Freitag, 31. Januar 2014

Ben. Kinderbuch.

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Mein Gott, was ist das für ein liebes Buch!

Der kleine Ben. Und seine Schildkröte Sowa. (Sein bester Freund. Nie will er ohne Sowa sein.) Mit einem großen Bruder, der manchmal ohne Ben sein will. Und ben ist einfach so. Er will groß sein. Und mutig.

ursüß

Zum Vor- und Selberlesen.

Schöne große Schrift. Abgeschlossene Kapitel. und der Stil ist so: Ben ist heute Indianer. Indianer sind mutig und kennen keinen Schmerz. Ben geht in den dunklen Keller, sein Vater sieht im Keller nichts. Ben sieht sogar ganz viel. Vor allem schaurige Dinge. Er hat seine Flöte mit. Die ist die Friedenspfeife.

oder.
Bens großer Bruder ist ganz anders, seit ins Nachbarhaus eine Familie mit zwei Mädchen eingezogen sind. Bens Bruder sind Mädchen ganz egal. Aber er läuft jetzt ständig als Cowboy im Garten herum und schießt in die Luft.

Ben. Ein Bub mit 5/6 Jahren.

Heute darf er bei seinen Großeltern übernachten. Für seinen Opa ist er der große Ben.


So schön.


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Dienstag, 21. Januar 2014

Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki

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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Von Haruki Murakami.

Tsukuru Tazaki ist der einzige in seiner Gruppe, dessen Familienname keine Farbe bezeichnet. Wahrscheinlich haben sie ihn deswegen damals einfach fallen gelassen. 

Wir lernen Tsukuru kennen, als er nur mehr sterben will. Er ist 20 Jahre alt, studiert Eisenbahnbau in Tokio und hat keine Freunde mehr. Sie wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er wisse schon weshalb. Er weiß nicht, weshalb. Sein Schock sitzt so tief, dass er nicht nachfragen kann. Sein Versuch, beim reinen daran denken, sein Herz zu bewegen, zu schlagen aufzuhören, scheitert.

Es scheitert auch die Freundschaft zu einem jüngeren Studenten. Auch der ist irgendwann ohne Vorwarnung einfach weg. Und hinterlässt ihm die Schallplatten mit einer Lisztaufnahme von annees de pelerinage. (hier ein Beispiel von youtube. Pianist. Lazar Berman. ).

Er kann das Stück viele Jahre später im Detail auswendig. Seine Freundin Shiro, eine hochbegabte junge Künstlerin konnte dieses Stück so gut interpretieren, die Aufnahme, die ihm sein Freund hinterlassen hat ist ruhiger. Es ist die Aufnahme von Lasar Berman, einem Russen. Liszt begleitet unseren farblosen Herrn Tazaki durch sein ganzes Leben.

Die Traurigkeit, das Nicht-Passen. Der Schock, die merkwürdigen Vorgänge rund um seinen lieben jungen Freund Haida, der ihm eine merkwürdige Geschichte erzählt. Ist es ein Pakt mit dem Teufel? Wie kann jemand seinen Tod bestimmen, sich verkaufen mit dem Geschenk der Gabe, die Menschen in ihrem wahren Licht zu sehen?

Tsukuru bleibt einsam. Es muss wohl so sein. Sara, eine um zwei Jahre ältere Frau, in die er sich so verliebt, dass es körperlich weh tut, stellt ihm ein Ultimatum: Er muss die Sache mit seinen guten Freunden aufklären, andernfalls könne sie nicht mit ihm in einer festen, langen Beziehung leben. Es stehe da etwas zwischen ihnen.

Tsukuru macht sich auf die Reise. Von den anderen Vieren leben nur mehr drei. Shiro, die Künstlerin, hatte einen tragischen Tod erlitten (was ihn sehr trifft, träumt er doch regelmäßig von ihr). Und dann erzählen ihm die anderen ihre Geschichte. 16 Jahre nach dem Vorfall. Nur weil er es darauf anlegt. Und er, was löst es aus. Erleichterung?

Haruki Murakami erzählt in fließender Sprache, mit Einschlägen geistig/spiritueller Erlebnisse (tut mir leid, aber ich habe immer wieder Verbindungen zu Coelho  gefunden, nicht so coelhoisch aber doch; Erzählungen, Träume, die in einer anderen Realität stattfinden. Die Möglichkeit ist immer da.) das Trauma eines jungen Mannes, dem dann bleibt: ein farbloser Mensch, mit farblosem Namen, ein leeres Gefäß, zu nichts nütze, für niemanden zu gebrauchen.

Das Buch endet am Tag vor dem Treffen mit Sara. Dem Treffen, das entscheiden wird, ob er sich in und mit einer anderen Person ein Leben aufbauen wird, oder ob er ganz ins Transparente abgleitet. Es hängt an Sara. Wird sie sich für ihn entscheiden?


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Dies war mein erster Murakami. Ich war überrascht. 


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Kein einfacher Stoff. Der Funken Hoffnung. 


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Sonntag, 19. Januar 2014

Leben

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Leben. Von David Wagner.

Wie sieht der Mensch aus, wenn die Haut weg ist? Gruselig. Hier das Bild der inneren Organe und des Blutkreislaufes. Das als Cover. Und das Buch heißt "Leben".

Wir leben mit ihm. Er spuckt Blut. Sehr viel Blut. Er hat eine kaputte Leber. Schon immer. Schon als kleines Kind, hatte er diese Säuferleber. Sehr seltene Erkrankung. Er wird sterben. So sich keine Transplantationsleber findet. Er ist es gewohnt, dass es Probleme mit ihm gibt. Dass er im Krankenhaus liegt, mit Medikamenten eingestellt wird, kennt alle Fachbegriffe, kennt seinen Arzt gut, sehr gut. Seine Leber, das zentrale Organ ist zum Begleiter geworden. Eine bewusste Auseinandersetzung mit etwas in dir, das dein Blut nicht reinigt. Mit einem Organ in dir, das dich schwach macht,

Wir sind mit ihm im Krankenhaus, liegen mit ihm im Bett. Fragen uns mit ihm wozu das alles, da gibt es dann noch ein Kind, das Kind, das nicht ins Krankenhaus gehen mag, keinen kranken Vater haben mag.

Irgendwann der Anruf. Eine Leber ist da. Sofort transplantieren. Wir sind mit ihm, wenn er sich fragt, was denn das für ein Mensch gewesen sei, dessen Leber jetzt in seinem Körper arbeitet. Darf das sein? Wollte denn nicht das Schicksal, dass er jung stirbt?

Wir erleben die Geschichte eines leberkranken Mannes, der auf die Transplantation wartet. Abschnittweise lesen wir die Diagnosen. Dann wieder sein Erleben dieses Zustandes.

David Wagner lässt uns an den inneren Monologen des Mannes teilhaben. Mit einer unglaublichen Dichte stellt er die grundsätzlichen Fragen des Lebens. Ein großes Buch. Ein wertvoller Roman.

"Papa? Kommst du bald nach Hause?"




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Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb

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Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb.

Aus dem Englischen übersetzt von Juiane Zaubitzer.


An diesem Morgen, nach dem Frühstück, die übliche Arbeit wartet auf sie, denkt sie sich, heute werden die Kinder nicht heim kommen, sie könnte doch auch etwas später alle Erledigungen, Aufräumungen, Wegräumungen machen. Den Fleck, den sie auf ihrem geliebten Fauteuil hinterlassen haben wegputzen. Das könnte sie alles auch später machen. Sie leert die verbliebene Tomatensuppe auf den gestickten Stoff, für den sie zwei Jahre brauchte, geht nach oben und legt sich hin.


So beginnt die Geschichte von der Frau, die ein Jahr im Bett blieb.

Das Übliche. Sie ist selbstverständlich. Selbstverständlich da. Selbstverständlich hat sie an alle Details gedacht. Selbstverständlich sorgt sie sich um alle anderen. Selbstverständlich klagt sie nicht, wenn die Kinder alles versauen. Selbstverständlich ist immer alles geputzt. Selbstverständlich holt sie ab; von der Schule, von den Freunden, vom Nachmittagsunterricht. Selbstverständlich ist ihr Mann immer gut angezogen. Selbstverständlich versteht sie sein Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe. Alles selbstverständlich. Alles ganz normal.

Und dann ist sie nicht mehr normal. Sie verweigert sich. Nicht so aus bewusstem Protest. Das Problem ist, sie kann sich nicht mehr vorstellen, ihre Beine auf den Boden des Schlafzimmers zu stellen, einen Schritt zu machen, wo würde der hinführen? Wo würde das Verhalten, wieder zu funktionieren, hinführen?

Ein verwirrtes Umfeld trifft auf sie. Ehemann, Mutter, Schwiegermutter, die Zwillinge. Perplex, verständnislos, unwillig, abweisend, abwendend.

Und dann kommt Besuch. Sie habe ja jetzt Zeit. Die Nachbarin, der Taxler, einsame Seelen schütten ihr Herz aus. Sie kann sich nicht wehren, sie liegt ja im Bett. Eine Dynamik entwickelt sich, sie lässt das alte Schlafzimmer ausmisten. Die Möbel seiner Mutter entsorgen. Alles muss weiß, hell, unverstellt sein. 

Die Affäre ihres Mannes schwappt hoch. Der Egoismus ihrer genialen Kinder. Die Vorwürfe ihrer Mutter, ihrer Schwiegermutter.

Und dann ein Handwerker. Schwarz wie der Prinz von Saba. Einfühlungsvermögen, Klarheit im Blick, Nachsicht, und sehr viel Pragmatismus. Er gibt ihr zu Essen, er versorgt sie, er organisiert die Besucherströme. Und dann gibt auch er auf. Ein Jahr ist zu lange. Sie verbarrikadiert sich, verhungert fast. Ihr Familie meint, sie werde schon zur Vernunft kommen, wenn sie nur hungrig genug ist.

Es gibt eine Auflösung. 


Von britischem Humor, skurillen Szenen, familiären Verstrickungen getragene Geschichte. Immer in einer Leichtigkeit erzählt, in einer vorgeschobenen Normalität. Wunderbar.


Ich habe das Buch mit Genuss gelesen. Es lebt von schrulligen Dialogen, inneren Monologen, begleitet von einer Rahmenhandlung, die alle aus der Bahn wirft. Von Menschen, die Erlösung durch andere Suchen, die gar nichts mehr suchen. Viele Charaktere, die mit spitzer Feder gezeichnet sind.