Sonntag, 18. Oktober 2009

Milan Kundera. Der Scherz | Anne-Ev Ustorf. Wir Kinder der Kriegskinder


Großartiges Buch, das beschreibt, was ein totalitäres System, was (Selbst-)Verhetzung, Fanatismus, und Umerziehungsfantasien an einer Gesellschaft, an den Menschen anrichten.

Spannende Erzählform. Gut zu lesen. Kundera erspart sich marktschreierische Details. Dadurch bleibt die Haupthandlung, die grenzenlose Enttäuschung und das spätere Erkennen, dass alle zerstört sind, erhalten.

Möchte am dem SPIEGEL für die Editionsauswahl danken. Ich wäre wahrscheinlich nicht auf dieses Werk gekommen, ich hatte "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" schon vor langer Zeit gelesen (übrigens - ein Gedicht!) und bin über die Spiegel-Edition (Spiegel Besteseller 1987-1988) zufällig auf "Der Scherz" gestoßen.



Dazu passend gleich ein Lob an die Ö1-Redaktion, die die Bücher "Die vergessene Generation - die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" von Sabine Bode und "Wir Kinder der Kriegskinder. Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs" von Anne-Ev Ustorf vorgestellt haben. Anne-Ev Ustorf stellt einige Kinder von Kriegskindern, Jahrgänge 1955-1975, vor. Verschiedene Lebenswege begleitet vom Lebensthema der kriegstraumatisierten Eltern.

Was mich besonders anspricht ist, dass die Aufarbeitung des Kriegs nun auch bei der leidenden Bevölkerung beginnen kann. Es ist einfach so wichtig, auch das eigene erlittene anzusprechen, zuzulassen und vor allem, nicht den Rechten zu überlassen. Das Schweigen zu diesem Thema hilft den Faschisten. (Da sie sich dann als die einzigen "Versteher" darstellen können.)