Samstag, 22. März 2014

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer. Von Alex Capus.

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Alex Capus. Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer.
Die Eleganz der Niederlage.

Dieses Buch habe ich als Hörbuch erfahren. Ulrich Noethen liest in einer schönen, stillen Sprache, mit einer richtig weichen Erzählstimme die Lebensgeschichte von Emile Gilliéron, Laura D'Oriano und Felix Bloch.

Hörbuch-Hören, das ist, was lange Autofahrten zum Vergnügen macht. Manchmal muss man dann am Parkplatz noch nachhören, weil es gerade so fesselnd ist. Angefangen habe ich mit Krimi-Hörbüchern. Da liebe ich z. B. Henning Mankellsche Hörbücher. Kein Einschlafen auf langen Nachtfahrten garantiert!

Nun zurück zu Alex Capus. Alex Capus ist Historiker und schreibt Romane zu real existierenden Personen, wo er die Lücken der wissenschaftlichen Forschung mit den Details zu schmücken vermag, die aus trockener Geschichte lebendige Menschen macht. Er füllt das Tote mit Luft, Blut, Leben.

Hier begleiten wir drei Personen durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie werden im 19. Jahrhundert geboren, sind während des 1. Weltkriegs in ihren Jugendjahren und während des 2. Weltkriegs Erwachsene. Diese verworrenen Zeiten bedingen aber trotzdem normale Leben. Menschen, die sich Möglichkeiten schaffen, jeden Tag Alltag zu haben. Zu leben.

Sehr interessant, da wir einen schweizer Zeichenbuben, Emile Gilliéron, erleben, der in der Enge seines Schweizer Dorfes völlig fehl am Platz ist und irgendwie nach Griechenland verschlagen wird, wo er bei den Ausgrabungen als wissenschaftlicher Zeichner engagiert ist. Die Tochter einer reisenden und tanzenden Familie, Laura D'Oriano, die in Marseille sesshaft wird, viele Sprachen spricht, viele Länder kennt, Sängerin werden will, eine bessere als ihre Mutter, und dann doch zumindest eines nicht vergiss: Sie lässt sich in keine Rolle zwängen, und als dritte Person Felix Bloch, friedliebender Schweizer Physikstudent, der alles will, nur keine Kriegsgeräte bauen und den dann die Wirrnisse der 30er und 40er Jahre dorthin treiben, wo er nicht hinwollte. Später bekommt er den Physiknobelpreis, aber bis dahin ist es eine lange Geschichte.

Ich habe diese drei Menschen mit großem Vergnügen durch ihr Leben begleitet, mich auf jede neue Fahrt gefreut, mit meinem Mann um die CDs gekämpft (da sie eigentlich ihm gehörten, ein Geschenk an meinen Hörbüch-Hörer), ich aber, einmal von einer guten Geschichte erwischt, diese natürlich nicht auslassen kann...

Das Hörbuch besteht aus 6 CDs, Laufzeit 7 h und 40 min. Die Stimme von Ulrich Noethen ist unvergleichbar angenehm und fein.


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Freitag, 21. März 2014

Der Distelfink von Donna Tartt



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Der Distelfink. Roman von Donna Tartt


Kennen Sie das, wenn Sie einen Roman langsamer lesen, damit er nicht so schnell zu Ende geht?


So ist es mir mit dem Distelfink gegangen. Zuerst der Beginn. Also von Anfang an. So vieles ist mir mit diesem Buch erstmalig oder erstmalig seit Langem wieder passiert.


Der Anfang. Reinfallen und sich selbst beim Lesen zuschauen. So wie ich als Kind einen Roman gelesen habe, wie ich als Kind in eine Figur hineingefallen bin, so ist es mir beim Distelfink ergangen. Dazwischen musste ich lächeln, weil ich dieses Gefühl wieder erkannte.


Unser junger Protagonist, Theo, also lang Theodore Decker. Wir steigen mit ihm ein, als er mit seiner Mutter einen Termin mit dem Schuldirektor hat. Er wurde von der Schule suspendiert und seine Mutter wird nun vorgeladen. Eine dementsprechende Stimmung herrscht zwischen den Beiden. Der Termin ist erst gegen Mittag und seine Mutter beschließt, mit ihm ins Museum zu gehen. Gerade läuft eine Ausstellung Alter Meister und sie als große Kunstkennerin, Kunstliebhaberin will noch unbedingt bestimmte Werke sehen, bevor sie wieder abgehängt werden. Theo behält sich vor, darüber nicht zu motzen. Er sieht sich momentan nicht in der Position, Wünsche der Mutter auszuschlagen. Theo ist 13.


Im Museum findet ein Bombenanschlag statt. Theo wird nach langer Zeit wieder munter, ein sterbender Mann gibt ihm einen besonderen Ring mit der Bitte diesen zu einem bestimmten Menschen zu bringen. Und da ist ein Bild, der Distelfink. Theo nimmt ihn an sich und kriecht über Leichen und Schutt, bis er irgendwo einen Ausgang findet. Die Hilfsmannschaften vor Ort verjagen ihn, er solle die Rettung der Menschen im Museum nicht behindern. Theo geht heim. Es gibt eine Vereinbarung:  wann immer wir uns verlieren, wir treffen uns in der Wohnung. Doch seine Mutter kommt nicht.


Für Theo, der eine sehr innige Beziehung zu seiner Mutter hat, ja sie seine einzige Bezugsperson war, beginnt ein Spießrutenlauf. Wir sind mit Theo dabei.


Kindheit, Jugend, Adoleszenz. Und immer das Bild bei sich. Er kann es stundenlang betrachten. Wie tröstlich es ist, wie tief in dieses Kunstwerk berührt.


Donna Tartt beschreibt einen jungen Menschen, dem nichts anderes übrigbleibt, als zu Leben. Er will  dieses Leben nicht. Er vermisst so vieles. Er ist tief traumatisiert. Das bleibt ihm auch. Er kommt "in schlechte Gesellschaft".  Es passiert so viel, so viel in einem Leben passiert. Die Verstrickungen werden immer dicker und auch aussichtsloser.


Das Buch ist nicht hoffnungslos, nicht depressiv, es ist einfach so fließend, wunderbar erzählt und tief berührend.


Und was mir noch zum ersten Mal passiert ist. Nach der letzten Seite begann ich wieder auf Seite eins.




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Mittwoch, 19. März 2014

Leipziger Buchmesse 2014

Das besondere an der Leipziger Buchmesse ist die Atmosphäre.

Entspannte, freundliche, fröhliche Menschen schlendern von Buchstand zu Buchstand, sitzen (Am Boden, auf den Sesseln), stehen an der Seite, geduldig, gespannt, interessiert. Hören zu, gehen weiter. Alles stressfrei.

Die einzigen, die ich kurze Zeit wirklich leicht stressig gesehen habe, waren die Securities, als am Samstag die Messe regelrecht gestürmt wurde, und die nicht mehr wussten, wohin mit den vielen Leuten.

Einen besonderen Flair macht natürlich die Manga und Comic convention aus. Dies bewirkt, dass viele, viele, viele junge Menschen in den schönsten, liebevoll gestalteten, Kostümen ihrer Lieblingsfiguren (Mangas, Romanhelden, Computerspiele-Helden, Comic-Helden) umhergehen, sich inszenieren, fotografieren lassen, sich gegenseitig fotografieren und einfach eine Freude dabei haben.

Die Messe ist kleinteilig gestaltet, an jeder Ecke gibt es Möglichkeiten, sich hinzusetzen, was zu trinken (Der Kaffee ist ausgezeichnet!), Imbissecken, mit verschiedensten wohlschmeckenden Kleinigkeiten (und das heißt was, wenn man die Auswahl in Wien oder in Frankfurt kennt).

Also, die Leipziger wissen ein Lesefest zu gestalten.

Beim nachfolgenden Link auf meine facebook-Seite gibts fototechnische Impressionen von den Veranstaltungen der 3200, die wir erleben konnten. Ja, das ist es 3200 (!) Lesungen in 4(!) Tagen. Gottseidank gibts ein dickes Bücherl.

Schön wars, bis zum nächsten Mal! In Leipzig.

Sonntag, 9. März 2014

Ostende 1936, Sommer der Freundschaft

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Ostende1936, Sommer der Freundschaft.

Volker Weidermann erzählt die Geschichte von Stefan Zweig, seine Sehnsucht nach dem Urlaubsort Ostende, als er 1914, vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs dort war und 1936 wieder nach Ostende in Belgien kommt. Um einen letzten Sommer zu erleben. Er trifft sich dort mit seinem Freund "Bruder" Josef Roth.

Ostende ist Zufluchtsort der Exilliteraten. Sie sind bereits alle in Hitlerdeutschland verboten, auch Irmgard Keun, obwohl Arierin, verlässt Deutschland aus Protest und kommt nach Ostende.

Wir erleben eine geistige Elite, die vor ihrem Ende steht. Das Buch liest sich wie ein who-is-who der deutschen Literatur, ihrer Verleger und der gehobenen Gesellschaftsschichte Deutschlands und Österreichs.

In der Zeit in Ostende bricht bereits der Bürgerkrieg in Spanien aus.

Volker Weidermann erzählt feinsinnig, in wunderbar gepflegter Sprache, als exzellenter Kenner der Personen, ein Bild von Vertriebenen. Noch sind sie in ihrem alten Leben verhaftet. Das ändert sich, nach diesem Sommer werden sie in alle Winde zerstreut sein.

Ostende und seine Besucher: Stefan Zweig, Lotte Altmann (seine Sekretärin und spätere Frau), Joseph Roth, Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Willi Münzenberg, Irmgard Keun, Ernst Toller, Arthur Koestler. Wir erleben die brieflichen Absagen der Verleger, das Verbot von Verlagen, die herannahende Existenznot.

Und Literatur. Die Entstehung der Romane, das Schreiben Stefan Zweigs, Joseph Roths, die Diskurse zu geplanten neuen Romanen. Freundschaften, Feindschaften, Liebschaften.


Volker Weidermann zeichnet sich durch eine sehr detailreiche Recherche aus, wir lesen als Beteiligte mit, doch immer in Distanz, das Gefühl eines inneren Monologs macht sich breit. Gescheite Unterhaltung, Wissenserwerb auf angenehme Art. Und das Lebensgefühl einer Zeit, die es nicht mehr gibt.


Eines: jeder von uns hat die Aufgabe, einem Gedankengut, dass Geschichten erzählen nicht mehr zulässt, entschieden entgegen zu treten. Der Schaden, den wir heute noch tragen, ist unermesslich.



Einfach einmal reinlesen, in das Leben von Stefan Zweig und Joseph Roth.
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Ostende liegt in Dänemark, Region Flandern, und schaut in die Nordsee. Es gilt heute noch als "Königin der Strandbäder"

Zitiert aus https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Belgiens vom 9.1.16

1936, als die jüdischen Intellektuellen den Sommer in Belgien verbrachten, konnte sich keiner vorstellen, dass dies passieren würde. Aber sie wussten schon, dass es in den deutschen Landen nicht mehr lebbar war. Im Frühling 1936 hatten die deutschen Truppen das Rheinland wieder besetzt. Die Einheitspartei NSDAP hatte da schon an die 98 %

1933, im November, gab es die zweite Reichstagswahl dieses Jahres, diesmal aber nur mehr mit einer Einheitspartei - der NSDAP. Im Wahlkampf empfahlen folgende Personen, mit Ja zu stimmen.

Wahlkampf November 1933

Das Regime warb mit allen Mitteln der Propaganda um Zustimmung. Die Partei warb mit dem Slogan „Mit Hitler gegen den Rüstungswahnsinn“.[3] Unterstützt wurde die Regierung dabei von führenden Personen des öffentlichen Lebens. Am 11. November forderte Reichspräsident Paul von Hindenburg in einer seiner seltenen Radioansprachen zur Zustimmung auf. Unterstützung kam auch vom Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, vom Philosophen Martin Heidegger und vom Schriftsteller Gerhart Hauptmann. Auch die Spitzen der Wirtschaft und der Kirchen riefen zur Abstimmung auf. Im Fall der katholischen Kirche trug der Abschluss des Reichskonkordats dazu bei, dass die Bischöfe zur „freudigen Stimmabgabe für den Führer“ aufriefen.[4] Auch Gegner des Regimes sprachen sich zumindest hinsichtlich der Volksabstimmung für eine Zustimmung aus, weil sie damit eine nationale Außenpolitik unterstützen wollten.[5]
 
Da muss man sich ja alles normaler Mensch komplett verlassen vorgekommen sein. Heidegger. Gerhart Hauptmann, ...

Zweiter Weltkrieg

Belgien wurde auch im Zweiten Weltkrieg unter erneuter Verletzung der Neutralität am 10. Mai 1940 durch deutsche Truppen angegriffen. Nach 18 Tagen Widerstand ("campagne des 18 jours") kapitulierte die belgische Armee am 28. Mai 1940 bedingungslos – die Niederlande hatten am 15. Mai kapituliert. Belgien blieb bis zum September 1944 unter einem deutschen Militärbefehlshaber besetzt und verlor seine Selbstständigkeit. Vom 22. Mai 1940 bis 15. Juli 1944 war Alexander von Falkenhausen der Befehlshaber – sein Hauptquartier war in Brüssel.

Innenhof der Dossin-Kaserne (SS-Sammellager Mechelen), 1942
Die belgische Regierung unter Premierminister Hubert Pierlot ging nach London ins Exil und wollte von dort den Kampf gegen Deutschland fortsetzen. Der belgische König Leopold III. hingegen befand, dass er bei seinem Volk im Land zu bleiben habe. Er legte aber seine Dienstgeschäfte nieder. Die geflüchtete Regierung ließ sich in Limoges auf der letzten Sitzung des geflüchteten Parlaments mit der Bildung der Exilregierung in London beauftragen. In Belgien selbst bestand nunmehr eine ungeklärte Situation. Das ganze Land war von den Deutschen besetzt. Der König hielt sich in seiner bewachten Residenz in Laeken auf. Die Souveränität wurde vom Militärbefehlshaber ausgeübt, die belgische Verwaltung an ihrer Spitze Generalsekretäre, setzte ihre Arbeit fort - unter der Kontrolle und nach den Anweisungen der deutschen Militärverwaltung.[6]
Aber die Deutschen hatten auch eigene politische Ziele. Sofort nach dem Einmarsch erließen sie zahlreiche antijüdische Gesetze und Verordnungen und begannen mit der Judenverfolgung. In Belgien gab es vor Beginn des Zweiten Weltkrieges etwa 60.000 Menschen jüdischer Abstammung. Nur 7 Prozent von ihnen waren belgische Staatsbürger, die meisten stammten aus Osteuropa oder waren vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aus Deutschland und Österreich geflüchtet. Die jüdische Bevölkerung wurde in den Städten Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi konzentriert und deren Vermögen arisiert. Danach wurden die Menschen über das SS-Sammellager Mechelen in das KZ Auschwitz deportiert. Etwa 30.000 Juden wurden ab dem August 1942 deportiert, von ihnen überlebten nur etwa 1500. Im Januar 1944 wurde eine Gruppe von 317 Sinti und Roma deportiert – von ihnen überlebte nur ein Dutzend.[7]
Nach der am 6. Juni 1944 erfolgten Landung der Alliierten in der Normandie räumte die deutsche Wehrmacht im September 1944 Teile von Belgien. Die belgische Exilregierung unter Hubert Pierlot kehrte nach Brüssel zurück und zwang Leopold III., zugunsten seines Bruders Karl von Flandern vorerst auf sein Amt zu verzichten. Im Dezember 1944 und Januar 1945 war Ostbelgien von der deutschen Ardennenoffensive betroffen.

Liebes Leben. Von Alice Munro.

http://www.buchwelten.at/list/9783100488329

Liebes Leben. Es könnte auch liebes Leben. oder Liebesleben heißen. Beides wird im Buch in dieser wunderschönen Erzählform, in diesem Kopfkino, das Alice Munro lossprühen lässt, behandelt.

Und solche Sätze: »Dir diesen Brief schreiben ist wie einen Zettel in eine Flasche stecken und hoffen, er wird Japan erreichen«, schreibt Greta in der ersten Erzählung und schickt diese Zeilen an Harris, den Zeitungsreporter, der sie nach einer Party fast geküsst hätte. Aber eben nur fast.
Schwer zu verbergen, dass ich von dem konzentrierten, aber leichtgängigen, bildreichen und alltäglichen Geschichten von Alice Munro unfassbar begeistert bin. 
Jede Geschichte ist für sich so stark, hinterlässt Gedankenschweifen, trifft einen Punkt, bringt etwas zum Klingen. Zeit lassen. 

Ich habe an diesem Buch sicherlich mehr als einen Monat gelesen. Jede Geschichte für sich. Jedes Leben, jede Liebe langsam und unvermischt mitleben.


SEHR empfehlenswert.

Für alle, die gute Texte, intensives Leben, die Banalität des Alltags, diese eine Wendung, die alles verändert, einen ungeschminkten Spiegel der Gesellschaft zu einer Zeit, für alle, die das gerne haben. Bitteschön.


Mittwoch, 5. März 2014

Die Wahrheit und andere Lügen.

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Die Wahrheit und andere Lügen. Von Sascha Arango.

wow!

Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite! Ein Psychodrama spielt sich vor unseren Augen ab. Er, erfolgreicher Bestseller-Autor mit Geliebter, die gerade schwanger ist. Seine Frau die ghostwriterin im Hintergrund.

Irrtümlich.

Irrtümlich passiert ihm etwas. Es gibt eine Tote. Von welcher wollte er sich befreien, welche ist gefallen? Und wie kommt er da wieder heraus.

Jedes weitere Detail zu erzählen würde die Spannung nehmen. Ich habe das Buch in 6 Stunden durch- und ausgelesen.

(erinnert ein bißchen an gone girl, aber nur vom Spannungsmoment her. Hier fehlt das Berechnungsmoment.)

Also: es ist nichts geplant, man/er will sich nur aus einem Problem rausretten. Wie soll er nur damit umgehen, dass seine geheime Geliebte von ihm schwanger ist? Und er von seiner Frau existentiell abhängig?

Lesen!

Ein Genuß!

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Ewigkeitsfjord

http://www.buchwelten.at/list/9783446244771

Ewigkeitsfjord.

Von Kim Leine. Erschienen im Hanser Verlag.

Wir sind im 18. Jahrhundert. Dänemark. Ein junger Mann, Sohn eines Lehrers soll nach Kopenhagen studieren gehen. Was er auch tut. Der Wunsch des Vaters ist Gesetz.

Kopenhagen ist eine schmutzige Stadt. Es gibt keine Kanalisation, die Gesellschaft ist streng getrennt. Adel, Bürgertum, Kaufleute, Pöbel. Mit einer Detailgenauigkeit die nichts zu wünschen übrig lässt erzählt Kim Leine das Leben unseres jungen Studiosus. Die Wohnverhältnisse, das Kennenlernen von amourösen Verhältnissen, sein Studium der Medizin, dem er sich hingebungsvoll hinter dem Rücken seines Vaters widmet, dann doch der Abschluss des Theologiestudiums.

Seine Braut und er finden sich schon vor der Hocheit intim zueinander, was strengstens untersagt ist. Er verlässt sie dann im Verlobungsjahr - eine Unmöglichkeit! - und geht in die Mission nach Grönland. Er wird dieses Land nicht mehr loslassen können.

Ein unspektakulärer Roman, ein historischer Roman, mit sehr vielen detailreichen Bettszenen, warum dies so wichtig war für die Darstellung des Lebens in Grönland, vielleicht um die Körperlichkeit und Vergänglichkeit des 18. Jahrhunderts, der "Wilden" - welcher auch immer - besser verdeutlichen zu können. Die gebildete Schicht mokiert sich über die Lebensform der Grönländer, die in Gemeinschaftshäusern leben und eine sehr freizügige Umgangsart pflegen. Im Gegensatz zu den Herrschern. Die Dänen gezieren sich als zivilisiert, zeichnen sich aber durch bunte verborgene Sexualpraktiken und Kindesmissbrauch aus.

Ein strenges Gesetz herrscht in dieser Zeit, verwaltet durch den Kaufmann, ein vom König eingesetzter Verwalter der Kolonie. Eine Gesellschaft, wo jeder seine Rolle kennt und aus dieser nicht weichen kann. Ein Pfarrer, der dem Alkohol sehr zugeneigt ist, eine kalte, finstere Welt. Unterernährung, Standrecht und Kälte bestimmen den Alltag. Der König als höchster Herrscher, dann erst kommt Gott. Der muss für vieles herhalten.

So begleiten wir den Pfarrer Morten Falck durch sein Leben. Die Bekanntschaften, die Krankheiten, Kinder sterben, Kinder werden geboren, Liebe flackert auf, verbotene Taten werden sichtbar, die Ahndung solcher Taten ist tödlich.

Ein schöner historischer Roman, der uns das Leben von vor 200 Jahren sehr bildlich näher bringt. 


Kim Leine hält sich an historische Dokumente, auch die Zeiträume werden genau eingegrenzt. Aus diesen belegbaren Fakten baut er einen lesbaren, gleitenden Roman. In den Kritiken heißt es, er sei mit Peter Hoeg vergleichbar. ("Fräulein Smillas Gespür für Schnee") Das finde ich so nicht. Hoeg wird nie so "körperlich".

Ansonsten haben die Dänen wohl noch einiges an Aufarbeitung vor sich. Ihr Verhältnis zu Grönland ist bis heute noch nicht bereinigt, wie es scheint.

Für Geschichtsinteressierte und solche, die an Menschen interessiert sind. "Die Zeiten gehen und der Mensch bleibt."

hier besorgen. www.buchwelten.at


http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%B6nland am 4.3.14
Grönland, auf Grönländisch Kalaallit Nunaat – „Land der Kalaallit“ (nach dem größten ansässigen Volk), auf Dänisch Grønland [ˈgʀœnlanʔ] – „Grünland“, ist die größte Insel der Erde und wird geologisch zum arktischen Nordamerika gezählt. Aus politischer Sicht ist es ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Das Gebiet bildet die drittgrößte Wüste der Erde. Das Land hat die geringste Bevölkerungsdichte der Welt.