Sonntag, 6. Februar 2011

Sommer in Norwegen Ein Junge im Jahr 1961

Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte.

Die Geschichte eines gewöhnlichen kleinen Jungen, der in einer gewöhnlichen kleinen Welt glücklich mit seiner Mutter lebt. Ein Herz und eine Seele. Bis - bis die modernen Zeiten mit Trends und Moden sie überkommen, renoviert werden muss. Er ist der größte Helfer seiner Mutter. Alles ist in Ordnung. Bis - bis ein Untermieter gefunden werden muss, um die Miete weiter bezahlen zu können. Auch das stört den Fluss der Liebe und Voll-Angenommenheit nicht.

Bis - bis dieses kleine Mädchen auftaucht, das seine Halbschwester sein soll.

Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte erzählt eine schaurige Geschichte eines Jungen, der zuerst die Perfektion seiner Mutter-Sohn-Beziehung zerbröseln erlebt, der mit dem Eindringen von immer mehr Personen in sein Leben vordergründig gut zureckt kommt, aber dann zutiefst entäuscht und verletzt wird. Und - vor dem Eintritt in die nächste Entwicklungsphase - sein (Ur)-Vertrauen verliert.

Linda, seine Halbschwester kommt und bricht in seiner Mutter alte Wunden auf (doch all dies geschieht zwischen den Zeilen, niemals wird darüber gesprochen). Die Probleme scheinen schier unlösbar und er wird zum Retter dieses kleine Mädchens. Durch Geradlinigkeit und Offen-Ansprechen.

Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte, ist der Sommer, in dem ihn seine Mutter verlässt. Niemals spricht sie mit ihm über ihre Pläne, ihre Sorgen, er ist verlassen.

Wie es mit Linda weitergeht. Die Geschichte reißt an ihrem schönsten Punkt. Beim drittvorletzten Kapitel möchte man mit beruhigtem Seufzer die Geschichte schließen. Die Welt ist in Ordnung gekommen. Und dann folgen noch zwei Kapitel.

Erschütternd, schön, tiefgehend. Fließende Sprache. Ich konnte mich nicht entziehen.



Übersetzt aus dem norwegischen und erschienen im Osburg-Verlag