Montag, 30. April 2012

Dafür den Booker-Preis zu bekommen ist verdient. Er erzählt, wie es damals war, als sie noch ins Gymnasium gingen. Wie er ihn kennelernte, der einfach viel klüger war als alle anderen. Der unerwartete Antworten geben durfte, und das auch von den Lehrern akzeptiert wurde. Damals, als man noch per Sie war. Sein Freund, der vernünftig war und das Leben in Frage stellte. Er, der einfach so vor sich hin lebte. Übrigens bis heute. Die Wege trennten sich, er passte sich an, wollte einfach unaufgeregt leben. Lebte unaufgeregt Er erzählt das Leben der gebildeten Schichte der 50-60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die Zwänge, die noch unausweichlich schienen. Dan npassiert etwas in seinem Leben. Er ist bereits pensioniert, ganz zufrieden. Man muss zufrieden sein. Er beschäftigt sich, hat keinen Plan mehr, lebt ein ruhiges Leben. Ja, und dann erbt er. Aber wie. Und die Geschichte wird von hinten aufgerollt. Ich habs mit Ruhe, Stück für Stück, an vielen Abenden gelesen. Nicht in einem Zug durch, atemlos, umblätternd. Sondern besonnen und ruhig. Aber doch nicht weggelegt. Warum nicht? Was war wirklich passiert - und da findet etwas statt, in diesem gelebten Leben. Ja, und natürlich. Die Sprache. Ich liebe es, wenn so schön formuliert ist. Julian Barnes trägt einen durch den Roman. Lesenswert. Aber wahrscheinlich nicht für die ganz Jungen. Verstehen die ein gelebtes Leben? buchwelten.at

wenn nicht, dann jetzt. Ein Mann in der midlife-crisis.

Also: nach der Beschreibung auf der Rückseite des Buches hätte ich es nicht gelesen. Das letzte, was ich jetzt brauche ist ein Problemroman eines Mannes. Echt. Jedoch: ich habe drei Bücher mitgenommen, auf meine Reise. Denn das schlimmste wäre, in der U-Bahn zu sitzen und kein Buch in der Hand zu haben. Was soll ich dort tun? Morgens nun die Auswahl. Bei einem Buch habe ich schon reingelesen. Hört sich so an, dass es Sinn macht, weiterzulesen, beim zweiten. hellblau. Rückentext. uiuiui. Also ersteres in die Tasche. In der U-Bahn dann. Das Hellblaue. Wie konnte das passieren?!?!?!?

ok. In der Not frisst der Teufel fliegen.

Dann aber beschreibt er, wie SIE auf ihn zukommt. Wie er alles vorbereitet hat, damit sie einen möglichst langen Weg gehen muss, damit er ihr zuschauen kann, wie sie schwebt. Er ist ihr total verfallen.

Und sie. Sie ist die Mutter seines Kindes. Und will doch ein vernünftiges Auskommen mit ihm haben. Sie lädt ihn auch zu ihrer Hochzeit ein.

Er. Unsterblich in sie verliebt, hat sie aber jung verlassen - der größte Fehler seines Lebens. Was ihm schon seine Mutter gesagt hat. Doreen. Sein Gewissen.

In all seinem Jammer - midlife-crisis kann in schwere psychische Störungen ausarten, ob Sie dabei sind, ist erst später feststellbar - beschließt er, seine Ex-Frau zurückzugewinnen. Und wie. Eine Mutter holt man über ihr Kind zurück. Er wird das jetzt tun.

Schräg, mit nüchternem Humor, voller Verwirrnisse und tragischem Scheitern, ein wirklich unterhaltsames Buch! Leichte Kost, gute Unterhaltung, und wirkliche Lacher drinnen.


Ein Urlaubsroman!


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Dienstag, 10. April 2012

gewinnen ohne zu kämpfen

Christian Seidel erzählt am Beispiel des Erlernens der Kampftechnik Taekwondo von seinem Weg aus einer Lebenskrise, die ihn ziemlich durchgebeutelt hat.

Er beschreibt, wie ein erfolgreicher, dynamischer junger Manager in einen Strudel der Selbstzweifel und des Ausgebranntseins gezogen wird - und wie er nach einem schweren Autounfall flashs der Frage nach dem Wesentlichen hat.

Das Buch ist aufgebaut am Beispiel des Erlernens dieser asiatischen Kampftechnik, mischt die Hinterfragung von Werten, das Stolpern am eigenen Ego mit Beispielen aus seinem Leben.

Ein autobiographischer Roman, wo einer auszog, sich nach dem Sinn zu fragen. Gleichzeitig interessant zu lesen, da in sehr kurzer und nicht schwülstiger Form eine Aufarbeitung der Grundwerte unseres Gesellschaftssystems passiert. Teilweise verliert sich der Autor in Belehrungen zur Veränderung unserer Gesellschaft - es sei ihm unbenommen.


Gut zu lesen. Gut zu schenken. Weckt die Neugierde auf die Kampfsporttechnik.


ja, jetzt noch die Conclusio. Gewinnen ohne zu Kämpfen = Überwindung des eigenen Stolzes. Bis dorthin ist aber ein weiter Weg zurückzulegen.



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Freitag, 6. April 2012

LIEBEN

Lieben. Der zweite von fünf Teilen. Karl Ove Knausgard. Ich bin sehr froh, ihn kennengelernt zu haben.

Wie schon bei STERBEN auch hier: Feine Sprache, durchdacht, am Menschen, an ihm.

Er beschreibt wie das so war mit dem Verlieben, sehr detailliert, alltäglich, niemals banal, das Leben in einer neuen Stadt, Freundschaft. Lieben auf viele Arten. Zwischen den Generationen. Die Beschwernisse. Mit Kindern und all dem Verzicht, ausgelöst durch Vernunft und Verantwortungsbewusstsein.

Wie wohltuend er doch ist. Manche Passagen möchte ich gerne wörtlich zitieren, manchen Menschen vorlesen, an die Wand pinnen. So viel ist zu finden.


Sehr schön. Sehr lesenswert.

(Trotz mancher Längen. Immerhin sprechen wir von 763 Seiten. Wo ich mir vorgenommen hatte, solche Schmöker nicht anzugreifen.)

Fazit: Warten auf den nächsten Band!


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