Freitag, 30. April 2010

Ich geh dann mal heim


Gestern also, da musste ich noch ganz schnell ein paar Bücher einpacken. Weil ich auf Reisen ging. Und ohne Bücher in der Tasche (oder wenigstens einem Buch in der Tasche) kann frau nicht auf Reisen gehen.

Wie schwierig! Hektik, schon fast zu spät für die Abfahrt - welches nehm ich. Will ich jetzt noch einen Roman, oder solls was kurzes lustiges sein - und da, weil ich schon so oft vorbei gehe und es mich immer wieder anlacht (habe ich mich doch schon auf dem Gebiet interessiert)- ok ich nehms mit; die Erzählung zum Österreichischen Weitwanderweg Bregenz - Wien.

Schon voriges Jahr habe ich medial die blog-Variante und den Start eines ganz-normalen-Menschen für diese Wanderung Bregenz - Wien verfolgt. Die Karte zu den österreichischen Weitwanderwegen liegt schon länger zuhause, aber wann denn soll ich das angehen.


Also jetzt: zurück zu gestern. Ich glücklich mit dem Buch in der Tasche starte die Zugreise nach Wels. Und fange einmal ganz kurz an. Das Buch ist so schön bequem gegliedert. Jeder Tag der großen Wanderung extra beschrieben. Wie kurzweilig! Axel Halbhuber (der Wanderer) hat so eine nette Sprache, er ist ein so normaler Typ und die Texte sind von einem lieben Witz getragen. Ich gehe als mit ihm mit. Tag für Tag. Schaue die Bilder. Verstehe die Sehnsucht und die (doch eintretenden) anderen Sichtweisen.

Dazu kommt die Offenheit des Autors, die leichte und gleichzeitig griffige Sprache. Wie unprätentiös es in diesem Buch menschelt. Wie unmoralinsauer die Eindrücke, die bei 60 Tagen Durchgehen einfach entstehen - einfach so eben - da stehen dürfen.

Das besondere an diesem Buch ist, dass es ein blog war. Und damit die Vergänglichkeit der web-Kultur diese Erfahrung nicht schluckt, wurde sie "verewigt". Eben als gebundenes Buch zum Angreifen herausgebracht. Jetzt kann man die Geschichte immer bei sich tragen.

Die Qualität des Buches. Das Buch ist durchgängig in Hochglanzpapier gedruckt, ein Bildband im praktischen Lesebuchformat.

- Ein tolles Buch über Naturerlebnisse. Weil es beides ist, eine Erzählung und ein Wanderführer. 5 Punkte auf der 5Punkte-Skala.

Und das Buch kommt auf die Liste "Für liebe Freunde ein bemerkenswertes Geschenk".


ps: übrigens habe ich das Buch gleich ganz ausgelesen. Gottseidank hatte die Öbb Verzögerungen, sodass ich bei der Rückfahrt ausreichend Zeit hatte auch noch die letzten Seiten fertiglesen zu können.


Wer es haben möchte: einfach mail an office@buchwelten.at
Wer kurz den Sprachklang von Axel Halbhuber anlesen möchte: http://axelwandertdurch.austria.info/tag/ich-geh-dann-mal-heim/


pss: Ich werde mich doch drübertrauen. Über den Weitwanderweg. Österreich ist zu erwandern. Auch für nicht-supersport-und-superprofialpinisten.

Dienstag, 27. April 2010

Dr. Hope - Deutschlands erste Ärztin



Für alle, die wiedereinmal ein Buch über eine starke Frau gebrauchen können. Unglaublich, wie ein junges Mädchen 1870 (!) das Unmögliche möglich macht. Sie studiert, ohne dass Frauen ein Abitur anerkannt bekommen, ohne dass Frauen als ordentliche Hörerinnen zugelassen sind, Medizin. Und sie schafft es, die Anerkennung als ordentliche Ärztin zu bekommen.

Auch privat lebt sie ein selbstbestimmtes Leben.

Da können wir Frauen im 21. Jahrhundert uns ein Scheibchen abschneiden.

Gleichzeitig ist die Geschichte der Ich-Erzählerin so flüssig und leicht geschrieben, dass ich einfach am Samstag Nachmittag hineingesunken bin und erst aufgehört habe, als - leider - nach 285 Seiten Schluss war.

Ich würde das Buch ab 14 Jahren empfehlen. Und zwar allen Menschen.

Donnerstag, 8. April 2010

Donna Milner, Der Tag an dem Marilyn starb


Ein Familienepos aus Kanada. Die Sprache einfach, jedoch lässt sich von Anfang an erahnen, dass da etwas lauert.

Marilyn, eine großartige Frau, die - und das bleibt doch bis zum Ende ungelöst - (un)freiwillig bei einem Gasunfall stirbt. Ihr Mann, traumatisiert zurückgekehrt aus dem 2. Weltkrieg, kann seine Erlebnisse und schrecklichen Erfahrungen aus der japanischen Lagerhaft in Hongkong niemals mit ihr teilen.

Die Ehe ist vordergründig stabil, die Liebe zwischen beiden stark. Doch als die alten Geschichten vor Ort lebendig werden, bricht etwas in Marilyn. Wir erfahren trotzdem nie, wie genau dies vor sich gegangen ist. Aber wir erfahren den Schmerz des Mannes, der seine Albtraumerlebnisse seiner Frau nicht mitteilen konnte. Am Schluss gibts große Versöhnung der Hinterbliebenen, wobei ich doch das Gefühl nicht loswerden konnte, dass die Autorin hier ganz schnell fertigschreiben musste. Schade, der showdown bildet den Hinkefuß dieses sonst ergreifenden und wissenserweiternden Romans.

Wiedereinmal eine Geschichte einer Traumatisierung, wiedereinmal 2. Weltkrieg aus neuer Perspektive. Ich dürfte da gerade eine Phase haben, die Schrecken des Krieges aus neuer Sicht erfahren zu müssen.

Das Buch liest sich leicht und flüssig, durch die kurzen Kapitel ist es auch für Nicht-Fress-LeserInnen gut geeignet.