Sonntag, 24. Februar 2013

Adams Erbe.


Adams Erbe. Von Astrid Rosenfeld

Natürlich habe ich mir dieses Buch schon öfter angesehen. Aber ich wollte es nicht lesen. Ich kannte Frau Rosenfeld nicht und da waren noch so viele gute Bücher. Und überhaupt.

Dann las ich in einem Magazin den Anfang einer Geschichte, die ich unbedingt weiterlesen wollte, weil mich die Personen so fesselten. Das war der Anfang von Elsas Ungeheuer. Autorin: Astrid Rosenfeld.

Diese Geschichte erzählte ich einer lieben Leserin, die mir dann "Adams Erbe" mit solcher Inbrunst ans Herz legte, dass ich mir ebendieses nahm und das Buch aufschlug. Und es passierte wieder. Die Menschen in diesem Buch sind so gut und einfach und "am Leben" gezeichnet. Abgesehen davon, dass man aus dem ersten Satz schon nicht mehr raus kann. Und man will dann auch nicht mehr. Etwas anderes tun als mitleben.

Ich muss gestehen, ich habe das Buch in zwei Tranchen gelesen, Sofort am Abend nach der inniglichen Empfehlung und am nächsten Nachmittag und Abend und in die Nacht. Bis ich die Geschichte ausgelesen hatte.


Adam ist zu Beginn eine unbekannte Gestalt. Viel wichtiger ist Edward, dessen Neffe, der seinen Onkel nicht gekannt hatte. Eine Nachkriegsgeschichte. Moses, sein Großvater leidet unter Traumata, das wird aber nicht weiter erwähnt, nur dass ebendieser Moses in seinem Zimmer lebt, allein und für die Umwlet nicht weiter ansprechbar ist. Dann gibt es noch eine sehr dominante Großmutter, eine stille Mutter und einen nicht vorhandenenVater.

Jedenfalls aber gibt es Edward. Und Edward sei so wie Adam. Aber wer oder was Adam war, das wird Edward nie gesagt. Irgendwann ist das nicht weiter wichtig, weil Edward später den perfekten Mann für seine Mutter findet, die diesen auch ganz wunderbar findet und dann gehen sie weg. Weg aus diesem Haus. Sie leben ein glückliches Vagabundenleben und Edwards neuer Vater Jack nimmt sich sehr um den Buben an. Er lehrt ihn die Gesetze des Lebens, aber weder Ordnung noch Pflichten. Als Jack stirbt bricht in Edward etwas auseinander. Er bekommt keinerlei Zuwendung und fristet viele Jahre ein Leben in Taubheit. Bis ihm Amy begegnet. Und er kann an nichts anderes mehr denken.

Und hier ist er jetzt seines Onkels Neffe. Die Liebe.


Aber dazu erst später wieder.

Als seine Großmutter stirbt findet Edward im verbotenen Dachzimmer einen Buchentwurf. Es ist Adams Buch. Und er beginnt zu lesen.


Adam war ein kleiner Junge mit einer ihn über die Maßen liebenden Großmutter. Berlin, 1920er Jahre. Die Familie ist jüdisch, aber nicht sehr. Adams älterer Bruder Moses ist beschnitten, dies tat seine Mutter, als Moses´ Vater für den deutschen Kaiser im Krieg war. Als der dann nach verlorener Schlacht und verlorenem Krieg auch seinen Lebenssinn verlor, zog er sich ins Dachzimmer zurück und war für die Familie nicht mehr ansprechbar. Adam war nicht beschnitten, man vergaß darauf und dann war es auch schon zu spät. Adam war Großmutter Eddas Kind. Und sie lehrte ihm alles, was er fürs Leben brauchte. Sie lehrt ihn in den Gesichern der Menschen zu lesen. Aber nicht Ordnung und nicht das Fürchten.

Die Taten des Herrn August (wie Großmutter den merkwürdigen Obernazi nannte) spielten immer intensiver in das Leben der Familie Cohen hinein und trotzdem passierte Adam etwas. Ihm passierte Anna. Als er Anna sah, da versank die Welt um ihn herum. Er konnte an nichts mehr als an Anna denken. Nur Anna war wichtig. Und seine Großmutter verstand das.

Und dann war Anna weg. Im Zuge der Pogrome und Säuberungen, die immer mehr von ihnen trafen. Man konnte auch nicht suchen und nicht nachfragen, das hätte Anna nur noch mehr geschadet. Eddas Freund, ein hoher Nazi, Freund aus alten Kaisertagen, half dann. Adam wurde in Anton verwandelt und durfte mit nach Osten, Anna suchen.

Wir erleben seine Zeit unter hochrangigen Nazis, als er zum ersten Mal das Warschauer Ghetto sah, die immer brutaler werdenden Nazis, die Entmenschlichung der Führungriege. Wir erleben aber auch, dass viele deutsche Nazis diese Brutalität nicht aushalten, viele müssen heim geschickt werden. Das Misstrauen einer Spitzelgesellschaft, die Gefahr, in der jeder Einzelne sich befindet.

Aber Anton will nur Anna finden. Das ist sein Lebensziel. Und erfindet sie dann auch. Sie ist bereits im Warschauer Ghetto. Und dann tauscht Anton mit Anna. Anna darf davon nichts wissen. Anton geht ins Ghetto. Und dort schreibt er dann in den letzten paar Wochen vor der Räumung des Ghettos seine Geschichte auf.

Edward hat nun ein Erbe. Und er hat viel verstanden. Und viel bekommen.


So viel wie bei diesem Buch habe ich schon lange nicht mehr geweint. Es ist so schön und so traurig und so schrecklich. Und so hoffnungsvoll und tiefsinnig und es lächelt...


Wunderschön.


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