Montag, 1. April 2013

Fräulein Jacobs funktioniert nicht



Fräulein Jacobs funktioniert nicht. Von Louise Jacobs.

Zuerst einmal ist mir dieses Cover beim Zeitunglesen in die Augen gestochen und ich dachte mir, in dieses Buch muss ich rein schauen, das klingt so interessant. Und dann, beim Reden und Vorstellen mit lieben Leuten ist es mir im Laufe des Tages ganz von allein in die Hände gefallen. Das war am Samstag vor Ostern.

Neben einem Stapel anderer Bücher, die unbedingt übers verlängerte Wochenende mitmussten.

Und dann habe ich angefangen. Fräulein Jacobs, ein Kind der Jacobs Kaffee Dynastie funktioniert nicht. Sie passt nicht in die Welt und zwar ab dem Zeitpunkt der Einschulung. Fräulein Jacobs kann nicht rechnen und nicht schreiben. Sie ist zu langsam, versteht nicht. Und sie wird gefördert. Da Fördern Zeit in Anspruch nimmt, wird Zeit von nicht so wichtigen Beschäftigungen weggenommen. Diese sind: Zeichnen, Spielen, Wandern gehen.

Fräulein Jacobs wächst in einer liebevollen, besorgten Familie auf. Da kann man gar nichts sagen, Aber sie passt nicht. Nicht in die Umgebung. Nicht in die Vorstellungen. Bis sie sich selbst nicht mehr passt. Ihr passt dann nichts mehr.

Denn sie will perfekt sein, sie will ein braves Mädchen sein, dass die Schule schafft, dass Leistung erbringt, das Zukunftspläne hat. In Wirklichkeit funktioniert das alles nicht bei ihr. Sie funktioniert also nicht. Und sie richtet sich gegen sich selbst. Eine übertherapierte junge Frau will sich selbst wegschaffen. Sie isst nicht mehr.

Ihre Eltern helfen ihr, sind verständnisvoll, wollen, dass sie in dieser Welt besteht. Sie will nichts mehr. Oder doch. Sie will in und mit der Natur sein. Möglichst einsam. Sie hat mittlerweile nicht nur mathematisch-logische, legasthenische, sondern auch soziale Probleme.

Die Geschichte: Ein junger Mensch sucht sich selbst.

 Was passiert in einer Gesellschaft, in der Schul- und Studienabschlüsse alles sind, mit einem Menschen, der in Bildern denkt? Mit einem Menschen, der ständig analysiert wird, korrigiert wird, gefördert wird, angepasst wird?

Wie umgehen mit so jemanden? Wie geht so jemand mit sich selbst um?

Louise Jacobs hat ein wunderbares Schreibtalent entwickelt. Ganz im Stillen, ganz privat. Sie gibt mit ihrer Lebenserzählung einerseits ein Bild unserer Gesellschaft ab, an dem viele zerbrechen und sie tut dies mit einer großen Reflexion. In detaillierten Bildern beschreibt sie ihre Dysfunktionalität, die nur in der Leistungsgesellschaft mangelhaft ist, sie zeigt uns, wie ein junger Mensch an sich selbst verzweifeln und auch wachsen kann. Wie schwierig es auch ist, sich gegen ein liebevolles und verständnisvolles Umfeld durchzusetzen.

Was tun mit jemandem, der Cowboy werden will?

Diese Geschichte kann ich all denen empfehlen, die auch schon einmal in irgendein Schema nicht hineingepasst haben. Und all jenen, die in einer Unpassendheit aktuell gefangen sind.


wunderschön geschrieben, ich habe sie gerne begleitet.


Hier gleich besorgen: www.buchwelten.at
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