Sonntag, 23. Januar 2011

Eugen Freund - Brennpunkte der Weltpolitik Mo, 24.1. live in Oberpullendorf


Am Montag, 24.1.2011, findet um 19.00 Uhr eine Lesung und moderierte Diskussion mit Eugen Freund in der HAK Oberpullendorf statt.

Die Klasse von Prof. Mag. Norbert Liebentritt hat diese Veranstaltung organisiert, designt und bis zum jetzigen Tag mit hohem Engagement und toller Leistung auf die Beine gestellt.

Dazu große Gratulation! Die Klasse kann was! Bravo an Prof. Liebentritt, der wirklich stolz auf seine SchülerInnen sein kann! und auf seine Leistung als engagierter Lehrer.


und nun Eugen Freund und seinen Ansichten zur Weltpolitik lauschen.

Freitag, 14. Januar 2011

Das Streichelinstitut

Warum Clemens Berger noch nicht bekannter ist, ist mir ein Rätsel. Für mich gehört er zu den großen österreichischen Autoren der Gegenwart.

Das Streichelinstitut beschreibt Wien heute. Allein schon der Einstieg, wie der Protagonist die Neubaugasse und ihre BewohnerInnen beschreibt - GÖTTLICH!

Also: Ein für gewöhnlich als gescheitert zu betrachtender unfertiger Student setzt sich mit der Realität auseinander (immerhin ist er in seinen 30ern angelangt) etwas tun zu müssen, das ein Einkommen beschert. Er kann nichts. Außer streicheln, wie seine Freundin meint.

Und nun gründet er das Streichelinstitut.

Dies ist für mich die vordergründige Geschichte, viel mehr geht es - (hat schon jemand "Das bin doch ich" von Thomas Glavinic gelesen?) um das Ganzsein eines Menschen.

Clemens Berger ist ein Sprachspieler. Er webt um seine detaillierte Sprache eine Geschichte herum, die aus vielen Eigenmonologen bestehend, die Figur des Sebastian Horvath klarer und differenzierter werden lässt. Ein komplexer Mann, immer auch in Gefühlszwiespälten zerrissen, entwickelt sich von einem Viel-Zeit-Haber zu einem Nicht-Zeit-Haber.

Clemens Berger arbeitet sowohl die Wirrnisse der Wirtschaftskrise, als auch die Versuchungen der Liebe auf. Ein gegenwärtiger Roman, ein umfassender Roman. Einer, den man auch ein zweites Mal lesen könnte. (und vielleicht auch einmal tut - auch in den Urlaubskoffer packen.)

Sehr zu empfehlen.

Sally von Arno Geiger
Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche von Alina Bronsky
Das Streichelinstitut von Clemens Berger

meine aktuelle Hitliste, was man sich jedenfalls Gutes tun sollte.

Dienstag, 11. Januar 2011

Magnolienschlaf

Es beginnt mit einem schrecklichen Traum - Bombardierung, eine Mutter, die ihr Kind hält, Bunker.

Bruch.

Ein junges Mädchen auf dem Weg von Russland nach Deutschland. Sie soll eine alte Frau pflegen. So, wie es viele machen. Man bleibt über eine gewisse Zeit voll im Haushalt, verdient gutes Geld und fährt dann wieder in die Heimat zurück. Ihre Mutter, die dies gar nicht unterstützt - man weiß ja nie, was die Mädchen dort wirklich erwartet, sie hat Angst, ihre Tochter würde in schlechte (Bordell-)Verhältnisse abstürzen. Denn - vor den Männern muss man sich hüten.

Die alte Frau. Geduldig liegt sie in ihrem Bett, lieblos gepflegt von der Frau ihres Neffen. Einen Engel gibt der erste Anschein preis.

Die beiden - das junge Mädchen und die alte zu pflegende Frau finden sich gleich sympathisch, das kann nur gut gehen. Bis das Mädchen russisch spricht. Aus der alten Frau bricht etwas aus, sie tobt, ein Krieg beginnt. Sie verweigert jeglichen Kontakt, wird zur Furie, die Junge zahlt zurück. Ein Stellungskampf im schmucken Einfamilienhaus in Deutschland.

Der Neffe und dessen Frau geben sich gelangweilt und ignorieren die Sache. Endlich haben sie die Alte versorgt. Sie soll sich nicht so haben und nicht zu viel Geld kosten. Auch nicht beim Essen. Man kann ihre Pension gut selbst gebrauchen.

Als die Alte dann auch noch hinter den Finanzbetrug durch ihre lieben Verwandten kommt, bricht alles zusammen. Von einer feindlichen Russin umgeben, von den letzten Verwandten ausgenützt. Sie wird apathisch, verweigert jegliche Nahrungsaufnahme, ihr altes Trauma bricht hoch. In Träumen, die die junge Pflegerin nicht schlafen lassen, in Verwirrung.

Bis die junge Russin die Geschichte aufdeckt. Schonungslos geht sie mit der alten Frau zu Gericht, presst ihre verborgene Lebenslüge aus ihr heraus, dann - Frieden. Die Verbindung zwischen zwei Menschen, die beide Altlasten der Kriegsgeschichte sind, wird sichtbar, greifbar. Wer waren nun die Bösen?


Eva Baronsky schafft es, zwei große Themen (Pflegenotstand und Aufarbeitung des 2. Weltkriegs) hier so zu verdichten, dass einem der Atem wegbleibt, man kann aus der Geschichte nicht mehr raus. Die Sprache wunderbar. Flüssig, kein Wort zu viel oder zu wenig. Ohne Zeigefinder zeigt sie Lebenslügen unserer Gegenwart auf. Eintauchen, reinleben, lernen.

leih mir dein ohr


also schon wieder - deine Interpretationen über den anderen spiegeln sich im anderen. Wir kennen das schon alles aus der Kommunikationslehre (siehe Schulz von Thun) - doch die beiden AutorInnen (die Bösels, beide hochgebildete Psychotherapeuten) beschreiben die Problematiken in Beziehungen - hier Ehen - wirklich wunderbar, gespickt mit reichlichen Beispielen aus ihrer Praxisarbeit.

Für alle, die nicht seit gestern verliebt sind und gerne auch mal über bekannte eingespielte Verhaltensweisen schmunzeln wollen (Die Semmelgeschichte..)

Ja, gut und empfehlenswert, weil "Du bist deines Glückes Schmied"

mehr dazu http://www.kremayr-scheriau.at/index.php?p=main.php&buch=295

Sonntag, 2. Januar 2011

Dem Schicksal auf der Spur - Karin Achleitner-Mairhofer


Sachbuch zum Thema familiäre Verstrickungen mit viel Information aus den neuesten Erkenntnissen der Gehirnforschung und der Quantenphysik. Ein wirklich umfassendes und wissenschaftlich fundiertes (sowieleicht zugängliches) Werk zum Thema Familienstellen, Organisationsstellen, Resonanzgesetz, Genetik, Quantenphysik.

GUT LESBAR!
Erschienen im Verlag Ennsthaler, Steyr 2010

Lebensgeschichte eines Kindes - Im Meer schwimmen Krokodile



Der Verlag Knaus hat mir dieses Buch geschekt, in einer Schachtel eingepackt, mit einem Begleitschreiben; dem ich mich nicht entziehen konnte.

Im Meer schwimmen Krokodile ist die wahre Geschichte eines Buben aus Afghanistan, den seine Mutter dadurch vor den Taliban rettet, dass sie ihn alleine in einem fremden Land zurücklässt. Zu dem Zeitpunkt ist er 10 Jahre alt.

Es beginnt unmittelbar, so wie wenn dir jemand gegenüber sitzt und ganz unerwartet beginnt, seine Geschichte zu erzählen. Einfach. wahr. fesselnd.


Ich habe diese Geschichte am 24. 12. gelesen. Ich habe es geöffnet und den Geschenkbrief durchgelesen, und dann nur kurz aufgeschlagen. Der kleine Enaiat hat mich dann in seinen Bann gezogen. Wie er mit 10 Jahren munter wird und seine Mutter nicht mehr findet. Wie er das Gefühl der Leere beschreibt. Eine blumige Sprache, die dieses Taubheitsgefühl so klar vermittelt.

Er überlebt die schlimmsten Erfahrungen, Lohnarbeit, (Sklavenarbeit), schwere Bauarbeit, Aufgriff, Schlepperei; Angst, Schläge, verlorene Freunde, ...

Mit 15 wird er in Italien an Land gespült, er bekommt einen Status: "unbegleiteter minderjähriger Flüchtling" und zum ersten Mal Fürsorge.



Atem anhalten. Lesen. die Augen aufmachen vor Realitäten in unserer Umgebung.




Dieses Buch erscheint am 08.03.2011.