Sonntag, 20. April 2014

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert.

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 Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Von Joel Dicker.

Kennen Sie Max Mohr (eigentlich Dieter Mohr), den Fernsehmoderator?

Ich hätte dieses Buch wahrscheinlich nicht gelesen, wenn nicht Max Mohr in einer 3sat-Sendung Schweizer Autoren vorstellt und bei jeder Reiseetappe aus dem Buch von Joel Dicker zitiert hätte.

Nicht dass mir das Buch nicht längst aufgefallen wäre, natürlich - aber es hat doch auch wieder so Schinken-Ausmaße, und - muss das sein? Ist heuer das Jahr der dicken Schinken?

Ja, heuer ist das Jahr der dicken Schinken. Ich habe es soeben ausgerufen. Ich kann nicht an diesen Büchern vorbei. Noch dazu von Max Mohr neugierig gemacht - als er Schweiz als Gastland zur Leipziger Buchmesse vorstellte.

Joel Dicker ist Schweizer Autor, aus der französischen Schweiz und mit seinem zweiten Buch stürmt er die Charts des Nicht-Deutschsprachigen Auslands. Jetzt auf Deutsch übersetzt - schauen wir, was wir mit diesem Newcomer machen.

Der Roman war für den Prix Goncourt 2012 nominiert und erreichte die Shortlist der letzten vier Titel.[1][2] Ebenso war er für den Prix Interallié vorgeschlagen.[3] Am 25. Oktober 2012 erhielt der Roman den Grand Prix du Roman der Académie Française.[4] Am 15. November 2012 wurde er mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.

Bis Februar 2014 wurden weltweit etwa 2 Mio Exemplare verkauft,[1] darunter 850.000 in Frankreich und 330.000 in Italien. Mit dem Verkauf der Rechte in 32 Sprachen wurde das Buch in 45 Ländern veröffentlicht.[2] In Deutschland ist der Roman seit dem 13. August 2013 unter dem Titel Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert im Piper Verlag erhältlich. Er kam mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren in den Handel und ist aktuell in der 6. Auflage erhältlich

So, aber nun zur Geschichte.

Die "Wahrheit über den Fall Harry Quebert" läuft auf mehreren Ebenen ab: Jedes Kapitel startet mit einem Ratschlag des Literaturprofessors an seinen Studenten, wie ein Buch geschrieben gehört. Quasi: Die Regeln zu einem erfolgreichen Buch.

Wir erleben Marcus Goldmann, einen Bestsellerautor mit Schreibblockade. Er hat einen hoch dotierten Vertrag mit einem großen Verlag unterschrieben und muss nun sein zweites Buch herausbringen. Nur: er weiß nicht, was er schreiben soll.

In seiner Not wendet er sich an seinen Mentor, Professor Harry Quebert, dem er sein Leid klagt und der ihn zu sich in sein Haus am Meer, in Aurora Bundesstaat Colorado, an der Ostküste der USA. Dort, in der Stile, soll er wieder zu sich kommen und über den Sommer - sein Verleger droht ihm bereits mit Klage - das neue Buch, am besten wieder einen Bestseller, schreiben.

Doch da kommt etwas dazwischen. Am Grundstück des Hauses von Harry Quebert wird bei Gartenarbeiten eine Leiche ausgegraben. Nola, die vor 33 Jahren als 15jährige verschwunden war und nie gefunden wurde. Harry Quebert gilt als Hauptverdächtiger und muss sofort in Verwahrungshaft.

Marcus reist ab, der Fall lässt ihm aber keine Ruhe, vor allem glaubt er an die Unschuld seines Professors, und er fährt entgegen des dringlichen Rats seines Agenten zurück nach Aurora, um Harry Quebert zu helfen.

Was sich nun entwickelt ist ein Thriller, der die Kleinstadt Aurora in ziemliche Unruhe versetzt. Und mit ihr ganz Amerika, da Marcus über seine Erlebnisse ein Buch schreibt, nämlich "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert".

Und das ist nun das besondere an diesem Buch. Es ist ein Paradox. Wir lesen über die Entwicklung des Romans, den wir gerade lesen. Wir schauen dem Schriftsteller dabei zu, wie er detektivisch den Mörder von Nola sucht und gleichzeitig entsteht dabei der Roman. (Ist es nicht, wie bei der unendlichen Geschichte?)

Der Autor Joel Dicker, Schweizer, hat einen besonderen Kunstgriff getan. Vor jedem Kapitel, es sind 31, gibt es kein kurzes Zitat zu "Wie schreibt man ein Buch richtig" und dann beginnt das eigentliche Kapitel.

Was noch neu ist: Ich habe ganz viele Eselsohren ins Buch gemacht, Sätze angestrichen und möchte sie in die Zitatenliste aufnehmen. Die Dialoge zwischen Harry (ob nun noch in Aurora oder dann im Gefängnis oder später....) und Marcus Goldman sind von großer Weisheit und Dichte. Lebenserfahrung und Suche nach demselben.

Zitate aus dem Roman

"Ich weiß nur, dass das Leben eine Abfolge von Entscheidungen ist, zu denen man hinterher stehen muss.",

"Bücher sind wie das Leben, Marcus. Sie sind nie wirklich zu Ende."

"Ein gutes Buch lässt sich nicht allein an seinen letzten Worten bemessen, sondern an der Gesamtwirkung aller vorausgegangenen Worte."

Joel Dicker schreibt über einen Mord, über eine unerlaubte Beziehung, über den Druck der Kleinstadt, die Angst, nicht zu bestehen, über Erfolgsdruck und die Veränderung der Gesellschaft. Er beschreibt den Zweifel und die Freundschaft, die wahre Liebe, Gewissensbisse und Einsamkeit.

Ein schöner Roman, reich an guten Sätzen, spannend, mit vielen Wendungen bis zum Schluss. ... und jetzt lese ich es auf Englisch.


Für alle, die gerne gut und klug unterhalten werden.


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