Dienstag, 19. August 2014

Der Dirigent.

http://www.buchwelten.at/list?back=8fbb2683e5f45feaee089607f052c8a4&xid=3639253
Der Dirigent. Von Sarah Quigley

... und sofort drinnen...

er kommt über den Tod seiner Frau nicht hinweg. Er gilt als Egoist, großes Genie, seine Frau hat ihn gerade wieder verlassen. Wer kann schon mit ihm leben? Er ist Zyniker, hoch gebildet und umgeht die stalinistische Repression. Er ist Muttersöhnchen, überpünktlich und verklemmt.

Vier verschiedene Männer. Jeder in seinem Leben gebunden. Wir steigen 1941 ein. Sommer 1941. St. Petersburg. Zu der Zeit: Leningrad.

Was sie verbindet: die Musik. Allesamt der Musik verbunden, verfallen möchte man sagen. Doch dies nur als - Luft zum Atmen - wir erleben sie in ihrem Alltag. Im alltäglichsten Alltag.

Die Gefahr kann man schon riechen, fühlen, sie dringt durch die Haut. Die Deutschen werden kommen. Werden die russischen Heere sie zurückhalten können?

Sie können es nicht. Leningrad wird belagert. In einem der kältesten Winter. Und sie sind im Schicksal um Leningrad dabei. Schostakowitsch, der große Komponist, der nicht weichen will. Iwan Sollertinski, der Kritiker, Chef des Konservatoriums, der sich mitsamt den berühmten Philharmonikern und wichtigen Künstlern nach Sibirien ausfliegen lässt, Nikolai Nikolajew, nicht mehr und nicht weniger als genialer Geiger, er bleibt in Leningrad, und last but not least Karl Iljitsch Eliasberg, auch Elias genannt, der Dirigent des Rundfunkorchesters. Ein Leben lang im Schatten des großen Dirigenten Mawrinski, der die berühmte Leningrader Philharmonie dirigiert.

Gewöhnliche Leben, die außergewöhnliche Umstände zusammentreiben.

Was ist das besondere an diesem Roman?

Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich sehr lange an ihm gelesen habe. Weil ich immer wieder zurückgeblättert habe, um nochmals zu lesen. Um nochmals zu lesen, was Musik bedeutet. Wie Schostakowitsch diese Synphonie entwickelt, wie Elias über seinen Partituren sitzt, wie sie die geschriebenen Noten hören. Wie wichtig die Kunst ist, was sie aus ihnen macht.

Getrieben von einem Schreckensregime, gelandet in einem unsäglichen Krieg. Kälte, Hoffnungslosigkeit, Tod. Und innen die Musik. Viel Not, viel Verlust. Und dann das Durchhalten. Welche Kraft.

Und jetzt muss ich mir diese Synphonie anhören."Die Leningrader Synphonie
„Ich widme meine Siebente Sinfonie unserem Kampf gegen den Faschismus, unserem unabwendbaren Sieg über den Feind, und Leningrad, meiner Heimatstadt ...“
Schostakowitsch am 29. März 1942 in der Prawda.
 

Eine wahre Geschichte, tatsächliche gelebt habende Personen. Und darum herum die Gedanken, Gefühle, der Alltag. Eine wunderbare Komposition. Immer unterschiedlich erzählt. Jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen der vier Männer. Und ihrer Leben.

Was ist wichtig? Was macht dich zum Menschen? Was hält dich? Hier: Musik.

Wie schön zu lesen. Wie aktuell. Wie ewigwährend. Immer wieder.

Hier hat sich jemand ein Denkmal gesetzt, hier ist ein Mensch ganz besonders aus sich heraus gewachsen. Eliasberg. Der verklemmte Dirigent. Das Muttersöhnchen. Der Ausgelachte. Er hat das Meisterwerk dirigiert. Mitten in der Besatungszeit. Welche Leistung. Und welche Veränderung hat es gebracht. Was ist mit ihm passiert? Er ist ein anderer geworden. Im ersten Jahr der Besatzung. Wie sagt die Angebetete. Du hast gezeigt, dass du verletzbar bist. Jetzt folgt dir das Orchester.


Sarah Quigley, Australierin, beschreibt in ihrem Nachwort, dass ihr die Nähe des Krieges, dieses Krieges, in Berlin bewusst geworden ist. Und dann hat sie - die Musikerin - sich der Geschichte der Leningrader Synphonie angenähert.

Was soll ich sagen: lesen!
und: hören Sie Musik!

hier gleich besorgen: www.buchwelten.at



Kommentar veröffentlichen