Sonntag, 15. Mai 2011

Beste Beziehungen - Gustav Ernst

Lesen Sie dieses Buch nicht! Lesen Sie nicht, wie die grausliche Wirklichkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen ist. Lesen Sie nicht, wie sich Karrieristen gegenseitig anschleimen. Wie sich zwei in einer Ehe abtöten.

Das Buch ist wirklich hart. Weil es so ganz eindeutig und klar einen Menschenschlag zeigt, von dem wir nicht so viel wissen wollen. Das sind doch die Leute, mit denen man keinen Kontakt haben will. Die einem aber immer wieder über den Weg laufen. Das sind die, die nur deshalb bei einem Fest sind, weil sie sich davon einen Karrierevorteil erwarten. Wie auch unbedarfte eingewickelt, in Situationen versetzt werden, die sie dann erpressbar machen.

Einfach, ohne es zu analysieren, beschreibt Gustav Ernst verschiedene Paare, Einzelpersonen, Menschen, die miteinander verwoben sind.


Lesen Sie das Buch jedenfalls nicht an einem trüben Nebeltag. Die Realität, die uns umgibt, reicht völlig aus.

Auf alle Mitläufer, Schleimer, Klemmis und Intriganten!


Noch immer so tief berührt. so tief schockiert. so von der Realität gerüttelt. Gustav Ernst erzählt uns die Geschichte der politischen Kaste Österreichs. Zur Wiederholung, um bereits Vergessenes nicht vergessen zu lassen.


Roman
Innsbruck: Haymon Verlag, 2011.
211 Seiten; geb.; €19,90
ISBN 978-3-85218-677-1 Pick It!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Die späte Ernte des Henry Cage

Henry Cage ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Einer der ersten Unternehmensberater, der noch etwas auf gesunden Menschenverstand, Stabilität und Achtsamkeit hält. Er ist zu schnellen Veränderungen gegenüber vorsichtig verhalten bis ablehnend eingestellt. Zu viele hat er an radikalen Veränderungen scheitern sehen. Das sollen andere machen.

Henry Cage lebt ein sehr gleichmäßiges Leben.

Aber die Geschichte fängt ganz anders an. Die Geschichte beginnt mit dem Begräbnis eines kleinen Jungen. Wie sich herausstellt, sein Enkelsohn, der von einem Wagen zu Tode geschliffen wurde. Wie sich herausstellt, war dies sein Wagen.

Wann genau das Lebensglück des Henry Cage zu brechen begann, wann genau seine Pechsträhne begann, darüber stellt er sich keine Fragen.

Kurzerhand - noch keine 60 - aus der eigenen Firma gedrängt. Die Abschiedsreden und -feierlichkeiten pompös inszeniert. Aufs Land gezogen, wo die Welt noch in Ordnung ist.

Aber die Geschichte fängt ganz anders an. Mit seinem Leben nach der Firma. Davon, dass er große Menschenansammlungen und laute Feierlichkeiten noch nie leiden konnte. Gerade deshalb stolpert er zu Silvester in die große Masse - flüchtend vor einem kleinen Neujahrsfest. Dort begegnet er auch einem Schläger.


Womit die Geschichte nicht anfängt, aber immer umkreist - sie. Seine geschiedene Frau. Ein Quell der Lebensfreude und -leichtigkeit. Manchmal denkt er daran, wie es war, als sie noch da war. Ob sie ihre Ehe hätten retten können, wenn er nicht immer pünktlich außer Haus gefrühstückt hätte.

Er hat sie gebrochen, als er die Scheidung verlangt hat. Er konnte nicht darüber hinwegsehen, über ihre kleine Affäre. Sein Sohn Tom - eine untergeordnete Rolle.

Wie konnte es geschen, dass sie, schwer krebskrank ihn doch noch geholt hat, mit ihrem Magneten Anziehungskraft. Sie kannte ihn so gut. Sie hat wieder alles geflickt, kurz vor ihrem Tod.

Er schlittert immer tiefer in sein Pech hinein. Dann noch die Sache mit dem Schläger, der ihn erpresst. Er kommt aus seiner Kälte nicht heraus. Gefangen in seinen Abläufen?


Die einzige, die ihn einmal rügt, ist seine Haushälterin. Erst später weiß er, dass er am falschen Ort war. Und kehrt dann zurück, dorthin, wo er wohl richtig ist. Die Tragik, dort war er wohl am falschesten?

Die Geschichte beginnt am Ende und findet auch wieder fast dorthin.

Henry Cage. Einer, der immer gut war. Anständig. Verantwortlich. Und dann das. Darüber, ob man etwas verdient hat oder nicht, darüber spricht er nie wieder mit einem, der kurz in seiner amerikanischen Leichtigkeit das Thema angesprochen hat. Dann, als nämlich er meinte, er hätte das nicht verdient. Wer hat etwas verdient? oder nicht verdient? Was ist mit Schuld?



Ich hab David Abbot nicht gekannt. Ein englischer Autor, das Buch als Taschenbuch bei dtv erschienen. In diesem Roman sind so viele vereinzelte Sätze, die man sich herausschreiben möchte, jemanden vorlesen möchte, zeigen, teilhaben lassen möchte. Eine Verwicklung eines Erwachsenenlebens. Ausgeliefert, schuldlos teilnehmend an den Wirrnissen des Lebens. Was soll er tun? Was hätte er tun sollen?

David Abbot versteht es meisterlich, diesen verantwortungsvollen Menschen zu formen. Der nicht gnädig sein kann. Und jetzt Gnade bräuchte.




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Ich musste es heute in der früh noch fertig lesen, nachdem gestern abend, Frau Schlaf zu plötzlich über mich gekommen ist.
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Und jetzt hoffe ich, diese Sätze wieder zu finden.