Sonntag, 28. Juli 2013

Gleis 4.


Franz Hohler. Gleis 4. 

"Darf ich Ihnen den Koffer tragen?" Hätte sie geahnt, was dieser Satz für Folgen hatte, sie hätte abgelehnt, höflich aber entschieden.

Sie ist auf dem Weg zu einer Freundin, gerade hat sie eine Operation hinter sich gebracht und ist noch rekonvaleszent. Nun soll sie zu ihrer Freundin nach Italien fliegen. Ihr Koffer ist schwer und sie überlegt kurz, als sie vor den Stiegen steht, von der U-Bahn rauf zu den Zuggleisen. 

Da steht ein Mann neben ihr. Einer von der Sorte Gentleman und fragt sie: "Darf ich Ihnen den Koffer tragen?" Sie lässt ihn tragen. Freut sich, wer weiß wie ihre Narbe auf das Gewicht reagiert hätte.

Oben - sie müssen zu Gleis 4 - bricht er zusammen und stirbt an einem Herzinfarkt. 

Nun, sie hätte nachdem er abtransportiert war weggehen können. Aber irgendwie ist seine Tasche auf ihrem Koffer liegen geblieben. Sie hätte diese auch am nächsten Tag zur Polizei bringen können. War irrtümlich zu meinen Sachen gestellt worden. Sie hätte auch das läutende Handy ignorieren können. Nicht abheben. So, wie es ihre Tochte geraten hatte. Die überhaupt der Meinung war, sie solle sich da jetzt nicht hinein und so. 

Doch sie war schon drinnen. In der Geschichte eines Mannes, der in ihren Händen auf Gleis 4 verstorben war. Er wollte ihr noch etwas sagen. Bitte...


Der Roman spielt in der Schweiz. Unsere Protagonistin kommt von seiner Lebensgeschichte nicht mehr los. Und wir erfahren ein Stückchen Schweizer verdrängte Wahrheit. 


Wunderschön, fesselnd und von betörend schöner Sprache.









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