Dienstag, 7. August 2012

Kassiopeia

"Dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit". Für diesen Roman. Die Beschreibung auf der Rückseite beginnt mit: "Judit Kalman ist ein Glückskind..."

Aber was soll ich tun, es verfolgt mich, landet plötzlich unerwartet in meiner Tasche, acanciert zum "meistherumgetragenenbuchallerzeiten". Man sieht dem Umschlag seine Benutzung an, bevor eine Zeile gelesen wurde.

Ein quasi-Zwang anzufangen, überfällt mich. Und dann fange ich eben an, was solls, alle anderen Stapel von Büchern, die auf meinen Schränken, Nachtkasteln, hineingeschoben in Bücherregal-Löcher herumliegen verblassen, wandern in die zweite Reihe, werden fade, schal, uninteressant.

So ist es dann auch. Kassiopeia hat keine dramaturgische Handlung. Jedenfalls sehr lange nicht. Aber Sprachwitz (selten so gelacht, manche Stellen werden in zwangsbeglückender Handlung Freunden spontan vorgelesen.) Judit Kalman durch ihre Zeit in Venedig zu begleiten und durch all ihre Erinnerungen, Gedankensprünge, Vor- und Zurückgeschichten, mit all den Familiengeschichten, -ereignissen, ihren Freundinnen, Liebhabern, Männern, Verwandten; die Sprachgewalt von Bettina Baláka (bitte mehr Romane! bitte!) all das ist - ein Ereignis!

Im letzten Drittel noch frage ich mich, warum ich in den Erzählungen zu diesem Buch gelesen habe, es sei eine Liebesgeschichte zwischen Judit Kalman und dem Autor Markus Bachgraben? Und die Frage, wer hier wen benütze sei nicht geklärt? Darum gehts das ganze Buch lang nur - um überhaupt einen Faden in der Geschichte zu haben - am Rande. Und ganz zum Schluss.

Und es hört abrupt auf.

Ein großartiger Roman!
Sprachwitz, Wortgewalt, Geschichte, Frauen, Männer, 

Unterhaltung auf höchstem Niveau. Gute Unterhaltung auf höchstem Niveau. ... und die ganz speziellen Romanstellen - ja die werde ich weiterhin zur zitat-zwangsbeglückung lieber Freunde verwenden. Weil ganze Abschnitte, einzelne Sätze, Kombinationen von Charakteren - wirklich merkens-, bemerkens- und zitationswert sind.


Viel Lesegenuss
wünscht Herta Emmer