Freitag, 1. Februar 2013

Bin gesund und guter Dinge






Ich mag diese neue Literatur, die den zweiten Weltkrieg aus einer gänzlich anderen Perspektive, der Enkelperspektive, beleuchtet. Und dass der Osten in diesen Romanen näher rückt. Für mich ist das auch sichtbar werdendes Europa. Der Fokus verschiebt sich.

Philipp Traun, österreichischer Autor aus Petronell-Carnuntum hat ein Meisterwerk abgeliefert. In zwei großen Blöcken erzählt er die Aufarbeitung des Lebens von Paul. Paul ist 32 und kann sich an nichts vor seinem 10. Geburtstag erinnern. Er lebt in einem großen Schloss gemeinsam mit Großvater und Pflegerin.

Die Geschichte springt. Tagebucheinträge des Großvaters, Briefe aus dem Krankenlazarett an den zurückgekehrten Soldaten, Rückblenden Pauls an seine Kindheit, die Realität heute, nämlich wirklich jetzt, das Buch spielt 2012.

Das Schloss muss geräumt werden, offenbar ist der Großvater verarmt, Paul ist im gefühlten 100. Semester seines Studiums. In der Zeit des Verabschiedens aus dem großen Raum öffnet Paul im Archivraum zwei Truhen. Beide sind verschlossen. In der einen findet er die Kriegsaufzeichnungen seines Großvaters. Hauptsächlich 1941. Sein Großvater ist in Polen und der Ukraine eingesetzt und wird schwer verwundet. Und in der anderen Kiste "Schubumkehr" finden sich Unterlagen eines Flugzeugunglücks. Pauls Eltern waren im Flugzeug und sind tot. Paul ist seit 21 Jahren Vollwaise.

Nun. Ein Leben. Die Suche nach der eigenen Geschichte, nach sich selbst. Paul stößt auf Schweigen, an Gummiwände. Er beschließt - aufgrund der gelesenen Kriegstagebücher und Liebesbriefe aus Veselé - mit Vater und polnischer Pflegerin an den Ort des Geschehens, Warschau und Veselé, zu reisen.

Gemeinsam mit seinen Phobien, einem Vogel, einem halbkaputten Auto und vielen Sehnsüchten und Fragen.


Ein guter, ein ausgezeichneter Roman.
Bin tief beeindruckt.


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