Sonntag, 3. August 2014

Das Geräusch der Dinge beim Fallen.

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Das Geräusch der Dinge beim Fallen.

Von Juan Gabriel Vásquez.

Kolumbien jetzt und in den 90er Jahren.

Unser Protagonist hat einen Blick für die feinen Nouancen. Und erzählt uns. Von dem Menschen, von diesem Einzelgänger, man sagt, er wäre im Gefängnis gewesen, das würde wohl schon seinen Grund gehabt haben. Ohne Grund kommt keiner ins Gefängnis.

Doch er ist unscheinbar. Still, spielt beim täglichen Billardspiel mit. Sie lernen sich näher kennen. Man redet nicht so viel. Spielt Billard, geht seiner Arbeit nach. Er, unser Protagonist unterrichtet.

Und dann holt sie die Geschicht ein. Viel -was wäre wenn- und -warum habe ich nicht- und eine Zeit bricht auf, in der es so war ..."...die Gewalt jenseits der kleinen Missgunst, der kleinen Rache kleiner Leute, die Gewalt, die von einem Kollektiv ausgeht, bei dem man im Geist auch den Artikel groß schreibt: Der Staat, Das Kartell, Die Armee, die Front. Wir in Bogotá hatten uns an sie gewöhnt..." (Seite 17)

Und: er will uns nicht sein ganzes Leben erzählen. Nur ein paar Tage davon. Es beginnt mit einer Fernsehmeldung. Ein Tier aus dem großen Anwesen des ehemaligen Diktators Pablo Escobar war entlaufen und erschossen worden. Und da schreit der Unbekannte auf: "Die Tiere können doch nichts dafür!"

Und unser Mann schreibt, dass er damals nicht wusste, "dass sich mit dem Tod des Nilpferds ein Kreis in seinem Leben schloss". (Seite 13)

Juan Gabriel Vásquez beschreibt mit einer Dichte, die seinesgleichen sucht, einige Zeit im Leben des Juristen. Vor langer Zeit. Alltäglichkeiten, Schrecklichkeiten. Ein Leben in Armut, Menschen, die sich kennen- und lieben lernen. Und wie die Umstände zuschlagen.

Eine Seite der Welt, die wir nicht so oft anschauen, die nicht in usnerem unmittelbaren Focus ist. Und doch. Vertraut. Südamerika.

Die Feinheit der Sprache, die Satzformuierungen, so als ob jemand einfach so vor sich hin denkt, und dieses so vor sich hindenken auf Papier bringt. Still, sachte. Und was für eine Geschichte. Voller Leidenschaft, die vielen Zitate, dass die Vergangenheit vorbei ist, besser sei es, nicht darüber nachzudenken. Glaubenssätze einer Generation.

Leben. jetzt und hier.

Nachdenken, Hinterfragen, Forschen. Sehr gefährlich. Auch an Leib und Leben. Auch jetzt noch?

Ein geniales Buch. Gegenwärtig. Immergültig.

Sehr schön zu lesen. Tief berührend. Das Schicksal. Und darin Menschen.

Für alle, die eine schöne Sprache lieben, die Tiefgang lieben und einsinken möchten in eine andere Person.


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