Sonntag, 20. Mai 2012

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry. Roman von Rachel Joyce. 

Sie möchten gerne ein Buch voller Hoffnung lesen? Ein Buch, wo eine plötzliche Spontanentscheidung abseits aller Konventionen gar nicht bewusst herbeigeführt, sondern einfach passiert, so sein muss, sich entwickelt. Ein Weg zu gehen ist?

Sie möchten gerne etwas schönes lesen?

Bitteschön!

Ein Buch für alle, die ein bißchen Hoffnung vertragen können. Die sich trösten lassen können, dass alles, was schon längst als Unveränderbar und Verhärtet da steht sich noch immer auflösen kann.

Sehr berührendes Erstlingswerk von Rachel Joyce. 
Spielt im heutigen England. Erzählt von einem Mann, der über sich selbst hinauswächst. Weil er nicht anders kann.
 
Mehr möchte ich gar nicht verraten, da hier der Weg das Ziel ist.


Donnerstag, 17. Mai 2012

Chucks. Von Cornelia Travnicek

Chucks. Roman von Cornelia Travnicek.

Welche Wortgewalt! Welche Dichtheit der Sprache! Unglaublich, wie die junge Cornelia Travnicek ihre Welt beschreibt. Direkt, immer am Puls. Sprunghaft, wie Gedanken fliegen. Aktuell. Nur das Wesentliche beschreibend.

Ein Roman von Jugend, dem Leben, Liebe, Freundschaft. Den Wirren einer Aufwachsenden, der vielen Welten in einer Welt.


Cornelia Travnicek, ein junge Autorin, gebürtig aus St. Pölten, nun zum großen Vorlesen beim Bachmann-Preis geladen. UND ZWAR BERECHTIGT!!!

Bitte lesen! Eintauchen, abtauchen, einsaugen, wie eine Droge.



"Wenn ich mit einer Figur der zeitgenössischen Literatur in einem Lift stecken bleiben möchte, dann mit Mae. Ob ich heil aus dem Lift kommen würde, weiß ich nicht, aber das wär´s wert." (Clemens J. Setz)


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Mittwoch, 16. Mai 2012

Ab jetzt ist Ruhe. Von Marion Brasch.

Ab jetzt ist Ruhe.


Marion Brasch beschreibt in ihrem Erstlingswerk eine Familie in der DDR. Die Eltern, jüdischer Abstammung, lernten sich im Exil in England kennen, wo der Vater überzeugter Kommunist wurde. Die Mutter, die von dieser Ideologie frei blieb folgte ihm später trotzdem nach Ostberlin.

Der Vater wurde hoher Parteifunktionär, stets getragen von hehren Werten und hoher moralischer Lebensführung, er versuchte das Ideal von Marx zu leben. Die Mutter hasste die Enge und Hässlichkeit der Partei und des Landes. Sie bekamen 4 Kinder. 3 Söhne, eine Tocher.

Im Buch beschreibt die Protagonistin, die Tochter, ihre Familie und sich selbst. Als Jüngste mit drei älteren Brüdern, im Buch nennt sie sie stets: Der älteste, der mittlere, der jüngste Bruder.


Eine Familiengeschichte aus einem Land, das es nicht mehr gibt. Wir erleben das Aufbegehren der Söhne, die für diese unverständliche Härte und Unbeugsamkeit des Vaters, der auch nicht davor zurückschreckt seinen eigenen Sohn bei der Stasi anzuzeigen. Wir erleben eine Mutter, die dieses Gefängnisleben nie wollte und eine Tochter, die stets versucht auszugleichen.


Marion Brasch beschreibt in großer Ruhe, sehr leicht zu lesen, ihre eigene Geschichte in der DDR. Die aktuellen politischen Lagen lässt sie nicht unkommentiert, da, wo sie das konkrete Leben der DDR-Bürger beeinflussen. (Der Mann mit dem Muttermal im Gesicht, der Aufstand der Tschechen und die Niederschlagung, das freie Ungarn, die verstärkte Überwachung durch die Stasi)

und doch scheints ein normales Leben, das eben diese und jene Rahmenbedingungen hat. Sie selbst hält sich aus all der Politik raus. Auch aus der Schriftstellerei und den schönen Künsten. Man sieht, was dies bei den Brüdern angerichtet hat.


Ich habe das Buch in einem Tag gelesen. Einfach so durch und durch und nicht aufhörend. Wie ein Film läuft die Geschichte in einem ab. Und man möchte ihn auf jeden Fall zu Ende sehen.


Ein guter Roman aus einer Kindheit und Jugend aus einer Welt, die es einmal gab und die nicht mehr ist.


Für alle, die gute, flüssige Literautr und wahre Geschichten mögen.



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Sonntag, 6. Mai 2012

Radieschen von oben. Überleben mit Krebs. Von Kurt Langbein.


Radieschen von oben. ÜberLeben mit Krebs.

Kurt Langbein, der Autor vieler journalistisch exakt recherchierter Bücher zur Lage unseres Gesundheitssystems beschreibt hier sein eigenes Krebsleiden.

In den letzten Jahren erkrankte er selbst an drei verschiedenen Arten von Krebs. Das Buch handelt von seinem aktuellen Krebs - Prostata.

Man merkt den Aufdeckerjournalisten. Penibel recherchierte Daten und Fakten zum Stand der Krebstherapie weltweit, dazwischen seine eigenen Aufzeichnungen, sehr persönlich, seine eigenen Entscheidungen für oder gegen bestimmte Therapien, Gemütszustände, Überleben im Beruf - einfach alle Bereiche, die  das Leben eines Menschen ausmachen.

Sehr lesenswert, sehr flüssig zu lesen (ein Nachmittag), und vor allem aufklärend!

Er wagt auch all die menschlichen Nebenschauplätze - Zuneigung, Angst, Umfeld, sowie die medizinisch verpönten Spontanheilungen anzusprechen. Wir finden Kapitel zu Zuneigung, alternativen Behandlungen, und ganz viel er selbst, die Person, die Krebs diagnostiziert bekommen hat, mit allen auf und abs.

Mutig. Ein großes DANKE an den Autor, sich selbst so offen gelegt zu haben. DANKE.

Ein Buch für Betroffene und Angehörige. Und für alle, die mehr wissen wollen zum Mythos Krebs.


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Freitag, 4. Mai 2012

Als Gott ein Kaninchen war. Von Sarah Winman.

Als Gott ein Kaninchen war.

Kennen Sie das? Sie schleichen um ein Buch herum, nehmen es zur Hand, legen es wieder weg. (Nach der Beschreibung auf der Rückseite gerade nicht Ihr Thema). Nehmen es wieder zur Hand. Eine Faszination geht aus. (Deshalb sind gute Cover so wichtig!) Nun. Mir ging es bei diesem Buch so. Warum soll ich ein Buch lesen, das heißt: "Als Gott ein Kaninchen war?" Was soll das?

Eine Beziehungsgeschichte zwischen Geschwistern. und deren Freunden.

JEDOCH! Sonntag habe ich angefangen, es zu lesen. Ich musste nach dem ersten Teil aufhören, da schon die Dämmerung über mir hereinbrach und ich den 2. Teil nicht anpatzen wollte, bevor nicht genug Zeit ist, ihn in einem Zug durchzulesen. Der 1. Mai bot sich an. Welch Vorfreude schon, bevor ich losstartete! Alles perfekt: Platz perfekt. Buch da. Brille da. Wetter briesig. alles perfekt.

Und dann nocheinmal in aller Ruhe reinfallen in die Geschichte des Mädchens, das später weitererzählt als erwachsene Frau. Ein spannendes Leben. Es geht um die Liebe und vor allem geht es um wahre Freundschaft, die gleichzeitig große Liebe ist. Es gibt Menschen in deinem Leben, die so prägend sind, dass selbst bei Trennung über Jahre kein Bruch im Verstehen auftaucht. In diesem Buch werden sowohl dem Bruder als auch der Schwester die besten Freunde entzogen. Was bei beiden einen großen Schmerz hinterlässt. Ansonsten ist die Familie so weit normal, das Leben so weit geregelt. Aber sie bekommens nicht mehr geregelt, im Außen schon, aber Innen, da fehlt etwas.

Und die Art, wie etwas fehlt, wie andere Menschen auftauchen, wie sich das Leben entwickelt - ja ein Lesegenuss. Mitfühlen, mittrauern, mitfiebern, mitfreuen.

Schade, dass es so schnell vorbei war. www.buchwelten.at