Samstag, 8. Juni 2013

allein unter schildkröten.

allein unter schildkröten.

Von Marit Kaldhol.


Zuerst habe ich es nicht verstanden. Was da passiert. Mikke schreibt Tagebuch. Immer sehr spät. Er hat geniale Sätze. Die gefallen mir sehr gut, manche lese ich jedem, der vorbei kommt, vor. Toll! Lyrisch.

Mikke schreibt auf, was ihn beschäftigt. Kurz. Manchmal sehr kurz. Er merkt viel, ist empathisch. Biologie interessiert ihn. Die Schildkröten, aussterbende Fische.

Er geht nicht mehr zur Schule, keiner merkt es. Dann hört er auf zu schreiben.


Das Buch ist so aufgebaut: zuerst das Tagebuch von Mikke, dann die Gedanken der Mutter, dann die des Vaters, dann Freundin, bester Freund und Sverre.


Mikke hat sich umgebracht. Irgendwie so, dass ganz viel Blut geflossen ist. Seine Mutter bekommt die Bilder nicht mehr aus ihrem Kopf. Niemand weiß, warum Mikke nicht mehr leben wollte.


Ich würde gerne mit ganz vielen Menschen über dieses Buch sprechen. Einzelne Sätze erläutern. Welcher Gedanke bei wem genau welchen Eindruck vermittelt hat, welches Bild entstehen ließ.


Ein Meisterwerk.


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Kurztext / Annotation
Mikke steht kurz vor dem Abitur. Nach außen wirkt er wie ein ganz normaler Teenager. Er hat eine Freundin, engagiert sich für die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten und kümmert sich aufopfernd um Sverre, der am Down-Syndrom leidet. Doch was wirklich in Mikke vorgeht, ahnt niemand in seinem Umfeld. Er zieht sich immer mehr zurück. Bis er keinen Ausweg mehr sieht ...

Langtext
6. Mai, 03.10 Uhr Unmöglich, einzuschlafen, unmöglich, wach zu bleiben.Die Zeit in meinem Körper und die äußere Zeit stimmen nicht mehr überein.Bin heute schon wieder nicht zur Schule gegangen.Keiner ruft an, keiner merkt, dass ich nicht da bin. Mikke ist zerrissen zwischen Glücksgefühlen der ersten Liebe und tiefer Traurigkeit. Die preisgekrönte norwegische Autorin Marit Kaldhol zeichnet das bewegende Porträt eines Jungen an der Schwelle zum Erwachsenenwerden. Still, poetisch und berührend.

Besprechung
Marit Kaldhol gibt in ihrem Jugendroman dem Jungen Raum für seine Empfindungen, in einer Sprache, die lyrisch verknappt immer nur seine Gefühle reflektiert und damit seine ausweglose Einsamkeit, in der er seine Umwelt kaum real wahrnimmt. (Süddeutsche Zeitung)

Zitat aus einer Besprechung
Die Norwegerin Marit Kaldhol bringt in dem Roman Allein unter Schildkröten Licht in die düstere Innenwelt eines jungen Mannes, der den Lebensmut verliert. (...) Ihr neuer, in Norwegen viel beachteter Roman richtet sich an Jugendliche. Doch auch Erwachsene wird die bildreiche Sprache, die tiefgründige Geschichte berühren. Die Autorin verharmlost nicht, klagt aber auch nicht an. Sie lässt Zweifel und Trauer spüren, doch zwischen all den düsteren Gedanken blitzt immer wieder der wichtigste auf: Das Leben lohnt sich! (WAZ)