Dienstag, 11. Januar 2011

Magnolienschlaf

Es beginnt mit einem schrecklichen Traum - Bombardierung, eine Mutter, die ihr Kind hält, Bunker.

Bruch.

Ein junges Mädchen auf dem Weg von Russland nach Deutschland. Sie soll eine alte Frau pflegen. So, wie es viele machen. Man bleibt über eine gewisse Zeit voll im Haushalt, verdient gutes Geld und fährt dann wieder in die Heimat zurück. Ihre Mutter, die dies gar nicht unterstützt - man weiß ja nie, was die Mädchen dort wirklich erwartet, sie hat Angst, ihre Tochter würde in schlechte (Bordell-)Verhältnisse abstürzen. Denn - vor den Männern muss man sich hüten.

Die alte Frau. Geduldig liegt sie in ihrem Bett, lieblos gepflegt von der Frau ihres Neffen. Einen Engel gibt der erste Anschein preis.

Die beiden - das junge Mädchen und die alte zu pflegende Frau finden sich gleich sympathisch, das kann nur gut gehen. Bis das Mädchen russisch spricht. Aus der alten Frau bricht etwas aus, sie tobt, ein Krieg beginnt. Sie verweigert jeglichen Kontakt, wird zur Furie, die Junge zahlt zurück. Ein Stellungskampf im schmucken Einfamilienhaus in Deutschland.

Der Neffe und dessen Frau geben sich gelangweilt und ignorieren die Sache. Endlich haben sie die Alte versorgt. Sie soll sich nicht so haben und nicht zu viel Geld kosten. Auch nicht beim Essen. Man kann ihre Pension gut selbst gebrauchen.

Als die Alte dann auch noch hinter den Finanzbetrug durch ihre lieben Verwandten kommt, bricht alles zusammen. Von einer feindlichen Russin umgeben, von den letzten Verwandten ausgenützt. Sie wird apathisch, verweigert jegliche Nahrungsaufnahme, ihr altes Trauma bricht hoch. In Träumen, die die junge Pflegerin nicht schlafen lassen, in Verwirrung.

Bis die junge Russin die Geschichte aufdeckt. Schonungslos geht sie mit der alten Frau zu Gericht, presst ihre verborgene Lebenslüge aus ihr heraus, dann - Frieden. Die Verbindung zwischen zwei Menschen, die beide Altlasten der Kriegsgeschichte sind, wird sichtbar, greifbar. Wer waren nun die Bösen?


Eva Baronsky schafft es, zwei große Themen (Pflegenotstand und Aufarbeitung des 2. Weltkriegs) hier so zu verdichten, dass einem der Atem wegbleibt, man kann aus der Geschichte nicht mehr raus. Die Sprache wunderbar. Flüssig, kein Wort zu viel oder zu wenig. Ohne Zeigefinder zeigt sie Lebenslügen unserer Gegenwart auf. Eintauchen, reinleben, lernen.

leih mir dein ohr


also schon wieder - deine Interpretationen über den anderen spiegeln sich im anderen. Wir kennen das schon alles aus der Kommunikationslehre (siehe Schulz von Thun) - doch die beiden AutorInnen (die Bösels, beide hochgebildete Psychotherapeuten) beschreiben die Problematiken in Beziehungen - hier Ehen - wirklich wunderbar, gespickt mit reichlichen Beispielen aus ihrer Praxisarbeit.

Für alle, die nicht seit gestern verliebt sind und gerne auch mal über bekannte eingespielte Verhaltensweisen schmunzeln wollen (Die Semmelgeschichte..)

Ja, gut und empfehlenswert, weil "Du bist deines Glückes Schmied"

mehr dazu http://www.kremayr-scheriau.at/index.php?p=main.php&buch=295