Samstag, 6. März 2010

Herta Müller, Atemschaukel



Wie die Katze um den heißen Brei bin ich um diese Geschichte herumgeschlichen. Zerrissen zwischen der Sorge, wieder mit dem belastenden Thema Lageralltag konfrontiert zu sein, wieder die Ungerechtigkeiten, die Mensch Mensch antut anzuschauen. Wieder all die Emotionen hochkommen zu bemerken und wieder die Anstrengung der Verarbeitung zu erleben.

Auf der anderen Seite die Magie dieses Werkes, dieser Magnetismus, den es ausstrahlt, dem ich nicht widerstehen kann.

Nun denn, es muss sein. Buch gekauft, geöffnet - und durchgelesen. Vier Stunden in einem Zug, dann hat meine körperliche Ermüdung gesiegt, der Schluss dann in Einteltranchen, immer wieder 2 Seiten zwischendurch, ganz schnell hergenommen, das Buch nicht weglegen können, bei mir tragend, endllich die Erleichterung, sie ist in mir. Die ganze Geschichte aufgenommen.

Meine Angst vor extreme Gräulichkeit, wie ich es aus KZ-Lagerbüchern kenne, vor Albtraumbildern unbegründet. So etwas ist mir noch nicht passiert. Distanziert und gleichzeitig im Erzähler erleben wir mit, sind wir der Protagonist, der mit 17 Jahren als deutscher Rumäne in ein russisches Arbeitslager deportiert wird. Wie er überlebt durch die Vorstellung seiner schrecklichen Begleiter, für die er da sein muss. Hungerengel, Atemschaukel, Zementsack, Schlacke.

Sein Leben bleibt auf alle Zeiten von diesen 5 Jahren gezeichnet. Schweigen und Distanz sind in ihn eingebrannt.

Zu Recht hat Herta Müller hiefür den Literaturnobelpreis bekommen. Danke für dieses Werk.

Die Symphonie des Augenblicks



Das Buch ist so leicht, wie das Titelbild erahnen lässt. Ich habe es gerne als Nachtlektüre gelesen, in seiner stillen Sprache, in seiner Einfachheit der Erzählform.

Es geht um die Kunst, jeden Tag zu leben. Um den eigenen Weg, der vielleicht aufgrund äußerer Umstände oft holprig, gefährlich und überraschend ist, jedoch immer bei sich zu bleiben ist die Kunst, die die Hauptperson hier vorlebt.

Ich habe es nicht fertig gelesen, da ein lieber Mensch, dem ich vorgeschwärmt habe, dann unbedingt auch das Buch lesen wollte - und so habe ich ihm eine Freude gemacht und es gleich weitergegeben. Ich hoffe, er erlebt die Lesezeit mit diesem Buch ebenso entspannend und interssant wie ich.

Die Arche von Boyd Morrison



Ein Thriller aus dem Amerikanischen mit dem Nachteil, nicht mehr aufhören zu können. Flüssig geschrieben, die Geschichte sehr spannend, beginnt so leicht und unschuldig und wird dann - ja man könnte wohl den Eindruck haben, man bekäme Verfolgungswahn - immer dichter und schneller.

Der Autor hat gut recherchiert, der geschichtliche Hintergrund - es geht um die Arche Noah und ihr Auffinden - erfreut, auch die Studien über neue tödliche Krankheiten beruhen auf Recherchen zu aktuellen Krankheitsbildern.

Somit spannendes Lesevergnügen mit Lerneffekt!