Sonntag, 24. April 2011

Das lässt sich ändern

Birgit Vanderbeke, Das lässt sich ändern.

Zwei Welten treffen sich in Deutschland. Sie, aus gutbürgerlichen (reichen) Kreisen stammend und er, aus ärmlicher (verwahrloster) Familie. Sie gehen durch die 80er und 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als alle, die etwas auf sich hielten, ein bißchen links waren.

Bis in die jetzige Zeit, wo niemand mehr, der etwas auf sich hält, ein bißchen links sein will.

Ein kritischer Roman über die Erfrierung unserer Gesellschaft, die Hilflosigkeit der Erwachsenen durch Verwöhnung und Konsumverwahrlosung. Der Weg, ein Selbstbestimmtes, linkes, aufrechtes Leben zu führen, wo man sich auch noch selbst ernähren kann, sich selbst etwas Schaffen kann. Der Widerspruch zwischen den Familien, "wo man Personal hat und selbst keinen Hammer halten kann" und der anderen "wo man für dies und das doch kein Geld ausgeben wird, man kann doch altes wieder sanieren".


Gut lesbare Sozialkritik über unsere Gesellschaft, die immer ignoranter und gleichzeitig hilfloser wird.

Der Versuch eines Paares, normal zu bleiben, den eigenen Kindern noch Leben! zu vermitteln.


Pressestimmen:
»Ein wunderbarer Roman über die Macht der Liebe und die Kraft der Freundschaft.«
Elle

»Vanderbekes neuer Roman ist eine schöne Utopie: mitreißend, bestrickend einfach – und bevölkert von liebenswert eigensinnigem Personal.«
WDR Hörfunk

»Wer von früher erzählt, setzt sich leicht dem Verdacht der Sentimentalität aus. Davon ist dieses unzeitgemäße Buch so wenig frei wie von so manchem Klischee. Doch es zeugt von Mut, der Marktmaschine wie der übermütigen Spaßgesellschaft auch literarisch andere Lebensmodelle entgegenzustellen, die nicht völlig verschwunden sind … Für den Großteil einer ganzen Generation modelliert sie so einen handlichen Griff an die eigene Nase.«
FAZ

»…große Wohlfühlliteratur. Vanderbeke schildert eine idyllische Utopie, und ihr schriftstellerischer Wagemut besteht darin, diese Utopie frech in die Gegenwart einzubinden. Als ob das so einfach ginge. Aber vielleicht – vielleicht ginge es ja tatsächlich? Es ist dieser Stachel, der sich schmerzend im Leser festsetzt. Sehr süßlich schmerzend.«
Frankfurter Neue Presse

»...Lesespaß pur, der immer wieder beweist, wie in guten Romanen gesellschaftliche Analysen und Unterhaltung brillant verzahnt werden können.«
Financial Times Deutschland

»Wie schon in ihren Vorgängerromanen entwickelt Vanderbeke ihre Geschichte auf noch nicht einmal 150 Seiten. Mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit setzt sie Satz an Satz: mal verschachtelt, mal kurz und knapp. Doch sind es gerade diese Gegensätze, die das Leben der Familie widerspiegeln.«
Weserkurier

»Mit Vanderbekes gewohnt ironischem Blick, der auch das Ungereimte und Traurige in warmem, versöhnlichem Licht zeigt, führt uns die Erzählerin durch ihr Leben mit Adam und den beiden Kindern. … Die – in der deutschen Gegenwartsliteratur nicht gerade weit verbreitete – Figur des unbeschwerten Pragmatikers bleibt bis zum Ende faszinierend präzise gezeichnet.«
Neue Zürcher Zeitung

»Birgit Vanderbeke ist ein Buch gelungen, das prall gefüllt ist mit Zweifel, Freude und Zuversicht. Und: Nein, es ist kein Kitsch.«
Hamburger Abendblatt

»Die Liebe als Heuschreckenplage – die Zumutung eines unpassenden, nicht abzustellenden Gefühls hat Vanderbeke einst im Roman Alberta empfängt einen Liebhaber in wunderbar lakonische Worte gefasst. Ihre Fans hofften seither auf einen Nachhall dieses ›Alberta-Sounds‹ – vergeblich. Bis jetzt.«
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

»Zwei Welten prallen aufeinander – und diesen Prozess beschreibt die Autorin gekonnt beiläufig ironisch … Sie öffnet ihren Lesern den Blick für einfache, sinnliche Dinge.«
Ruhr Nachichten

»Vanderbeke erzählt in ihrem federnd leichten Tonfall … Es fällt schwer, ein Vanderbeke-Buch aus der Hand zu legen.«
Augsburger Allgemeine

»Bezaubernd! … Auf dieser Streuobstwiese säße man auch gern, lernte einen handfesten Adam kennen und läse mit der Erzählerin Bücher. Man hätte gerade ihr letztes nicht dabei? Das lässt sich ändern.«
Wiesbadener Kurier

»Vanderbeke beschreibt eine fast schon romantische Revolution – entschieden, aber zärtlich, idealistisch und auch möglich.«
Leipziger Volkszeitung

»Es ist schon erstaunlich, was Birgit Vanderbeke alles hineinpackt in diesen schmalen Roman, der die Leser auf durchaus angenehme Art zurückschubst ins Zeitgefühl der 80er Jahre.«
Nürnberger Nachrichten

»Ein Roman über Widerstand und Liebe, Sinnlichkeit – und die Besinnung auf die einfachen Dinge des Lebens. Dieses Buch hinterlässt nach dem Lesen ein gutes Gefühl im Bauch.«
Bolero (CH)

»Was viele spüren, fasst Birgit Vanderbeke in deutliche Worte, und irgendwie bewundert man sie dafür.«
Neues Deutschland

Die Klatschmohnfrau

Die Verpackung: In Leinen gebundenes kleines Geschenkbuch. Freude zwischen den Fingern. Dieses Buch ist Teil einer Serie so schöner Handtaschen-(Geschenk)-Bücher. Zum einfach dabeihaben, für diesen Nachmittag in der Liege, auf der Reise nach irgendwohin.

Eine schöne, leichte, liebenswerte Geschicht einer großen, vorsichtigen Liebe. Wie eine alte Frau wieder begehrt wird und ein gemeinsames Glück mit einem alten Mann findet. Voller Poesie und Zärtlichkeit. Zum einfach mal reinfallen, entspannen, lächeln.

Das Labyrinth der Wörter

Das Labyrinth der Wörter. Selten - noch nie - habe ich ein Buch gelesen, das die Lust am Bücherlesen so treffend vermittelt.

Wie diese besondere Freude, den einen
Satz gefunden zu haben, gerade diesen einen, der so gut passt, wie diese besondere Freude auch im Buch auftaucht. Diese alte, zierliche Frau, die dem ungebildeten großen Mann diese Liebe vermittelt. Diese beiden unterschiedlichen Seelen, die sich treffen, aneinander Gefallen finden, wo etwas passiert.

Marie-Sabine Roger erklärt uns die Freude an den Worten. Der Analphabet, der die verschiedenen Synonyme zu Begriffen - gleich auch miterklärt. Der aufwacht und erkennt, dass durch Wörter und Sprache Gefühle und Emotionen reicher werden. Dadurch, dass man auch sich selbt die eigenen Zustände erklären kann.


Ein einfacher Mann, ungebildet, Arbeiter, mit Macken lernt eine alte zierliche Frau kennen - Liebe auf den ersten Blick. (aber nicht so, wie sie jetzt denken, würde er jetzt sagen.) Und dann verändert sich sein Leben. und ihres. Wie schön ist es auch für sie, ihre Leidenschaft teilen zu können. Vorlesen zu können. Jemanden zu haben, der zuhört. Wie schön ist es für ihn, diesen Vorhang gelüftet zu bekommen, die Phantasie laufen zu lassen, respektvoll behandelt zu werden.


*seufz*

so schön.

Eines, das ich nochmal lesen mag. Diesmal ganze Passagen rausstreichen mag. Abschreiben, rahmen, aufhängen, oft und oft anschauen. Anderen zeigen, wofür die eigenen Worte nicht reichen, was Lesen bedeutet.

Donnerstag, 21. April 2011

Fragen von Max Frisch

Die Fragen von Max Frisch sind in diesem Notizbuch - mit Platz für eigene Gedanken - zusammengefasst.

Da Max Frisch im Mai seinen 100. Geburtstag feiert, habe ich ihn mir nun wieder ins Gedächtnis gerufen - und seine Bücher durch meine Hände gehen lassen. Beim Notizbuch bin ich nun als erstes hängengeblieben. Und zwar wirklich.

Ein kleines, feines Büchlein, mit Fragen, in einer Tiefe, die schmerzt (?) aufrüttelt (?) schockiert (?)

SEHR empfehlenswert, für kurze Augenblicke, aufschlagen, und denken.
für lange Abende, durchblättern, sinnieren. Zurückgeworfen werden.


Hier einige Kostproben

I, 6.
Möchten Sie das absolute Gedächtnis?


I, 17.
Was meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie sich selber übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?


I, 24.
Wofür sind Sie dankbar?


II, 19.
Wenn Ihre derzeitige Ehe als glücklich zu bezeichnen ist: worauf führen Sie das zurück? (Stichworte genügen)

III, 10.
Haben Sie hinreichende Beweise dafür, dass sich Frauen für bestimmte Arbeiten, die der Mann für sich als unwürdig empfindet, besonders eignen?


III, 16.
Möchten Sie Ihre Frau sein?

III, 20.
Was trauen Sie Frauen nicht zu:
a. Philosophie?
b. Organsiation?
c. Kunst?
d. Technologie?
e. Politik?
und bezeichnen Sie daher eine Frau, die sich nicht an Ihr männliches Vorteil hält, für unfraulich?


IV, 5.
Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?


IV, 21.
Keine Revolution hat je die Hoffnung derer, die sie gemacht haben vollkommen erfüllt; leiten Sie aus dieser Tatsache ab, dass die große Hoffnung lächerlich ist, dass Revolution sich erübrigt, dass nur der Hoffnungslose sich Enttäuschungen erspart usw., und was erhoffen Sie sich von solcher Ersparnis?


V, 14.
Was versetzt Sie eher in Eifersucht: dass die Person, die Sie lieben, eine andere Person küsst, umarmt usw., oder dass es dieser andern Person gelingt, Humor zu befreien, den sie an Ihrem Partner nicht kennen?


VI, 7.
Haben Sie schon gestohlen:
a. Bargeld?
b. Gegenstände (ein Taschenbuch am Kiosk, Blumen aus einem anderen Garten, eine Erstausgabe, Schokolade auf einem Camping-Platz, Kugelschreiber, die umherliegen, ein Andenken an einen Toten, Handtücher im Hotel usw.)?
c. eine Idee?


VI, 18.
Was tun Sie für Geld nicht?


VII, 6.
Möchten Sie ohne Freunde auskommen können?


VII, 15.
Wenn Sie auf Umwegen erfahren, dass ein böser Witz über Sie ausgerechnet von einem Freund ausgegangen ist: kündigen Sie daraufhin die Freundschaft? Und wenn ja:


VII, 20.
Wenn es dahin kommt, dass Freundschaft zu etwas verpflichtet, was eigentlich Ihrem Gewissen widerspricht, und Sie haben es um der Freundschaft willen getan: hat sich die betreffende Freundschaft dadurch erhalten?


VIII, 10.
Wenn andere Leute (Gäste, Nachbarn, Lehrer usw.) durchblicken lassen, dass Sie Ihr Kind nicht außerordentlich finden: wem nehmen Sie´s übel, dem Kind oder den Leuten? Oder der Mutter?


IX, 8.
Welche Speisen essen Sie aus Heimweh (z. B. die deutschen Urlauber auf den Kanarischen Inseln lassen sich täglich das Sauerkraut mit dem Flugzeug nachschicken) und fühlen Sie sich dadurch in der Welt geborgen?


X, 11.
Wenn Sie auf der Straße stehenbleiben, um einem Bettler etwas auszuhändigen: warum machen Sie´s immer so flink und so unauffällig wie möglich?


X, 17.
Wieviel Eigentum an Grund und Boden brauchen Sie, um keine Angst zu haben vor der Zukunft? (Angabe in Quadratmetern.)
Oder finden Sie, dass die Angst eher zunimmt mit der Größe des Grundeigentums?


XI, 5.
Haben Sie schon einmal gemeint, dass Sie sterben, und was ist Ihnen dabei eingefallen:
a. was Sie hinterlassen?
b. die Weltlage?
c. eine Landschaft?
d. dass alles eitel war?
e. was ohne Sie nie zustande kommen wird?
f. die Unordnung in den Schubladen?


XI, 18.
Möchten Sie lieber mit Bewusstsein sterben oder überrascht werden von einem fallenden Ziegel, von einem Herzschlag, von einer Explosion, usw.?


XI, 22.
Wenn Sie an ein Reich der Toten (Hades) glauben: beruhigt Sie die Vorstellung, dass wir uns alle wiedersehen auf Ewigkeit, oder haben Sie deshalb Angst vor dem Tod?