichte erfahrbar. Eine Spannung baut sich auf, ein Fragezeichen auf der Stirn. Was ist da los? Worum geht es? Woher diese Heftigkeiten? Warum geben beide nicht auf? Und dann doch. Abbruch. Weitermachen. Eine Lebensbeichte. Beide zeigen ihr wahres Gesicht. Niederschmetternd. Erleichternd. Kehrtwendungen.

Beide Männer lieben ein ganzes Leben die gleiche Frau. Der eine als Ehemann, der andere als heimlicher Geliebter. Doch die Wahrheit. (Kann leider nicht verraten werden, da sonst die Spannung aus der Geschichte weicht.)

Ich sitze jedenfalls gebannt vor dem Radio. Höre zu und versinke. Atemlos bin ich Szene für Szene dabei. Selten so gutes Hörspiel gehört. Gratulation an die beiden Sprecher Jürgen Hentsch und Winfried Glatzeder. GRANDIOS!!! Burgtheaterniveau! Dauer: 77 min.

Alain Delon sagt: "Eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe."

 Eric-Emmanuel Schmitt ist übrigens Franzose.

Ich besorge es gerne, für alle jene, denen jetzt das Wasser im Mund zusammengelaufen ist.
email an: office@buchwelten.at
Kommentar veröffentlichen