Samstag, 21. Juni 2014

6 Uhr 41

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 6 Uhr 41. Von Jean-Philippe Blondel.

Was für ein Ereignis! Welches Eintauchen!

Sie und er. Vor vielen Jahren, als sie noch jung waren, waren sie beisammen, haben sich unglücklich getrennt. Und jetzt. Sitzen sie im Zug zusammen. Nach ... 27 (ja 27!) Jahren. Und? Hat er sie erkannt? Hat sie ihn erkannt? Ein kurzes Nicken. Ist der Platz noch frei? Was jetzt? Ansprechen. Nicht ansprechen?

Im Frühzug nach Paris. Um 6.41 sitzen ein Mann und eine Frau nebeneinander. Jeder spielt in Gedanken die gemeinsame Liebesgeschichte durch.

Ein Buch, getragen von inneren Monologen. Welches Leben! Was ist damals passiert. Warum so. Jetzt Mitte 40. Er. Sie.


Ich bin ganz gepackt, hingerissen, hineingeglitten in diese beiden Erwachsenen mit den Kindern, die am Flügge werden sind.

LESEN!!!!! EINTAUCHEN!!! ERLEBEN!!!

Ein wunderbares Buch. Für alle, die die leise Stimme auch gerne hören.

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Freitag, 20. Juni 2014

Die Gottespartitur. Von Edgar Rai

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Die Gottespartitur. Von Edgar Rai.

Von Edgar Rai habe ich schon etwas gelesen, das mich sehr berührt hat: Wenn nicht, dann jetzt. Die Rezension finden Sie weiter unten.

Und jetzt wieder. "Die Gottespartitur". Der Titel hat mich am Anfang nicht so angesprochen, wie "Wenn nicht, dann jetzt".Aber nachdem ich einer lieben Kundin Edgar Rai wirklich ans Herz gelegt hatte und ich selbst es gar noch nicht gelesen hatte, übermannte mich das schlechte Gewissen und ich fing an zu lesen.

Nichts von dem, was ich so geliebt habe bei "Wenn nicht, dann jetzt" findet sich hier. Die feine Sprache, die Stille, alles weg. Stattdessen ein schnoddriger Literaturagent in Zeiten der Frankfurter Buchmesse, eine sehr bemühte "Stütze des Unternehmens". Weltuntergangsstimmung. Häme, Zynismus, "gemachte Typen". Er nach einem Herzinfarkt frustriert, weiß nicht, was er mit sich anfangen soll, hat keinen Halt. Sie, seine Assistentin, besorgt um sein Wohl und Wehe und das der Agentur. Sie haben die besten Autoren unter Vertrag und er scheint alles zu zerstören. Sein eigenes Werk.

Dann fällt ihm wieder derblutleere Typ ein, der ihn an diesem Vormittag, als er wirklich keinen Geist für etwas hatt, besucht hat. Eindringlich. Er solle helfen. Der geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Später liest er - gelangweilt von der Aufregung und dem Treiben der "Wichtigen und Schönen" - in der Lokalzeitung. Der junge Mann wurde tot aufgefunden. Todesursache: unbekannt.

Er versteht sich selbst nicht, er fühlt sich betroffen. Und fährt dort hin.

Ein undurchsichtiges Spiel beginnt. Im Knabeninternat wird er mit seiner Kindheitsgeschichte konfrontiert. Er glaubt keinem. Hier stinkts. Gepackt von einem Willen nach Wahrheit, nach Gerechtigkeit - für den jungen Burschen - beginnt er zu recherchieren.

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Ein unglaublich spannender Krimi entwickelt sich. Eine tiefe Geschichte von Sinn und Wert, falschen Freunden und verlorenen Wünschen. Die Gottespartitur. Gibt es dieses Stück? Spinnt die Welt?!?

Die ersten 50, 60 Seiten musste ich mich über die Sprache quälen. Pflichtbewusstsein ließ mich weiterlesen, aber dann - der Zug. Unaufhaltsam. Bis zum Ende habe ich ihn begleitet, den Literaturagenten, der nicht mehr weiß, wofür er kämpfen soll.


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Der Eisdrache. Kinderbuch.

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Der Eisdrache. Von Troon Harrison und Andrea Offermann.

Ein Märchen.

Ein wunderschönes Märchen, das davon handelt, dass Mitgefühl die Welt verändert.

Doch vorher hasst unser kleines Mädchen den Eisdrachen, der sich auf dem Dach ihres Elternhauses festgesetzt hat und die Kälte damit eingeschlossen hat. Der harte Winter macht der ganzen Familie zu schaffen.

Sie will nur, dass er weggeht, schreit ihn an. Zuhause ist der Vater schon krank, sie muss sich um alles kümmern. jagen gehen. Doch sie kann es noch nicht.

Der Eisdrache ist aber krank. Verletzt fleht er sie an, ihr zu helfen. Warum soll sie dem Feind helfen?

Doch im Ende siegt ihr Mitgefühl, auch in einer Anwandlung von Hoffnungslosigkeit, steigt sie zum Drachen hinauf, holt verzweifelt Drachenhilfe und ist ihm gut.

Genesen von ihrer Liebe und Zuneigung kann der Drache mit seinen Drachenfreunden wieder aufsteigen. Der Frühling kehrt ein.


Ein herzerwärmendes Märchen, kurz erzählt, mit wunderschönen Illustrationen zum Vor- und Selberlesen. Ab jeden Alters.


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Montag, 16. Juni 2014

Mörderische Schärennächte. Der vierte Fall von Thomas Andreasson

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Mörderische Schärennächte. Der vierte Fall für Thomas Andreasson.

Nora bewältigt ihr neues Leben an und für sich sehr gut. Ein tiefer Schmerz im Inneren ihres Herzens ist aber nicht wegzuleugnen. Auf der anderen Seite ihr Freund Thomas. Ihm scheint ein neues Glück gegönnt.

Der Fall. Ein Selbstmord. Ein junger Student wird aufgehängt in seinem Studentenzimmer gefunden. Kein Anzeichen von Fremdverschulden. Nur seine Mutter will das nicht glauben. In den Besprechungen wird der Meinung einer Mutter, deren Sohn gerade tot - erhängt - gefunden wurde auf Fremdverschulden wenig Glauben geschenkt.

Sie fleht Thomas Andreasson an. Und er verspricht ihr, sich den Fall genauer anzusehen. Was sich dann auftut, liest sich wie ein Agententhriller. Die handelnden Personen: Junge Männer, die in den 1970er Jahren eine Ausbildung in einer Schwedischen Eliteeinheit "genossen". Von einem sadistischen Unteroffizier gequält halten die jungen Männer durch. Bis ... etwas passiert, was sie alle bis zum Ende ihres Lebens nicht mehr verkraften.


Hier nimmt sich Viveca Sten wieder eines traumatischen Erlebnisses an, das noch weit in die Zukunft reicht. Auch bei uns hat es beim Bundesheer wilde Unteroffiziere gegeben und ein Unrechtsbewusstsein von sadistischer Quälerei bei der Grundausbildung - oder wie hier bei der Grundausbildung zu einer Eliteeinheit - hat sich erst sehr spät gesellschaftlich durchgesetzt. In Schweden nicht anders.

Atemlos, und schon auch wieder sehr verstörend, nichtsdestotrotz Realität, ein gutes Stück Aufarbeitung. Eingepackt in einen guten Kriminalroman.

Ach ja. Suchtfaktor.

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Donnerstag, 12. Juni 2014

Die Toten von Sandhamn. Thomas Andreassons dritter Fall.

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Ja, der Suchtfaktor.

Ich kann nicht mehr loslassen von Nora Lind und Inspektor Thomas Andreasson.

Die Kombination von heutigem Privatleben in den Schärengärten - übrigens, mein Verlangen nach einem Urlaub in Schweden steigt... - und gut aufgearbeiteten Mordfällen ist ausgezeichnet und verleitet mich - verleitet mich, verleitet mich - andere Bücher nachrangig zu behandeln.

Ja, eben. Der Suchtfaktor.

In "Die Toten von Sandhamn" geschieht ein grausiger Fund. Noras Sohn findet in einem Waldstück eine abgetrennte Hand. Sehr grauslich. Das Kind verstört, Nora in Sorge. (Über Noras Privatleben möchte ich weniger berichten. Da sich ihre Geschichte mit jedem Teil weiterentwickelt würde ich zu viel vorwegnehmen, falls jemand erst bei früheren Teilen ist.)

Thomas Andreasson (auch in seinem Privatleben entwickeln sich die Dinge. Auch hier gilt: Schweigen.) muss diesen Fund aufklären. Mord, Selbstmord, Mann, Frau, Kind? Und bei uns?

Viveca Sten arbeitet hier mit akribischer Feinarbeit die Idee eines Traumas über Generationen hinweg auf. Ich konnte nicht loslassen. Von einer einfachen, fluffigen Geschichte, wie ich in den ersten beiden Teilen freudvoll geschwärmt habe, ist hier nichts mehr da.

Es geht um einen jungen Mann, der Anfang des vorigen Jahrhunderts einer sadistischen und grausamen Erziehung durch seinen Vater ausgeliefert ist. Detailreich schildert Viveca Sten verfahrene Erziehungsmethoden, durchaus von der Gesellschaft geduldet, wenn vielleicht in dieser Brutalität auch nicht unterstützt. Mich trifft das hart.

Diese menschenunwürdige Behandlung, dieses dem Familienoberhaupt Ausgeliefert-Sein, rechtlich, tatsächlich, undiskutierbar; vertrieben, geflüchtet, unwillkommen. Schrecklich.

Viveca Sten entwickelt hier aus dieser Misshandlung eine Tragödie, einen Schmerz, der eine Generation später ausbricht. Psychologisch meisterhaft, menschlich für mich sehr hart. Aber das gibts. Die ganz grausliche Seite der menschlichen Realität.

Fesselnd bis zur letzten Seite.


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Montag, 9. Juni 2014

Helga Bansch. In der Nacht.

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In der Nacht. Von Helga Bansch.

Was tun die Tiere in der Nacht?
Wo schlafen die Tiere in der Nacht?

Diese Frage stellen sich kleine Kinder. Und in diesem Buch werden die Geheimnisse gelüftet.

Das Besondere an diesem Buch:

- ganz kurze Texte. Ein- bis Zweizeiler
- einfache, kunstvolle Illustrationen (die auch noch das eine oder andere Detail verstecken)
- und einen Kniff: Das Buch kann von vorne und hinten gelesen werden.

-- von vorne - ganz ordentlich. Die Tiere schlafen dort, wo sie sollen
-- von hinten - alles durcheinander. Die Tiere schlafen an Orten, wo sie nicht hingehören.


Lieblich.

Eignet sich auch wunderbar, mit den Kindern ein Verwechslungsspiel zu machen. Schläft der Hase wirklich ... ?

Und wie gut man Träumen kann, nach der Lektüre dieses Buches. Mit einem Lächeln im Gesicht.

Ab jeden Alters.


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Mélodie d'amour

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Wie ist das eigentlich, wenn man kontemplativ vor sich hin liegt, seinen Gedanken nachhängt, dazwischen Kapitel um Kapitel liest und jede Figur, die dargestellt wird, die ihre Geschichte der Geschichte erzählt, besser wird?

Haben Sie schon ihre Favoritin?

Bei Mélodie d'amour von Margriet de Moor gibt es eine Frau, Rosalynde, bei der ich, während sie mir ihre Geschichte erzählte, immer wieder Szenen vor mir hatte, wo ich Textteile vorlas, jemandem mitgab, ihn hungrig machte auf die Geschichte. Nur mit einzelnen Sätzen. Und davon so viele.

Am Anfang war es ein bißchen schwer für mich. Ich habe Margriet de Moor persönlich erleben dürfen. Vor langer Zeit in Leipzig. Das war im März diesen Jahres. Ewigkeiten. Das Buch war mir sowieso schon aufgefallen. Was für ein Cover! Und: auf die Seite für leichte Unterhaltung oder auf die Seite Belletristik?

Belletristik.
Literatur?

Ist Literatur nur das, was schwer zu lesen ist?
Dann nicht Literatur.

Das Buch ist ausnehmend leicht zu lesen. Wenn auch - wie soll ich sagen - vielleicht war ich auch nicht sehr konzentriert zu Anfang. Da habe ich viele gleichzeitig gelesen. Viele Geschichten. Doch jetzt, an diesem schönen Sommerwochenende. Jetzt. Ich fange mit dem zweiten Teil nochmals an. Will die Person ganz erleben (den ersten habe ich mit Vergnügen vor langer Zeit gelesen). Eintauchen. Sätze. Aufschauen. Erleben, Spüren, denken. Weiterlesen.

Wem diese Sätze erzählen? Wem diese Stimmung weitergeben?

Margriet de Moor stellt einen Mann um den sich alles dreht vor, zumindest gibt er den roten Faden, aber im wesentlichen Frauen; es geht um die Liebe. In all ihren Facetten. Und um den Umgang damit, um die schöne Verliebtheit, die sich dreht. Um die ewige (Liebe), die vergehende, und um Eindrücke, die bleiben, Augenblicke, die wesntlich sind im Leben. Stimmungen, der Wind, ein Blick.

Was verlangt sie? Sich dem Roman hinzugeben. Ihm Zeit zu lassen.

Etwas sehr schönes, um es in den Urlaub mitzunehmen. Fürs Wochenende am Pool, für die Ruhe im Garten. An einem verregneten Abend.

Und vielleicht später eine Gelegenheit, sich diese Sätze zu erzählen. Irgendwo.


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