Montag, 12. März 2012

Das Dorf der Wunder

Wer "Fräulein Smillas Gespür für Schnee gelesen hat" oder "Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte" der weiß, was ich meine, dass einen die Geschichte nicht mehr los lässt.

Roy Jacobsen besticht durch seine schlichten Bilder, diese einfachen, im alltäglichen sich entwickelnden Personen. Durchaus harte Schicksale, diesmal von außen aufoktroyiert. Vordergründig leicht und schwebend, zwischen den Zeilen verbirgt sich Horror.

Hier, ein einfacher Holzarbeiter (etwas minderbemittelt, wie es scheint), der sich weigert, im Krieg vor dem Einmarsch der Russen zu flüchten. Wir befinden uns im Jahr 1940. Ein kalter norwegischer Winter, - 40 Grad, vor den wilden Russen flüchtende Norweger. Die weiß gekleidet, die Russen in schwarz. Vorsorglich brennen sie ihre Stadt nieder. Nur einer weigert sich zu gehen. Er bleibe hier, was solle er woanders.

Und dann kommen die Russen. Sie wissen nicht (so wie es seine Landsleute nicht wussten), ob er blöd oder irr ist. Er in seiner sturen Einfachheit, darauf bestehend, ein geregeltes Leben zu führen, führt die anderen vor.

(Haben Sie Herta Müllers Roman Atemschaukel gelesen, auch dort wird die einfache Erzählung zum Mittel, den besonderen Schrecken, aushaltbar zu machen.)

Ganz so schlimm ist es nicht um unseren Holzfäller bestellt. Was wir lernen. Man kann nicht vor sich selbst flüchten. Und: die Menschen bleiben gleich. Denn: Nach dem Krieg geht er weg. Er überlebt, aber wie.

Nach vielen Jahren dann ... ist sein Krieg vorbei.


Ein tiefes, ein wunderbares, ein einfurchendes Buch. Ein Leseerlebnis. Und lehrreich. Der 2. Weltkrieg war nicht nur bei uns in Kerneuropa. Der veränderte Blickwinkel erhellt.

Trotz der harten Geschichte. Ein Lesevergnügen! nachwirkend.


http://www.buchwelten.at/list?back=b412e4d359d1832375ebc6608d1810f8&xid=2522206
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