Samstag, 27. Oktober 2012

Monsieur Paulin und ich

Monsieur Paulin und ich.

die zehnjährige Jeanne lebt in einem gutbürgerlichen Haushalt ganz allein. Ihre Eltern sind mit sich selbst beschäftigt. Besonders Samstag ist ihre Einsamkeit unerträglich. Sie wünscht sich einen Babysitter, doch ihre Mutter meint: "Babysitter. Das beginnt mit Baby. Du bist kein Baby mehr. Putz dir die Zähne und geh rechtzeitig schlafen."

Ihr Vater träumt Samstag nachmittags und ist nicht ansprechbar.

Jeanne lebt ihr eigenes Leben. Sie wird zum Klavierspiel gezwunden, die Klarinette ist ein Heiligtum des Vaters. Sie spielt geheim. Sie hat auch einen Freund. Er ist Einbrecher, mit ihm verbringt sie schöne Stunden. Sie übernimmt das Kommando und plant eine große Einbrecherkarriere für ihren Freund.

...
Bald schon ist klar, dass Monsieur Paulin eine Phantasiegestalt ist. Wichtig für das Mädchen, das mit lächerlicher Kleidung und einer peinlichen Brille in der Schule gepiesakt wird, niemandem zum Aussprechen findet. Selbst die liebliche Tante ist nur berechnend freundlich um an ihren reichen Schwager zu gelangt.

Wichtig ist Monsieur Paulin, mit dem sie auch durch die Straßen zieht. Als ihre Eltern einmal sehr intensiv streiten, vermeint sie einen Schuss zu hören, das Wohnzimmer ist leer, das stellt auch Monsieur Paulin fest. Somit ist ihr einfacher Rückschluss: sie ist nur ein Waisenkind mit einem flüchtigen Elternteil.

Ihre Konsequenz. Gemeinsam mit dem Cloquard zieht sie durch Paris.

Sie verlottert immer mehr und irgendwann ist auch Monsieur Paulin verschwunden.


Das Buch gibt bis zum letzten Drittel viel her, wenn man akzeptiert, dass die vordergründige Erzählung eine Phantasiegeschichte ist und der Autor sich regelmäßig bemüßigt fühlt, Kommentare einzufügen. Die Geschichte lebt für sich.

Am Ende zeichnet sie sich durch gewisse Längen aus, was mich aber nicht davon abgehalten hat, das Buch bis zum Schluss zu lesen.

Denn: Jeanne wird wieder gefunden und erlebt eine unerwartete, heiß ersehnte Nähe durch ihre Eltern. Vielleicht wird alles wieder gut.



Ich rätsle noch, ob ich es mit einem Kinder- und Jugenbuch oder mit einem Erwachsenenroman zu tun hatte. Oft schon erlebte ich hier fließende Übergänge.

Jedenfalls lesbar für: Eltern.


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