Freitag, 23. Dezember 2011

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben,
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
Als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

(Elli Michler)

Freitag, 9. Dezember 2011

Kaktusmenschen

Ein Buch für alle, die schon einmal einem echten Ungustl begegnet sind. Die schon einmal ungerechtes Verhalten erfahren haben, denen es schon einmal untergekommen ist, völlig unvorbereitet angefeindet, hintergangen, intrigiert oder einfach nur total ungut behandelt worden zu sein.

Rotraut Perner beschreibt hier diese Kaktusmenschen. Die um sich schlagen, stechen, an niemandem ein gutes Haar lassen.

- und wie man sich selbst vor ihnen schützt.


Sehr informativ, gut geschrieben, Pernersche Qualität eben.


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Die gelben Augen der Krokodile


Katherine Pancol, französische Autorin schreibt in diesem gewichtigen Roman über eine Frau, die so nicht mehr weiter kann. - aber eigentlich beginnt es mit dem Mann, der so friedlich seinen Morgen gestaltet.

und dann bist du schon drinnen in dieser Lebensgeschichte heute in Frankreich oder sonstirgendwo in der westlichen Welt. In diesen Welten zwischen Erwachsen-Vernünftig-Agieren und gewissenlosem Konsumieren. Zwischen den verstaubten Bildungsmenschen und den erfolgreichen Frauen erfolgreicher Männer der Oberschicht.

und dann bist du schon drinnen im Leben einer Frau, die geglaubt hat, sie hat ihren Rhythmus gefunden. Ihren Mann, ihre beiden Kinder, ihre Arbeit. Alles ist gut. Aber die Dinge ändern sich.

und dann bist du schon drinnen in der Erziehung einer störrischen Pubertären, in einer Mutter-Kind-Beziehung voller Vorwürfe und nicht erfüllter Erwartungen.

und dann - dann entwickelt sich diese Frau...

Kaum angefangen bist du schon drinnen und kannst nicht mehr raus. Eine spannende, wahre, Geschichte von Geschwisterbeziehung, Schüchternheit, großer Liebe, Berechnung, einfach alles drinnen.


Nachwirkend. gut. große Geschichte.




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Dienstag, 22. November 2011

Der Fremde und die schöne Frau

Pavel Kohout. Die schöne Frau lebt in S. S. hat schon viel erlebt. Die Monarchie, die Vertreibung der "anderen", die Zerstörung durch die Nazis, der Vertreibung der Deutschen, die Zerstörung durch die Kommunisten, die Zerstörung der Integrität der Einwohner, nochmals durch den Kommunismus. Die Befreiung von den Fesseln einer Diktuatur, die Zuwanderung von vielen neuen "anderen".

In dieser Umgebung lebt die Schöne Frau. Pavel Kohout beschreibt in diesem Roman des 20. Jahrhunderts - in diesem besonderen Ton, der die AutorInnen östlich der Donau ausmacht - mit diesem Gesang der Leichtigkeit, die im Hintergrund die schweren Töne des Moll verbergen möchte - Pavel Kohout also beschreibt ihr Leben.

Und dann dieser Mann, der plötzlich da steht, elegant, ehrlich, einfach und sie lässt sich (und dann doch nicht, woher und warum meint sie, so ablehnend, ja aristokratisch ablehnend sein zu müssen!) auf das Abenteuer ein. In dieser Stadt S., in der sie die Veränderung nicht bemerkt hat.


Und dann der Abschluss. Die mutige Schöne, die - ohne dass es viel erklärt wird - dann aufrecht und kompromisslos zu sich, zu ihren Gefühlen steht. Und der Fremde, der erstmals wieder ...

aber lesen Sie selbst!


Ein leise singender Roman von einem Leben, das "die Umstände" formten, aber nicht verformten.

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Samstag, 22. Oktober 2011

Paganinis Fluch

Lars Kepler legt hier einen Politthriller der Sonderklasse vor. Nicht umsonst wurde dieser Kriminalroman zum besten schwedischen Krimi 2010 gekürt.

Grandios!

Ein Feuerwerk, temporeich, böses Verstrickungen - und ganz zum Ende erst, klärt sich auf, was Paganini damit zu tun hat. Ein Blick in die Abgründe der Verstrickungen von Waffenhandel und Politik. Und ein Blick auf präzise arbeitende Polizisten. Und ein Einblick in Motivation und Arbeit von Friedensaktivisten.

Aber ganz wichtig. Ein spannender, reinziehender Roman, der einen nicht mehr loslässt, einsaugt. Ein - schauriges, erschütterndes - Lesevergnügen!


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Die Augenblicke des Herrn Faustini

Es kommt ganz still daher, dieses Buch. Herr Faustini ist auf der Suche nach dem vollkommenen Augenblick und trifft auf seiner Suche schrullige Personen, einsame Gegenden - ob er den perfekten Augenblick findet...

Wolfgang Hermann erzählt so unspektakulär, bescheiden und einfach das Leben dieses Mannes aus dem Bregenzerwald, der auf die Reise geht, den perfekten Augenblick zu finden. Ein feiner, tiefsinniger, oft heiterer Roman für stille Stunden. Einfach hinlegen und genießen.


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Susan Sontag, Zur gleichen Zeit


Jeder Aufsatz in diesem Taschenbuch ist es wert, für sich, bedächtnig, nachdenkend, gelesen zu werden. Jeder Text erzeugt einen Wiederhall, eine Resonanz, die nicht gleich zu vertreiben durch neue Eindrücke, mehr Lärm, wertvoll für die Menschenbildung ist.

Susan Sontag hält sich in ihren Inhalten nicht mit den Niederungen des Alltags auf. Sie beschäftigt sich mit den grundsätzlichen Fragen von Gerechtigkeit, Mut, Ethik; und kommt hier gleich wieder in den konkreten täglichen Ablauf, in die Gegenwart zurück, bleibt geerdet, da jeder Grundsatz eine Umsetzung im Hier und Jetzt fordert.

Wenn Sie schon nicht alle Aufsätze lesen, dann empfehle ich, zumindest ihre Ansprache zur Verleihung des Oscar-Romero-Preises an Ishai Menuchin zu verinnerlichen.

Ein großer Text. So wie jetzt gerade einzelne Reden (siehe Stephane Hessel) als kleine Handbücher veröffentlicht werden, wäre auch diese Ansprache wert, separat durch eine eigene Veröffentlichung gewürdigt zu werden.

Auch hier: Als Bildungstext für alle Bevölkerungsschichten geeignet (inkl. SchülerInnen und LehrerInnen, inkl. Heimatabenden zur Bildung eines starken, selbstbewussten Volkes)

Hier möchte ich nochmals auf den Text von Anneliese Rohrer verweisen, die fast flehentlich ethisches und öffentliches Handeln einfordert.


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Freitag, 21. Oktober 2011

Ende des Gehorsams

Sehr geehrte Frau Rohrer
Eine Analyse der österreichischen Befindlichkeit, in Klarheit, Härte und ungewohnter Deutlichkeit - dafür sei ihnen gedankt.

Sie sind dafür bekannt, ohne das ständige Bemühen, umschmeichelt zu werden, ohne das ständige Bemühen, gemocht zu werden, daher frei von der Leber weg ihre Statements zu formulieren. Stets begründet, stets durchdacht, stets zur Diskussion bereit.

Offenbar fühlen sie sich nun persönlich gezwungen, ihrer Verzweiflung ob der Starre, Gleichgültigkeit und Abgeschliffenheit der handelnden gesellschaftlichen Teile (Politik, Medien, "Volk?") einen Aufruf zu starten. UND ES IST WICHTIG!

In ihrem Text erwähnen Sie auch, dass Menschen, die sich mutig und engagiert zu Wort melden, gefragt werden, warum sie sich das antäten. Man werde doch angreifbar, der Undefinierte niemals. Wurden Sie das auch zuletzt gefragt?

DANKE, dass sie diese Bequemlichkeit, ich sehe es eher als grassierende Überängstlichkeit, anprangern, da in Österreich nichts schlimmeres passieren kann, als manchmal schief angeschaut zu werden. Dort wo der Kampf um die Demokratie auf der Strasse geführt wird, geht es um Leben und Tod. Nicht um mehr oder weniger Gemütlichkeit.

Und auch dass sie diese vermeintliche Gemütlichkeit aufdröseln. Dass diese nicht haltbar sein wird, doch verstärkt dies nicht die Ängst der Menschen, glauben diese nicht, dass die Chose mit Noch-Mehr-Ducken gelöst werden kann?

DANKE, dass sie ansprechen, dass unsere Bildungsinsitutionen - woher denn - die Heranbildung von kritischen Menschen nicht fördern - wo doch die handelnden Personen sich selbst in der Zwangshaft der Lieblichkeit und Bravheit befinden.

Doch die Hoffnung ist - wenn alle nicht mehr mitspielen - ist das Spiel der vermeintlichen Abhängigkeiten auch vorbei. Die derzeitigen Machtinhaber werden wohl kein Interesse an "schwierigen" Bevölkerungsgruppen haben. Jeder der offen und öffentlich spricht gehört dazu. Meine Hoffnung liegt in der kritischen Berichterstattung der Medien. Wo sonst befinden sich per definitionem kritische Menschen?

Und wer hat denn schon welche Karriere zu verlieren? Die einen Duckmäuserischen werden entsorgt und die anderen sind verstrickt in hangewaschenen Geschäften. Ist dies eine erstrebenswerte Karriere?


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Für alle, die "Ende des Gehorsams" noch nicht gelesen haben. BITTE - es tut einfach gut!


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Samstag, 8. Oktober 2011

der Umgangston - Marlene Streeruwitz

Ich frage mich - liegt es am Umgangston? Heute möchte ich Marlene Streeruwitz danken. Aus tiefstem Herzen danken. Für den heutigen Artikel im Standard.

Vielen Dank, Marlene Streeruwitz!

Abgesehen davon, dass ihre Sprache - wie ein Licht - diese Zumutung des Niveaus - wie ein Geschenk! - beim Morgencafe wieder Hoffnung gibt, auf dieses Land, Hoffnung gibt, dass es noch immer Menschen gibt, die diese Billigkeit in der Politik anprangern. In einer teuren Sprache.

Ja, das Niveau sinkt - und immer tiefer.

Hier ein ausdrückliches Lob an Gabriela Moser, die sich niemals von Modeerscheinungen - der wordings, der lieblichkeit, der beliebigkeit - irritieren ließ. Ein Unmodische, die jetzt eine reinigende Rolle hat. Ich halte dir die Daumen, liebe Gabriela!


weiter zu Marlene Streeruwitz und ihrem Artikel im Standard, den ich in der Textzeile verlinkt habe und nachfolgend einkopieren werde. Weil ihre Analyse des Kinderzimmers österreichischer Parlamentssaal zutreffend und erschütternd ist. Und weil sie all dies in einem Text schreibt, der für sich stehend schon ein Kunstwerk ist.

So dann - auf die Hoffnung für einen Reinigungsprozess in der korrupten und kindischen Republik!



zur Person:
Marlene Streeruwitz, geboren in Baden bei Wien. Studium der Slawistik und Kunstgeschichte. Journalistin der Öko-Zeitschrift "Natur ums Dorf". Freie Texterin und Journalistin. Literarische Veröffentlichungen ab 1986. Freiberufliche Autorin und Regisseurin. Sie lebt in Wien, Berlin, London und New York. Mit ihrem eben erschienenen Roman "Die Schmerzmacherin" (S. Fischer Verlag) ist Streeruwitz auf der diesjährigen Shortlist zum Deutschen Buchpreis ge- landet. Er wird am 10. Oktober verliehen.



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Liegt es am Umgangston?

07. Oktober 2011 17:33
"Ein herausfordernder Ton ist das, der ein hohes Wissen der Schwächen voraussetzt und der vernichten will, wenn es ohne Schaden für die eigene Person geht."

Im Parlament sollte das Schicksal eines Staats diskutiert werden, kluge Entscheidungen zum Wohl der Meisten sollten dort getroffen werden - Von Marlene Streeruwitz

Hier aber bevölkert eine Kindergruppe die gesamte österreichische Sprechlandschaft.

Von London zurück und die Parlamentsübertragungen da in Erinnerung, ist die Übertragung der Parlamentssitzung zum Europäischen "Finanzrettungsschirm" in Wien ein Schock. Dabei geht es nicht um die Argumente. Die sind europaweit gleich. Die einen regieren und die anderen nicht. Das ist nicht sehr spannend. Es geht auch nicht um die Aggression. Die ist überall gleich hoch. Ich denke, es sollte noch viel aggressiver diskutiert werden. Schließlich geht es um eine jener Krisen, wie sie in Österreich jahrhundertelang das Joch der Steuern und Aushebungen nach sich zogen.

Es waren ja immer schon die Geldgeschäfte auf Kosten der Untertanen, die so ein österreichisches Normalschicksal von Enge und Leid und Unterdrückung herstellten. Darum geht es heute wieder. Die Volksvertretung hätte allen Grund, sich diesen Aussichten zu stellen. Aber das tun sie nicht. Die Volksvertreter beschäftigen sich miteinander und führen Schaukämpfe und das alles in diesem Ton der Geschwister-frechheit, der in der gesamten öffentlichen Redeweise geführt wird. Da wird kein Abstand gehalten. Da wird vorausentworfen, was der andere eigentlich meint. Da wird keine Meinung zugelassen als die, die für den anderen vorausgedacht worden war. Da wird dem oder der anderen gar keine eigenständige Existenz zugestanden. Dazu wird per Du herumgeschrien. Dazu wird per Du und per "Ihr da" geschmäht. Und. Es werden nur die festgeschriebensten Meinungen zueinander geäußert. Die jeweils Beschriebenen werden in einer Beschreibung eingefangen, die die Beschriebenen mit einer Beschreibung nun wieder der anderen zurückzahlen. Es herrscht der Ton des Kinderzimmers des strengen Vaters, der gerade die eigentlichen Regierungsgeschäfte führt. Diesen strengen Vater gibt es nun längst nicht mehr. Die Kinderln im Parlament aber werfen einander die Existenz vor. Geschwisterrivalität. Es herrscht ein Ton, wie er in so Kleingemeinden wie dem "Gutruf" oder in der Sauna oder am Stammtisch geführt wird.

Dieser tief kindische Ton

Ein herausfordernder Ton ist das, der ein hohes Wissen der Schwächen voraussetzt und der vernichten will, wenn es ohne Schaden für die eigene Person geht. Deshalb sind alle diese Personen ja auch in Parteien. So eine Partei. Da wird in den Sitzungen und dem geselligen Beisammensein danach und davor dieser Ton gegen die anderen eingeübt. Da lernt man, in der Gruppe zu stehen und von da aus die Schimpfereien in einen Saal auszusenden, und die einzige Leistung dabei könnte sein, dass einer einmal witzig und überdreht diese Beschimpfungen formulieren kann. Das wird dann "treffend" und "brillant" genannt. Beurteilt wird das aber immer von der eigenen Gruppe. Außensicht von einem selber. Das kennt man da nicht. Es sind ja immer die verachteten Geschwister, die angegangen werden, und da gilt gar nichts. Erst der Eintritt des strengen Vaters würde zu Ordnung führen und jenem Sprechen, das immerhin die Achtung der Existenz der anderen Person beinhalten müsste.

Diese Kindergruppe bevölkert die gesamte österreichische Sprechlandschaft. Vor allem in den Medien. Es ist zuerst komisch und dann gleich überhaupt nicht, dass in der Comedy-Sendung Was gibt es Neues auf ORF 1 derselbe Umgangston wie im Parlament herrscht und hier nun die Komik ausmachen muss. Immer leicht übergriffig wird es als großartig lustig angesehen, wenn Rassismen aller Art aufblitzen. Die Amerikaner. Die Russen. Die Schwulen. Die Frauen. Die Ausländer. Das, was im Parlament den politischen Gegner herabwürdigt, wird hier offen gegen Gruppen eingesetzt. Es wird dann gelacht und geklatscht. Wie im Parlament auch. Und. Es ist dieselbe Hilflosigkeit wie im Parlament. Denn. Dieser überfamiliäre Ton der Verachtung entspringt einer tiefen Selbstverachtung. Das aber wiederum bindet an diesen tief kindischen Ton und lässt kein Denken zu. Es kann also die Krise nur in der Schmähung der anderen besprochen werden, statt eine Analyse und Auswege zu diskutieren. Wenn die andere Person niemand ist, der als Vertragspartner angesehen werden kann, weil man sich selber nicht dafür hält, dann gibt es keine Politik. Dann kann es keine Politik geben.

Es wäre notwendig gewesen, einen Prozess der Emanzipation von dieser kulturell bedingten Kindischheit durchzumachen. Achtung und Respekt des Verhandlungspartners ermöglicht überhaupt erst ein Denken. Denken. Klares und strenges Denken und damit eine realistische Beurteilung der Lage. Dieses Herumgeplänkel in einer alles beschränkenden internen Sprache lässt ja nicht einmal eine klare Sicht der Dinge zu. Und. Es ist nicht lustig. In der Comedy-Sendung schleppt es sich von Kleinüberschreitung zu Kleinüberschreitung. Wie im Parlament.

Die Dümmsten gewinnen

Und die Dümmsten gewinnen, weil sie am unbekümmertsten ihre Schmähung verkünden können. In der Comedy wie im Parlament. Der Ton des greinendgrantig angriffslustigen Kinderzimmers zieht sich dann in die Polizei-Fernsehserien hinein. Die, die in Österreich produziert wurden. Da werden die Verhöre in eben diesem Ton geführt. In der persönlichen Auseinandersetzung zeigt sich die versteckte Gewalt offen. Da gibt es keine Grundrechte. Da gibt es keine Menschenrechte. Da werden Vorverurteilungen ausgesprochen. Wieder wird die andere Person, in diesem Fall der oder die Verdächtigte, von der Polizei der Fernsehserie entworfen. Der Verdacht wird auf dieselbe Vermutung gegründet, die im Parlament zur Schmähung führt und in der Comedy zur Abwertung des Gegenstands der Frage.

Immer geht es darum, von sich abzulenken und alle Aggression gegen die andere Person zu richten. Wieder werden alle Denksperren aktiviert. Es wissen ja alle, dass es SO eigentlich nicht geht. Dass alle andere Aufgaben hätten. Im Parlament sollte das Schicksal eines Staats diskutiert werden und kluge Entscheidungen zum Wohl der Meisten getroffen werden. In der Comedy sollten witzige Repliken fallen, und Witz entsteht aus Denken und nicht aus Verachtung. Und in der Fernsehserie. Da verlässt sich der Text, die Schauspieler und die Regie auf die Wiedererkennbarkeit dieses Tons. Da ist das also dann schon zu Folklore versteinerte "Natur". So wird ein Nationalcharakter konstruiert.

So wurde das immer gemacht. Im Fall der Finanzkrise, die ja nun auch schon einige Jahre andauert. Da wäre es halt großartig gewesen, von einem Parlament regiert zu werden, das sich aus Personen zusammensetzt, die in aller Achtung und Respekt ihre Denksperren der Verachtung aussetzen können und sich deshalb dem Regieren widmen könnten. Und. Dieser Ton ist insgesamt ein Fabrikat. Da liegt keine "Natur" eines Österreichischen zugrunde. Das beste Beispiel dafür ist die Polizei. Während in den Serien eine menschenverachtende und die Grundrechte missachtende widerlich unhöfliche Polizei auftreten muss, habe ich in den letzten Jahren nur höfliche und kompetente Polizisten getroffen.

Laut Amnesty ist gegen die österreichische Polizei alle Klage zu führen. Ich würde dann aber gerne auch Klage gegen die Medienkonstruktion Polizei in der Fernsehserie führen. Wie ja überhaupt die Mediendarstellung der Kinderzimmeraggressionsprache einen Nationalcharakter zuweist, gegen den jeder Wähler und jede Wählerin sein muss. Mit einem sachlich aggressiven Parlament und einer sachlich aggressiven Sprache bekämen wir dann vielleicht auch bessere Comedy.

Am Ende müssen die österreichischen Komiker sich damit begnügen, Parlamentsprotokolle vorzulesen. Ganz am Ende. Es ist selbstverständlich Feigheit. Das Ganze. Es ist die Feigheit, die eigenen Wünsche vorzutragen. Es ist die Feigheit, die eigenen Wünsche nur über die Verunglimpfung der Wünsche der anderen darstellen zu können. Es ist Feigheit, sich in Gefühlen gegen andere zu suhlen. Es ist Realitätsverweigerung. Zerstörerische Wichtigtuerei. Aus Krisen kommt man damit nicht heraus.

Im Gegenteil. (Marlene Streeruwitz, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 8./9. Oktober 2011)

Mittwoch, 28. September 2011

Großes Finale für Novak

Großes Finale für Novak!
Jedes Wort sitzt, jeder Satz passt. keiner zu viel, keiner zu wenig.

Peter Henisch hat wieder eine Meisterleistung erbracht.

Novak. Novak liegt im Spital und hat eine Gallensteinoperation hinter sich. Sein Nachbar ist ein lauter, aufdringlicher Mensch. Zur Rettung vor diesem Geräuschungetüm leiht ihm eine Krankenschwester ihren Kassettenrekorder, Kopfhörer und Opern(!!!!) Opernkassetten.

In seiner Not hört Novak Opernarien.

Früher. Früher konnte ihm das maximal passieren, wenn er einen Sender suchte. Schnell drüber über dieses Geschrei.

Jetzt. Jetzt ist alles andere. Etwas in ihm kommt zum Klingen.


Und damit nimmt das eheliche Unglück seinen Lauf. Denn seine Frau kann diese Veränderung nicht akzeptieren.

Dieser stille, sanfte Novak. In dieser lauten, brutalen Welt.


Peter Henisch zeigt auf, dass, wenn einmal etwas klingt, wenn einmal eine Tür geöffnet ist, die etwas zeigt, das in einem ist, dann ist das nicht mehr rückgängig zu machen. Beim besten Willen nicht. Novak würde sich ja wirklich sehr bemühen.

Bis zum Finale.

Aber lesen Sie selbst.

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Sonntag, 11. September 2011

Der blinde Fleck. Eine Tochter erlebt die Erblindung ihrer Mutter

Sie ist noch ein kleines Mädchen, als ihre Mutter plötzlich sagt. "Schnell, pack eine kleine Tasche, wir gehen." Sie läuft noch zurück, um ihrem geliebten Hund Essen aufzubereiten, ihn freizulassen, was wird aus ihm werden?

Wie immer gehen sie Hand in Hand. Mutter und Tochter. Sie kann sie am besten führen. Drückt die Hand, wenn eine Stufe kommt. Ist umsichtig. Niemand kann die Mutter so gut umsorgen wie sie.

Frankreich war eine andere Welt. Ganz besonders, seit sie bei den Großeltern in Deutschland wohnen muss. Ihre Mutter wurde wieder aufgenommen. Die Diktatur der Großmutter ist unerträglich. Sie werden wie "Die Mädchen" - die Dienstboden - behandelt. Alles, was sie macht, wird benörgelt. Nichteinmal bei ihrem Namen wird sie genannt. Nur weil die Großmutter französische Namen verabscheut.


Die Geschichte spitzt sich zu - und dann wird immer klarer. Die Erwachsenen sind mit sich selbst beschäftigt. Die Bedürfnisse des kleinen Mädchens werden nicht wahrgenommen. Wie sehr sie ihre Mutter liebt. Wie schwer es ist, ohne sie auszukommen, als die Mutter bei der Blindenschule eingeschrieben wird. Sie spricht nicht die deutsche Sprache. Wen kümmerts?

Deutschland in den 1950er-Jahren. Sehr eng. Und dann merkt sie, dass sie jetzt angekommen ist. Dass dieser Horror jetzt ihr Leben ist.


Christine Velan zieht in die Geschichte rein. Die Dichte der Geschichte lässt einen nicht los. großes Thema. Christine Velan zieht die Charaktere bis auf ihre Wahrheit aus. Hart. Aber Realität.

Deutschland in der Orientierungsphase nach dem 2. Weltkrieg. Wer ist was.


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2012. Es ändert sich nichts - und doch wird alles ganz anders

Nun, 1012 wird kommen. Und die Literatur dazu vermehrt sich exorbitant. Was also wird erzählt? Wovon sprechen diese Menschen? Was ist los?

Das kleine Büchlein von Peter Ruppel, im Schirner Verlag erschienen, gibt einen kompetenten und fundierten Überblick über die Zeitrechnungen der Maya, über die Veränderungen unserer Welt, die Kornkreise, über die Diskussionen, die derzeit stattfinden.

Da weiß man, was man hat!

- ja und diese Thematik mit Quanten, Quantenheilung, nächste Entwicklungsstufe usw wird wirklich gut erklärt.

Schön zu lesen. (überhaupt parallel zum Schutzengel von Coelho. Muss schon sagen - diesmal hat Coelho mich weniger beeindruckt als Peter Ruppel es vermögen hat.)


Sehr zu empfehlen für alle, die sich mit Übersinnlichem, Geistarbeit, Esoterik, Wünschen, Quantenheilung, ... beschäftigen


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Schutzengel von Paulo Coelho

Paulo Coelho als zorniger Mann. Was mich schon verwirrt hat, so radikal esoterisch, so enttäuscht, auch so eifersüchtig (auf seine Frau, die den Weg mitgeht und schneller Erfolge verzeichnet). So schräg. So unbekannt.

Dieser Paulo Coelho ist völlig anders, als die bekannten Geschichten. Diese tiefen Weisheiten, die wir aus "Der Alchimist", "Veronika beschließt zu sterben, etc etc kennen. Hier finde ich mich nicht. Das ist mir wohl zu viel.

Gleichzeitig gibt er Dinge von sich preis, die ich auch nicht erwartet hätte. Warum er damals ins Gefängnis gegangen ist. Wo seine schwarzen Seiten sind.


trotzdem: meint er es ernst oder führt er uns an der Nase herum?


Wäre schon neugierig, wie andere den "Schutzengel" finden.

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Schöne Grüße aus Mixing Part Churches!

Verrückt! Witzig! Die ersten Seiten könnte man gesammelt vorlesen!

Familie - englischsprechend - fragt bezüglich Urlaub in Garmisch Partenkirchen an. Die Vermieter antworten per google-Übersetzung!

Schnell. Viele Dialoge. Paarverstrickungen.
Lesen

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Montag, 15. August 2011

Doris Dörrie - Alles inklusive

Doris Dörrie erzählt in Kurzgeschichten die miteinander verwobenen Lebensgeschichten durchschnittlicher Deutscher. Der rote Faden, dort wo sich alle begegnen, ist Spanien, mit aller Sehnsucht nach dem leichten Leben, nach Sonne, nach "und irgendwann bleib i dann durt" (wie STS so schön besungen haben).

Leider ist alles Fassade, Chimäre.

Alles inklusive liest sich leicht, schließt damit ab, dass irgendjemand vor seinem eigenen Leben flüchten kann. Dass südliche Länder nicht nur romantisch, sonnig und heiß sind, sondern auch staubig, unterentwickelt, stürmisch. Und dass es kein Plätzchen auf dem Kontinent gibt, dass von der allgemeinen internationalen Politik und Wirtschaft ausgeblendet wird.

Leicht zu lesen. Kurzweilig, weil auch immer klar ist, welche Person gerade spricht. - und Frau Dörrie entlässt uns doch mit der Sehnsucht, dass alles gut werden könnte.


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Sonntag, 7. August 2011

EMPÖRT EUCH!

Was wäre, wenn alle SchülerInnen in Österreich diesen Text noch während der Schulpflicht gemeinsam in den Klassen lesen würden? lesen müssten. vorgeschrieben vom Bildungsministerium. Was wäre dann?

Dann hätten alle jungen Menschen in Österreich und deren LehrerInnen ein Mal einen kritischen Geist gehört. Wenigstens ein Mal.

Jemanden, der von den Grundwerten des Menschseins spricht. Der ein respektvolles Leben aller vor das Recht auf Profitgier weniger stellt.


Aber was wäre dann? Bei uns in Österreich? Ginge das denn überhaupt? In diesem Land?

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König Wamba. Ein Märchen


König Wamba. Ein Märchen mit Zeichnungen von Paul Flora.

Schon länger nicht mehr entspannt einer kleineren Lektüre hingegeben? Bitte - hier ist sie. Das Märchen über die Goten.

Eine Geschichte über Macht, Ohnmacht, Selbständigkeit, List und Intelligenz.

Für Erwachsene. Zum Vorlesen, Empfehlen, Nachdenken, Diskutieren.

Voller Witz, fein illustriert von Paul Flora.

Schön, auch als Geschenk.

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Donnerstag, 4. August 2011

Die Geschichte der Liebe


Die Geschichte der Liebe handelt von einem polnischen Juden, der als Kind das Massaker der Deutschen an allen Einwohnern seines Dorfes dadurch überlebt, dass seine Mutter ihn rechtzeitig wegschickt. In den Wald.

Davor war er ein junger Mann, eingebettet in das regelmäßige, behütete Leben eines kleinen Dorfes, unsterblich verliebt in ein junges Mädchen, das er von klein auf schon gekannt hat. Das Mädchen - Alma - wird schon früher nach Amerika, zu entfernten Verwandten weggeschickt. Er verspricht ihr, zu ihr nachzukommen, was ihm auch gelingt.

Dass eine Flucht, als Unsichtbarer, Zeit in Anspruch nimmt, ist klar. Dass niemand, der die Nachrichten verfolgt, annehmen kann, dass ein Liebster überleben könnte, auch. Als er vor ihrer Tür in New York steht, öffnet eine schwangere Frau, ein Dreijährigen an ihren Füßen klebend. Sein Sohn.

Er muss sich zurückziehen. Sie werde bei ihrem jetzigen Mann bleiben.

Dies einmal zum Rahmen.

In Wirklichkeit springt dieser Roman zwischen den Zeiten, vermischt Rollen, Figuren, bindet ein und verwirrt. Auf der Suche nach dem Roman "Die Geschichte der Liebe" verbinden sich Lebensexistenzen, lernen wir verschiedene (tragische) große Lieben kennen. Menschen, durcheinandergewirbelt, auseinandergetrieben in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Der Roman spielt jetzt. Der junge polnische Jude ist jetzt ein alter, gebrechlicher Mann, der in seiner Wohnung lebt. Wir wissen nichts von ihm. Er erzählt uns auch nichts. Getragen von einem stillen jüdischen Humor tauchen wir ein. Tiefer. Zwischendurch auch verwirrt von den vielen Personen, die immer als Ich-Erzähler auftauchen (was die Lektüre zwischenzeitlich auch anstrengend macht).

Der Roman von der Geschichte der Liebe ist das Werk dieses jungen Mannes, der nur einmal geliebt hat und seiner großen Liebe Geschichten geschrieben hat, um sie zu unterhalten. Diese Geschichten haben den Krieg überlebt und tauchen - verfälscht und unverfälscht - am Ende seines Lebens wieder auf.

Was ist das Leben?
Hat ein Unsichtbarer jemals gelebt?


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und dies alles sagt nichts über die schöne Sprache, - und vor allem die Geschichte der Liebe, die wir in kurzen Phrasen anlesen dürfen - aus. Voller Poesie, Tiefgang und - zärtlicher Liebe.

Der gute Psychologe


WOW.
BE-MERKEN-S-WERT!
BE-EINDRUCK-END!

Sie wollen wieder einmal genauer hinschauen, gleichzeitig auf die Metaebene gehen. Sie wollen die Tiefen der menschlichen Psyche abstrakt UND beispielhaft erleben. Gleichzeitig keinen frustrierenden, anstrengenden Schmöker in Händen halten?

Sie wollen wieder verstehen?

Bitte lesen Sie dieses Buch!
Ein dicht gedrängtes Erleben aller möglichen psychotischen Störungen. All jener, die uns täglich, oft, immer wieder, an uns, an anderen sichtbar, begegnen. AUFKLÄRERISCH, wiedereinmal DENKEN(!)

Er, Der Psychologe lässt uns an seinen Fällen teilhaben. Und an seinem Leben. Er istDas Buch liest sich spannend, leicht, flüssig. Zum NICHT-MEHR-RAUSKOMMEN.

Für alle, die einen leichten Hang zu den Erkenntnissen der großen Psychologen unserer Zeit haben, sowieso ein MUSS
Für alle, die gerne genauer hinschauen - ein MUSS
Für alle, die wieder an ihrem WISSEN arbeiten wollen. An ERKENNTNIS (um sich dieses Wort aussprechen zu getrauen. Schwülstig, zu groß. Und doch.)

Lesedauer: 6 Stunden.

Gespickt mit Zitaten, die wir kennen, mit Beispielen aus der Erkenntnistheorie, mit tausenden kleinen Sätzen, Sagern, Wahrheiten dazwischengestreut, wie zufällig. Ein Quell von Wortsammlungen, zum Rausschreiben, An-die-Wand-pinnen, merken, lernen.

TIEF-SINN-IG

Viel Freude, mit dem Buch
Viel Tiefe beim Lesen!

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Mittwoch, 27. Juli 2011

Jean Ziegler - die nicht gehaltene Rede


Jean Ziegler, "Der Aufstand des Gewissens". Die Rede, zu der er Ein-Ausgeladen wurde, nun in Buchform. Büchlein.

Wer auch immer die Medienberatung der Festspiele inne hat. Bitte ins Lehrbuch aufnehmen unter dem Kapitel: "Womit sie die Sache ganz sicher in den Sand setzen".

Jean Ziegler spricht hier in Kurzform, was in all seinen Büchern nachlesbar ist. Dass die Weltbevölkerung die Rechnung für die Spekulanten und Hedgefonds, für das Oligopol einiger weniger Großkonzerne zahlt.

Dem Anliegen, der Sache selbst, konnte nichts besseres als die Ein-Ausladung passieren. Wie sonst hätten wir alle diese Rede, verschriftlicht, in Buchform, nachlesen können? Wie sonst wäre das Thema derart breit besprochen worden?

So gesehen - Dank an die Medienbetreuer der Salzburger Festspiele!



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Samstag, 16. Juli 2011

John Grisham - Das Geständnis


John Grisham. Das Geständnis

Ein dicker Schmöker. Man schafft ihn an einem Samstag. Selbst ausprobiert.

Die Geschichte beginnt im Vorzimmer eines Landpfarrers, Amerika, ein Herr möchte zum Herrn Pfarrer. Er empfängt ihn und der Mann legt ein Geständnis ab. Er sei krank, wolle noch vor seinem Tod sein Gewissen erleichtern. Ein anderer werde demnächst in Texas statt ihm ermordert. Todesstrafe durch vergiften, rechtmäßig durch den Staat Texas durchgeführt.


Der Pfarrer ist fällt in ein Dilemma. Was soll er tun? Die geheime Beichte einhalten? Oder einen Unschuldigen vor der Todesstrafe retten?

Die ganze Nacht über diskutieren seine Frau und er, es ist keine Ruhe, kein Schlaf zu finden. Bis jetzt hat er ein anständiges, geplantes, ruhiges, besonnenes Leben geführt. Und steht nun vor der Gewissensprüfung. Er muss in jedem Fall etwas unrechtes tun. Er hat Familie, zwei kleine Kinder. Ein Gelübde abgelegt.

Er entscheidet sich, dem Verbrecher zu glauben (übrigens ein vielfach bestrafter Vergewaltiger) und ein offizielles Geständnis von ihm zu bekommen.

Die Geschichte beginnt zu rasen. Dieser unzuverlässige Verbrecher treibt den Pfarrer vor sich her, gleichzeitig schalten sich die letzten 5 Tage des jungen Unschuldigen in der Todeszelle dazu. Ein Countdown beginnt.

atemlos blättert man wieder und wieder um.

......
John Grisham rollt in diesem großen Roman die Umstände der law and order Politik in Texas auf. Greift die Rechte offen an. Er schaffte ein Mahnmal gegen die Todesstrafe.
......

John Grisham hat ein Meisterwerk abgeliefert!


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Samstag, 2. Juli 2011

Die toten Gassen von Barcelona

Die toten Gassen von Barcelona. Von Stefanie Kremser

wow. Jetzt werde ich nach Barcelona reisen. Das habe ich jetzt gebraucht. Sagte ich schon, dass ich keine Krimileserin bin?

Weil ich eben keine bin, habe ich dieses Paperback von kiwi nicht angegriffen, nur ständig in die Hand genommen und wieder weggelegt. Und nur ein bisschen angefangen; ich brauch was spannendes, ich brauch was, das mich unterhält, ich brauch was für die Hängematte.

gebongt!

Stefanie Kremser beschreibt eine Deutsche, die auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Mutter nach Barcelona reist. Sie ist gerade leicht durcheinander, Vater, Mutter und Bruder sind bei einem Unfall gestorben, schon vor einem Jahr, aber sie kommt nicht heraus. Dankend nimmt sie das Angebot ihres Verlages an, einen Reiseführer über Barcelona zu schreiben. Der Heimatstadt ihrer Mutter. Freundlich aufgenommen von einem Journalisten-Kollegen kommt sie in der Stadt an.

Gleich eine Leiche. Dem Kollegen sehr peinlich, was für ein Anfang!

Stefanie Kremser schafft den Spagat zwischen einer tollen Stadtbeschreibung, der einfühlsamen Vermittlung der tiefen Orientierungslosigkeit der Protagonistin und - ein sozialkritisches Mahnmal der Wohlstandsverlierer zu zeichnen. All derer, die im Sturm der Konzern- und Profitwelt verlieren.

Der rote Faden, der sich durch die verschiedenen Morde zieht ... aber selber lesen, sonst ists nicht mehr so spannend!



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Sonntag, 5. Juni 2011

Das Mädchen - von Angelika Klüssendorf

Das Mädchen. Ich habe das Buch zum ersten Mal gesehen, sofort in meine Handtasche gesteckt und zuhause zu lesen begonnen. Ein Vormittag. In einem Durchzug. Ohne Atem.

Das Mädchen ist noch sehr jung, als die Geschichte beginnt. Im Osten, wahrscheinlich noch DDR-Zeit. Ihre Mutter eine Trinkerin und Schlägerin. Sadistisch im Umgang mit ihren Kindern denkt sie sich ständig neue Greuel aus. Das Mädchen, sie, erkennt bald, dass, wenn Mutter diese merkwürdige Stille ausstrahlt, alles wieder beginnt und dass man ihr nicht auskommt.

Wie böse ist sie auf ihren kleineren Bruder, der noch immer glaubt, Mutter mit besonderer Pflichterfüllung gnädig stimmen zu können. Was kann sie machen. Sie ist auch noch ein kleines Kind. Aber es ist schwer, zuzusehen, wie der kleine Bruder - die Polster hoch haltend - mit dem Gürtel geschlagen wird. Aber diesmal ist sie nicht dran.

In der Schule ist sie eine Außenseiterin, wenn sie in eine neue Klasse kommt sitzt sie bei einer anderen Außenseiterin. Trost verschaffen die Märchen, die sie in der Bibliothek verschlingt. Dort wo es GUT und BÖSE gibt. Beides nämlich. Sie bekommt nur, was sie sich nimmt. Es beginnt mit Ladendiebstählen. Sie läuft von zuhause weg, sie verbringt Nächte im kalten Kartoffelkeller, eingesperrt, träumend von den Tieren, die sie in Brehms Tierleben gesehen hat.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Weglaufen - zurückgebracht werden - weglaufen - zurückgebracht werden.

Erst im Jugendheim erlebt sie Kinderjahre. Erst dort beginnt sie erstmals, sich anzuvertrauen. und sie liest.

Ihr Vater holt sie zu sich, aber auch dort kann sie nicht bleiben. Die Sehnsucht nach ihrem kleinen Bruder zieht sie zurück. (Woher hat sie diese Verbundenheitsgefühle? Sie hat niemals Gutes bekommen.) Dann wieder die Schläge, der Alkoholismus, die sadistische Mutter. Als die Mutter wieder ein Baby bekommt, zieht sie es auf. Voller Liebe, ihr Herz öffnet sich. Doch auch diesmal darf es nicht gut gehen. Sie stiehlt, wird erwischt, kommt ins Gefängnis, ins Heim, diesmal auf die Liste der schwierigen Kinder. Sie reißt wieder aus - nachdem sie sich ihren Freundinnen anvertraut hat - zurück zum Baby, ihrem zweiten kleinen Bruder. Als sie ihn aus dem Wagen nimmt, gibt es Aufruhr. Endlich landet sie im Gefängnis. Es ist Weihnachten.

Dann entwickelt sie sich weiter. Nach anfänglichen Verschmähungen übernimmt sie die Führung im Kinderheim. Wird selbst zur Quälerin, beginnt einen unbekannten Jähzorn auszuleben. Dann endlich ist die Schulzeit vorbei, sie wird in eine Lehre in einem landwirtschaftlichen Betrieb gesteckt, ist völlig unterfordert (ihre Liebe zu den Geschichten, zum Lesen ist ungebrochen. Sie zwingt auch ihre Freundin ihr Lieblingsbuch zu lesen, als diese dies nicht macht, kündigt sie die Freundschaft).

Die Sehnsucht nach ihren Brüdern bleibt, sie fährt wieder zurück, sieht die Mutter bei der Arbeit, weiß, dass eine Kontaktaufnahme unmöglich ist.

An ihrem 17. Geburtstag hat sie noch immer kein Gramm Fett auf den Rippen. Kleiderstange wird sie genannt. Sie hat sich angewöhnt, immer ein Buch bei sich zu tragen. In ihrer Phantasie fliegt sie mit den Wildenten in den Süden.



Erscheint am 18. August 2011.
Ich bin noch ganz berührt. Weiß noch nicht, ob es ein Jugendbuch ist. Doch. Es ist zumutbar.

Die Kraft des Geistes und der Phantasie hält dieses Mädchen.



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Der liebe Gott und die Großmama

Das Cover wurde von Stephan Enzinger nach einer Kohlezeichnung von Ferdinand Kitt aus dem Familienarchiv gestaltet.

Also, eigentlich wollte ich das Buch nicht lesen. Mich sprechen solche Cover nicht an. Aber Gertraude Portisch. Was wird sie hier erzählen? Wer ist die Rebellin?

Dann lese ich das kurze Textbeispiel auf der Rückseite. Es geht um ein kleines Mädchen, das sich gegen den Religionslehrer auflehnt. Ich werde neugierig. Wer ist es? Ist es die Großmutter von Gertraude Portisch - und dann zu dieser Zeit? War sie selbst die Aufmüpfige?

Ich lese gerne Geschichten von starken Frauen, muss ich gestehen. Und mit dieser Grundvorstellung habe ich angefangen.

Das Buch handelt vom Zweifel am Glauben. Gertraude Portisch erzählt von ihren prägenden Jugendjahren in einem englischen Frauenkloster. Von ihrer Auseinandersetzung mit den Glaubensgrundsätzen. Von der zerstörerischen Wirkung, wie die 10 Gebote den Kindern im beginnenden 20. Jahrhundert beigbracht wurden. Von der Angst, die die Kirche verbreitete. Überall Schuld.

Gleichzeitig die gütige und heißgeliebte Großmama, die von einem tiefen Glauben geprägt war.

Was bewegt Frau Portisch, noch nach so vielen Jahren derart mit diesen Fragen ihrer Kindheit und frühen Adoleszent beschäftigt zu sein? Warum kann sie aus diesem Zwiespalt einer liebevollen gläubigen Erziehung und der angstmachenden religiösen Außenwelt nicht ausbrechen?

Sie weiß es selbst nicht.

In vielen einfühlsamen Kapiteln erklärt sie ihre Fragen, ihre niemals aussprechbaren und niemals ausgesprochenen Fragen des Zweifels - zu den 10 Geboten, zum Glaubensbekenntnis, zum einzigen Gott, zum Vaterunser. Erzählt von ihren Ängsten in diesen Klostermauern, von Haß, Intrige, Angst, Sadismus der Klosterschwestern, von eingesperrten, brutal behandelten Frauen.

Ihr eigener Zwiespalt ein Mischlingskind zu sein. Mischling zwischen einem Juden und einer Katholikin. In den 1930er Jahren. Während des Krieges.

Ein offenes und ungeschminktes Buch einer Frau, die sich intensiv und tiefgründig mit den Worten und Texten des Glaubens, der Bibel, der Gebete auseinandersetzt. Die hinterfrägt.

Und jetzt noch. Jetzt noch kann sie nicht verstehen, dass Alterskollegen schulterzuckend über Gesetze der Kirche hinwegsehen, die in ihr blankes Unverständis hervorrufen (z. B. Kondomverbot, Eheverbot für Prieser, unschuldige Empfängnis, ...)


Mutige Seelsorger könnten dieses Buch zum Anlass nehmen, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Eine echte, ehrliche und tiefe Auseinandersetzung mit den Fragen des Glaubens. (Aber nur sehr Mutige!)



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Sonntag, 15. Mai 2011

Beste Beziehungen - Gustav Ernst

Lesen Sie dieses Buch nicht! Lesen Sie nicht, wie die grausliche Wirklichkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen ist. Lesen Sie nicht, wie sich Karrieristen gegenseitig anschleimen. Wie sich zwei in einer Ehe abtöten.

Das Buch ist wirklich hart. Weil es so ganz eindeutig und klar einen Menschenschlag zeigt, von dem wir nicht so viel wissen wollen. Das sind doch die Leute, mit denen man keinen Kontakt haben will. Die einem aber immer wieder über den Weg laufen. Das sind die, die nur deshalb bei einem Fest sind, weil sie sich davon einen Karrierevorteil erwarten. Wie auch unbedarfte eingewickelt, in Situationen versetzt werden, die sie dann erpressbar machen.

Einfach, ohne es zu analysieren, beschreibt Gustav Ernst verschiedene Paare, Einzelpersonen, Menschen, die miteinander verwoben sind.


Lesen Sie das Buch jedenfalls nicht an einem trüben Nebeltag. Die Realität, die uns umgibt, reicht völlig aus.

Auf alle Mitläufer, Schleimer, Klemmis und Intriganten!


Noch immer so tief berührt. so tief schockiert. so von der Realität gerüttelt. Gustav Ernst erzählt uns die Geschichte der politischen Kaste Österreichs. Zur Wiederholung, um bereits Vergessenes nicht vergessen zu lassen.


Roman
Innsbruck: Haymon Verlag, 2011.
211 Seiten; geb.; €19,90
ISBN 978-3-85218-677-1 Pick It!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Die späte Ernte des Henry Cage

Henry Cage ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Einer der ersten Unternehmensberater, der noch etwas auf gesunden Menschenverstand, Stabilität und Achtsamkeit hält. Er ist zu schnellen Veränderungen gegenüber vorsichtig verhalten bis ablehnend eingestellt. Zu viele hat er an radikalen Veränderungen scheitern sehen. Das sollen andere machen.

Henry Cage lebt ein sehr gleichmäßiges Leben.

Aber die Geschichte fängt ganz anders an. Die Geschichte beginnt mit dem Begräbnis eines kleinen Jungen. Wie sich herausstellt, sein Enkelsohn, der von einem Wagen zu Tode geschliffen wurde. Wie sich herausstellt, war dies sein Wagen.

Wann genau das Lebensglück des Henry Cage zu brechen begann, wann genau seine Pechsträhne begann, darüber stellt er sich keine Fragen.

Kurzerhand - noch keine 60 - aus der eigenen Firma gedrängt. Die Abschiedsreden und -feierlichkeiten pompös inszeniert. Aufs Land gezogen, wo die Welt noch in Ordnung ist.

Aber die Geschichte fängt ganz anders an. Mit seinem Leben nach der Firma. Davon, dass er große Menschenansammlungen und laute Feierlichkeiten noch nie leiden konnte. Gerade deshalb stolpert er zu Silvester in die große Masse - flüchtend vor einem kleinen Neujahrsfest. Dort begegnet er auch einem Schläger.


Womit die Geschichte nicht anfängt, aber immer umkreist - sie. Seine geschiedene Frau. Ein Quell der Lebensfreude und -leichtigkeit. Manchmal denkt er daran, wie es war, als sie noch da war. Ob sie ihre Ehe hätten retten können, wenn er nicht immer pünktlich außer Haus gefrühstückt hätte.

Er hat sie gebrochen, als er die Scheidung verlangt hat. Er konnte nicht darüber hinwegsehen, über ihre kleine Affäre. Sein Sohn Tom - eine untergeordnete Rolle.

Wie konnte es geschen, dass sie, schwer krebskrank ihn doch noch geholt hat, mit ihrem Magneten Anziehungskraft. Sie kannte ihn so gut. Sie hat wieder alles geflickt, kurz vor ihrem Tod.

Er schlittert immer tiefer in sein Pech hinein. Dann noch die Sache mit dem Schläger, der ihn erpresst. Er kommt aus seiner Kälte nicht heraus. Gefangen in seinen Abläufen?


Die einzige, die ihn einmal rügt, ist seine Haushälterin. Erst später weiß er, dass er am falschen Ort war. Und kehrt dann zurück, dorthin, wo er wohl richtig ist. Die Tragik, dort war er wohl am falschesten?

Die Geschichte beginnt am Ende und findet auch wieder fast dorthin.

Henry Cage. Einer, der immer gut war. Anständig. Verantwortlich. Und dann das. Darüber, ob man etwas verdient hat oder nicht, darüber spricht er nie wieder mit einem, der kurz in seiner amerikanischen Leichtigkeit das Thema angesprochen hat. Dann, als nämlich er meinte, er hätte das nicht verdient. Wer hat etwas verdient? oder nicht verdient? Was ist mit Schuld?



Ich hab David Abbot nicht gekannt. Ein englischer Autor, das Buch als Taschenbuch bei dtv erschienen. In diesem Roman sind so viele vereinzelte Sätze, die man sich herausschreiben möchte, jemanden vorlesen möchte, zeigen, teilhaben lassen möchte. Eine Verwicklung eines Erwachsenenlebens. Ausgeliefert, schuldlos teilnehmend an den Wirrnissen des Lebens. Was soll er tun? Was hätte er tun sollen?

David Abbot versteht es meisterlich, diesen verantwortungsvollen Menschen zu formen. Der nicht gnädig sein kann. Und jetzt Gnade bräuchte.




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Ich musste es heute in der früh noch fertig lesen, nachdem gestern abend, Frau Schlaf zu plötzlich über mich gekommen ist.
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Und jetzt hoffe ich, diese Sätze wieder zu finden.

Sonntag, 24. April 2011

Das lässt sich ändern

Birgit Vanderbeke, Das lässt sich ändern.

Zwei Welten treffen sich in Deutschland. Sie, aus gutbürgerlichen (reichen) Kreisen stammend und er, aus ärmlicher (verwahrloster) Familie. Sie gehen durch die 80er und 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als alle, die etwas auf sich hielten, ein bißchen links waren.

Bis in die jetzige Zeit, wo niemand mehr, der etwas auf sich hält, ein bißchen links sein will.

Ein kritischer Roman über die Erfrierung unserer Gesellschaft, die Hilflosigkeit der Erwachsenen durch Verwöhnung und Konsumverwahrlosung. Der Weg, ein Selbstbestimmtes, linkes, aufrechtes Leben zu führen, wo man sich auch noch selbst ernähren kann, sich selbst etwas Schaffen kann. Der Widerspruch zwischen den Familien, "wo man Personal hat und selbst keinen Hammer halten kann" und der anderen "wo man für dies und das doch kein Geld ausgeben wird, man kann doch altes wieder sanieren".


Gut lesbare Sozialkritik über unsere Gesellschaft, die immer ignoranter und gleichzeitig hilfloser wird.

Der Versuch eines Paares, normal zu bleiben, den eigenen Kindern noch Leben! zu vermitteln.


Pressestimmen:
»Ein wunderbarer Roman über die Macht der Liebe und die Kraft der Freundschaft.«
Elle

»Vanderbekes neuer Roman ist eine schöne Utopie: mitreißend, bestrickend einfach – und bevölkert von liebenswert eigensinnigem Personal.«
WDR Hörfunk

»Wer von früher erzählt, setzt sich leicht dem Verdacht der Sentimentalität aus. Davon ist dieses unzeitgemäße Buch so wenig frei wie von so manchem Klischee. Doch es zeugt von Mut, der Marktmaschine wie der übermütigen Spaßgesellschaft auch literarisch andere Lebensmodelle entgegenzustellen, die nicht völlig verschwunden sind … Für den Großteil einer ganzen Generation modelliert sie so einen handlichen Griff an die eigene Nase.«
FAZ

»…große Wohlfühlliteratur. Vanderbeke schildert eine idyllische Utopie, und ihr schriftstellerischer Wagemut besteht darin, diese Utopie frech in die Gegenwart einzubinden. Als ob das so einfach ginge. Aber vielleicht – vielleicht ginge es ja tatsächlich? Es ist dieser Stachel, der sich schmerzend im Leser festsetzt. Sehr süßlich schmerzend.«
Frankfurter Neue Presse

»...Lesespaß pur, der immer wieder beweist, wie in guten Romanen gesellschaftliche Analysen und Unterhaltung brillant verzahnt werden können.«
Financial Times Deutschland

»Wie schon in ihren Vorgängerromanen entwickelt Vanderbeke ihre Geschichte auf noch nicht einmal 150 Seiten. Mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit setzt sie Satz an Satz: mal verschachtelt, mal kurz und knapp. Doch sind es gerade diese Gegensätze, die das Leben der Familie widerspiegeln.«
Weserkurier

»Mit Vanderbekes gewohnt ironischem Blick, der auch das Ungereimte und Traurige in warmem, versöhnlichem Licht zeigt, führt uns die Erzählerin durch ihr Leben mit Adam und den beiden Kindern. … Die – in der deutschen Gegenwartsliteratur nicht gerade weit verbreitete – Figur des unbeschwerten Pragmatikers bleibt bis zum Ende faszinierend präzise gezeichnet.«
Neue Zürcher Zeitung

»Birgit Vanderbeke ist ein Buch gelungen, das prall gefüllt ist mit Zweifel, Freude und Zuversicht. Und: Nein, es ist kein Kitsch.«
Hamburger Abendblatt

»Die Liebe als Heuschreckenplage – die Zumutung eines unpassenden, nicht abzustellenden Gefühls hat Vanderbeke einst im Roman Alberta empfängt einen Liebhaber in wunderbar lakonische Worte gefasst. Ihre Fans hofften seither auf einen Nachhall dieses ›Alberta-Sounds‹ – vergeblich. Bis jetzt.«
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

»Zwei Welten prallen aufeinander – und diesen Prozess beschreibt die Autorin gekonnt beiläufig ironisch … Sie öffnet ihren Lesern den Blick für einfache, sinnliche Dinge.«
Ruhr Nachichten

»Vanderbeke erzählt in ihrem federnd leichten Tonfall … Es fällt schwer, ein Vanderbeke-Buch aus der Hand zu legen.«
Augsburger Allgemeine

»Bezaubernd! … Auf dieser Streuobstwiese säße man auch gern, lernte einen handfesten Adam kennen und läse mit der Erzählerin Bücher. Man hätte gerade ihr letztes nicht dabei? Das lässt sich ändern.«
Wiesbadener Kurier

»Vanderbeke beschreibt eine fast schon romantische Revolution – entschieden, aber zärtlich, idealistisch und auch möglich.«
Leipziger Volkszeitung

»Es ist schon erstaunlich, was Birgit Vanderbeke alles hineinpackt in diesen schmalen Roman, der die Leser auf durchaus angenehme Art zurückschubst ins Zeitgefühl der 80er Jahre.«
Nürnberger Nachrichten

»Ein Roman über Widerstand und Liebe, Sinnlichkeit – und die Besinnung auf die einfachen Dinge des Lebens. Dieses Buch hinterlässt nach dem Lesen ein gutes Gefühl im Bauch.«
Bolero (CH)

»Was viele spüren, fasst Birgit Vanderbeke in deutliche Worte, und irgendwie bewundert man sie dafür.«
Neues Deutschland

Die Klatschmohnfrau

Die Verpackung: In Leinen gebundenes kleines Geschenkbuch. Freude zwischen den Fingern. Dieses Buch ist Teil einer Serie so schöner Handtaschen-(Geschenk)-Bücher. Zum einfach dabeihaben, für diesen Nachmittag in der Liege, auf der Reise nach irgendwohin.

Eine schöne, leichte, liebenswerte Geschicht einer großen, vorsichtigen Liebe. Wie eine alte Frau wieder begehrt wird und ein gemeinsames Glück mit einem alten Mann findet. Voller Poesie und Zärtlichkeit. Zum einfach mal reinfallen, entspannen, lächeln.

Das Labyrinth der Wörter

Das Labyrinth der Wörter. Selten - noch nie - habe ich ein Buch gelesen, das die Lust am Bücherlesen so treffend vermittelt.

Wie diese besondere Freude, den einen
Satz gefunden zu haben, gerade diesen einen, der so gut passt, wie diese besondere Freude auch im Buch auftaucht. Diese alte, zierliche Frau, die dem ungebildeten großen Mann diese Liebe vermittelt. Diese beiden unterschiedlichen Seelen, die sich treffen, aneinander Gefallen finden, wo etwas passiert.

Marie-Sabine Roger erklärt uns die Freude an den Worten. Der Analphabet, der die verschiedenen Synonyme zu Begriffen - gleich auch miterklärt. Der aufwacht und erkennt, dass durch Wörter und Sprache Gefühle und Emotionen reicher werden. Dadurch, dass man auch sich selbt die eigenen Zustände erklären kann.


Ein einfacher Mann, ungebildet, Arbeiter, mit Macken lernt eine alte zierliche Frau kennen - Liebe auf den ersten Blick. (aber nicht so, wie sie jetzt denken, würde er jetzt sagen.) Und dann verändert sich sein Leben. und ihres. Wie schön ist es auch für sie, ihre Leidenschaft teilen zu können. Vorlesen zu können. Jemanden zu haben, der zuhört. Wie schön ist es für ihn, diesen Vorhang gelüftet zu bekommen, die Phantasie laufen zu lassen, respektvoll behandelt zu werden.


*seufz*

so schön.

Eines, das ich nochmal lesen mag. Diesmal ganze Passagen rausstreichen mag. Abschreiben, rahmen, aufhängen, oft und oft anschauen. Anderen zeigen, wofür die eigenen Worte nicht reichen, was Lesen bedeutet.

Donnerstag, 21. April 2011

Fragen von Max Frisch

Die Fragen von Max Frisch sind in diesem Notizbuch - mit Platz für eigene Gedanken - zusammengefasst.

Da Max Frisch im Mai seinen 100. Geburtstag feiert, habe ich ihn mir nun wieder ins Gedächtnis gerufen - und seine Bücher durch meine Hände gehen lassen. Beim Notizbuch bin ich nun als erstes hängengeblieben. Und zwar wirklich.

Ein kleines, feines Büchlein, mit Fragen, in einer Tiefe, die schmerzt (?) aufrüttelt (?) schockiert (?)

SEHR empfehlenswert, für kurze Augenblicke, aufschlagen, und denken.
für lange Abende, durchblättern, sinnieren. Zurückgeworfen werden.


Hier einige Kostproben

I, 6.
Möchten Sie das absolute Gedächtnis?


I, 17.
Was meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie sich selber übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?


I, 24.
Wofür sind Sie dankbar?


II, 19.
Wenn Ihre derzeitige Ehe als glücklich zu bezeichnen ist: worauf führen Sie das zurück? (Stichworte genügen)

III, 10.
Haben Sie hinreichende Beweise dafür, dass sich Frauen für bestimmte Arbeiten, die der Mann für sich als unwürdig empfindet, besonders eignen?


III, 16.
Möchten Sie Ihre Frau sein?

III, 20.
Was trauen Sie Frauen nicht zu:
a. Philosophie?
b. Organsiation?
c. Kunst?
d. Technologie?
e. Politik?
und bezeichnen Sie daher eine Frau, die sich nicht an Ihr männliches Vorteil hält, für unfraulich?


IV, 5.
Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?


IV, 21.
Keine Revolution hat je die Hoffnung derer, die sie gemacht haben vollkommen erfüllt; leiten Sie aus dieser Tatsache ab, dass die große Hoffnung lächerlich ist, dass Revolution sich erübrigt, dass nur der Hoffnungslose sich Enttäuschungen erspart usw., und was erhoffen Sie sich von solcher Ersparnis?


V, 14.
Was versetzt Sie eher in Eifersucht: dass die Person, die Sie lieben, eine andere Person küsst, umarmt usw., oder dass es dieser andern Person gelingt, Humor zu befreien, den sie an Ihrem Partner nicht kennen?


VI, 7.
Haben Sie schon gestohlen:
a. Bargeld?
b. Gegenstände (ein Taschenbuch am Kiosk, Blumen aus einem anderen Garten, eine Erstausgabe, Schokolade auf einem Camping-Platz, Kugelschreiber, die umherliegen, ein Andenken an einen Toten, Handtücher im Hotel usw.)?
c. eine Idee?


VI, 18.
Was tun Sie für Geld nicht?


VII, 6.
Möchten Sie ohne Freunde auskommen können?


VII, 15.
Wenn Sie auf Umwegen erfahren, dass ein böser Witz über Sie ausgerechnet von einem Freund ausgegangen ist: kündigen Sie daraufhin die Freundschaft? Und wenn ja:


VII, 20.
Wenn es dahin kommt, dass Freundschaft zu etwas verpflichtet, was eigentlich Ihrem Gewissen widerspricht, und Sie haben es um der Freundschaft willen getan: hat sich die betreffende Freundschaft dadurch erhalten?


VIII, 10.
Wenn andere Leute (Gäste, Nachbarn, Lehrer usw.) durchblicken lassen, dass Sie Ihr Kind nicht außerordentlich finden: wem nehmen Sie´s übel, dem Kind oder den Leuten? Oder der Mutter?


IX, 8.
Welche Speisen essen Sie aus Heimweh (z. B. die deutschen Urlauber auf den Kanarischen Inseln lassen sich täglich das Sauerkraut mit dem Flugzeug nachschicken) und fühlen Sie sich dadurch in der Welt geborgen?


X, 11.
Wenn Sie auf der Straße stehenbleiben, um einem Bettler etwas auszuhändigen: warum machen Sie´s immer so flink und so unauffällig wie möglich?


X, 17.
Wieviel Eigentum an Grund und Boden brauchen Sie, um keine Angst zu haben vor der Zukunft? (Angabe in Quadratmetern.)
Oder finden Sie, dass die Angst eher zunimmt mit der Größe des Grundeigentums?


XI, 5.
Haben Sie schon einmal gemeint, dass Sie sterben, und was ist Ihnen dabei eingefallen:
a. was Sie hinterlassen?
b. die Weltlage?
c. eine Landschaft?
d. dass alles eitel war?
e. was ohne Sie nie zustande kommen wird?
f. die Unordnung in den Schubladen?


XI, 18.
Möchten Sie lieber mit Bewusstsein sterben oder überrascht werden von einem fallenden Ziegel, von einem Herzschlag, von einer Explosion, usw.?


XI, 22.
Wenn Sie an ein Reich der Toten (Hades) glauben: beruhigt Sie die Vorstellung, dass wir uns alle wiedersehen auf Ewigkeit, oder haben Sie deshalb Angst vor dem Tod?

Freitag, 25. März 2011

Und der Himmel rot - Gabi Kreslehner

Und der Himmel rot. Darm. Wer Darm heißt, kann kein Glück im Leben haben. also. Augen zu, Mund zu, Kamera an. und durch. Wenn irgendwo der Verdacht auftaucht, es könnte gut werden, dann muss er sich kalt machen. Darf es nicht zulassen. Was, wenn jemand erfährt, was damals war, vor 1000 Tagen, wie das war.

Darms Leben ist gebrochen. Eine Tasse, hat einen Riss, kann der geklebt werden, kann jemand es wieder gut werden lassen? Und der Himmel rot. Dann. Die Hoffnung. Kann sie es? Darf es sein? Ja?

Darm braucht die Kamera nicht mehr. Er muss nicht mehr dokumentieren, darf wieder selbst leben.


Gabi Kreslehner: also, ich erkläre mich jetzt offiziell zum ultimativen Fan von Gabi Kreslehner.


Ihre Bücher laufen unter Jugendbuch. Nun, wenn das so ist, dann werde ich jetzt eine Erwachsene, die Jugendbücher liest. Wenn das ein Jugendbuch ist. Dann bin ich jetzt Jugendbuchleserin.

Sonntag, 20. März 2011

equal pay day. heute. "Das wird mir alles nicht passieren ..." von Marlene Streeruwitz

Marlene Streeruwitz, sowieso. DIE Streeruwitz. Wie bleibe ich Feministin. Schon eine gute Frage, in Zeiten, wo die nächste Generation glaubt, Feminismus nicht zu brauchen. Die nächste Generation glaubt, wenn sie nur gut genug, gescheit genug, schön genug, jung genug, fleißig genug, usw usw usw, dann wird .... usw usw usw

Heute steht in meinem Kalender. Equal pay day. Das heißt, bis hierher müssen Frauen arbeiten, um den Jahreslohn eines Mannes des Vorjahrs zu erreichen. bis 20. März. Bis Woche 11. Elf Wochen länger, um den gleichen Lohn zu bekommen. Statt 52 Wochen, 63 Wochen.

Und da glauben noch immer die nächsten Generationen. usw. usw.


Marlene Streeruwitz stellt 11 Frauen vor, die heute leben. Die vor Entscheidungen stehen, die vielleicht gar nicht wissen, dass sie vor einer Entscheidung stehen.

Die Sprache! Wie lange schon nicht mehr so komprimiert gelesen. Wie lange schon nicht mehr mit diesen Wirklichkeiten konfrontiert. Wie hart und wie wohltuend gleichzeitig, wieder einmal Streeruwitz zu - ja ganz langsam, in Tranchen - erleben, erarbeiten, erdenken.


Marlene Streeruwitz, Das wird mir alles nicht passieren ... Wie bleibe ich Feministin.

Langsam, ganz langsam, immer wieder zur Hand nehmen. Gedanken fließen lassen. Weglegen, Wochen später wieder. Die nächste Frau. Einwirken lassen. Ja, ein Buch für längere Zeit. Vielleicht für Jahre.

Keller fehlt ein Wort

Keller fehlt ein Wort. ?. In die Hand nehmen. ?. Zurückstellen. ?. Doch nehmen. Lesen. Nicht mehr raus können.

Herrn Keller fehlt ein Wort. Wie heißt dieses Ding, in das man Kaffee reinlehrt? Später wird dieses nicht vorhandene Wort dieses Nichts in seinem Kopf ein ganz wichtiges Nichts. Sein erstes verlorenes Wort. Ganz weg. Es werden ihm noch einige folgen.

Keller, Mann in den besten Jahren, Kommunikationsberater, verliert Wörter. Verliert seine Sprache. Es gibt auch eine Erklärung dafür (Gehirnschlag), aber was nützt es?

Keller beginnt zu schweigen, die Buchstabenfetzen, die aus seinem Mund dringen sind unerhört. Keller denkt. Über die Wörter, die in seinem Kopfkrater verschwinden. Welches wird es wohl zuerst sein? Streitet kurz gegen lang? Alteingessesen gegen neu?

Dem Braumüller Verlag ist wirklich eine Entdeckung gelungen. Herr Keller entwickelt sich. (Nicht)-Spricht mit seinem Sohn, der dann ganz im Jugend (Nicht)Sprech reagiert. Ist Nähe möglich? Ja? Vaterliebe - und Verlustschmerz. Mit diesem Krater.

Keller beginnt zu schauen. Mark Rothko. Er verliebt sich, bemerkt, dass man nicht alles zerreden muss. Aber sprechen. Keller beobachtet und schaut und kehrt zurück.


Schön.

Mittwoch, 9. März 2011

Martin Weber - der Mensch im Gleichgewicht

Donnerstag, 10.3.2011, Beginn 19.00 Uhr Vortrag von Martin Weber in der Stadtbibliothek Oberpullendorf, Eisenstädter Straße 8



Martin Weber, Erfolgstherapeut des Skinationalteams, spricht am
Donnerstag, den 10. März 2011,
Beginn 19.00 Uhr
im Festsaal der Stadtbibliothek Oberpullendorf
über seine Methode, Menschen zu helfen, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Anschließend Signierstunde für sein Buch „Der Mensch im Gleichgewicht“. Buchkauf vor Ort möglich.

Eintritt € 8,00, wir ersuchen dringend um Voranmeldung!
Kartenvorverkauf in den buchwelten Oberpullendorf, 02612-42251

Gemeinsame Veranstaltung der Stadtbibliothek Oberpullendorf und der Buchhandlung buchwelten Oberpullendorf.



Zum Autor:

Martin Weber, Erfolgstherapeut vieler Spitzensportler, entdeckte mit 51 Jahren seine Gabe, Energie zu sehen und zu spüren.
Seine Intuition ermöglicht ihm, Menschen zu helfen, gezielt ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Es geht ihm nicht darum, Krankheiten zu bekämpfen, sondern Gesundheit zu erhalten und zu aktivieren. Dazu gehört der ganze Mensch. Der ganze Mensch mit seinem Umfeld, seinen Beziehungen, seinen Gedanken und Gefühlen.
Webers Botschaft ist für Menschen gedacht, die an wirklicher Heilung interessiert sind, nicht an Symptombekämpfung. Es zeigt auf, dass Medikamente niemals zu wirklicher Heilung führen. Und dass vor allem der Körper nach Verletzungen oder Operationen wie ein sensibles Musikinstrument neu gestimmt werden muss.

Samstag, 5. März 2011

Kein einziger Tag, Linda Stift

Das Cover, die große Eiserne Schere. Also doch zuerst dieses, und die anderen müssen noch warten.

Linda Stift, junge (also wenn man beim Jahrgang 1969 von jung sprechen kann) österreichische Autorin. Kommt gerade auf. Fällt gerade auf.


Nachdem ich mit dem Buch fertig war, wusste ich nicht, ob das ganze Buch eine Traumerzählung ist, was es ist, warum mich der Schluss, und dieses Kellertier (was ist es, was soll es bedeuten, worauf spielt sie an?) so irriterten.

Paul ist ein abgetrennter siamesicher Zwilling. Er ist heilfroh, keinen anderen Körper mehr an sich kleben zu haben, sein zweiter Teil, Paco, nicht. Paul flüchtet vor ihm, muss übersiedeln, sich verstecken, doch Paco findet ihn wieder. Paco ist vordergründig fürsorglich, kocht bestens, heimelig, ein Schauspieler wartend auf den nächsten Auftrag.
Paul ist Farbenhändler, verkappter Maler, der seine Ruhe haben will (und ein geheimes Kellertiermensch hat).

Paco schafft eine so angenehme Atmosphäre, dass selbst Pauls Freundin die Beziehung verdichtet. Niemand fragt Paul nach seiner Meinung. Er will diese Nähe nicht, noch immer traumatisiert von den Kinderjahren in zusammengewachsenem Zustand. Wie er alle Trennungen von siamesischen Zwillingen kennt, die romantische Vorstellung des Zwilling-Seins ausräumt.

Ein Buch als innerer Monolog von Paul. Paul die Hauptfigur. Paul, der kein Interesse weckt. Paul, der er selbst sein will. Kein Teil eines anderen. Froh, dass die Trennung funktioniert hat, stolz seine große Narbe betrachtend.


Und dann - der Horror. Der letzte Absatz nach allem.

Sonntag, 20. Februar 2011

Die Einsamkeit der Primzahlen

Für mich ein Erwachsenenroman. Nichtsdestotrotz nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ich habs normal bei Belletristik liegen. Weil ein Roman für alle Menschen.

Es beginnt sehr verwirrend. Eine Geschichte über ein kleines Mädchen. Nächstes Kapitel. Eine Geschichte über einen kleinen Jungen. alles in inneren Monologen gehalten. Was ist los? Warum sind die Kinder so einsam? In ihrer Not so allein gelassen?

Wärend des Lesens musste ich immer die Seitenzahl gegenchecken, da es schon so spät war und ich die größte Angst hatte, ich schaffe es nicht mehr in dieser Nacht fertig zu lesen, da ich schon so müde war. Aber eine Seite geht noch. Ich will nicht aufhören, will wissen, wie es mit Alice und Mattia weiter geht. Gut. nach 272 Seiten musste ich meinem Schlafbedürfnis nachgeben. - und das bedeutet, einen weiteren Tag auf die Fortsetzung warten müssen! Erst am Abend kann ich mir wieder das Buch zur Hand nehmen.

Das Ende entlässt einen nicht mit einem glücklichen Lächeln. Sie kommen aus ihren Verstrickungen und aufgebauten Mauern nicht heraus. Erst heute kann ich darüber schreiben, weil ich mit dem Rauschen, mit dem Wust an Eindrücken, mit der (un)Dichte der Erlebnisse erst in mir stimmig werden musste.

hm. wer kann das lesen? Dieses Rätsel habe ich noch nicht gelöst.
Liebe. Trennung. Kindererziehung. Abgrenzung. Einsamkeit. Genie. Grenzen.





Die Einsamkeit der Primzahlen
Ausgezeichnet mit dem Premio Strega 2008. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010, Kategorie Preis der Jugendlichen

* von Paolo Giordano

Sonntag, 13. Februar 2011

Alles falsch gemacht

Nun einmal zu einem grundsätzlichen Thema. Stellung der Frau in der Gesellschaft. Kolumnen von Elfriede Hammerl, 25 Jahre profil. Dieses Buch ist eine Sammlung der besten.

Zitat aus ihrem Buch "Alles falsch gemacht".
Erstes Kapitel. "Und wieder lockt der Push-up"

Damals, lang, lang ist´s her, in den siebziger Jahren, riefen junge Frauen die Emanzipation aus. Unter anderm deswegen, weil sie nicht so enden wollten wie ihre Mütter: so brav, so bieder, so eingeschränkt, so langweilig, so abgestrudelt, so alt.

... Wir wollten Wunschkinder zum erwünschten Zeitpunkt und wir wollten, dass sich die Männer an ihrer Betreuung zu gleichen Teilen beteiligten. (Wenn wir Glück hatten, beteiligten sich unsere Mütter.) Wir wollten eine qualifizierte Ausbildung und berufliche Aufstiegschancen, und wir waren sicher, dass beides erreichbar war. Erstens waren wir smarter als unsere Mütter. Zweitens waren die Männer unsere Genossen. Unsere Feinde waren nicht die Männer, unser Feind war das System. Gemeinsam mit den Genossen würden wir das System ändern, und dann würden sich, ganz von selbst und nebenbei, unsere Forderungen erfüllen.
...
Zehn Jahre später waren Kinder noch immer Frauen- und gut bezahlte Posten noch immer Männersache, aber es trat eine Generation junger Frauen vor, die wollte keinesfalls so enden wie wir: so kämpferisch, so verbittert, so unattraktiv, so abgestrudelt, so alt.

Diese jungen Frauen waren schön und selbstbewusst. Sie betrachteten die Männer nicht als Feinde. Sie setzten einfach selbstverständlich voraus, dass sie Kinder und Karriere unter einen Hut bringen würden, und das gelang ihnen auch, vor allem, wenn sie geschickt genug waren, als Töchter einflussreicher Väter auf die Welt gekommen zu sein und erfolgreiche Männer zu heiraten, die ein Kindermädchen bezahlen konnten. Diese schönen jungen Frauen machten Schluss mit dem Latzhosen- und Hängebusen-Look der alten Emanzen und erfreuten ihre Spielgefährten mit Spitzen-BHs und Strapsen, und schon waren sie auf eine neue, sehr weibliche Art gleichberechtigt, jedenfalls schrieben das die Medien.

Danach, in den Neunzigern, war Familienarbeit nach wie vor Frauensache, und die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen klaffte nach wie vor auseinander, aber eine neue Generation junger Frauen war wieder stolz auf ihre Weiblichkeit und traute sich, Erfüllung in der Mutterschaft zu finden und sich erotisch zu stylen. Diese Frauen sahen in den Männern nicht länger Feinde, und statt zu jammern nahmen sie sich einfach, was sie wollten. Behaupteten jedenfalls Zeitgeistmagazine und BestsellerautorInnen.

Jetzt haben wir wieder junge Frauen, die wollen keineswegs so enden wie die vor ihnen, so wehleidig, so unattraktiv, so alt. ... Die jetzt Appetitlichen wollen jedenfalls nicht wie die Generationen vor ihnen den Mann durch Unisex-Aussehen und -Gehabe verprellen, deshalb setzen sie auf Kostümchen, Kleidchen, Stöckelschuhe und Push-up-BHs.

Die Einkommensschere klafft noch weiter auseinander als vor ein paar Jahren. Bei der Kinderbetreuung helfen noch immer die Großmütter. In den Frauenhäusern stauen sich die geprügelten Fauen (wahrscheinlich, weil sie danach gieren, Opfer zu sein). Aber schon demnächste ... Genug. Wir kennen den Rest.

Und während die jungen Frauen von Generation zu Generation toller werden, indem sie die etwas ältern Frauen zu Abfall erklären (lassen), lehnen (ältere) Männer in Schlüsselpositionen sich schmunzelnd zurück und blicken wohlwollend auf junge Frauen, sie mit dem selbstbewussten Einsatz ihrer Schönheit was (von ihnen) zu erreichen versuchen.

Sonntag, 6. Februar 2011

Sommer in Norwegen Ein Junge im Jahr 1961

Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte.

Die Geschichte eines gewöhnlichen kleinen Jungen, der in einer gewöhnlichen kleinen Welt glücklich mit seiner Mutter lebt. Ein Herz und eine Seele. Bis - bis die modernen Zeiten mit Trends und Moden sie überkommen, renoviert werden muss. Er ist der größte Helfer seiner Mutter. Alles ist in Ordnung. Bis - bis ein Untermieter gefunden werden muss, um die Miete weiter bezahlen zu können. Auch das stört den Fluss der Liebe und Voll-Angenommenheit nicht.

Bis - bis dieses kleine Mädchen auftaucht, das seine Halbschwester sein soll.

Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte erzählt eine schaurige Geschichte eines Jungen, der zuerst die Perfektion seiner Mutter-Sohn-Beziehung zerbröseln erlebt, der mit dem Eindringen von immer mehr Personen in sein Leben vordergründig gut zureckt kommt, aber dann zutiefst entäuscht und verletzt wird. Und - vor dem Eintritt in die nächste Entwicklungsphase - sein (Ur)-Vertrauen verliert.

Linda, seine Halbschwester kommt und bricht in seiner Mutter alte Wunden auf (doch all dies geschieht zwischen den Zeilen, niemals wird darüber gesprochen). Die Probleme scheinen schier unlösbar und er wird zum Retter dieses kleine Mädchens. Durch Geradlinigkeit und Offen-Ansprechen.

Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte, ist der Sommer, in dem ihn seine Mutter verlässt. Niemals spricht sie mit ihm über ihre Pläne, ihre Sorgen, er ist verlassen.

Wie es mit Linda weitergeht. Die Geschichte reißt an ihrem schönsten Punkt. Beim drittvorletzten Kapitel möchte man mit beruhigtem Seufzer die Geschichte schließen. Die Welt ist in Ordnung gekommen. Und dann folgen noch zwei Kapitel.

Erschütternd, schön, tiefgehend. Fließende Sprache. Ich konnte mich nicht entziehen.



Übersetzt aus dem norwegischen und erschienen im Osburg-Verlag

Freitag, 4. Februar 2011

Anständig essen.

Anständig essen.
1.) das Cover ist super
2.) unmoralisierend, schnelle Sprache, spannend
3.) alles drin, was über Ernährung, Klimawandel und Ethik Thema ist
4.) KURZWEILIG

Karen Duve probiert es also selber. Anständig essen. Auch weil sie von Jiminy Grille - ihrer moralisierenden Mitbewohnerin - gequält wird. Also, warum nicht. Sie überlegt hin und her und wenn dann schon gleich ganz konsequent. Also, 2 Monate Bio, 2 Monate vegetarisch, 2 Monate vegan, 2 Monate frutarisch, und weil das noch kein Jahr macht, wird vegan verlängert.

Hier ist alles drin, erstens wie es einem Menschen bei radikaler Ernährungsumstellung wirklich geht, die Zerrissenheit zwischen Lust auf Steak und Bildern von Massentötung von Rindern, etc etc.

Warum es lesbar ist: Karen Duve beschreibt ihren Alltag, dazwischen eingeflickt ganz viel Wissenswertes (sie muss sich natürlich für ihr Projekt einlesen), sehr schnelle Sprache, und dann auch die Entwicklung, die sie selbst mitmacht. Bis sie sogar so weit geht, dass Jiminy Grille schon ganz zermürbt ist.

Die Schlussentscheidung will ich hier nicht vorwegnehmen, da sonst das Buch seine Spannung verliert. Ja, dann mal reinkippen, erleben/erlesen/denken.

Für alle, die daran interessiert sind, was sie in ihren Körper reinstopfen.

Für alle, die so wie ich in den 80igern mit saurem Regen, Mülltrennung, keine-phospathältigen-Frischetabs-ins-Klo-hängen, keine FCKW-Sprühdosen verwenden, groß geworden sind (und nebenbei noch vom Feminismus-Bazillus angesteckt wurden) gibt es viele Wiedererkennungseffekte.

Für alle, die sich an die zermürbenden Diskussionen, ob man nun Bio aus Südamerika nicht-Bio aus Österreich vorziehen soll? - dazu: die CO2-Bilanz Diskussion ist ein Kind des neuen Jahrtausends.

Karen Duve ist ziemlich normal. Und dann macht sie so was.

LESEN!

Sonntag, 23. Januar 2011

Eugen Freund - Brennpunkte der Weltpolitik Mo, 24.1. live in Oberpullendorf


Am Montag, 24.1.2011, findet um 19.00 Uhr eine Lesung und moderierte Diskussion mit Eugen Freund in der HAK Oberpullendorf statt.

Die Klasse von Prof. Mag. Norbert Liebentritt hat diese Veranstaltung organisiert, designt und bis zum jetzigen Tag mit hohem Engagement und toller Leistung auf die Beine gestellt.

Dazu große Gratulation! Die Klasse kann was! Bravo an Prof. Liebentritt, der wirklich stolz auf seine SchülerInnen sein kann! und auf seine Leistung als engagierter Lehrer.


und nun Eugen Freund und seinen Ansichten zur Weltpolitik lauschen.

Freitag, 14. Januar 2011

Das Streichelinstitut

Warum Clemens Berger noch nicht bekannter ist, ist mir ein Rätsel. Für mich gehört er zu den großen österreichischen Autoren der Gegenwart.

Das Streichelinstitut beschreibt Wien heute. Allein schon der Einstieg, wie der Protagonist die Neubaugasse und ihre BewohnerInnen beschreibt - GÖTTLICH!

Also: Ein für gewöhnlich als gescheitert zu betrachtender unfertiger Student setzt sich mit der Realität auseinander (immerhin ist er in seinen 30ern angelangt) etwas tun zu müssen, das ein Einkommen beschert. Er kann nichts. Außer streicheln, wie seine Freundin meint.

Und nun gründet er das Streichelinstitut.

Dies ist für mich die vordergründige Geschichte, viel mehr geht es - (hat schon jemand "Das bin doch ich" von Thomas Glavinic gelesen?) um das Ganzsein eines Menschen.

Clemens Berger ist ein Sprachspieler. Er webt um seine detaillierte Sprache eine Geschichte herum, die aus vielen Eigenmonologen bestehend, die Figur des Sebastian Horvath klarer und differenzierter werden lässt. Ein komplexer Mann, immer auch in Gefühlszwiespälten zerrissen, entwickelt sich von einem Viel-Zeit-Haber zu einem Nicht-Zeit-Haber.

Clemens Berger arbeitet sowohl die Wirrnisse der Wirtschaftskrise, als auch die Versuchungen der Liebe auf. Ein gegenwärtiger Roman, ein umfassender Roman. Einer, den man auch ein zweites Mal lesen könnte. (und vielleicht auch einmal tut - auch in den Urlaubskoffer packen.)

Sehr zu empfehlen.

Sally von Arno Geiger
Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche von Alina Bronsky
Das Streichelinstitut von Clemens Berger

meine aktuelle Hitliste, was man sich jedenfalls Gutes tun sollte.

Dienstag, 11. Januar 2011

Magnolienschlaf

Es beginnt mit einem schrecklichen Traum - Bombardierung, eine Mutter, die ihr Kind hält, Bunker.

Bruch.

Ein junges Mädchen auf dem Weg von Russland nach Deutschland. Sie soll eine alte Frau pflegen. So, wie es viele machen. Man bleibt über eine gewisse Zeit voll im Haushalt, verdient gutes Geld und fährt dann wieder in die Heimat zurück. Ihre Mutter, die dies gar nicht unterstützt - man weiß ja nie, was die Mädchen dort wirklich erwartet, sie hat Angst, ihre Tochter würde in schlechte (Bordell-)Verhältnisse abstürzen. Denn - vor den Männern muss man sich hüten.

Die alte Frau. Geduldig liegt sie in ihrem Bett, lieblos gepflegt von der Frau ihres Neffen. Einen Engel gibt der erste Anschein preis.

Die beiden - das junge Mädchen und die alte zu pflegende Frau finden sich gleich sympathisch, das kann nur gut gehen. Bis das Mädchen russisch spricht. Aus der alten Frau bricht etwas aus, sie tobt, ein Krieg beginnt. Sie verweigert jeglichen Kontakt, wird zur Furie, die Junge zahlt zurück. Ein Stellungskampf im schmucken Einfamilienhaus in Deutschland.

Der Neffe und dessen Frau geben sich gelangweilt und ignorieren die Sache. Endlich haben sie die Alte versorgt. Sie soll sich nicht so haben und nicht zu viel Geld kosten. Auch nicht beim Essen. Man kann ihre Pension gut selbst gebrauchen.

Als die Alte dann auch noch hinter den Finanzbetrug durch ihre lieben Verwandten kommt, bricht alles zusammen. Von einer feindlichen Russin umgeben, von den letzten Verwandten ausgenützt. Sie wird apathisch, verweigert jegliche Nahrungsaufnahme, ihr altes Trauma bricht hoch. In Träumen, die die junge Pflegerin nicht schlafen lassen, in Verwirrung.

Bis die junge Russin die Geschichte aufdeckt. Schonungslos geht sie mit der alten Frau zu Gericht, presst ihre verborgene Lebenslüge aus ihr heraus, dann - Frieden. Die Verbindung zwischen zwei Menschen, die beide Altlasten der Kriegsgeschichte sind, wird sichtbar, greifbar. Wer waren nun die Bösen?


Eva Baronsky schafft es, zwei große Themen (Pflegenotstand und Aufarbeitung des 2. Weltkriegs) hier so zu verdichten, dass einem der Atem wegbleibt, man kann aus der Geschichte nicht mehr raus. Die Sprache wunderbar. Flüssig, kein Wort zu viel oder zu wenig. Ohne Zeigefinder zeigt sie Lebenslügen unserer Gegenwart auf. Eintauchen, reinleben, lernen.

leih mir dein ohr


also schon wieder - deine Interpretationen über den anderen spiegeln sich im anderen. Wir kennen das schon alles aus der Kommunikationslehre (siehe Schulz von Thun) - doch die beiden AutorInnen (die Bösels, beide hochgebildete Psychotherapeuten) beschreiben die Problematiken in Beziehungen - hier Ehen - wirklich wunderbar, gespickt mit reichlichen Beispielen aus ihrer Praxisarbeit.

Für alle, die nicht seit gestern verliebt sind und gerne auch mal über bekannte eingespielte Verhaltensweisen schmunzeln wollen (Die Semmelgeschichte..)

Ja, gut und empfehlenswert, weil "Du bist deines Glückes Schmied"

mehr dazu http://www.kremayr-scheriau.at/index.php?p=main.php&buch=295