Donnerstag, 9. April 2009

Gravierende Fehler der EZB in der Wirtschaftskrise

Ich diskutiere nun schon immer intensiver in gewissen Kreisen, dass Inflation kein Problem im Verhältnis zu Deflation ist und ich die ängstlichen EZB-Männer mit ihren Maastricht-Kritierien nicht verstehe. Dieses starre Festhalten an Zeiten, die es jetzt eben nicht gibt. Regeln sind gut und wichtig. ja. Man muss nur erkennen, wann sich ihr Umfeld geändert hat und sie deshalb nicht mehr gültig sind.

Heute im Kurier spricht Peter Bofinger aus, was ich schon länger vertrete. Ein Lichtblick, wenn die öffentliche Meinungsbildung neuen Input bekommt.

Ich habe den Artikel nur in der Printversion gefunden, wer ihn nachlesen will, gleich hier in Nur-Text-Version.

Wirtschaftskrise
„Gravierende Fehler der EZB“
Der deutsche Wirtschaftsexperte Peter Bofinger wäre für eine höhere Inflation.
von Reinhard Göweil
Wir hatten im Oktober – nach der Lehman-Pleite – die höchsten Zinsen, seit es den Euro gibt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der Krise gravierende Fehler gemacht“, kritisiert der deutsche Wirtschaftsexperte Peter Bofinger. Der Würzburger Universitätsprofessor ist von den deutschen Gewerkschaften in den sogenannten „Weisenrat“ entsandt worden, der die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands einschätzt. Er sitzt zudem im Wissenschafts-Beirat des Wirtschaftsforschungsinstitutes in Wien.
Bofinger meint, dass die EZB viel zu spät reagiert habe. Wegen der tiefen Wirtschaftskrise sinkt nun die Nachfrage, die Folge sind sinkende Preise. „Wenn ein Land in einer Deflation drinnen ist, wie das Beispiel Japan zeigte, ist es schwer, wieder raus zu kommen. Mit höherer Inflation hätte ich viel weniger Problem“, sagt er. Deflation bedeutet absolut sinkende Preise.
G 20
Auch die Beschlüsse des G-20-Gipfels kritisiert der Deutsche als „zu halbherzig, zu notgedrungen“. Bofinger wäre dafür die Banken zu verstaatlichen, die toxischen Papiere in eine „schlechte Bank“ herauszulösen, und die Banken anschließend wieder an die Börse zu bringen. „Das wäre ein Thema für die G 20 gewesen. Auch bei den Ratingagenturen haben die Regierungschefs nichts zusammengebracht. Die laufen unbelästigt frei herum, und waren mitverantwortlich für die Krise, weil sie hochkomplexen Papieren beste Bonitäten bescheinigten.“ Bofinger ist für die Gründung einer staatlichen Agentur zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Banken und Finanzprodukten.
Alter Trott?
Der „Wirtschafts-Weise“ warnt davor, nun wieder in den alten Trott zu verfallen. „Stagnation, hohe Arbeitslosigkeit und hohe Verschuldung erhöhen den Lohndruck. In der Folge kann es Steuersenkungen geben, um die Unternehmen zu entlasten.“
Das würde – so Bofinger – zu Deflation führen und zu einer „Instabilität des politischen Systems“, weil sich immer mehr Bürger als Verlierer der Krise sehen würden. Bofinger: „Der Staat braucht zusätzliche Aufgaben, nicht immer weniger. Die Entstaatlichung muss gestoppt werden.“ Im Ernstfall solle dies über höhere Steuern finanziert werden – etwa mit der in Österreich umstrittenen Vermögenssteuer.


© 09.04.2009 KURIER