Donnerstag, 26. September 2013

Honig. von Ian McEwan

Honig. Von Ian MEwan

Noch im Geschmack der Zeilen, in der Geschichte verweilend, im Schreibtempo gebannt erzähle ich von meiner Begegnung mit Ian McEwan. Wohl wissend, dass ich nicht die Worte finden werden, diesen Autor umfassend zu beschreiben.


Erst beginnt die Geschichte ganz langsam. Die Personen werden vorgestellt. Ich beginne mich zu langweilen. Wie immer tauchen die Fragen auf: Warum tue ich mir das an? Ich könnte das Buch längst weglegen. Was wird da schon werden? Ich vergeude meine Zeit. Es gibt so viele gute Bücher.

Jedoch. Ich lege das Buch nicht weg. Ganz im Gegenteil. Lasse es nicht mehr los. Lese lese lese.

Der Erzählstil hält sich an die Zeit, eher an den Stil der jungen Frau. Wohlhabende Familie, braves Mädchen, studiert was ihre Mutter will. Fügt sich ein. Lebt so vor sich hin. Lernt in diesem schrecklichen Cambridge dann doch noch einen Studenten kennen. Erste sexuelle Erfahrungen. Sie findets gut, er selbst ist gelangweilt. Sie meint dies zumindest. Dann verliebt sie sich in ihren Professor. Ein wunderbarer Sommr voller Verstecken und sexuell erfüllender Erlebnisse erwartet sie. Der Professor lässt sie dann kalt fallen.

Nichtsdestotrotz nimmt sie einen merkwürdigen Job beim Geheimdienst an und verschweigt das zuhause bei ihren Eltern. Und hier beginnt es. Sie zieht diese Geheimnistuerei tief in sich hinein. Und kommt nicht mehr heraus. Auch nicht, als die einzige Freundin, die sie hat, sich outet - sie bricht die Beziehung ab. Sie ist blind für die skandalösen Umstände unter denen sie arbeitet, will nur gelobt werden. Dafür tut sie alles.

Selbst als sie die große Liebe findet bleibt sie in ihrem Versteckspiel-Gefängnis hängen. Die Geschichte gewinnt an Dynamik. Die Intrigen in der M15 (Geheimdienst) werden immer deutlicher. Sie ist gehetzt. Ihr wahres Ich kann nicht mehr durchkommen. Man möchte sie anschreien. Sie verstrickt sich immer tiefer und lebt selbst mit der Gefahr ihre Beziehungen zu verlieren.

Ihr Freund, Ihr Geliebter (Ian McEwan geizt nicht mit Liebesszenen), Ihr Alles. Sie hintergeht ihn durch ihre Unfähigkeit, sich loszulösen. Zu sehr ist sie gefangen im Brave-Mädchen-Syndrom.

Als die Sache kollabiert fährt sie noch einmal zu ihm - und da liegt ein Brief.

Ian McEwan hält Überraschungen für uns bereit, führt uns in die paranoide Welt der Geheimdienste ein und zeigt uns die gehässigen Seiten des Menschseins. Und dann wendet er.


Ein Buch, wert ein zweites Mal gelesen zu werden.


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