Mittwoch, 8. August 2012

Mai und Juni - die Leseliste

Falls jemand bemerkt hat, dass meine Rezensionen im Mai und Juni mehr als mager ausgefallen sind; dies nicht deshalb weil ich nichts gelesen hätte - ganz im Gegenteil! - sondern weil ich intensiv beschäftigt war.

Das Thema, das mir mein Leben gestellt hatte war: schwere Krankheit und Tod von nahen Angehörigen. Konkret: Krebs im Endstadium. Und alle damit verbundenen ups and downs, der Kranken, der Angehörigen, des gesamten sozialen Umfelds.

Ein großes Lob an die engagierten Frauen und Männer, die als Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Krankenschwestern, koordinierende Leiterinnen, verständige FreundInnen, unterstützende Mitarbeiterinnen, unserer Familie in dieser Zeit geholfen haben.

Für alle jene, die eine solche Lebenssituation durchmachen, erwarten, durchgemacht haben biete ich hier einen kleinen Überblick der Lektüre in dieser Zeit an.

Der erschöpfte Mensch. von Rotraud A. Perner

Falls Sie einen fundierten Überblick über unsere derzeitige gesellschaftliche Situation lesen wollen - bitteschön!

Rotraud A. Perner setzt sich auf 188 Seiten mit der Entwicklung unserer industrialisierten Gesellschaft auseinander, wissenschaftlich fundiert, unterspickt mit Zitaten von Philosophen aller Generationen, sie analysiert leicht lesbar die Auswirkungen unserer Gesellschaft auf die einzelne Person und bietet in Beispielen Orientierung an.

Sie geißelt Pseudo-Helfer, -Heiler und Heilsbringer als weitere Methodiken die Menschen in ihrer Not noch mehr allein zu lassen, da sie keine nachhaltige Auseindandeersetzung mit der Aufgabe des Lebens leisten. Sondern vielmehr in einer Konsumgesellschaft dem Konsumenten niemals die Wahrheit (falls sich diese Personen mit ihren trivialen Modellen dieser überhaupt annähern können) offenbaren werden, da der Konsument ja dann vielleicht nicht mehr kauft.

Sie plädiert für eine erwachsene Auseinandersetzung mit den Polaritäten, den Lebenstempi, der Zumutungen an sich selbst und dem gesunden Aufrichten einer Person an sich selbst.

und all das ist natürlich nur ein billiger Abklatsch dessen, wie Rotraud Perner formuliert. Ein Genuss zu lesen (erfordert aber denken, was auch ein Genuss ist). Ein tröstliches Buch, ein gescheites Buch, eines das man vielen Menschen empfehlen möchte, das man jungen Menschen empfehlen möchte, das diskutiert gehört - und zwar öffentlich.

Vielleicht finden sich ja Menschen, die die in diesem Buch aufgestellten Thesen auch reflektieren wollen.

Mir hat die Lektüre von "Der erschöpfte Mensch" wirklich gut getan. Ich mag gescheite Bücher, das muss ich schon dazusagen.


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