Dienstag, 21. Januar 2014

Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki

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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Von Haruki Murakami.

Tsukuru Tazaki ist der einzige in seiner Gruppe, dessen Familienname keine Farbe bezeichnet. Wahrscheinlich haben sie ihn deswegen damals einfach fallen gelassen. 

Wir lernen Tsukuru kennen, als er nur mehr sterben will. Er ist 20 Jahre alt, studiert Eisenbahnbau in Tokio und hat keine Freunde mehr. Sie wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er wisse schon weshalb. Er weiß nicht, weshalb. Sein Schock sitzt so tief, dass er nicht nachfragen kann. Sein Versuch, beim reinen daran denken, sein Herz zu bewegen, zu schlagen aufzuhören, scheitert.

Es scheitert auch die Freundschaft zu einem jüngeren Studenten. Auch der ist irgendwann ohne Vorwarnung einfach weg. Und hinterlässt ihm die Schallplatten mit einer Lisztaufnahme von annees de pelerinage. (hier ein Beispiel von youtube. Pianist. Lazar Berman. ).

Er kann das Stück viele Jahre später im Detail auswendig. Seine Freundin Shiro, eine hochbegabte junge Künstlerin konnte dieses Stück so gut interpretieren, die Aufnahme, die ihm sein Freund hinterlassen hat ist ruhiger. Es ist die Aufnahme von Lasar Berman, einem Russen. Liszt begleitet unseren farblosen Herrn Tazaki durch sein ganzes Leben.

Die Traurigkeit, das Nicht-Passen. Der Schock, die merkwürdigen Vorgänge rund um seinen lieben jungen Freund Haida, der ihm eine merkwürdige Geschichte erzählt. Ist es ein Pakt mit dem Teufel? Wie kann jemand seinen Tod bestimmen, sich verkaufen mit dem Geschenk der Gabe, die Menschen in ihrem wahren Licht zu sehen?

Tsukuru bleibt einsam. Es muss wohl so sein. Sara, eine um zwei Jahre ältere Frau, in die er sich so verliebt, dass es körperlich weh tut, stellt ihm ein Ultimatum: Er muss die Sache mit seinen guten Freunden aufklären, andernfalls könne sie nicht mit ihm in einer festen, langen Beziehung leben. Es stehe da etwas zwischen ihnen.

Tsukuru macht sich auf die Reise. Von den anderen Vieren leben nur mehr drei. Shiro, die Künstlerin, hatte einen tragischen Tod erlitten (was ihn sehr trifft, träumt er doch regelmäßig von ihr). Und dann erzählen ihm die anderen ihre Geschichte. 16 Jahre nach dem Vorfall. Nur weil er es darauf anlegt. Und er, was löst es aus. Erleichterung?

Haruki Murakami erzählt in fließender Sprache, mit Einschlägen geistig/spiritueller Erlebnisse (tut mir leid, aber ich habe immer wieder Verbindungen zu Coelho  gefunden, nicht so coelhoisch aber doch; Erzählungen, Träume, die in einer anderen Realität stattfinden. Die Möglichkeit ist immer da.) das Trauma eines jungen Mannes, dem dann bleibt: ein farbloser Mensch, mit farblosem Namen, ein leeres Gefäß, zu nichts nütze, für niemanden zu gebrauchen.

Das Buch endet am Tag vor dem Treffen mit Sara. Dem Treffen, das entscheiden wird, ob er sich in und mit einer anderen Person ein Leben aufbauen wird, oder ob er ganz ins Transparente abgleitet. Es hängt an Sara. Wird sie sich für ihn entscheiden?


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Dies war mein erster Murakami. Ich war überrascht. 


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Kein einfacher Stoff. Der Funken Hoffnung. 


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