Sonntag, 4. März 2012

Herr Merse bricht auf

Ist das Bild nicht schön? Wie Herr Merse auf der Leiter sitzt und ins Wattmeer schaut? Erinnert er nicht an Pan Tau? Zwar ohne Hut, dafür aber mit einem Regenschirm?

Ein singendes Buch. Ein melodisches Buch. Herr Merse - immer, meist - im inneren Dialog. Musiker, Hornist. Seine Frau hat gemeint, er müsse sich trennen, was er auch tat. Er tat überhaupt, was sie wollte, seine Flötistin.

Ein schüchterner Eigenbrötler, derzeit dominiert von seiner kraftvollen, "mit beiden Beinen im leben stehenden" Schwester. Er urlaubt an der Ostsee, denkt viel nach, muss sich immer aufs neue Abläufe vorsetzen, damit er sich dann an ihnen stützen kann.

Wie soll ich sagen, man fällt hinein in sein Leben, versteht ihn, es ist unaufgeregt, und doch: die Figur ist klar vorgestellt, so geht es vielen, er braucht Orientierung und dann, ja dann beginnt er mutig zu werden. Sehr mutig, doch die Hoffnung, die ihn aufrichtet, entschwebt.

Er flüchtet in eine Phantasiewelt, lässt sich vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln vor einer Klinik finden.

.... der Rest spielt sich im Kopf der Leserin ab. Warum entlässt uns die Autorin in ein so offenes Ende? Wir Herr Merse es schaffen? Das Leben, Glück, einen Platz, wo er hingehört? Einen Menschen, zu dem er gehört?

Die Sprache schwingt noch länger nach; immer wenn ich das Buch anschaue, entkommt mir ein Lächeln, wie schön die Zeit mit diesem Buch war, mit Herrn Merse zu überlegen, ob er nun zuerst laufen gehen, proben, nicht proben, gleich an den Strand, und wie ...

Lesegenuss!

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