Sonntag, 20. Januar 2013

Pink Hotel.

Pink Hotel.

Diesem Roman laufe ich seit dem Sommer nach. Ich habe ihn vielen Leuten empfohlen, jungen Menschen, die Leseprobe meinen Lehrmädchen mehr oder minder aufgezwungen. Nur ich selbst bin nicht dazugekommen, sie zu lesen.

Aber jetzt, nachdem ich einige Tage abtauchen konnte und voller Vorfreude über die erwählten Bücher streichen konnte, jetzt war Zeit und Muße da, den Roman zu öffnen.

Und meine Erwartungen haben sich erfüllt. Anna Stothard liefert einen großartigen Debutroman, tiefgehend, Lebensrealitäten beschreibend, eine Geschichte des Reifens und Erwachsenwerdens.

Sie beschreibt gerade ein ihr fremdes Zimmer, es ist das Zimmer von Lily. Lily ist ihre verstorbene Mutter. Sie hat sie nicht gekannt. Lily hat sie verlassen, da war sie fast noch ein Baby. Sie erinnert sich nur an ganz wenige Details.

Sie ist gerade siebzehn geworden und nimmt sich die Kreditkarte der Lebensgefährtin ihres Vaters, bucht einen Flug nach Amerika und kommt zu spät zur Beerdigung ihrer Mutter. Sie nennt sie Lily. Mutter geht nicht. Und dann macht sie sich auf die Suche nach Spuren von Lily. Sie möchte erfahren, wer sie war, wie sie gelebt hat, zieht ihre Kleider an, nimmt ihren Koffer mit.

Lily führte ein aufregendes Leben, alle liebten sie. Sie selbst führte bis jetzt ein unaufgeregtes Leben, ihr Vater hat sie groß gezogen, er war stehen gelassen worden, selbst noch sehr jung. Lily war 14, als sie sie bekommen hat. Die Großeltern wollten eine Abtreibung. Sie selbst kann ganz unsichtbar sein. Sie stiehlt, sie mag Schmerz. Zuneigung ist ihr suspekt.

In der drogenbelasteten Welt von Los Angeles lernt sie viele kaputte Typen kennen, lernt aber auch die Liebe kennen. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht und sie torkelt von einem Erfahrungsort zum anderen. Aber sie kommt zurecht. Ihr Vater versteht sie nicht, sie ruft ihn an, er wird ihr das Geld für den Flug mit Zins und Zinseszins zurückzahlen lassen. Ihr Narben verheilen. Auch körperlich.

In dieser dichten Geschichte entwickelt sich das junge Mädchen, sie kommt zurecht und am Ende wird sie wohl hier bleiben. Ihre Mutter war eine schlechte Mutter. Sie hat sie verlassen. Aber dann steht sie mit dem Pink Hotel da. Und sie ist erwachsen geworden.


Dieser Roman, in inneren Monologen geschrieben nimmt uns mit in ihre Welt. Die Welt eines Mädchens, das verlassen wurde, der niemand beigestanden ist, als Oma und Opa starben, eines Mädchens, das versuchte, sich selbst zu spüren, in dem sie sich Schmerzen zufügte. Ein überforderter Vater auf der anderen Seite. Und dann erkennt sie ihre Umstände, sie wird ihre Herkunft nicht vergessen. Und sie wird sich ihr eigenes Leben aufbauen.

Eine positive Geschichte. Eine herzberührende Geschichte.
Eine wunderbare Sprache, die uns durch dieses Leben begleitet.



Hier erhältlich: www.buchwelten.at

Mittwoch, 16. Januar 2013

Rotraud Perner. Die Überwindung der Ich-Sucht. Sozialkompetenz und Salutogenese.


Nachdem ich "Kaktusmenschen" und "Der erschöpfte Mensch" gelesen habe und Frau Perner meine Glückwünsche zu diesen Büchern, besonders zum erschöpften Menschen gesendet habe, hat sie mir dieses Buch "Die Überwindung der Ich-Sucht. Sozialkompetenz und Salutogenese." empfohlen.

Ein Sachbuch. Aber nach Pernerscher Tradition so geschrieben, dass auch durchschnittlich gebildete Menschen das Buch gut und leicht lesen können.

Jetzt sieht es bei mir so aus, wie ein Lehrbuch eben aussieht; Unterstreichungen, post-its über die Maßen, handschriftliche Notizen an den Rändern. Da gibt es was zu lernen.

1.) die Definitionen von Sozialkompetenz
2.) die Erklärung des Begriffes Salutogenese (gesundheitsförderndes Leben)
3.) Handlungs- und Umsetzungsmöglichkeiten.

Was in vielen Ratgebern und Lehrbüchern in einfach gestrickten Handlungsmustern, oft banal, so des Weges kommt: hier finden Sie die fundierten Grundlagen. 

Ein Buch für alle, die es gern genauer, wissenschaftlicher, exakt dekliniert haben. Das "es" ist: wie lebt man ein gesundes, reflektiertes und verantwortungsvolles Leben.

Davon kann es nicht genug geben. (nämlich von gesundem, reflektiertem und verantwortungsvollem Leben :-))

Ich habe es mit großem Interesse, mit Lächeln, diversen Erkenntnissen gelesen und auch viel Neues gelernt; meine Aha-Erlebnisse gehabt. Und ich werde es wieder und wieder zur Hand nehmen. Das haben Lehrbücher so an sich.



Weitere Bücher von Rotraut A. Perner hier





Dienstag, 15. Januar 2013

Die Schriften von Accra


Nach einer kurzen Einleitung beginnen wir, die Schriften von Accra, eine Überlieferung aus dem Jahre 1099, zu lesen. Die Kreuzritter stehen vor Jersualem. Die Bürger von Jerusalem sind in großer Angst. Sie möchten Trost und Rat von einem weisen Mann.

Im Stile der griechischen Philosophen (der Kopte ist ein Grieche) schlägt der weise Mann seinen Zuhörern vor, ihm Fragen zu stellen, die er dann beantworten könne.

Die Schriften von Accra sind eine tiefgehend philosophische Beantwortung zu Fragen der Jerusalemer Bürger am Tag vor der großen Schlacht. Und es sind die wichtigen Fragen des Lebens, die grundsätzlichen Fragen.


Coelho gibt uns hier ein Handbuch, das für viele Gelegenheiten, Antworten, Veränderungen der Sichtweise bietet. Vor allem aber ist dies ein Buch fürs Immer-wieder-zur-Hand-nehmen. Fürs Bücherregal, um immer wieder ganze Zitate rauszuschreiben, für sich selbst, für Freunde.

Ein gutes, ein wichtiges Buch.







Sonntag, 13. Januar 2013

Die Zukunft der österreichischen Landesverteidigung

Die Politik

Die Vorgangsweise der "staatstragenden" Parteien ÖVP und SPÖ in der grundsätzlichen und ernsthaften Frage, wie die österreichische Landesverteidigung in Zukunft organisiert werden soll, ist beschämend.

Keine Partei bringt fundierte Argumente. Was sich heute in Österreich abspielt ist eine billige Schmierenkomödie erfunden für kurzfristige Showacts, von vermeintlichen Medienspezialisten weiterkommuniziert und ohne Inhalt. An diesem Fall wird besonders deutlich (weil die Frage so ausgesprochen ernsthaft ist), welch Geistes Kind derzeit in den politischen Büros von ÖVP und SPÖ zuhause ist.


Schwächlinge und Menschen fern jeglicher persönlicher Courage.

Sei es. Aber bitte nicht in grundsätzlichen Fragen der Staatsausrichtung.

(Die Parteien haben offenbar das Problem, dass nur mehr Mitläufer und Opportunisten in den Gremien sitzen, Karrieristen, die sich eingenistet haben in ein bequemes Schlaraffenland. Die laufen überallhin nach. Hauptsache der Lohn stimmt. Und nun hüpfen sie hinter Männern nach, die sich ein kleines Spielchen genehmigen. Leider ist das Thema gerade eben die Wehrpflicht. Pech gehabt, liebes Österreich.)

Ich werde für ein Berufsheer stimmen, denn das Bundesheer wurde in den letzten (zumindest) 20 Jahren inhaltsleer und ohne Feindbild vor sich hin verwaltet. Die Umstellung auf ein Berufsheer wird die verantwortlichen Personen hoffentlich zwingen, konkrete Pläne, Strategien und Umsetzungsiele auszuformulieren. (Und: niemand hindert Österreich daran, im Falle einer völlig radikalen Veränderung der europäischen Lage, wieder eine andere Entscheidung zu treffen.)

Die Medien

Den Journalistinnen und Journalisten Österreichs sei großes Lob ausgesprochen. Sie haben viel zur Ehrenrettung der Republik beigetragen, denn nur die Zeitungen und Zeitschriften haben ihre Verantwortung auf sich genommen und eine Aufklärung und Diskussion zur Fragestellung betrieben.

Das tröstet.

Das Volk

Am meisten verwundert mich - und das zeigt auch die Verunsicherung der Menschen - inwieweit sich NIEMAND privat, in Lokalen, bei Veranstaltungen, auf der Straße  zu dem Thema äußern mag. Die Parteifunktionäre nicht, da man ihnen eine komplette Kehrtwendung ihrer Linie abverlangt. (Die ÖVP war immer für ein Berufsheer und einen Beitritt zur NATO, die SPÖ für eine allgemeine Wehrpflicht.) Und nur weil zwei wichtige Regionalpolitiker (Wien vs NÖ gemischt mit der Angst vor der Krone) sich ein persönliches Match geben wollen, müssen die Funktionäre wie die Lemminge "kehrt!" machen. Und die Nicht-Parteifunktionäre auch nicht, da der gesunde Hausverstand so beleidigt wird. Da wird ja nun wirklich von den Menschen verlangt, sich ohne eine Aufklärung zu den Positionen, für eine Sache zu entscheiden, wo man nicht weiß, welche Konsequenzen sie haben wird. Und die Fragestellung!

Man wird auch an der Wahlbeteiligung merken, dass die Parteien ein Problem in der Mobilisierung ihrer Kader haben.

Bitte gehen Sie TROTZDEM zur Abstimmung. Und anschließend sagen Sie klar und deutlich und offen und vor Vielen, dass egal wie die Abstimmung ausgeht, es KEINEN ERFOLG einer Partei gibt.

Die Diskussion


Die Diskussion beleidigt alle denkenden Österreicherinnen und Österreicher.

Denn die Frage der Landesverteidigung, die Frage einer ordentlichen Landesverteidigung, kann niemals! mit Fragen der Organisation des zivilen Lebens in einem Staat gegenverrechnet werden.

Denn nur die Notwendigkeit, sein Land zu verteidigen, erlaubt die Zwangsrekrutierung.



Tipp: Lesen Sie den Leitartikel von Christian Rainer im Profil.