Sonntag, 13. Februar 2011

Alles falsch gemacht

Nun einmal zu einem grundsätzlichen Thema. Stellung der Frau in der Gesellschaft. Kolumnen von Elfriede Hammerl, 25 Jahre profil. Dieses Buch ist eine Sammlung der besten.

Zitat aus ihrem Buch "Alles falsch gemacht".
Erstes Kapitel. "Und wieder lockt der Push-up"

Damals, lang, lang ist´s her, in den siebziger Jahren, riefen junge Frauen die Emanzipation aus. Unter anderm deswegen, weil sie nicht so enden wollten wie ihre Mütter: so brav, so bieder, so eingeschränkt, so langweilig, so abgestrudelt, so alt.

... Wir wollten Wunschkinder zum erwünschten Zeitpunkt und wir wollten, dass sich die Männer an ihrer Betreuung zu gleichen Teilen beteiligten. (Wenn wir Glück hatten, beteiligten sich unsere Mütter.) Wir wollten eine qualifizierte Ausbildung und berufliche Aufstiegschancen, und wir waren sicher, dass beides erreichbar war. Erstens waren wir smarter als unsere Mütter. Zweitens waren die Männer unsere Genossen. Unsere Feinde waren nicht die Männer, unser Feind war das System. Gemeinsam mit den Genossen würden wir das System ändern, und dann würden sich, ganz von selbst und nebenbei, unsere Forderungen erfüllen.
...
Zehn Jahre später waren Kinder noch immer Frauen- und gut bezahlte Posten noch immer Männersache, aber es trat eine Generation junger Frauen vor, die wollte keinesfalls so enden wie wir: so kämpferisch, so verbittert, so unattraktiv, so abgestrudelt, so alt.

Diese jungen Frauen waren schön und selbstbewusst. Sie betrachteten die Männer nicht als Feinde. Sie setzten einfach selbstverständlich voraus, dass sie Kinder und Karriere unter einen Hut bringen würden, und das gelang ihnen auch, vor allem, wenn sie geschickt genug waren, als Töchter einflussreicher Väter auf die Welt gekommen zu sein und erfolgreiche Männer zu heiraten, die ein Kindermädchen bezahlen konnten. Diese schönen jungen Frauen machten Schluss mit dem Latzhosen- und Hängebusen-Look der alten Emanzen und erfreuten ihre Spielgefährten mit Spitzen-BHs und Strapsen, und schon waren sie auf eine neue, sehr weibliche Art gleichberechtigt, jedenfalls schrieben das die Medien.

Danach, in den Neunzigern, war Familienarbeit nach wie vor Frauensache, und die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen klaffte nach wie vor auseinander, aber eine neue Generation junger Frauen war wieder stolz auf ihre Weiblichkeit und traute sich, Erfüllung in der Mutterschaft zu finden und sich erotisch zu stylen. Diese Frauen sahen in den Männern nicht länger Feinde, und statt zu jammern nahmen sie sich einfach, was sie wollten. Behaupteten jedenfalls Zeitgeistmagazine und BestsellerautorInnen.

Jetzt haben wir wieder junge Frauen, die wollen keineswegs so enden wie die vor ihnen, so wehleidig, so unattraktiv, so alt. ... Die jetzt Appetitlichen wollen jedenfalls nicht wie die Generationen vor ihnen den Mann durch Unisex-Aussehen und -Gehabe verprellen, deshalb setzen sie auf Kostümchen, Kleidchen, Stöckelschuhe und Push-up-BHs.

Die Einkommensschere klafft noch weiter auseinander als vor ein paar Jahren. Bei der Kinderbetreuung helfen noch immer die Großmütter. In den Frauenhäusern stauen sich die geprügelten Fauen (wahrscheinlich, weil sie danach gieren, Opfer zu sein). Aber schon demnächste ... Genug. Wir kennen den Rest.

Und während die jungen Frauen von Generation zu Generation toller werden, indem sie die etwas ältern Frauen zu Abfall erklären (lassen), lehnen (ältere) Männer in Schlüsselpositionen sich schmunzelnd zurück und blicken wohlwollend auf junge Frauen, sie mit dem selbstbewussten Einsatz ihrer Schönheit was (von ihnen) zu erreichen versuchen.