Samstag, 29. September 2012

Die Schönheit und die Hölle. Roberto Saviano.

"Die Gefährlichkeit des Lesens. .... Ich habe in einem Dutzend verschiedener Wohnungen gelebt, in keiner länger als ein paar Monate.Alle waren klein, sogar sehr klein, .... " (Seite 9)

Roberto Saviano ist Journalist im Mafia Staat. Er lässt sich nicht beirren, er schweigt nicht. Nicht über die Geschäfte der Müll-Mafia, nicht über die Erpressung, nicht über die Veränderung der Bevölkerung.

Er schreibt über Grundwerte, über persönliche Aufrichtigkeit, über Anstand.

Direkt, ungeschminkt, immer in persönlicher Not; er ist ein Geächteter, ein von der Mafia Verfolgter, doch er lässt sich nicht beugen, er bleibt seiner Berufsethik treu.

In diesem Taschenbuch dürfen wir ihn begleiten, durch seine Wohnsituation, bei Gesprächen mit großen und berühmten Persönlichkeiten, dürfen teilnehmen an der Sorge über sein geliebtes Land, Menschen kennenlernen, von denen wir lernen können, an deren Mut wir mitwachsen können. Wir hören ihm zu, wenn er seine Meinung zur aktuellen gesellschaftlichen Situation kundtut.

Letztes Kapitel. Wer schreibt, muss sterben. (Seine Hochachtung vor dem Wirken der Journalistin Anna Politkowskaja, die über den Tschetschenienkrieg berichtete und ermordert wurde.)

Er lebt noch.

Und mit ihm die Hoffnung, dass es Menschen gibt, die unsere Gesellschaft reinigen. Die die Fahne hochhalten, Orientierung geben.

Wir brauchen viele von Ihnen, wir müssen es selbst sein, Sumpf, Dreck und Gestank dürfen unsere Kultur nicht zumüllen. Und die Realität findet statt. Vogel-Strauß-Agieren nützt den institutionellen Verbrechern.


Ich lese dieses Buch seit Jänner 2012. Es ist eines von denen, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, dieses Interview und jenen Abschnitt zu wiederholen. Es ist mein einziges Esels-Ohren-Umgebogen-Buch, hat viele Stellen von hervorgehobenen Textpassagen wie dieser zum Beispiel: "... bis ich endlich verstand, dass niemand sein Schicksal selbst bestimmt. Bestimmen kann man jedoch immer die Art und Weise, wie man damit umgeht. ..." (Seite 20) oder später, wo er über die Umweltverschmutzung in Süditalien spricht: "...Der gerissenste Gegner ist nicht der, der dir alles nimmt, sondern der, der dich ganz langsam daran gewöhnt, nichts mehr zu haben." (Seite 195)



Ein Lehrwerk, ein Lebensbuch, eine Aufsatzsammlung in 295 Seiten und 27 Abschnitten.


www.buchwelten.at 

"Die Schönheit und die Hölle ist ein Buch über die Gefahr, über den Mut und die Kunst des Schreibens. Vor allem ist es ein Buch über Savianos Helden, seine Vorbilder, über kompromisslose Kämpfer auf dem Feld der Wahrheit." Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Preis des Europäischen Buches 2010.



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