Montag, 10. September 2012

Kashgar oder Mit dem Fahrrad durch die Wüste

Kashgar oder Mit dem Fahrrad durch die Wüste

1. ist das Cover wirklich schön. Und Bücher, die so schöne Cover haben haben auch das Recht, näher angesehen zu werden. So ist das.

2. Man stellt sich auf einen Reiseroman, Marke "wahre Erlebnisse" ein.

3. alles kommt ganz anders.

4. uns schon bist du drinnen. In diesem Plan des Landes "Sinkiang", das es tatsächlich einmal gegeben hat. Heute dürfte es wohl ein Teil Chinas sein. (Nähere Recherchen bitte an mich senden.) Also links von China, nördlich von Tibet und westlich der Mongolei.

Zwei junge Engländerin fahren mit einer älteren Missionarin dorthin, um die Ungläubigen zu misisonieren. 1923. Aber ganz so ist es nicht, die eine Schwester ist der Missionarin verfallen und meint es ernst, die andere will einfach aus dem engen bürgerlichen Millieu entfliehen.

Gleichzeitig findet in der Gegenwart eine Lebensgeschichte einer Frieda statt. Das Buch switcht zwischen 1923 und jetzt, wobei sich auch die Sprache ganz gewaltig ändert. Diese schwülstig-romantisch-höflich-bürgerlich-erzogene Tagebuchsprache von Evangeline und die klare, gerade Denk-Sprache von Frieda.

Besonders sind die Anweisungen aus einem Radfahrlehrbuch aus 1920, das Evangelina mithat, da sie ja mit dem Fahrrad durch die Wüste fahren möchte. Höchst witzig. Zu jedem Kapitelbeginn. Gleichzeitig die Federmalereien zu jedem Kapitelbeginn der Gegenwart.


5. Fazit. Evangeline und Frieda haben natürlich etwas gemeinsam, irgendeinen Grund muss es ja geben, warum diese beide Frauen uns parallel ihre Geschichte erzählen. Was es ist. Ein roadmovie?. Ein Frauenroman? Schwer zu sagen. Einerseits spannend, da es die Kriege im fernen Asien näher bringt. Andererseits fesselnd, wie diese ahnungslosen jungen Frauen durch solche Gefahren kommen, gleichzeitig eine gute Beschreibung des Lebens, der Kulturen im fernen Osten zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Und drittens eine verlorene Frieda in England, die - und das bleibt offen - Wurzeln findet...


Jedenfalls ist es wirklich schön zu lesen und ich konnte gar nicht aufhören. 459 Seiten in zwei Tagen. Das sagt schon viel aus. Einmal in der Hand - nicht mehr weggelegt.

Ein schönes Geschenkbuch (für sich selbst und liebe Leute)







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