Donnerstag, 14. Mai 2015

Reise durch das Veneto Mai 2015

Vorab: Vielen Dank an meine Freundin Birgit Schatz, dir mir diesen Landstrich ans Herz gelegt hat. Das Brentatal vor allem.

Ich wusste nichts von dieser Gegend. Musste mich erst einlesen.

Meine Begleiter:
Freytag&Berndt Auto+Freizeitkarte Venetien. Udine. Vendig. Padua 1:150 000
Marco Polo. Venetien, Friaul. Verona, Padua, Triest.
Dumont. Gardasee.
Reise Know-How. Friaul, Venetien mit Gardasee
Michael Müller Verlag. Venetien.
Freytag&Berndt Autokarte Norditalien 1:500 000

Reiseführer und Landkarten sind wichtig!

Niemals hätten wir die Route zusammenstellen können, die passenden Hotels gefunden, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angegangen und erkannt.

Auch heuer wieder. Die ganze Familie geht on tour.
Das sind: Vater, Mutter, Sohn, Tocher, Er-Hund, Sie-Hund.
6 Lebewesen in einem Auto auf 5-Tage Kurzurlaub. Wird das gut gehen? Meine Sorgen, vor allem wegen zweier Hunde (!) erweisen sich als unberechtigt.

Wie üblich starten wir später als vorgehabt. Fahren länger als geplant, und bleiben unserem Individualismus treu. Fix waren: Venedig, Verona, Bassano del Grappa und Gardasee. Dass dann noch Vicenze, Padua und Chioggia dazukommen - der Weg ist das Ziel :-)

Also los geht´s. Wir starten am 1. Mai gegen 10.00 Uhr. Regen. Los geht´s, Venedig soll die erste Station sein. 6 Stunden später. Kurz vor Venedig. Regen. Wir beschließen, die Tour "von hinten" anzugehen. Also weiter nach Verona. Zuerst die weitest entfernte Stadt und dann nur mehr zurückfahren. Sehr gescheit. Das ist übrigens wirklich zu empfehlen, da dann das letzte Stück nach Hause wesentlich kürzer ist.

Verona. Ich lese schon 6 Stunden aus allen  Reiseführern vor. Besonderes liebe ich Michael Müller und Reise Know-How. Verona. Die Stadt von Romeo und Julia. Historischer Stadtkern. Alles Marmor. Die große Arena. Wow. Mit dem Auto eine Challenge. Viktor bricht der blutige Schweiß aus, bei der Zufahrt zum Hotel, das wir von unterwegs, telefonisch, aufgrund der Empfehlungen im Reiseführer gebucht haben. Zufahren darf man immer. Aber können ... Tuckern durch Fußgängerzongen (sind das Fußgängerzonen oder sind einfach so viele Leute auf der Straße?), engen Gäßchen (jetzt weiß ich, warum alle Vespa fahren), und dann taucht das Hotel auf! Parken darf man hier nicht. Wir bekommen eine Hotelkarte, damit darf man wenigstens überhaupt in der Innenstadt stehen bleiben. Wir finden tatsächlich einen Parkplatz mit blauer Linie. Stehen lassen. Angekommen.

Erster Abend in Verona. Am Piazza delle Erbe. Grandios. Lokale, Marktfeeling. Un Spritz per favor. Ich sollte Italienisch lernen.

Die Hunde sind relaxed. Hauptsache beim Rudel. Die Kinder sind es auch. Die Alten genießen den Abend. Wir bleiben einmal bis Sperrstunde und lassen das Leben fließen.

Der Samstag Vormittag. 2.5. Die Kinder schlafen. Hunde und Eltern gehen einmal los. Stolpern ins Julia-Haus. 9.00 Uhr früh. Niemand da. Wunderschön. Weiter geht es Richtung Arena. Wir wollen dort unseren Un Cafe trinken. Ich jedenfalls habe mich für Espresso entschieden. Verona. Jedes Plätzchen, jedes Haus, jedes Eckerl. Man möchte nur staunen. Rund um die Arena wird gerade für Aida aufgebaut. Riesige Kräne stellen monströse Theaterfiguren auf. Ein Stückchen weiter im Halbrund - Kartenausgabe für den Maraton, der am Sonntag, 3.5., stattfindet. Viele junge Menschen, Sportler, dort bildet sich eine Schlange zum Eingang der Arena. Wir steuern eines der Cafe´s an und genießen den Morgen. Wir sitzen auf der Piazza Bra. (Meine Reiseführer beschweren das Gepäck zwar ungemein, aber wir wissen wenigstens, wo wir sind, was wir sehen und wo wir als nächstes hingehen - so spricht die Reiseführerin Herta.)

Diese - die Reiseführerin will nun ans Wasser. Die Stadt ist in U-Form von der Etsch umschmiegt. Ein großer Fluss. Dort am Wasser - Romantik pur. Wir sehen die berühmte Brücke und verweilen an einem lauschigen Plätzchen. Wasser und Leute. Die Hunde brauchen eine Rast in Ruhe (Hunde sind da ganz toll. Die müssen zwischendurch rasten ;-))

Verona ist übrigens "Kulturerbe der Menschheit". Zu recht. Die Größe von Kunst und Schönheit ist erhebend.

Nun wandern wir die Etsch entlang zurück zu unserem Hotel, das in einer Seitengasse des Piazza delle Erbe liegt, holen die Kinder, versuchen gegen Mittag Romeo und Julia Haus zu besuchen - jetzt ist es sinnlos. Die ganze Gasse ist zugestopft. So then - der Gardasee wartet.

Wir entschließen uns, nicht die Autobahn zu nehmen, sonder auf der Bundesstraße SS11 zu fahren, alle Reiseführer empfehlen dies einstimmig. Leute, lasst es. So schauts bei uns auch aus. Stadtrandfeeling. Dazwischen Weingärten.

Der Gardasee, Samstag Nachmittag im Mai. Es ist was los, aber es geht. Wir haben ca 22 Grad Außentemperatur, die Sonne blitzt zwischendurch durch. Am Hafen von Lazise findet ein Markt statt. Wir kaufen ein. Salami, Grappe, Liköre, verkosten Käse, ... Amanda wiedersteht der Angst vor den gefährlichen Wellen und geht schwimmen. Viktor taucht die Zehen ein, Felix lässt Steine springen. Bongo und ich sitzen entspannt auf einem Felsen. Sehr romantisch, sehr entspannt. Urlaubsfeeling. Abends gönnen wir uns Fisch am Gardasee. Es findet sich ein nettes Fischlokal, die Hunde bekommen Wasser, wir Spritz. Das Leben ist schön.

Des Nächtens gehts zurück in unser Hotel in Verona. Gut, dass wir in der Stadt übernachten, da gibts wieder Möglichkeiten zum Durchschlendern, Sitzen in Bars. Für junge Menschen wie unsere Kinder heißts jetzt nocheinmal die Veroneser kennenlernen und ausgehen. Wir und die Hunde gehen beizeiten schlafen. Mitternacht ists trotzdem.

Am Sonntag heißts früh raus, wir wollen nach Bassano del Grappa, das übrigens nicht wegen der feinen Destillerie, sondern wegen des Monte Grappa, ein Vorläufer der Dolomiten, diesen Namen hat. Bassano del Grappa ist so schön, dass die Beschreibung in wilden Kitsch ausufern würde. Aber wir sind noch nicht dort. Auf der Fahrt - wir fahren über Vicenza - beschließen wir, diese Stadt nicht auszulassen und uns dort einen Kaffee zu holen. Nach kurzen Diskussionen - wir sind ja in der Wanderkluft. Die Wanderroute wurde von der ersten Reiseführerin bereits ausgewählt. (Kompass Wanderführer Bassano del Grappa und Monte Grappa). Egal. Hier kennt uns niemand. Wir halten in Vicenza. (Die Hunde müssen ja auch einmal Pipi) und gehen Richtung Innenstadt. Ein kleiner Park verhält uns. Enten schwimmen am Wasser, aus einem Renaissancebrunnen sprudelt Wasser. Wie schön ist es hier. Und dann der Hauptplatz! Sonntag. Schön angezogene Italiener, süße Kinder, Musiker. Alles Marmor. Die römische Markthalle haut mich um. Vielleicht ist hier der schönes Platz unserer Reise.

Übrigens: Italiener lieben Hunde. Wo wir auftauchen werden sie bewundert - Amanda: mille amore belissima! - Bongo: Kein Kommentar zu seinem Aussehen, dafür wird er ausgiebig gestreichelt. Er stellt sich schon einmal zu den Leuten und holt sich Streicheleinheiten ohne Ende. Amanda versteckt sich inzwischen. Sie lässt sich nicht so gern von fremden Leuten angreifen. Scheues Rehlein.

Wieder ein ausgezeichneter Kaffee. Langsam verlassen wir den Platz. Dort würde es sich aushalten lassen. Am Weg zurück zum Auto taucht ein großer Dom auf. Kerstin erklärt sich bereit, mit den Hunden draußen zu warten, so können Viktor und ich in die Kirche gehen. Groß. Schön. Der Kirchenchor singt. Weit oben über Marmorstiegen ein eigener großer Bereich für die Kurie. Kunst ohne Ende. Schönheit, die einen umwirft. Wir verweilen ein bißchen, können uns nicht losreißen. Nach der Messe gehen wir. Kerstin: Was habt ihr so lange gemacht? Ich stehe hier wie bestellt und nicht abgeholt. Was wahr ist.

Gut. Auto. Ab nach Bassano del Grappa. Die Mittagszeig kommt auf uns zu. Nach Vicenza gehts runter von der Autobahn und über Bundes- und Landesstraßen das Brentatal hinauf. Jetzt halten wir nirgends mehr. Bassano del Grappa. Auch hier. Tourismus, aber in Maßen. ich verliere komplett die Nord-Süd-Orientierung und führe die Truppe in die Stadt, anstatt an die Brenta. Was aber in dieser Gegend niemals ein Verlust ist. Stadtzentrum von Bassano. 1a. Diskussionen mit dem Herrn Sohn , der die Richtung nicht verloren hat. Wir beschließen, ihm zu folgend. Da ist sie schon. Die erste Aussicht auf den Fluss. Die Brenta. (Auf dem Weg hierher, während der Autofahrt habe ich vorgelesen. Ein heiß umkämpftes Gebiet im 1. Weltkrieg. Hier fanden die Isonzo-Schlachten statt. Die Gegend gedenkt an vielen Stellen ihrer Gefallenen. 12 km Gebietsbewegungen kosteten Hunderttausenden Italienern und Österreichern das Leben. Krieg ist schon pervers.)

Auch auf der Brentabrücke Gedenkkränze, an einem verschwiegenen Plätzchen ein Denkmal zum ersten Weltkrieg. Das junge Mädchen, das ihren Soldaten verabschiedet. Ein treffendes Motiv. Trennungsschmerz.

Bei den Grappadestillerien und Verkaufsständen ist viel los - wir gehen einmal essen. Sehen von der Brücke aus ein Lokal direkt am Wasser - dort müssen wir hin. Wir sind die einzigen Gäste in einem riesigen Speiselokal, sitzen im Freien, schauen auf Wasser und Brücke. Essen großartig. Wie übrigens überall in Italien. Verweilen. Ruhen. Schauen.

Das mit dem Wandern wird wohl nichts, jetzt ist es schon 3. Hauptsache wir haben das Wanderhoserl und die Turnschuhe an. Jetzt gehts einmal Grappa verkosten. Diskussion. Links oder rechts der Brücke? Indoor oder Outdoor. Felix setzt sich durch - ab in ein Pub. Dort gibt´s aber keinen Grappa sondern dunkles Bier. Was soll´s. Wir packen die Schnapskarten aus, ein kleines Bauernschnapserl am dunklen Holztisch, dazu ein dunkles Bier. Wer kann sich da verweigern? Wer hat gewonnen? Ich weiß es nicht mehr. Aber jetzt, es wird schon spät, noch in die Grappadestillerie. Viel verkosten ist nicht mehr. Die Mutter ist schon lustig. Also ein Stamperl geht noch, dann die ganze Flasche (zur Ehrenrettung. Im Pub gabs als Nachspeise dann doch Grappaverkostung) gekauft. Zurück zum Auto. Ab nach Chioggia. Wir wollen doch das Meer sehen! Die Strecke ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn alles in Venetien in moderaten km-Abständen ist, über die Bundesstraße runter von Bassano nach Chioggia zieht sich. Chioggia wird auch deshalb angefahren, weil wir uns die romantische Lagunenfahrt nach Vendig am Montag geben wollen. Doch. Im Zentrum haben die Hotels noch geschlossen, am Strand. Bettenburgen. Gack. Wir gehen an den Strand, Kerstin hält die Zehen ins Meer, ein kleines Kaffeetscherl, für die Hunde Wasser. Wir beschließen - wir brechen hier ab und fahren nach Padua. Gottseidank!

Wenn jemand glaubt, es ist schwierig, mit dem Auto in die Innenstadt von Verona zu fahren, dann war er noch nicht in der Innenstadt von Padua! Viktor und sein neues Navi. Eine Roman für sich. Navis sind für italienische Innenstädte nicht gebaut. Das Hotel, das wir von unterwegs anrufen - wieder eine Empfehlung aus den Reiseführern - (sie sollten sich Michael Müller Verlag merken!) - nimmt uns gerne auf. Wir sind DIREKT im Zentrum. Wieder Piazza delle Erbe (Erbsenplatz gibts hier überall ...) hier geben wir auf. Das Navi völlig entnervt, verirrt in der Vielfalt der Möglichkeiten, hat den Offenbarungseid leisten müssen. Der Hotelpage läuft ums Eck - da ist schon unser Hotel. Gottseidank. Gelandet. Im jüdischen Viertel. Koffer rauf, Füße kurz hochgelagert. Frisch gemacht. Es ist schon spät, aber in die Stadt gehen wir schon noch! Sonntag Abend. Wir schlendern über den Piazza delle Erbe, vorbei am Markthaus zur Piazza delle Frutta. Was soll ich sagen. Vor lauter schönen Lokalen weiß man nicht, wo man sich hinsetzen soll. Un Spritz per favor. Das Leben leben. :-)


Heute nicht zu lange. Montag ist Venedig Tag. Mutter und Hundefrau Amanda fallen ins Bett. Was war so anstrengend? Ein paar Zeilen noch gelesen (Ich habe hier mit Amos Oz "Judas" angefangen, weil ich Dörte Hansens "Altes Land" im Auto verlegt hatte.) dann geht es ab ins Land der Träume.

Da Venedig mit dem Auto fast nicht, von Padua mit dem Schiff gar nicht anzufahren ist, haben wir noch am Abend (Die Frau Reiseleiterin hat immer mind. 2 Reiseführer dabei!) beschlossen, nach Venedig mit dem Zug zu fahren. Die Verbindung Padua-Venedig ist großartig.

Montag früh. Wir sind nicht die einzigen, die auf diese Idee gekommen sind. Der Bahnhof von Padua ist: wie soll ich sagen, ohne mich zu wiederholen. Schön, stilvoll, sauber. Die Bedienung im Restaurant. Freundlich, der Bahnhofskaffee ausgezeichnet. Ich liebe dieses Land!

Wir ziehen am Automatischen Schalter unsere Tickets, für die Hunde nehmen wir sicherheitshalber zwei Kinderkarten, man will ja nicht in Schwierigkeiten kommen, setzen uns in den Zug und sind 20 min. später am Bahnhof von Venedig. Rausgehen. Der Vaporetto wartet schon. Und vor ihm viele Leute in Schlange. Heute ist der 4. Mai und so viele Leute in der Stadt!.

Warten ist nicht Viktors Stärke. Dabei belassen wir es jetzt.

Mit dem Vaporetto Nr 1 (Empfehlung aus dem Reiseführer - der fährt langsam und man sieht einmal den ganzen Canale Grande in Ruhe) gehts gelassen und langsam zum Markusplatz. Der hält wirklich an jedem Misthaufen. Schiebt zurück, die Turbinen mahlen das Wasser. Das sind ungewohnte Geräusche. Jetzt ist es Stress für die Hunde. Wir hätten mit der schnellen Linie kein Problem gehabt. Und: ein Verkehr ist da!

Ausstieg Markusplatz. Da waren wir schon einmal mit den Kindern, da waren sie im Kindergartenalter. Wie romantisch. Auch damals sind wir ins Lokal am Platz gegangen. Wo niemand sitzt... Und das hat seine Gründe! Ein 50er für Getränke - das muss es einem schon wert sein! Wir sitzen wie die Könige in der Loge und schauen uns einmal das Treiben an. Heute ist ein trüber Tag. 22 Grad. Perfekt für Stadtbesichtigung. Es ist schon was los, aber nichts gegen den Sommer.

Was Venedig ist. Außer schön, großartig, faszinierend, Gesamtkunstwerk, freundlich, verschwiegen, überraschend. Es ist sauber. Sehr sogar. Es ist wie aufgewaschen. Kein Fuzerl liegt irgendwo herum. Die Kanäle schillern blaugrün. Es riecht nicht.

Wir essen Pizza. Wie überall. Ich konnte mich gar nicht sattessen an den italienischen Pizzen. Eine Gaumenfreude! Wir trinken Spritz. Wir schlendern vom Markusplatz über verwinkelte Gässchen und Brückchen zurück zum Bahnhof. Den ganzen Tag lang. So ein Genuss. Hier kaufe ich erstmals auch wirklich ein. Andenken, Murano-Glas-Artikel, Touristenshopping eben. Die Ansichtskarten, die ich in Venedig in den Postkasten geworfen habe, sind übrigens nicht angekommen. Die, die ich in Verona in den Postkasten geworfen habe, waren 3 Tage später in Österreich. Aber warum solls mir anders gehen als anderen ... (Hallo Susi!)

Am Abend am Bahnhof von Venedig. (Mit heute beginnen die Fußsohlen zu rebellieren). Der Zug kommt nicht. Es kommt überhaupt keiner. Wir sehen, dass auch die Züge, die aus dem Westen (Verona, Padua) kommen sollen, Verspätung haben. Wir setzen uns beherzt in den Fernzug nach Rom und hoffen ... Alles geht gut. Padua ist die erste Station. Schnell raus. Schnaufen. Wir sind wieder da. Sonntag Abend. Padua. Unser letzter Abend auf dieser Reise. Das sollten wir doch schon noch feiern. Also. Ab ins Hotel. Frisch machen. Kurzes Aufschnaufen der Alten. Viktor und Herta könnten durchaus um 22.00 Uhr auch schon im Hotel bleiben. Nichts da. Die Jugend besteht auf den letzten gemeinsamen Abend. Los dann. Wir ziehen durch Paduas Straßen. Diesmal nicht Piazza delle Frutta, woanders hin. Bis wir endlich wo sind, ist es 11.00 Uhr. Sie geben uns trotzdem noch was. Freundlich sind sie, die Italiener.  Nach Mitternacht geben Viktor, Herta, Bongo und Amanda w.o. Tut was ihr wollt. Wir müssen ins Bett.

Dienstag, 5.5. unser Jubliäumstag. Die Hunde kommen zu den Kindern und Viktor und ich machen uns auf, die Kirchen der Stadt Padua zu besichtigen. Der heilige Antonius von Padua ist der Schutzherr der verlorenen Dinge und der Ehe (was das wohl noch für Konnotationen zulässt!), dort wollen wir hin. Und die Gebeine des Evangelisten Lukas. Das sollten wir auch nicht verpassen. Durchs jüdische Viertel. Eine Unmenge an jungen Menschen. Diese Stadt ist so lebendig! Runter zum größten Innerstädtischen Platz Europas (?) Prato delle Valle. Dort ist uns aber zu viel Remmidemmi. Aber auch die große Basilika di Santa Giustina. Ausladend ist eine grobe Verhamlosung. Die Basilika aus dem 16. Jahrhundert beherbert 28 Kapellen in Seitenschiffen! U.a. großartige Gemälde, die Kapelle des Evangelisten Lukas, eine großartige Pieta, .... Nonnen gleiten singend vorbei. Arg. Arge Energie. Am Grab der Santa Giustina wirds mir zu intensiv. Wir verlassen die Basilika.

Denn unser Hauptziel ist ja die Basilica di Sant'Antonio. Dort sollen wir eine Familie vor der Basilika fotografieren. Von wo wir kommen? Österreich. Ach! Sie haben 40 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet. Deutschland hat ihnen alles gegeben! Schönen Tag noch! Alles Gute!

Hier ist Tourismus. Ein bißchen Mariazell. Überall werden Kerzen verkauft. Die kann man dann vor dem Denkmal des Heiligen Antonius in einen eigens dafür vorgesehenen Marmorbottich legen. Stil haben sie, die Italiener. Und dann sieht man auch, warum. Die Leute hinterlegen ihre Wünsche und Sehnsüchte, Dankesbriefe in der Kapelle des heiligen Antonius. Es gibt Plexiglasurnen, in die man die Briefe werfen kann. Gut durchorganisiert. Bewacht.

Wir lesen. Intensivwallfahrtsort. Millionen von Besuchern. Da braucht es schon eine gute Organisation, dass die Besucher und Wallfahrer nicht alles verunstalten. Schön ist es hier. Es gibt Plätze für die Durchreisenden und abgetrennte Plätze für die, die beten wollen. Beeindruckend. Tiefgehend. Und wie immer. Große Kunst. Große Schönheit.

Jetzt heißts aber zurück zu den Kindern, es ist schon Mittag! Kerstin hat im Zimmer Hundedienst gemacht, Felix war schon shoppen. Irgendwann muss man ja in Italien auch einmal richtig shoppen gehen! Jetzt ist Kerstin dran. Los! Karte von Mutter. Gönn dir was Schönes! Mutter jedoch hat mittlerweile elektrische Fußsohlen, setzt sich ins Cafe Pedrocchi und rührt sich nicht mehr vom Fleck. Dazu ist zu sagen. Das Café Pedrocchi ist eine Institution. Wir haben Sonnenschein, es wird wärmer. Rund um das Café Einkaufsmeile. Gut so.

Um zwei fahren wir ab. Heute ist unser letzter Tag. Ciao bella Italia!

Im Hotel sind die Koffer hinterlegt, wir gehen zum Auto, ach da ist wieder ein Denkmal, wieder ein Park, wieder ein Regierungs(?)Gebäude. Too much. Jetzt geht es heim. Den Plan, in Udine noch stehen zu bleiben verwerfen wir, in der zweiten Reihe wird tief geschlafen. Aber dass wir wenigstens einmal in Italien Nudeln essen, das muss schon noch sein! Wir halten am Fuße des Nassfelds. Skigebiet. Jetzt nichts los. Dafür gute Luft, eine Pizzeria, sie sprechen Deutsch. Spaghetti, Pizza. Zum letzten Mal dieser Geschmack. Das kurze Füße vertreten nach 3 Stunden Fahrt tut gut. Die Hunde trinken das gute Bergwasser nicht. Ab ins Auto. Jetzt fahren wir durch. Fast. Einmal noch irgendwo Kaffee. Diesmal aber bitte nicht auf der Pack! Immer die Pack! Gut, erstmals Halt bei Graz. Füße vertreten, Pipi machen. Alle bitte. Um 10 sind wir zuhause. Uff.

Und jetzt habe ich eine Woche gebraucht um dieses Gewurl in meinem Kopf zu sortieren. So viele Bilder, so viele Eindrücke, so groß die Kunst, so klein der Mensch.






Altes Land. Von Dörte Hansen

http://www.buchwelten.at/list?back=9f8b22aa8e4f725549bc147442fe83e0&xid=251660
Altes Land. Von Dörte Hansen

Die Flucht aus dem Polenland. Vor den Russen. Viele Deutsche müssen weg. Die Russen kommen. Sie haben keine Chance mehr. Es ist sehr kalt in diesem Jänner 1945. Kinderwägen mit Babys, denen nicht mehr kalt ist am Wegesrand. Baumelnde Gestalten an den Bäumen.


Doch darum geht es am Anfang gar nicht. Am Anfang stehen eine Flüchtige und ihr Kind. Verlaust, ausgehungert an einer Tür. Der erste plattdeutsche Satz für das kleine Mädchen. "Woveel koomt denn noch vun jau Polacken?" Wieviele Polen kommen denn noch? Ein Gutshaus voller Flüchtlinge.

Dörte Hansen schreibt einen stillen, feinen, sprachlich wunderschönen Roman über die Deutsch-Polen, die Ende des 2. Weltkriegs weg mussten. Flüchtlingsbewegungen innerhalb der Deutschen. Und waren sie willkommen, im deutschen Heimatland? Nein. Sie mussten hart arbeiten, bekamen wenig zu essen.

Die Mutter, eine Adelige, weigert sich, sich klein zu machen. Sie singt Operetten, Arien, bewahrt Haltung. Das hat sie noch. ... und in der Nacht stiehlt sie Milch für ihre Tochter. Ein Kind musste sie ja im Kinderwagen zurücklassen. Wie so viele andere Frauen, die sich Hals über Kopf auf den Weg in den Westen gemacht haben.

Und die Geschichte erzählt von diesem Mädchen. Von den Kirschbäumen, den Nachbarn, dem Fremd Sein, dem gestörten jungen Mann, dem Hausherrn!, der vom Krieg schwer traumatisiert zurückkommt. Ihre Mutter wird ihn heiraten. Sie singt ihm immer so schön vor. Die Schwiegermutter erhängt sich irgendwann. Das war nicht mehr ihr Leben.

Ist es zu viel, wenn die junge Frau die Erhängte findet? Die so aussieht, wie viele, die sie auf der Flucht gesehen hat? Doch sie bleibt. Bleibt bei ihrem Stiefvater. Bleibt im Haus. Verändert nichts. Ihre Mutter verlässt sie, als sie noch ein Volksschulkind ist. Findet einen besseren Mann. Will eine Zukunft haben. Ein Leben.

Sie bleibt. Draußen bei den Fachwerkshäusern. Am Land. Wo nur die bleiben, die nichts geworden sind. "Dit Huus is mien un doch nich mien, de no mi kummt, nennt´t ook noch sien."

Eine Welt, in der in mehreren Generationen gedacht wird. Die eigene Selbstverwirklichtung. Kein Thema. Das Haus. Für die Nachfahren mitgebaut. Das gilt es zu erhalten. Der Nachbar fragt sich, wann sich denn dieser Fehler eingeschlichen hat. Wann hat das begonnen? Die eigene Sache. Wann? Wer hatte denn früher gefragt, ob er das wollte?

Die in Hamburg gescheiterte Nichte kommt zu ihr. Sie weiß, wie Flüchtlinge aussehen. Die Nichte braucht ihr nichts zu erzählen. Der kleine Sohn. Findet sich ein am Land. Dort, wo sich jetzt die romantisierenden Aussteiger tummeln. Die die alten Fachwerkshäuser sanieren (wollen). Von den Einheimischen mehr belächelt als ernst genommen.

Heute. Die Diskrepanz zwischen denen, die am Land leben, denen, die dort leben wollen. Die Spaltung der Gesellschaft. Leistungsdruck, Fashion, Tempo in der Stadt. Langsamkeit, Naturnähe, aber auch Eintönigkeit am Land.

Dörte Hansen spannt einen weiten Bogen in ihrem Roman. Sie bringt die Fluchtgeschichte der Polendeutschen, die zerstörten heimkehrenden Soldaten, die Frauen, die alles zusammengehalten haben. Damals, als man noch nicht fragte, ob es der eigene Weg ist, grandios vermischt mit dem Heute. Der Not der Scheidungen. Wann hatte es angefangen, dass man sich "in Freundschaft" trennt. Dass man jetzt eben nichts mehr empfindet. Führ dich nicht so auf. Wir sind ja erwachsen. Wann hatte das angefangen? Dieses Wegschmeißen vom Gemeinsamen?

Ein gesellschaftskritischer Roman. Ein klarer Blick auf die Situation sowohl der Land- als auch der Stadtbevölkerung. Die Diskrepanz, die Fremdheit, die sich da auftut. Mir wohl bekannt. Zwei Welten. Und in diesem Roman. Noch viel mehr Welten.


Sehr gut zu lesen. Sehr klar. Schöne Sprache. Gute Bilder. Viel Feinheit.
Ein Buch, das einlädt, es nochmals zu lesen.

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