Freitag, 27. Februar 2009

Erste bekommt Staatsunterstützung und schreibt Gewinne

Erste holt sich 1,89 Milliarden vom Staat

Die Bank ist mit der Republik handelseins, Abschreibungen in Ost und West lassen den Gewinn 2008 auf 859,6 Millionen schrumpfen


Ich verstehe noch immer nicht, wo die große Katastrophe ist, wenn noch immer Dividenden ausgeschüttet werden und Gewinne geschrieben.

... und warum bekommen die Kleinunternehmen noch immer kein Geld?

Mitterlehner, seines Zeichens Wirtschaftsminister, übergibt die Kreditvergabe bereits an die awsg, weil die Banken erstarrt sind wie die Maus vor der Katze.

(Und jetzt reichts irgendwanneinmal mit "Verständnis für die Ängstlichkeit" und das Misstrauen der Banken untereinander, das vorgeschoben wird, die kleinen Unternehmen, die ganz sicher nichts für die Situation können, noch zusätzlich zu strafen.)

Meine Vermutung ist ja, dass es einen Willen zur ganz schlimmen Krise in der Realwirtschaft gibt. Damit die self-fulfilling-prophecy auch wirklich wirkt. Damit auch alle Ungläubigen jetzt erkennen, dass es wirklich ganz schlimm ist. wirklich. ganz. schlimm.

Und - wer nicht hören will, muss fühlen.


Ich bin schon gespannt, ob die Ankündigung, dass der Staat direkt Kredite vergibt, wahr wird. Zumindest schreibt die awsg bereits Stellen aus.

Vielleicht ist es doch gut, jetzt einen Kämmerer in der Regierung sitzen zu haben.

Dienstag, 24. Februar 2009

Die Perestroika des Kapitalismus

Klaus Woltron hat gestern sein neues Buch vorgestellt. Die Diskussion wurde von Peter Rabl geleitet, mit am Podium war Wilfried Stadler. Auch die Wortmeldungen aus dem Publikum waren niveauvoll.

Conclusio:
1. Wir wissens auch nicht so genau (wie stark die Finanzkrise wird)
2. Regulierungen nach dem alten europäischen Modell müssen wieder eingeführt werden
3. Der Markt hat nicht immer recht
4. Es findet ein Systemwechsel statt

5. (zu meiner besonderen Freude von einem Bankchef ausgesprochen) niemand hat es gewagt, öffentlich zu sagen, dass 20 % Rendite bei einem Realwirtschaftswachstum von 3 % langfristig unmöglich sind. Unternehmen, die über eine lange Zeit bestehen, sind ausgezeichnet gemanagt, wenn sie jedes Jahr Stabilität oder ein kleines Wachstum von 1 % machen. Alles andere ist unrealistisch.


Jedenfalls: Buch lesen - die Ansichten von Klaus Woltron sind Generalisiert, er zielt auf unser Gesamtsystem ab.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Berlin


(Currywurst - Pflichtprogramm)


Berlin - tolle Stadt - freundliche Leute - geschichtsgetränkt.

Ich bin sehr froh, dass ich die erste Gelegenheit beim Schopf gepackt habe und nun endlich Berlin gesehen habe.

Bin durch die Stadt mit meiner so besonders lieben Cousine und ihrem Freund. Danke nochmals für die supertolle Führung!

Wir haben noch die Berlinale-Eröffnung gesehen und Murnbergers "Knochenmann". Ein toller Film. Sollte angeschaut werden. Das Berliner Publikum ist total darauf abgefahren.
Dies ist ein Künstlerprojekt, so werden "besitzlose" Häuser renoviert und frei gestaltet. (Auf dem Weg zu den Hackeschen Märkten.)

In der Kunsthalle Bücher gekauft:
Dietmar Gensicke "Luhmann"
Hannah Arendt "Denken ohne Geländer"

Pflichtprogramm - die Nofretete, das Pergamonmuseum und schauen, schauen, schauen

Mehr Fotos auf facebook.

Freitag, 13. Februar 2009

Affäre Graf und die Grünen

im standard werden die burgenländischen Grünen aufgerufen, zuzuhören.

Ich hätte gerne, ich fordere, eine lautstarke eindeutige Aussage der burgenländischen Grünen zu diesem Aufruf.

Denn wenn nun schon reaktives Verhalten angesagt ist, dann bitte wenigstens dieses: Eindeutige, klare, verständliche Aussagen. Sie beenden Unsicherheiten.

Alles andere provoziert Schattendiskussion, Interpretationen und Aufweichungen.

Und es gibt genau ein Thema, wo es keine Aufweichung, situative Darstellung, Veränderung der Rahmenbedingungen und wie auch immer irgendeine Bequemlichkeitsausrede lauten kann, gibt: beim Thema Abgrenzung gegen Rechtsradikalismus und Menschenverachtung


Ich fordere eine klare Positionierung!

jetzt!

Samstag, 7. Februar 2009

Management Club Österreich


MC Präsidium
Mag. Markus Heingärtner, DI Herbert Paierl


DI Paierl wurde gestern in der ZIB2 zum Thema Managergehälter interviewt. Er sagte erwartungsgemäß, wir dürfen die Managergehälter nicht deckeln (Anmerkungvon mir: bitte, wer kann schon von mikrigen 35.000 monatlich leben), da uns sonst unsere verdienten großen Manager auswandern werden und wir gerade in der Krise unsere exzellenten Männer nicht verlieren dürfen. Das kann sich dieses Land nicht leisten.

(Ich zitiere aus dem Gedächtnis, für alle, die den genauen Wortlaut erfahren möchten, bitte unter orfondemand nachschauen.)

Diese Argumentation hat mehrere Haken

1.) wie kann ich davon ausgehen, dass wir Exzellenz verlieren? Wir reden gerade davon, dass exzellente Manager mit hohen Gehältern alles versenkt haben.

2.) wohin sollen denn all die hochbezahlten Manager auswandern?

3.) bin ich davon überzeugt, dass es exzellente Männer und Frauen in Österreich gibt, die um ein schreiend kleines Gehalt von 35.000 Euro im Monat arbeiten würden.

4.) ich glaube nicht, dass österreichische, große, (teil-)verstaatlichte Unternehmen ohne die Exzellenz eines Herrn Huber, eines Herrn Ötsch oder wie sie alle heißen, schlechter dastehen würden.

Fazit: die Argumentation wird nicht besser, selbt wenn wir sie schon seit 20 Jahren vorgeleiert hören. Natürlich vertritt der Management Club das Interesse seiner Mitglieder. Er vertritt aber nicht das Interesse aller Managerinnen, die nicht Mitglied sind und jedenfalls nicht das Interesse des Staates.

Ich habe schon beim Abgang des Herrn Huber (den man uns mit den gleichen Argumenten verkauft hat und deswegen ja auch die Ausgliederung aus dem Beamtenentlohnungsschema argumentiert wurde) gesagt, dass ich um den halben (Huber-)Gehalt eine exzellente Managerin in Österreich finde, von der wir ausgehen können, dass sie ihre Sache jedenfalls nicht schlechter machen wird.


Ich ersuche deshalb die Entscheidungsträger, sich von diesen Stehsätzen nicht beeindrucken zu lassen.


Mittwoch, 4. Februar 2009

Geschlechterkampf

es hört nicht auf.

Nun kommt die Klage vonseiten eines berühmten Mannes. Er hätte im Geschlechterkampf verloren. Wie unverfroren Männer dann ein Vokabel verwenden, sofort ausfahren mit allen Geschützen, wenn es um den Erhalt ihrer Position geht.

Also, Geschlechterkampf darf wohl schon sein, aber wenn ein Mann unterliegt, darf er das Wort benutzen, selbst wenn dieser Faktor nicht relevant war. Faszinierend, wie unrefelektiert die meisten Meinungsmacher die Diktion übernehmen und selbst die eigenen Leute dieses wording unterstützen.

Ich kann es mir nur so erklären, dass es viel einfacher ist, den Geschlechterkampf für etwas verantwortlich zu machen (da kennen wir uns aus, darunter kann sich jeder etwas vorstellen), als Generationenwechsel, Machtkampf oder politische Veränderung.


Der wahre Unterschied in der Argumentation eines Mannes, es sei sein Geschlecht, das ihm geschadet hätte, liegt dort, dass natürlich niemand davon ausgegangen ist, dass Frauen (!) jemals (!) einen Machtkampf (pfui!) führen könnten. Und gewinnen. Im Machtkampf gegen eine Frau verlieren - undenkbar, das kann nur eine Unterlegenheit aufgrund des Geschlechts sein. Alles andere würde den Selbstwert viel stärker verletzen.

Da dies (Unterlegenheit aufgrund verlorenen Kampfes ) unmöglich ist, muss es wohl am Geschlecht gelegen sein, denn verlieren - einfach so, weil es auch andere Gute gibt, - das ist viel schmerzlicher als der Rückzug auf: hier gibt es eine Truppe, die benachteiligt Männer (Männer! benachteiligt!) jetzt reichts aber wirklich.

In der aktuellen Diskussion ist diese simple Erklärung wunderbar, die alten Schemata brechen auf (Frauen wollen eher kalmieren, Männer haben Netzwerke, Frauen dürfen nicht böse abschießen, etc. etc. kotz)

Wie wärs mit: dort wo es eine zwingende Quote gibt, ist endlich Kompetenz- und Machtkampf möglich - unbenommen der (Geschlechts-)Person

Sehr geehrter Herr Voggenhuber. Dass ihnen das nicht peinlich ist. Diese Geschlechteraussage. Jedoch, ich lerne immer mehr dazu: beim Kampf um den Kuchen gibt es keine Schamgrenze. Nirgends. Es menschelt überall und das Hemd ist näher als der Rock.



Deshalb liebe Frauen: verlasst euch NIE auf Worte. Niemals. Denn - wie schon Kohl gesagt hat - die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit ;-)

Nur Taten, schriftliche Verträge, gewählte Positionen, beschlossene und protokollierte Gremialentscheidungen zählen. Worte werden ausgewechselt und im Machtkampf wie die Unterhosen - nämlich täglich.

Wenn ihr nach oben durchstoßen wollt erwarten euch harte Kämpfe. Dieser aktuelle ist ein Beispiel. (Und in diesem gibt es schon den Vorteil einer zwingenden Quote. Überall anders ist es noch schwieriger.)