Samstag, 5. März 2011

Kein einziger Tag, Linda Stift

Das Cover, die große Eiserne Schere. Also doch zuerst dieses, und die anderen müssen noch warten.

Linda Stift, junge (also wenn man beim Jahrgang 1969 von jung sprechen kann) österreichische Autorin. Kommt gerade auf. Fällt gerade auf.


Nachdem ich mit dem Buch fertig war, wusste ich nicht, ob das ganze Buch eine Traumerzählung ist, was es ist, warum mich der Schluss, und dieses Kellertier (was ist es, was soll es bedeuten, worauf spielt sie an?) so irriterten.

Paul ist ein abgetrennter siamesicher Zwilling. Er ist heilfroh, keinen anderen Körper mehr an sich kleben zu haben, sein zweiter Teil, Paco, nicht. Paul flüchtet vor ihm, muss übersiedeln, sich verstecken, doch Paco findet ihn wieder. Paco ist vordergründig fürsorglich, kocht bestens, heimelig, ein Schauspieler wartend auf den nächsten Auftrag.
Paul ist Farbenhändler, verkappter Maler, der seine Ruhe haben will (und ein geheimes Kellertiermensch hat).

Paco schafft eine so angenehme Atmosphäre, dass selbst Pauls Freundin die Beziehung verdichtet. Niemand fragt Paul nach seiner Meinung. Er will diese Nähe nicht, noch immer traumatisiert von den Kinderjahren in zusammengewachsenem Zustand. Wie er alle Trennungen von siamesischen Zwillingen kennt, die romantische Vorstellung des Zwilling-Seins ausräumt.

Ein Buch als innerer Monolog von Paul. Paul die Hauptfigur. Paul, der kein Interesse weckt. Paul, der er selbst sein will. Kein Teil eines anderen. Froh, dass die Trennung funktioniert hat, stolz seine große Narbe betrachtend.


Und dann - der Horror. Der letzte Absatz nach allem.