Donnerstag, 26. März 2009

Maria Lassnig

"Man kann nie aufhören, gut zu sein. Man muss immer versuchen, besser zu werden." Maria Lassnig




Maria Lassnig, porträtiert von Sepp Dreisinger





Maria Lassnig, Selbstportrait mit Kochtopf


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Die Ausstellung ist sehr sehenswert, es lohnt sich, Maria Lassnig kennenzulernen

Montag, 23. März 2009

wehleidige alte Männer

Herr Dörfler (Landeshauptmann von Kärnten) erzählt, dass Frauen zu sensibel für die Politik sind, denn, was er aushalten "hat müssen", das würde keine Frau aushalten.

Die eigene Schwäche zum Maßstab aller Durchhaltevermögen zu machen.

Armer kleiner alter Mann. Aber die Umstände haben ihn zu einem wichtigen Entscheider gemacht. Und die anderen Männer stehen herum und wissen sich nicht zu helfen.

Ein Trauerspiel.


Artikel nachzulesen in derstandard/inland

"Dörfler: Frauen zu sensibel für die Politik"


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Für alle, die nicht suchen wollen:


Dörfler: Frauen zu sensibel für die Politik
Kärntner Landeshauptmann: "Wieder an die wahren Werte in der Familie besinnen"

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Klagenfurt - Der Kärntner Landehauptmann Gerhard Dörfler hält Frauen für zu sensibel, um in der Politik bestehen zu können. "Frauen sind zu schade für die Politik, sie sind viel sensibler als Männer, zu sensibel. Ich kenne viele großartige Frauen die nie in der Politik waren", sagte der BZÖ-Politiker in der Sonntagausgabe der Tageszeitung "Österreich". Was er im Wahlkampf auszuhalten hatte, sei keiner Frau zuzumuten, meinte Dörfler.

"Da kann Mann wie Frau stehen"

Auf die Frage, ob Frauen demnach hinter den Herd gehörten, meinte Dörfler: "Da kann Mann wie Frau stehen. Wenn aber eine Familie da ist, sollte nur ein Partner Karriere machen, wir sollten uns vielmehr wieder an die wahren Werte in der Familie besinnen. Die Wirtschaftskrise ist eine Chance umzudenken, die Jagd nach dem Geld soll nicht mehr an vorderster Stelle stehen". Er freue sich unglaublich, wenn seine Frau um zehn Uhr abends ihm noch eine frische Brennnesselsuppe machen und dabei "nicht abgehetzt und müde" sei, meinte der Landeshauptmann.

Kritik: "Verschrobene Sicht der Dinge"

Kritik an den Aussagen kommt von der Kärntner SPÖ. Dörfler habe wieder "seine verschrobene Sicht der Dinge" offenbart und gezeigt, was er von Gleichberechtigung und Chancengleichheit tatsächlich halte, erklärte Klubobmann Herwig Seiser in einer Aussendung.

"Wenn er dafür eintritt, dass in Familien nur ein Elternteil erwerbstätig sein soll, beweist er, dass er vom Leben der meisten Kärntnerinnen und Kärntner keine Ahnung hat, da diese es sich gar nicht leisten könnten, sich ´nur´ um den Haushalt zu kümmern", meinte der SPÖ-Politiker. Indem sich Dörfler die Frau als "Bereitschaftsdienstleister an Heim und Herd" wünsche, missachte er die jahrzehntelangen Bemühungen der Frauen für eine gerechte Entlohnung und halte all jenen Frauen, die aus dringenden wirtschaftlichen Gründen das Familieneinkommen verbessern müssen, ein rückwärtsgewandtes Wertesystem entgegen, sagte Seiser. (APA)

Montag, 16. März 2009

keine Schuss-Waffen in privaten Haushalten

Ich trete für ein Verbot von Schusswaffen in privaten Haushalten ein. Nur durch die Möglichkeit der Benutzung solcher Waffen sind derartige Vorgänge überhaupt möglich. Psychopathen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Es liegt an uns, wie schnell sie viele Menschen töten können. Wir brauchen keine "Rächer" mit halbautomatischen Gewehren.

Nachfolgend ein Text aus der Gruppe Aphorismen ... in xing:


gilt den Menschen in Winnenden, die in den letzen Tagen so viel Leid erfahren mussten.

Lichterkette für alle Opfer in Winnenden
und deren Angehörige

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Wir trauern mit Winnenden!
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Der Engel

Jedesmal, wenn ein Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine Arme, breitet die großen, weißen Flügel aus und pflückt eine ganze Handvoll Blumen, die er zu Gott hinaufbringt,
damit sie dort noch schöner als auf der Erde blühen.
Gott drückt sie dort an sein Herz, aber der Blume, die ihm die liebste ist, gibt er einen Kuß, und dann bekommt sie Stimme und kann in der großenGlückseligkeit mitsingen.

Sieh, alles dieses erzählte ein Engel Gottes, während er ein totes Kind zum Himmel forttrug, und das Kind hörte wie im Traume; sie flogen über die Stätten in der Heimat, wo das Kind gespielt hatte, und kamen durch Gärten mit herrlichen Blumen.

"Welche wollen wir nun mitnehmen und in den Himmel pflanzen?" fragte der Engel.
Da stand ein schlanker, herrlicher Rosenstock, aber eine böse Hand hatte den Stamm abgebrochen, so daß alle Zweige, voll von großen, halb aufgebrochenen Knospen, vertrocknet rundherum hingen. "Der arme
Rosenstock!" sagte das Kind. "Nimm ihn, damit er oben bei Gott zum Blühen kommen kann!"

Und der Engel nahm ihn, küßte das Kind dafür, und des öffnete seine Augen zur Hälfte. Sie pflückten von den reichen Prachtblumen, nahmen aber auch die verachtete Butterblume und das wilde Stiefmütterchen.

"Nun haben wir Blumen!" sagte das Kind, und der Engel nickte, aber er flog noch nicht zu Gott empor. Es war Nacht und ganz still; sie blieben in der großen Stadt und schwebten in einer der schmalen Gassen umher,
wo Haufen Stroh und Asche lagen; es war Umzug gewesen. Da lagen Scherben von Tellern, Gipsstücke, Lumpen und alte Hutköpfe, was alles nicht gut aussah. Der Engel zeigte in allen diesen Wirrwarr hinunter auf einige Scherben eines Blumentopfes und auf einen Klumpen Erde, der da herausgefallen war. Von den Wurzeln einer großen vertrockneten Feldblume, die nichts taugte und die man deshalb auf die Gasse geworfen hatte, wurde
er zusammengehalten. "Diese nehmen wir mit!" sagte der Engel. "Ich werde dir erzählen, während wir fliegen!"

Sie flogen, und der Engel erzählte "Dort unten in der schmalen Gasse, in dem niedrigen Keller, wohnte ein armer,
kranker Knabe. Von seiner Geburt an war er immer bettlägerig gewesen; wenn es ihm am besten ging, konnte er auf Krücken die kleine Stube ein paarmal auf und nieder gehen, das war alles. An einigen Tagen im Sommer fielen die Sonnenstrahlen während einer halben Stunde bis in den Keller hinab, und wenn der Knabe dasaß und sich von der warmen Sonne bescheinen ließ und das rote Blut durch seine feinen Finger sah, die er vor das Gesicht hielt, dann hieß es: 'Heute ist er aus gewesen!' Er kannte den Wald in seinem herrlichen Frühjahrsgrün nur dadurch, daß ihm des Nachbars Sohn den ersten Buchenzweig brachte, den hielt er über seinem Haupte und träumte dann unter Buchen zu sein, wo die Sonne scheint und die Vögel singen. An einem Frühlingstage brachte ihm des Nachbars Knabe auch Feldblumen, und unter diesen war zufällig eine Wurzel, deshalb wurde sie in einen Blumentopf gepflanzt und am Bette neben das Fenster gestellt. Die Blume war mit einer glücklichen Hand gepflanzt, sie wuchs, trieb neue Zweige und trug jedes Jahr ihre Blumen; sie wurde des kranken Knaben herrlichster Blumengarten, sein kleiner Schatz hier auf Erden; er begoß und pflegte sie und sorgte dafür, daß sie jeden Sonnenstrahl, bis zum letzten, der durch das niedrige Fenster hinunterglitt, erhielt; die Blume selbst verwuchs mit seinen Tränen, denn für ihn blühte sie, verbreitete sie ihren Duft und erfreute das Auge; gegen sie wendete er sich im Tode, da der Herr ihn rief. Ein Jahr ist er nun bei Gott gewesen, ein Jahr hat die Blume vergessen im Fenster gestanden und ist verdorrt und wurde deshalb beim Umziehen hinaus auf die Straße geworfen. Und dies ist die Blume, die vertrocknete Blume, die wir mit in unsern Blumenstrauß genommen haben, denn diese Blume hat mehr erfreut als die reichste Blume im Garten einer Königin!"

"Aber woher weißt du das alles?" fragte das Kind, das der Engel gen Himmel trug. "Ich weiß es", sagte der
"denn ich war selbst der kleine, kranke Knabe, der auf Krücken ging; meine Blume kenne ich wohl!"

Das Kind öffnete seine Augen ganz und sah in des Engels herrliches, frohes Antlitz hinein, und im selben Augenblick befanden sie sich in Gottes Himmel, wo Freude und Glückseligkeit waren. Gott drückte das tote Kind an sein Herz, und da bekam es Schwingen wie der andere Engel und flog Hand in Hand mit ihm. Gott drückte alle Blumen an sein Herz, aber die arme verdorrte Feldblume küßte er, und sie erhielt Stimme und sang mit allen
Engeln, welche Gott umschwebten, einige ganz nahe, andere um diese herum in großen Kreisen und
mmer weiter fort in das Unendliche, aber alle gleich glücklich. Und alle sangen sie, klein und groß, samt dem guten, gesegneten Kinde und der armen Feldblume, die verdorrt dagelegen hatte, hingeworfen in den Kehricht des Umziehtages, in der schmalen, dunklen Gasse.

Wir wünschen Kraft, Mut und liebe Menschen,
die nicht wegsehen und den Mut haben,
auf andere zuzugehen, wenn Leid erkannt wird.

Es gibt Tage, an denen das Lachen sehr schwer fällt
und wir möchten mit diesem Brief Mut machen.

„Kein besseres Heilmittel gibt es im Leid als eines edlen Freundes Zuspruch.“
Euripides

Barbara und das ganze Moderatoren Team

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Dieser Newsletter wurde von Moderatorin Barbara Wagner für die Gruppe "Zitate, Sprüche, Aphorismen - Quotations, sayings, aphorism" verfasst.

Mittwoch, 11. März 2009

Autofasten

Ich mache beim Autofasten mit und habe heute folgendes email erhalten. Da kann man ja wirklich nichts dagegen sagen. Vorbildlich.




Autofasten 2009 Newsletter Liebe Autofasterin!

Lieber Autofaster!

Die Fastenzeit dauert noch keine zwei Wochen und schon haben sich 5000 Autofaster und Autofasterinnen angemeldet. Das Ergebnis von 2008 ist damit bereits übertroffen. Durch Ihr Beispiel helfen Sie mit, dass es immer mehr werden.

Das Wetter ist, zumindest nördlich des Alpenhauptkammes, nicht gerade einladend zum Radeln und zu Fuß gehen - außer bei denen, die entdeckt haben, dass man bei jedem Wetter gehen und bei fast jedem Fahrrad fahren kann, wenn man nur gut angezogen ist.

Elektromobil auf zwei Rädern

Im Gegensatz zu Elektroautos sind Elektroroller und -fahrräder bereits serienreif im Handel erhältlich. Radeln ist - so brauchbar es in vielen Lebenssituationen ist - leider nicht die Lösung aller Verkehrsprobleme. Wenn die zurückzulegende Strecke zu lang oder zu bergig ist, wenn die Fitness nicht reicht oder wenn man nicht verschwitzt am Arbeitsplatz ankommen soll, können Elektrofahrräder oder Elektroroller eine Alternative sein, die einem helfen, aufs Auto zu verzichten.

Elektrofahrräder und -roller verbrauchen erstaunlich wenig Energie und gespeist mit Ökostrom hat man eine neutrale CO2-Bilanz

Übrigens: Viele Landesregierungen in Österreich fördern die Anschaffung von Elektrorollern und -fahrrädern! Erkundigen Sie sich in der Umweltabteilung Ihres Landes!

Links zu Elektrorollern: www.io-scooter.com, www.innoscooter.de, www.e-max-roller.de/.

Links zu Elektrofahrrädern: www.ktm-bikes.at/2009/at/cityblitz.php, www.gazelle.nl/de/, www.flyer.ch, www.epple.skalar-first-floor.de/EBike_132.html , www.ave-bikes.de.

Autofasten und Schifahren

So müssen Autofaster und Autofasterinnen auch nicht aufs Schifahren verzichten: Mit der ÖBB-Kombiaktion „Snow and Fun" kann man Schigebiete in den Bundesländern Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich preiswert erreichen. Je Bundesland stehen vier bis sechs Schigebiete zur Auswahl. Die Kombikarte für Bahn, Bus und Lift kostet nur wenig mehr als die Lifttageskarte allein. Diese Aktion kann man auch von Wien aus nützen sowie von Kärnten aus für Fahrten nach Bad Gastein.

Info: www.oebb.at das Feld Personenverkehr anklicken, dann „Snow and Fun-Ticket" und dann das Land, in dem das Schigebiet liegt. Auch außerhalb der ausgesuchten Skigebiete gibt es viele Möglichkeiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skivergnügen zu kommen, auch in den westlichen Bundesländern, die ja zumeist wesentlich kürzere Anreisewege haben.

Die Zeit im Freien für´s Beobachten nützen

Autofasten kann eine Schule des Aufmerksam-Werdens sein: Obwohl es immer wieder schneit, sind die ersten Zugvögel wie Stare, Bachstelzen und Lerchen schon da. Aufmerksame Menschen hören die Amseln, Buchfinken und Meisen singen und entdecken die ersten Blüten. Die Plattform www.naturbeobachtung.at des Österreichischen Naturschutzbundes lädt ein, gezielt mit offenen Sinnen durch die Natur zu gehen und die Beobachtungsdaten für wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung zu stellen. Außerdem können Sie im Forum Bilder von Pflanzen und Tieren, die sie nicht kennen, einstellen und Experten sagen ihnen, um welche Spezies es sich handelt.

Ihr Autofasten-Team

Donnerstag, 5. März 2009

die Schule und die Lehrer

Also jetzt versucht wieder einmal eine Ministerin eine Änderung bei den Lehrern. Der Gegner: Mister "dakönntejaeinjederkommen" Neugebauer.

Er steht für: Beton

Und plötzlich tauchen Zahlen auf, wie viele Lehrer auf der Stelle gekündigt werden, wenn Schmieds Pläne umgesetzt werden.

Und plötzlich gibts Hysterie auf allen Seiten

Und noch immer fragt keiner: Wo ist das Problem? Warum kommen solche Vorschläge?
Und vor allem: Wie schaut unsere Schule morgen aus?

Ich finde, Studien sind genug in Auftrag gegeben (Erinnere mich an die Nach-Katastrophen-Pisa-Experten-Studie noch unter Gehrer), jetzt hängt es an den handelnden Personen. Mir ist ja noch immer nicht nachvollziehbar, warum der alte Verhinderer Neugebauer Chef der Beamtengewerkschaft bleiben durfte.

Überall tauchen jetzt Statistiken auf, wie sehr sich die Lehrer abstrudeln, was sie leisten etc etc. Doch darum gehts überhaupt nicht (außer eine Personalvertretung leistet vorauseilende Erklärungen um - was? - zu übertünchen). Es geht darum, wie in einer veränderten Gesellschaft das System Schule (scheinbar! oder tatsächlich?) nachhinkt.

Wenn schon bei Halbherzigkeiten derartige Widerstände auftauchen - warum dann nicht gleich Nägel mit Köpfen machen

Ganztagsschule und gemeinsame Schule.

mit einer ordentlichen Ausstattung für LehrerInnen und SchülerInnen, mit Mittagspausen und Ruheräumen. Das geht. Wenn ein Wille da ist.

(Und nebenbei kann unsere Wirtschaft jetzt Infrastrukturmaßnahmen sehr gut brauchen.)

Mehr als Protest, dass das alles nicht geht und überhaupt und sowieso und ... also wirklich! ... kann ja nicht kommen. Und vielleicht überlegen sich dann einmal die Beteiligten, wie lange sie noch verstockt sein können - oder ob man trotzige Personen tauschen sollte. (Erfahrungsgemäß hat das bei der großen Koalition Wunder gewirkt.)


Interessante Nachlesen:
Gastkommentar im standard von Niki Glattauer am 02.03.09
ZIB2 Interview Armin Thurnherr mit Karl Heinz Gruber




02. März 2009, 18:52

Lehrerleid und Gewerkschaftsjammer

Kollegiale Anmerkungen zur Kampf- und Empörungslogik von "Minutenklaubern" - Von Niki Glattauer

Wie gehabt: Es soll sich etwas ändern, und meine Kolleginnen gehen reflexartig in Kampfstellung. Aufmunitioniert wurden sie durch unsere Standesvertretung: Zwei zusätzliche Unterrichtsstunden mehr würden 10 Prozent weniger auf dem Lohnzettel bedeuten, milchmädchenrechneten die Gewerkschaftsvertreter bis in die Lehrerzimmer hinein und prangerten öffentlich die "beispiellose Abgehoben- und Unverfrorenheit" der Ministerin an. - Ich finde, es ist eine beispiellose Abgehoben- und Unverfrorenheit, wie Neugebauer und Co mit solchen Auftritten endgültig unser Image ruinieren.

Wer die Beiträge in den Ö1-Journalen gehört oder die "ZiBs" gesehen hat, der merkt sofort: Die Menschen "da draußen" verstehen uns nicht. Zu Recht. Dieses ewige Gerede von "Lehrverpflichtung", diese Minutenklauberei beim Unterricht, während hunderttausende Eltern nicht mehr wissen, woher sie das Geld für die Nachhilfestunden her nehmen sollen, weil zwischen dem, was wir in den Schulen anbieten, und dem, was die Kinder können sollen, zumindest in den sogenannten "höheren Schulen" Abgründe klaffen.

Kasperl und Krokodil

Machen wir uns bitte wegen zusätzlichen zweimal 50 Minuten jetzt nicht ins Hemd! Tun wir nicht so, als würde das den physischen und psychischen Zusammenbruch der österreichischen Lehrerschaft bedeuten. Ist denn umgekehrt jemand der Meinung, dass sich die Löcher in den Nervenkostümen der (vielen!) Burn-out-gefährdeten Kolleginnen schließen würden, wenn sie ab kommenden Herbst zwei Stunden weniger auf ihren Stundenplänen hätten? Was die für ein anständiges Leben bräuchten, wären andere Schulgebäude, andere Kolleginnen, eine andere Ausbildung - und damit verbunden ein anderes Selbstbild. Genau dafür will die Ministerin unser Steuergeld verwenden. Ihr Wort in des Finanzministers Ohr.

Wenn man will, dass sich unser Schulsystem den gesellschaftlichen Erfordernissen anpasst, dann muss sich im System auch etwas bewegen. Der Vorstoß der Ministerin, für den sie jetzt von den schwarzen und roten Gewerkschaften gehauen wird wie das Krokodil vom Kasperl, ist Bewegung in die richtige Richtung:

1. Die Lehrer/innen von morgen werden mehr Zeit mit ihren Schülern verbringen müssen.

2. Die Lehrer/inen von morgen werden mehr Zeit in der Schule verbringen müssen.

3. Die Lehrer/innen von morgen sind eine Art Lebensabschnittsbegleiter, die ihren Kindern in gemeinsamen, ganztägig geführten Schulen Wissens-, vor allem aber Sozialkompetenz vermitteln. Mit einer "Leerverpflichtung von 20 Stündchen plus viel Tagesfreizeit" werden wir diesem gesellschaftlichen Auftrag nicht gerecht werden können. Streichen wir das Wort "Lehrverpflichtung" also bitte endlich aus unseren Vokabelheften!

Natürlich, Lehrer/innen sind gebrannte Kinder. Viele Schul-"Reformen" der letzten Jahrzehnte haben sich a) entweder als Etikettenschwindel oder b) als Geldeinsparungsaktionen entpuppt. Als Beispiel für a) sei hier die Einführung der KMS (=Kooperative Mittelschule) genannt, die zur alten Hauptschule mit neuem Namen verkommen ist; als ein Beispiel für b) die vor sechs Jahren erfolgte Kürzung der Unterrichtsstunden. Übrigens: Dass sich in Umfragen fast 70 Prozent der Österreicher für die Schmied-Stunden erwärmen, liegt vermutlich daran, dass viele Eltern fälschlicherweise glauben, ihre Kinder würden dadurch mehr Unterricht erhalten. Das wäre natürlich die richtige Konsequenz, dazugesagt hat es die Ministerin bisher aber nicht. Leider.
Streik wogegen?

Auch beim Transport des Kleingedruckten in die Lehrerzimmer hat sie kein glückliches Händchen bewiesen: Warum behauptet Claudia Schmied, ihr Vorstoß würde keine Mehrarbeit bedeuten - mit dem Argument, zwei zusätzliche Unterrichtsstunden ließen sich im Rahmen unserer 40-Stunden-Woche quasi umschichten? Wie das? Sollen wir in Zukunft den Hörer auflegen, wenn der nette Herr aus Anatolien eine Viertelstunde lang nicht herausbringt, wessen Vater er ist? Sollen wir die letzte Mathe-Schularbeit im Jahr mangels unbezahlter Nachbereitungszeit unverbessert zurückgeben? Sollen wir den Polizisten, der sich aus gegebenem Anlass bereiterklärt hat, ein paar 12-Jährigen den Unterschied zwischen einem Brot- und einem Butterfly-Messer zu erklären, wieder nach Hause schicken? Vier Tage und ein (zwar spätes, aber wohltuendes) Machtwort des Kanzlers hat es gebraucht, bis wir immerhin gehört haben, dass die Arbeitszeitverlängerung keinen Lehrer den Job kosten wird.

Sei's drum, meine Gewerkschaft hat in zwei Sitzungen zu Wochenbeginn gegen die "realitätsferne" und "zynische" Haltung der Ministerin Kampfmaßnahmen beschlossen: Sofern die Ministerin nicht zurückrudert, soll noch im März gestreikt werden.

Einverstanden, streiken wir: Streiken wir für zumutbare Arbeitsplätze (Tische mit oben Platz und unten Läden wären ein Anfang); für ein neues Gehaltsschema, das Kindergärtner/innen, Volksschullehrer/innen und ganz generell junge Lehrkräfte finanziell höher stellt und unseren Beruf damit nicht nur für zukünftige Mütter interessant macht, die sich als Nebenerwerbslehrerinnen verdingen wollen; für Schulautonomie, in der Schulleiter/innen ihre Lehrer auch leiten dürfen, nicht nur verwalten; für eine flächendeckend integrative (besser noch: inklusive) Schule: Einer meiner früheren Schüler, ein hochtalentierter Rechner mit einer besonderen Form von Autismus, scheitert gerade daran, dass seine Eltern keine "höhere Schule" für ihn finden, in der jemand mit seinem komplizierten Psychohaushalt umgehen kann. Der 15-jährige Junge wird daher in einen ungeliebten Lehrberuf gedrängt, obwohl er in Mathe wahrscheinlich sogar ein Hochschulstudium erfolgreich absolvieren würde, wenn er nur erst dorthin gelänge.

Jetzt hat er halt einmal zu saufen begonnen ...(Niki Glattauer/DER STANDARD Printausgabe, 3. März 2009)

Niki Glattauer ist Lehrer in Wien, ständiger Kolumnist für die Zeitschrift "Datum" und hat eben sein erstes Kinderbuch veröffentlicht ("Schlaf gut, Susi! - Schlaf gut, Schlaf!", Residenz, 2009)