Samstag, 25. August 2012

Das Spinoza-Problem

Das Spinoza-Problem. Dieses Buch hat mich wie ein Magnet angezogen, gerade erst ausgepackt, auf den zugedachten Verkaufsplatz gelegt, konnte ich es dort nicht liegen lassen, es musste gleich mit mir nach Hause gehen.

Unter den Nussbaum, in die Hollywoodschaukel, .... und reintauchen.

Irvin D. Yalom ist ein sehr gescheiter Mann. Ein hoch anerkannter Psychoanalytiker.

In "Das Spinoza-Problem" zeigt er die Verbindung zwischen dem großen jüdischen Philosophen des 17. Jahrhunderts und dem wahnsinnigen Ideologen der Nazis, Alfred Rosenberg.

Der Aufbau des Buches: immer abwechselnd ein Kapitel Spinoza, ein Kapitel Rosenberg.


Spinoza hat den Grundstein vieler Philosophen des Abendlands gelegt, nach den großen Philosophen der Antike hat es in Europa die dunkle Zeit des Mittelalters gegeben, in der sich keine großen Philosophen entwickeln konnten. Die großen Denker des 18. und 19. Jahrhunderts hielten sich an Spinoza an, wie auch z. B. Goethe Spinoza als eines seiner großen Vorbilder nannte.

Und hier beginnt die Verbindung zu Rosenberg, der zerfressen von der Idee der Reinrassigkeit nur "echte deutsche" Vorbilder akzeptierte, wie eben Goethe. Seine Lehrer waren von seinen Reden dermaßen entsetzt, dass er zur Strafaufgabe erhielt, die Texte Spinozas zu erarbeiten, den Goethe als sein größtes Vorbild genannt hatte.

Und dieser Spinoza lässt Rosenberg sein ganzes Leben lang keine Ruhe mehr, alle möglichen Verschwörungstheorien denkt er sich aus (Spinoza war gar kein Jude, Goethe hat gar keinen Gefallen an Spinoza gefunden, ...) um mit der Realität, dass ein Jude die Gedanken des säkularen Stattes und der Aufklärung erstmals formulierte, brechen zu können.

Die Denke des Nazi-Ideologie wird bei Rosenberg komprimiert so glasklar sichtbar; diese unwahrscheinliche Verhetztheit, dieser Fokus nur auf ein einziges Merkmal (Jude oder nicht, Volksblutverschmutzer oder nicht). Rosenberg schafft natürlich kein durchgehendes ideologisches Gebilde, wird aber in seinem großen Werk in Nazideutschland höchst honoriert. (Er war von Beginn weg Weggefährte Hitlers, behauptet auch, Hitler hätte sein Gedankengut verwendet).


Spinoza auf der anderen Seite kämpft gegen Aberglaube und einengenden Reglements. Als hochgebildeter Jude in Amsterdam lässt er sich von der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausschließen (obwohl er als Rabbi vorgesehen war), da er sich in keinster Weise in seinem ethischen Gebilde beugen will. Er wählt die absolute Freiheit, was bei ihm ein Leben abseits der Gesellschaft bedeutete, jedoch gleichzeitig ihm ermöglichte seine philosophischen Gedanken offen zu formulieren. Seine Bücher wurden unmittelbar nach Erscheinen (anonym) mit jüdischem und Kirchenbann belegt.

Irvin D. Yalom erklärt am Anfang des Buches, was er mit uns vorhat: Seine persönliche Erforschung der Verbindung zwischen einem humanen Freigeist, der den Weg in Richtung Aufklärung vorbereitete, und einem gestörten Nazi-Ideologen durch die Wahl der Romanform lesbar und verständlich zu machen.

Chapeau! Gelungen!

Ein kurzweiliger Roman, der in die Tiefen der philosophischen Denkmodelle einführt, der die Entwicklung eines gestörten Hassmenschen begleitet und der durch den vergleichenden Aufbau immer übersichtlich bleibt (selbst bei der Sprachwahl führt uns Yalom so treffend
in die unterschiedlichen Jahrhunderte ein!)

... mich erinnert es auch an "Sophies Welt".


Lehrreich, lehrreich, lehrreich
easy to handle
spannend
tiefsinnig.

www.buchwelten.at
hier auch eine gute Kritik auf NDR.