Dienstag, 23. Dezember 2008

Weihnachten und Wirtschaftskrise: WuW

Jetzt ist Weihnachten und Wirtschaftskrise. Und die Konsumenten halten sich nicht daran. Die Zeitungsmacher sind entsetzt, dass kein Konsum-, Kaufeinbruch zu verzeichnen ist. Warum um Himmels Willen konsumieren die Konsumenten, obwohl man ihnen sagt, es ist Wirtschaftskrise?

Warum um Himmels Willen, haben die Konsumenten 10 Jahre lang den Hype an den Börsen nicht mitbekommen? Weil er nichts mit ihnen zu tun hatte. Weder höhere Nettolöhne, noch geringere Kreditzinsen hat er ihnen gebracht. Maximal die Verpflichtung, zum Yen-Kredit noch eine Lebensversicherung abzuschließen.

Warum um Himmels Willen, sind die Konsumenten im Frühjahr nicht vor Inflationsangst erstarrt? Ihre Löhne sollten nicht erhöht werden, damit die heiße Konjunktur nicht noch mehr überhitzt wird. (Was übrigens noch nie bei Spekulationsgewinnen argumentiert wurde.)

Warum um Himmels Willen soll nun ein Konsument den Horrormeldungen glauben schenken? (Und ihr Geld vielleicht zum Sparen auf die Banken tragen?! - wohl nicht ernst gemeint)

Im Alltag hat sich noch nichts verändert. Die Krise ist in den Nachrichten und Zeitungen.

Und überhaupt: alle sollen jubeln, dass der private Konsum eben nicht einbricht! Singet und frohlocket, dass der Handel lebt! Der Rubel rollt. Nun brauchen nur mehr die ängstlichen (bei den Kleinen noch ängstlicheren) Banker ein bißchen Mumm. Vielleicht helfen da ein paar Weihnachtskekse - zur Stärkung.

Montag, 8. Dezember 2008

8. Dezember Maria unbefleckte Empfängnis

vielleicht sollten wir es auf Maria gierige Kauflust umbenennen.

Die Medien schreiben darüber in einer Art von geiler Schaulust, bringen die Fotos der Massen, die der Kaufsucht frönen - und gießen Öl ins Feuer. Da meinen ja dann schon die anderen, sie seien die Außenseiter, nicht dabei beim Rausch des Konsums, nicht dabei bei der Befriedigung durch mehr (Ware, Besitz).

Und die Wirtschaft. Die würde jedes Jahr zugrunde gehen, wenn wir nicht Maria unbefleckte Empfängnis konsumieren könnten. Übrigens - heuer hat sich niemand getraut, diesen Feiertag wieder als Feiertag für alle ÖsterreicherInnen zu thematisieren. Wahrscheinlich wegen der Finanzkrise. Jetzt darf man sich nicht die Finger verbrennen, sonst werden gleich Hunderte gekündigt, und wer möchte denn schon dafür an den Pranger gestellt werden.

Also: schön weiter machen im gleichen System der unbeschränkten Marktherrschaft.

Auf dass uns die Gier nicht im Halse stecken bleibt.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

the big three - flennend vorm US-Präsidenten - zuviel gesoffen. SUV

Wer hätte jemals geglaubt, dass die unabhängige, freie Wirtschaft (der Staat soll seine Finger von der Wirtschaft lassen, das schadet ihr nur. Die Wirtschaft reguliert sich selbst, der Staat hat immer weniger Einfluss ...), die großen amerikanischen Wirtschaftsbosse, jemals um staatliche Subventionen betteln gehen?


Unsere jetztige Situation:
nervöse Banken und
heulende Wirtschaftsbosse vor der Tür der Politik

Das heißt weniger Geld für die, die tatsächlich nichts dafür können, dass ungehemmte Märkte sich (der Markt ist frei und reguliert sich selbst!) aufgefressen haben und nun brauchen wir staatliche (!) Stützung in dem Augenblick, als der Markt sich selbst reguliert (nämlich Firmen, die ein unpassendes Marktangebot haben erleben lässt, dass es keine Nachfrage gibt) - welche Farce!

Jedenfalls ist mein Bankbetreuer nervös und will noch mehr Sicherheiten als eh schon immer. Ich muss mir meinen Kredit immer doppelt leisten können, aber die SUVs kriegen Milliarden vom US-Staat.

Die Welt steht Kopf.


... und überaupt: Ist irgenjemandem schon unser österreichisches Finanz-Wirtschafts-Rettungspaket aufgefallen? Wurde schon was gemacht? (außer eine dringliche NR-Sitzung im Wahlkampf?) Ich warte schon auf die tatsächlichen Maßnahmen für die Kleinunternehmen. Vielleicht so viele wie der AUA-Kaufpreis? (400.000 Euro). Naja, vielleicht kommen sie ja als Christkindl.

Montag, 24. November 2008

juhu - wir haben eine regierung

Na endlich. Ein bißchen haben sie schon zu spielen angefangen, aber mangels echter Alternativen mussten die beiden wieder. Fürs eigene Überleben wird es sehr trefflich sein, ordentliche Arbeit zu leisten.

Der Schüssel-Stil, alle anderen zu vernichten, hat hoffentlich ein Ende gefunden. Jedenfalls sind die alten Protagonisten weg. Was schon Hoffnung gibt.

und überhaupt:
3 Burgenländer in der Regierung! Also wer sagts denn. Und zwei davon aus meinem Bezirk! Jetzt schlägts aber 13! Das Ende des Burgenländerwitzes ist eingeläutet. Wir - die Ostfriesen Österreichs. Und jetzt derart überrepräsentiert.

Da kommt Freude auf.

Freitag, 14. November 2008

Gertraud Knoll tritt aus der evangelischen Kirche aus

Gertraud Knoll ist eine konsequente Frau. Gratulation!

Mut, Rückgrat und Klugheit - eine wunderbare Kombination.

Frau Knoll weiß natürlich über Symbolkraft und Bilder in Köpfen bescheid, immerhin ist sie ausgebildete Pfarrerin, war Superintendentin (Bischöfin!) und zeigt mit ihrer Handlung etwas auf, das viele vielleicht angewidert, manche ungehört, die meisten gleichmütig hinnehmen. Sie nimmt Skandale nicht hin, sie bleibt ihren Grundsätzen treu.

Schade, dass sie nicht mehr in der (Funktions-) Politik verankert ist.

Aber ich verstehe schon, solche Menschen sind nicht leicht zu steuern, kompliziert und anstrengend und in den Gremien sicherlich lästig.

Weiter so Frau Knoll, die Menschen brauchen Säulen der Orientierung!

Sonntag, 9. November 2008

Jutta Treiber

Jutta Treiber war die Turnlehrerin im Gymnasium (sie unterrichtete auch Englisch und Deutsch), die immer außergewöhnlich war. Sie hat von uns Schülerinnen Sachen verlangt, die wir nicht gewohnt waren, damals in den 1980er-Jahren. Sie hat auch keine Peinlichkeiten aufkommen lassen.

Mit 40 hat sie den sicheren Job der AHS-Lehrerin auf den Nagel gehängt und sich als Schriftstellerin selbständig gemacht.

Nun, anläßlich ihres 60. Geburtstages bringt sie das Buch "Fleckerlteppich", ihr 30.? Buch ihr 40.? Buch (ich habe mir die Zahl nicht gemerkt, als sie bei der Premierenlesung all ihre Verbindungen und Summierungen zu ihrem 60. Geburtstag und 20jähriger Selbständigkeit und 40jähriger Ehe und und und aufgezählt hat) heraus, wunderbar.

Nach wie vor bin ich ja dabei das Buch "Die Zeit und Hannah" zu würdigen, davon ganz vielen Frauen zu berichten, wobei mir die Worte fehlen. Jutta Treiber bringt in diesem Buch die Geschichte und Realität von Frauen, die nicht ins Land-System passen, von Menschen, die mehr wollen, als normal zu sein, auf den Punkt, in einer Direktheit, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat.

Ähnlich ging es mir bei der Inszenierung von "Das Dorf" von Peter Wagner, auch er traf den Nerv des Sozialsystems Dorf.

Nun - Fleckerlteppich.
Ein Summasummarum kurzer kurzweiliger Texte, für stille und traurige, lustige und amüsante Augenblicke - als Geschenk empfehlenswert!

Samstag, 8. November 2008

die zukunftsmacher


Joanna Stefanska und Wolfgang Hafenmayer haben ein wunderbares Buch über Menschen zusammengestellt, die ihren persönlichen Karriereweg nicht (nur) in der Maximierung von Geld und Konsumgütern sehen, sondern persönliche Befriedigung dadurch erlangen, langfristige Werte zu schaffen.

Sehr sehr empfehlenswert.

Einige Zitate aus dem Buch:
"Jede Lebensphase ist die richtige, um mit seinem Beruf einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Es ist dafür selten zu früh und nie zu spät."

"Nicht die größe des Impacts ist entscheidend, sondern die Tatsache, damm man damit anfängt, Positives zu bewegen."

und:

"Man findet immer einen Weg zum bedeutungsvollen Beruf. Manchmal kann dies allerdings bedeuten, seinen Lebensstil anzupassen, parallel in einem anderen Job dazuzuverdienen oder Menschen zu finden, die einen unterstützen."

http://www.oekom.de/buecher/buchprogramm/politikgesellschaft/archiv/buch/die-zukunftsmacher.html



Mittwoch, 5. November 2008

für Frauen


ein Artikel aus dem standard - Rondo vom 01.11.08
weil es für Frauen einfach wichtig ist:

Obama ist Präsident der USA

puh.

Ich habe ja bis zum Schluß gezweifelt, da ich den "Wahlinterpretationen" der Konservativen einfach sehr viel zugetraut habe.

Jetzt wird es besser in der Welt. Ich glaube nicht, dass Obama den harten - auch für die USA schädlichen - Kriegskurs fahren wird.

Vielleicht kann ich ja bald meine PACE-Fahne runternehmen, die ich mit Einmarsch der amerikanischen Truppen in den Irak gehisst habe und versprochen, sie erst abzunehmen, wenn im Irak wieder Frieden herrscht.

Montag, 3. November 2008

Romreise

Mit dem Schlafwagen nach Rom - das ist super!

Voll relaxing, ausgeschlafen, mit gutem Frühstück um 09.00 Uhr in Rom landen, den ganzen Tag voll nützen - das über internet gebuchte Hotel - ein Glücksgriff! - dann wieder ganzer Tag Rom bei strahlenem Wetter und mit dem Schlafwagen wieder retour nach Wien.

Wunderwunderbar, das machen wir öfter.

So ein schönes Wochenende!


... und in der österreichischen Welt nicht wirklich was passiert *g*

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Pensions-sicherungs-reform

das traut sich heute tatsächlich keiner mehr sagen

Vielleicht gilt:
Pensions-verunsericherungs-modell
Pensions-unmöglichkeits-modell
Pensions-verzocker-managerbonus-reform
Lebensversicherungs-absicherungs-blödsinn
Kreditgegenfinanzierungs-banken-Lohnzusatzprämien-unsicherheitssystem


ja jetzt passierts

Ich weiß noch, wie ich in unserer Gemeinde laut und deutlich gegen eine Finanzierung von Aufschließungskosten, sowie sonstiger Gemeindeinvestitionen über krudeste Finanzmodelle aufgetreten bin und mich öffentlich von "Experten" prügeln lassen musste - jedoch - Expertin bin ich selber. Ich wurde nicht still und dann traute sich die Gemeinde doch nicht drüber. Noch vor einigen Jahren war ein Auftreten gegen Hochspekulative Investments vergleichbar mit einem Harakirispiel.

Kämpfen gegen dunkle Anzüge mit perfekt passender Krawatte. Das hat Seriösität vermittelt, ich hoffe, dass viele nun gelernt haben. Der dunkle Anzug und die Aktentasche heißen noch lange nicht, dass das Produkt langfristig glaubwürdig ist.

neue Normalität - neue Verstaatlichung - back to the roots?

Regierung verabschiedet Finanzpaket
Regierung "rettet" AUA-Verkauf
Regierung rettet 2 Banken



das wunderbare an der derzeitigen a-normalität ist,
dass eine diskussion, hinterfragung und kritik an

der heiligkeit des finanzmarktes

wieder zulässig ist


somit: auf zu neuer normalität! (die dann wieder einen umbruch braucht)

Ich jedenfalls freue mich sehr, dass mein Unverständnis diesem Hype, dieser VIPs und sonstigen gelackten (Betrugs)-Verkäufer eine Ende bereitet wurde. Jedoch sehe ich nicht ein, dass viele, die außerordentlich gute Margen (auf unserem Rücken) verdient haben, nun die offizielle (?) Erlaubnis haben, als Heulsusen getarnt bei der Politik (die Politik hat keine Macht mehr, die Macht gehört den Finanzmärkten, der "freien" Welt) nun Schlange stehen, damit sie ihnen den Hals aus der Schlinge zieht.

Hat es denn nicht in der neo-liberalen Welt geheißen, dass der Markt Wellen macht und manchmal gehts rauf und dann wieder runter, "the fittest will survive?" Nun sitzen diese fittesten im Vorraum der Politik

- und diese befreit sie OHNE REGRESS?

mit der Begründung, so kann man nicht sein, wir retten die Volkswirtschaft?!?!?!
o.k. retten wir die Volkswirtschaft, aber nicht ohne dass die super-upper-finanzer einen Beitrag - und wenn in der Zukunft - leisten

Montag, 20. Oktober 2008

sixay seminar


Allgemeine Einführung zur Anwendung von giftstoff-freien Farben, Lacken und Pflegemitteln. = Auro Naturfarben!


Für Boden/Wand/Decke.

Ausgezeichneter Vortrag, Ausgezeichneter Vortragender, wunderbarer Abend

auf ein weiteres!

Mehr zu den Farben unter www.auro.at oder www.sixay.at

Freitag, 17. Oktober 2008

junge Geschäftsführerin geht = Erneuerung

die ÖVP entfernt ihre junge Bundesgeschäftsführerin Michi Mojzis als Zeichen der Erneuerung der Partei.

Es bleiben:
Molterer
Schüssel
Neugebauer!
Fekter
Missethon

sie alle stehen für die Neuausrichtung und das neue Team ÖVP

Gratulation.
So beginnt Veränderung.
Genau so habe ich mir das immer schon vorgestellt.


Dazu passend die heutige Karikatur von Pammesberger im Kurier






Ich habe Dinosaurier bereits 2005 im Wahlkampf plakatiert, ähnlich aussehend wie die von Pammesberger, dazu auch Kostüme fertigen lassen. Bilder sagen mehr als Worte.

Samstag, 11. Oktober 2008

wunderschöner Herbsttag

auch wenn die ganze Finanzwelt rumort und alle bubbles platzen - Gier hat zu viele Augen verschlossen, zu lange wurde keine vernünftige Diskussion zu "kann Börsenwachstum jenseits der Realwirtschaft auf Dauer funktionieren?" zugelassen. MahnerInnen wurden mit Killerargumenten abgefertigt

also wenn nun auch die ganze Finanzwelt rumort und jeder Tag zum schwarzen Tag wird
auch wenn - tragischerweise - wieder ein Verkehrstoter zu beklagen ist

also selbst wenn die Welt rundherum nur Negatives bereit hält

... werde ich heute in meinem Garten die Sträucher versetzen und das hier und heute genießen.

Freitag, 10. Oktober 2008

Leidl & Emmer = dynamischster Kleinbetrieb des Burgenlandes



Gestern war die Preisverleihung von Austria's leading companies, dabei hat unser Unternehmen den 1. Platz in der Kategorie Kleinbetriebe erreicht.

Das ist ganz wunderbar und bestätigt unsere Strategieentscheidung "Klein und fein"

Ganz besonderes Lob gilt meinem Mann, der natürlich mit seiner beinharten Kalkulation für diese tollen Kennzahlen verantwortlich zeichnet.

Mehr dazu unter
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/schwerpunkt/alc/345958/index.do?direct=3
http://burgenland.orf.at/stories/313557/

Donnerstag, 9. Oktober 2008

der Sager zum Tag

Menschen sind Systeme mit sehr limitierten Ressourcen bewusster Informationsverarbeitung .... Das Ergebnis sind Planungswahn und Unflexibilität

in der aktuellen Ausgabe von brand eins. So schön auf den Punkt gebracht habe ich diese meine Ansicht selten gelesen.

Wie erfrischend! Da fallen mir unzählige Leute und auch Lehrbücher ein, die in einem System der Technikgläubigkeit meinen, alles Unbill, sämtliche Unwägbarkeiten des Umfeldes ausschalten zu können. Wie viel Zeit hier verbraucht wird, die tatsächlich produktiv genutzt werden könnte ist sagenhaft. Und jetzt bitte keine Statistik, die das beweist, weil dies auch Zeit verbraucht und ein Wissen erzeugt, das niemand nutzen kann und uns tatsächlich nicht weiter bringt.

Samstag, 4. Oktober 2008

kalt wirds in Österreich

Jetzt können wir uns warm anziehen - und zwar in mehrerer Hinsicht!

1. der Zuspruch zu einfachen Lösungen, lässigen Kerlen und coolen Spaßmachern gepaart mit Ressentiments gegenübern den andern und einer "mirsanmir"-Polemik ist für alle jene, die das nicht repräsentieren (können) ein scharfer frostiger Gegenwind

2. das alles gepaart mit einer trägen Bequemlichkeit der Großparteien, die aus ihren Funktionen und Systemen nicht rauskommen, gleichzeitig aber hoffentlich noch Fähigkeiten zu einer evolutionären Entwicklung haben.

Ich wünsche Faymann und Pröll Vernunft, Durchhaltevermögen und eine ganze Regierungsperiode. Das sehe ich als einzige Chance, den rechtspopulistischen Wind abzuschwächen

3. Die Grünen. Bei einer Diskussion unter Politikjournalisten ungefähr eine Woche vor der Wahl hätten dieselben fast vergessen, auch Kommentare über die Grünen abzugeben. Das fand ich sehr bezeichnend.

Eva Glawischnig wünsche ich viel Kraft und viele gute Berater um das Umbauprogramm bei den Grünen durchzuziehen. Die nächsten zwei Jahre werden nicht leicht werden, die Grünen müssen als Organisation erst durch die Pubertät und haben systemimmanent den Kannibalismus gegen die da oben verinnerlicht. Und manchmal fressen sie auch die eigenen "diedaoben".


Auch wenn kalte Zeiten da sind - der Frühling kommt immer wieder.

Freitag, 3. Oktober 2008

Van der Bellen ist zurückgetreten

Schock.

Ich dachte, er wird noch eine Zeit lang durchhalten, um noch die eine oder andere Sache zu regeln.

Andererseits - aus menschliche Sicht verstehe ich ihn. Sollen die Hacker doch jemand anderen quälen.

Die Grünen selbst stehen vor einer sehr schwierigen Zeit. Van der Bellen hat viel zugedeckt, viele auseinanderdriftende Tendenzen überstrahlt. Jetzt wird das alles aufbrechen. Zwei Jahre wird das dauern.

Montag, 29. September 2008

Schuld

Wir deklinieren

die ÖVP will den Wählerirrtum aus 2006 korrigieren
die ÖVP lässt niemandem ein Quäntchen Erfolg
die ÖVP ist neidig
die ÖVP bricht Neuwahlen vom Zaun (orientiert an Meinungsumfragen)
die ÖVP-Spitze will dem Volk vorschreiben, das Rechte zu tun
Molterer gibt dem Volk die Chance, wieder auf den rechten Weg zu kommen
nochmals - 8 %
Molterer ist schuld
Molterer und Schüssel sind schuld
die ÖVP ist schuld



jetzt können sie beten

.... durch meine Schuld, durch meine Schuld durch meine große Schuld ...

darum bitten wir die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen für uns zu bitten bei Gott unsrem Herrn




und Molterer hat nicht einmal den Anstand, sofort die Verantwortung (!) zu übernehmen und zurückzutreten. Hält Wort.


Jetzt werden sie wohl genug haben. Rechts endlich?

Freitag, 26. September 2008

Endspurt

Die Lage vor der Wahl ist so unklar, dass die Leute nicht einmal mehr zum Spaß Einschätzungen abgeben wollen - ganz davon zu schweigen, zu wetten (!) um ein Essen (!)

Ich hoffe auf Überraschungen, alles ist möglich.

Wie auch immer, nochmals nach knappen 2 Jahren die Koalition platzen lassen wird wohl niemand können.

Ich werde am Sonntag jedenfalls brav im Wahllokal sitzen, auszählen und meine Grüne Pflicht erfüllen, dann egal wie es auch immer ausgeht nach Wien zum Wahlfest fahren. Ich unterstütze Van der Bellen. Immer schon und immer wieder aufs Neue überzeugt. In Anlehnung an einen anders gemeinten Sager: "Wer, wenn nicht er." *ggg*

Donnerstag, 18. September 2008

Die Amerikaner verstaatlichen

Neoliberales Amerike - die Steuerzahler werdens schon richten.

Das System, zuerst vom absolut freien Markt zu sprechen - und auch danach zu handeln (!) - und dann im Endeffekt alles staatlich (volkswirtschaftlich erzwungenermaßen) abzufangen, produziert nur eines: gierige Machenschaften und Gewinner, die

- Pseudo-liberal ihre Geschäfts tätigen,
- völlig ungehemmt agieren und
- gleichzeitig NICHT DAS GERINGSTE Risiko tragen

Das neo-liberale Modell hat sich mit dieser jetzigen Entwicklung endgültig ad absurdum geführt.

Hier gilt - Gewinne privatisiert - Schulden verstaatlicht
und das alles am (heuchlerischen) freien amerikanischen Markt

Hoffentlich ist der Schock groß genug, endlich vernünftige Rahmenbedingungen - weltweit - einzuführen. Die Zocker haben genugt gespielt - nun muss wieder Realwirtschaft einkehren.

Montag, 15. September 2008

Strache Vizekanzler?

Wie soll man diesen Albtraum nur verdauen?

Nachdem ich fest an selffullfilling prophecies glaube, muss ich diesem Mantra entgegenwirken.

"Sie werden es nicht tun, sie werden es nicht tun" ... oje, Negativformulierungen funktionieren nicht.

im Jahr 2000 glaubte ich, dass man in kurzer Zeit (eine Regierungsperiode) schon nicht so einen großen Schaden anrichten könne und wurde eines besseren belehrt. Aber H. C. ist noch schlimmer als es die damalige Riege war. Und die Rechten können immer noch grauslicher sein, als wir es uns vorstellen können. Es gibt kein Stoppen beim Hintreten, Ausgrenzen, Draufspucken. Da haben wir eine Geschichte.

Die ÖVP versucht durch verwechselbare (mit der FPÖ verwechselbare) Plakate den rechten Rand abzudecken, was ich aber nicht verstehe ist, dass keine Lehren aus der Zeit Innenminister Schlögls gezogen wurden - die Leute gehen lieber zum Schmied als zum Schmiedl.

Durch das Aufhetzen wird nur der Boden vorbereitet, auf dem die rechten Pflanzen wachsen.


Ich gerate schön langsam in die Versuchung radikal zu werden: alles nur nicht die FPÖ in die Regierung!

Samstag, 13. September 2008

heiß - überhitzt - wahlkampf

Eigentlich finde ich "cool" ja meistens nicht so gut. Da dieses Wort auch als Ausrede verwendet wird, sich nicht in eine Sache hineinzulassen, sich nicht zu engagieren, da im gegenseitigen Austausch, in der Arbeit, der Kommunikation, der Auseinandersetzung Energie geschaffen wird, die - physikalisch logisch - Hitze erzeugt. Also sind die meisten "coolen" entweder feig oder faul oder uninteressiert.

Jetzt im Wahlkampfendphasenbrausen würde mir eine leichte Abkühlung (auch Maschinen müssen immer wieder gekühlt werden - obwohl ich eigentlich keine Verfechterin der Maschinentheorie bin ;-)) der beteiligten IdeenbringerInnen schon angemessen erscheinen.

Warum glauben die Beteiligten, dass sie mit dieser Überzogenheit reüssieren können? Und wes geistes Kind reitet Gio Hahn? (Siehe heutiger Kurierartikel zur Wiedereinführung der Studiengebühren, die lt. Gio Hahn Koalitionsbedingung sind.) Ich denke mir schon, wenn manche Politiker schon selber keine Idee und keine Linie haben, dann sollten sie sich in Marketinghochkonjunkturzeiten wenigstens auf die Profis - die Marketer - verlassen.

Oder eben - mal kurz in kaltes Wasser tauchen.



übrigens - eigentlich ist schon das tollste aller unworte! ;-)

Donnerstag, 11. September 2008

Konkurrenz und Wettbewerb unterscheiden die Welt in Gewinner und Verlierer


http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2693&magID=102&MenuID=130

Artikel in brand eins, den ich schon vor langer Zeit gelesen habe und wieder darauf gestoßen bin.

Anleitung für das andere

Konkurrenz und Wettbewerb unterscheiden die Welt in Gewinner und Verlierer.Das ist natürlich brutal. Und überflüssig.

Willkommen im Zeitalter der intelligenten Konkurrenz.
Oh, böse ist der Wettbewerb heimtückisch und gemein und fürchterlich der Kapitalismus grauenhaft die Konkurrenz unmenschlich kalt und ungerecht
(Neudeutsches Lamento, frühes 21. Jahrhundert)
Text: Wolf Lotter

Peace, Love and Understanding

Elvis Costello sang einmal, in den etwas herben Jahren der frühen Umbauarbeiten der Premierministerin Margaret Thatcher an Großbritannien, ein Lied, in dem er in leicht anklagendem Ton folgende Frage stellte: "What's so funny 'bout peace, love and understanding (ooohoo)?" Gute Frage. Eigentlich ist gar nichts komisch daran. Friede, Liebe und Verständnis sind schöne Dinge. Aber was denken wir, wenn wir morgens in Bus, Bahn und auf dem Bürgersteig von den anderen angerempelt werden? Wenn sie uns auf die Füße treten? Uns den Platz streitig machen? Was?! Will da jemand Liebe machen? Oder wollen wir bei der Wahrheit bleiben? Der lästige Konkurrent muss weg. Am besten wär', der wär' nicht mehr.

Lieb sein ist natürlich einfacher, aber was bringt es in einer solchen Situation? Der Wiener Volksdichter Johann Nestroy wusste bereits: "Die Mehrzahl der Menschen ist so: Macht man ihnen bescheiden Platz, so werden sie unverschämt. Versetzt man ihnen aber Ellbogenstöße und tritt ihnen auf die Füße, so ziehen sie den Hut." Es kann kein Zufall sein, dass in der Kulturgeschichte der selbstlos Höfliche fast immer auch die Rolle des Trottels einnimmt. Wer nett ist, verzeihend, zurückhaltend, kurz und gut: sich nicht mit anderen anlegt, kriegt nichts. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Nun geht es nicht darum, den Rambo zu machen. Kooperation ist wichtig, darauf kommen wir noch. Aber Kooperation ist nicht alles. Sollen wir dem Idioten, der uns eben den Sitzplatz weggenommen hat, vielleicht auch noch einen Kaffee bringen? Oder dem Kerl, der uns eben bei einem Auftrag ausgebootet hat, Pralinen schicken? Hand aufs Herz: Das hohe Lied der Nächstenliebe haben immer die gesungen, die meist mit dem Nächsten nicht viel zu tun hatten. Reiche Leute, weit weg vom Pöbel, Mönche, die in schönster Kontemplation von einem besseren Menschen träumten, und andere Privilegierte. What's so funny 'bout peace, love and understanding? Vielleicht, dass alles zusammen ein bisschen unrealistisch ist? Etwas für Leute, die nicht wissen, was läuft?

Flammenwerfer

Ohne Wettbewerb läuft gar nichts. Solange China, Indien und Co. nur Entwicklungsländer waren, hatten wir sie lieb, denn sie störten uns nicht. Jetzt sind sie Konkurrenten, und das bringt uns zunehmend in Wallung. Die Realität macht munter. Da rackern wir uns ab, bauen etwas auf, entwickeln, tricksen, denken - und dann kommen andere und klauen uns die Idee. Oder sie nehmen uns Marktanteile weg. Stehlen uns Arbeitsplätze. Die Konkurrenz schläft nicht. Das ist heute im Wortsinn zu verstehen. In allen Zeitzonen leben und arbeiten Leute, die rund um die Uhr mit uns in Wettbewerb treten.

Wie wär's mit einem Rückzug, beispielsweise ins Künstlerische? Tolle Idee. Als Schauspieler etwa. Am Theater ist der Konkurrenzkampf so normal, dass viele schon glauben, es gäbe ihn gar nicht. Oder man kann ins schöne Klagenfurt am Wörthersee fahren, wo beim Ingeborg-Bachmann-Preis Autoren lesen, um den Preis zu gewinnen, klar. Da gibt es Jahr für Jahr viele, die gegen die "Konkurrenz" als solche wettern, gegen das unschöne Klima, das der Wettbewerb erzeugt. Sie fahren trotzdem hin. Um bei jeder Gelegenheit über ihre Konkurrenten zu lästern.

Mittlerweile ist das nicht nur bei Dichterlesungen so. Jeder gegen jeden, aber auf keinen Fall in offener Schlachtordnung - das ist die deutsche Konkurrenzvariante. Vorstandschefs sprechen vom Mitbewerber wie von alten Kumpels. Doch das klingt nur nach Liebe, Friede und Verständnis. Denn Konkurrenz herrscht natürlich auch in einer Gesellschaft, die es lieber unentschieden hat. Der Gutmensch führt seine Konkurrenzkriege unter dem Teppich. Da ist jeder Trick erlaubt, da gibt es keine Regeln, der ganze Dreck bleibt dort liegen, und ständig kommt neuer hinzu.

Schattenboxen

Müssen wir uns grundsätzlich schämen, andere als Konkurrenten zu sehen? Oder anders: Stimmt denn die immer wieder verbreitete These wirklich, dass Wettbewerb etwas Gutes ist - was selbstverständlich nicht nur im Sinne des Fortschritts, sondern und vor allem auch im Sinne der Moral verstanden wird? Fragt man die Bürger danach, sieht es nicht so aus. Die anschwellende Kritik an der "Ellbogengesellschaft" nimmt eher zu. Von "Fun" keine Spur. Vor Jahren ironisierte der amerikanische Comic-Autor Scott Adams das Thema in einem seiner "Dilbert"-Bücher. Darin beobachtet der Erzähler Menschen im Park, die friedlich ihre Tai-Chi-Übungen machen. Friede. Liebe. Harmonie. Doch was, fragt Adams, steckt dahinter? Die entspannen sich doch nur, um möglichst lange ihre Kraft und Konzentration zu erhalten. Wir hingegen laufen gerade, die Harmoniker beobachtend, am Park vorbei zur Arbeit, immer im Stress. Wenn wir alt sind, sind die immer noch fit. Und dann, schlussfolgert Adams genial, "nehmen die uns unsere Sachen weg".

So funny ist das gar nicht. Denn das Sachen-Wegnehmen fängt schon viel früher an. Alt gegen Jung - die Selbstbedienungsmentalität der Nachkriegsgeneration, nicht nur bei Renten, ist legendär, und natürlich zahlen die Jungen die Rechnung. Sie müssen gar nicht mehr warten, bis diese Alten wirklich alt sind - die holen sich die Sachen schon früher. Und im Sozialstaat, dem Hort des Friedens und der Gerechtigkeit? Er hat den Wettbewerb völlig aufgehoben. Die einen kriegen, was die anderen erarbeiten, und das ist so selbstverständlich, dass kaum jemand noch ernsthaft Widerstand leistet.

Gibt es aber deshalb keine Konkurrenz in dieser Gesellschaft? Doch, unaufhörlich werden neue Sozialabgaben und Umverteilungsmaßnahmen gefordert. Der aggressive Ton der Nehmer nimmt zu. Was jedem Tier zugestanden wird, nämlich vor hungrigen Räubern die Flucht zu ergreifen, wird den Leistungsträgern in Deutschland vorgeworfen: Da trommeln verwirrte Sozial-Aggressoren gegen Studenten, die im Ausland studieren, Eliten auf der Flucht heißt das dann. Da gelten Leute, die das Theater nicht mitmachen wollen und emigrieren, als Verräter. Heuschrecken auf dem Sprung. Ist das Liebe, Verständnis, Friede? Oder exakt das Gegenteil davon, nämlich brutale Wir-haben-recht-Politik? Sozialneid ist pures Konkurrenzdenken.

Gesellschaftliche Gruppen und Lobbys, Konkurrenz-Gemeinschaften also, sorgen dafür, dass das so weitergeht. Die Konkurrenz zwischen Leistungsträgern und Leistungsnehmern läuft jeden Tag auf Hochtouren - aber einen Wettbewerb gibt es dazu nicht. Angeblich dient all das dem sozialen Frieden und dem Verständnis. Die latente Drohung, dass die Empfänger der Umverteilung einen auf hart machen würden, wenn die anderen nicht geben, was geht, steht immer offen im Raum. Gib's her, los, sonst ...

Ja, auch das ist ganz lustig an peace, love and understanding.

Kleine Hunde

Konkurrenz belebt das Geschäft, aber lange schon kann dabei von Leben und Deal keine Rede mehr sein. Wir harmonisieren uns an der Realität vorbei. Die Evolution hat die Konkurrenz als kluge und wichtige Einrichtung entwickelt, um festzustellen, welche Unterschiede zwischen ihren Lebewesen bestehen. Wer ist Erster, Zweiter, Dritter? Im situierten Milieu spielt das offensichtlich keine Rolle mehr - vordergründig. Man muss heute schon zu den Randgruppen gehen, um zu sehen, wie es läuft. Ausgerechnet dort, wo das Friede-Freude-Eierkuchen-Establishment seine wichtigsten Kronzeugen vermutet, in den Unterschichten, gibt es nach wie vor eine recht klare Vorstellung von Konkurrenz und Wettbewerb. Wer ist der Stärkere? Der Bessere? Das findet man heute leichter in Berlin-Marzahn heraus als in Talkshows. Konkurrenz und Wettbewerb, wird behauptet, schade den Kleinen und Schwachen. Ist das so?

Jeder, der auch nur ein bisschen Menschenverstand hat, weiß, dass kleine Männer besonders ehrgeizig sind. Politiker wie Napoleon, Gerhard Schröder und Nicolas Sarkozy sowie etliche Spitzenmanager sind rein längentechnisch etwas zu kurz gekommen. Kleine Männer gelten als verlässliche Wettbewerber, sie sind zäh, ausdauernd und angriffslustig. Defizite machen scharf. Das ist auch bei kleinen Hunden so, bei Dackeln beispielsweise. Ohne Zweifel ist ein Dackel ein ziemlich intelligenter Vertreter seiner Art. Zweifel daran hat man nur, wenn man erlebt, wie der kleine Hund mit einer bemerkenswerten Gnadenlosigkeit auf weitaus größere Hunde losgeht, ohne lange herumzufackeln. Für Laien sieht das aus wie ein Selbstmordversuch. Tatsächlich zieht der Dackel nur selten den Kürzeren. Denn er trifft in der Regel auf einen großen, ruhigen, gelassenen und damit auch etwas überheblichen Hund, der gar nicht bemerkt, was da vier Köpfe unter ihm abgeht. Wenn ein Dackel eine Dogge attackiert, gibt der Große meist klein bei. Das sichert dem Dackel Respekt und Freiraum. Er muss sich nicht sorgen, vom Riesen beim Fressen gestört zu werden. Was Dackel wissen, ist wichtig: Die Konkurrenz schläft nicht, das gilt auch für die Dogge, aber sie döst, weil sie sich gar nicht vorstellen kann, dass das Kleine - oder Neue - beim Großen - oder Alten - ganz einfach mal zum Wadenbiss ansetzt. Goliath ist immer leicht zu überraschen.

Unter Wölfen

Wer meint, Konkurrenz und Wettbewerb seien überflüssig, hält jede Form von Unterschied und Vielfalt für überflüssig. Er ist gegen Chancen und Möglichkeiten. Das Gute daran: Damit ist kein Durchkommen. Konkurrenz, lateinisch concurrere, bedeutet so viel wie "zusammenlaufen". In diesem Prozess läuft tatsächlich das pralle Leben zusammen: Interessen, Eigennutz, Perspektiven, Chancen und Hoffnungen sind damit verbunden. Konkurrenz kennt kein Gut und kein Böse. Es ist jener Teil der Wirklichkeit, an dem wir das andere wahrnehmen, uns mit ihm messen, vergleichen und daraus lernen, um zu handeln. Hier laufen sämtliche Fäden der Realität zusammen. Hier erkennen wir, was Sache ist. Schöner, schneller, besser ist immer eine Frage des Vergleichs. Wer die Konkurrenz scheut, bleibt, wie er ist - und das reicht nie, nicht mal für einen allein. Auch das ist so funny about peace, love and understanding. Nicht nur Liebe und Friede, auch Konkurrenz ist menschlich.

Konkurrenz ist eine bedeutende soziale Disziplin. Der griechische Philosoph Heraklit nannte den Krieg den Vater aller Dinge. Man kann das entweder als grauenhaften Irrtum interpretieren, der das organisierte Töten legitimiert, weil er ja auch Neues schafft - oder aber fragen, wer eigentlich Mutti ist. Es ist die Aggression. Eine, wie viele meinen, menschliche Untugend erster Güte. Der englische Philosoph Thomas Hobbes hielt etwa Tiere für nett, Menschen hingegen - zivilisationsbedingt - für garstig. Hobbes (homo homini lupus est - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf ) meinte, dass jeder mit jedem im Clinch liege. Einzig der Staat könne das Schlimmste verhindern, indem er sein Gewaltmonopol beanspruche und damit dem freien Lauf der Aggressionen des Menschen einen Riegel vorschiebe. Zwar sei der Staat selbst ein Monstrum, ein "Leviathan" (der biblische Name des Wals, der Jonas verschluckte), aber das kleinere Übel. Ohne ihn würden Mord und Totschlag herrschen. Hobbes ist ein Säulenheiliger für Freunde des Vereins der organisierten Aggression im Rahmen der herrschenden Gesetze - oder kurz: der Staatsherrschaft. Die Vorstellung, die Natur sei gut, wir hingegen seien durch unsere Entwicklung nur unter strengster Kontrolle zu haltende Außenseiter, ist gesellschaftlich weithin akzeptiert. Das Gewaltmonopol des Staates ist, im Kern betrachtet, ein Konkurrenzverbot für alle Bürger. Sie regeln ihre Angelegenheiten nicht mehr untereinander - das nennt man Selbstjustiz -, sondern die Polizei schlägt zu, im staatlichen Auftrag. Man droht dem Nachbarn nicht mit Prügel, wenn der den Grenzstein verschiebt. Man ruft den Staat. Daran haben wir uns gewöhnt. Die Frage ist nur, ob das friedlicher abläuft als einst die Selbstjustiz.

Der Wiener Soziobiologe Franz Wuketits (siehe auch brand eins 01/2006) legt Widerspruch ein: Es sei seit Hobbes doch mehr als offensichtlich geworden, "dass der Staat aus dem Menschen kein gewaltfreies Wesen gemacht habe, sondern, wie die vielen Kriege unter den Staaten zeigen, die Dimension der Gewalt noch wesentlich vergrößert hat". Es sei aber auch falsch, daraus den Schluss zu ziehen, die Zivilisation wäre eine einzige Katastrophe, die die Gewalt nährt. Die Ursache für Aggression und Konkurrenzdruck sind wir selbst. In der Natur steht jedes Lebewesen mit dem anderen in einem anhaltenden Wettbewerb. Das ist der Normalzustand. Die Konkurrenz schläft nicht. Doch wie hoch ist das dahinterstehende Aggressionspotenzial?

Viele Leute glauben etwa nach wie vor, dass Tiere andere Tiere nur "für ihr eigenes Überleben" töteten, noch "eigentlicher" für ihre Nachkommen, also in gewisser Hinsicht ganz selbstlos handeln würden. Doch "das ist offensichtlich falsch", sagt Wuketits - hinter sich die gesammelten Erkenntnisse der Verhaltensforschung und Evolutionstheorie. Denn nicht nur Menschen töten Menschen. Auch andere Arten gehen sich untereinander an den Kragen. Es geht dabei nicht um die romantische Vorstellung, dass Lebewesen "töten müssen, um zu überleben", jene Generalklausel also, die unsere eigene Moral rechtfertigt. "In der Natur herrscht im Allgemeinen eine Wettbewerbssituation vor, und es treten permanent Konflikte zwischen Individuen derselben Art und unterschiedlicher Arten auf", stellt Wuketits fest.

Gen-Gangster

Für bis heute anhaltenden Furor sorgte das Arbeitsergebnis des britischen Soziobiologen Richard Dawkins, der der friedliebenden wie obrigkeitstreuen Öffentlichkeit in den siebziger Jahren sein Konzept des "selfish gene", des egoistischen Gens, präsentierte. Dawkins schreibt in seinem gleichnamigen Buch: "Wie erfolgreiche Chicagoer Gangster haben unsere Gene in einer Welt intensiven Existenzkampfes überlebt (...)." Ein erfolgreiches Gen, so Dawkins, baue immer auf skrupellosen Egoismus. Und dieser Egoismus des Gens wird "gewöhnlich egoistisches Verhalten des Individuums herbeiführen".

Egoismus aber ist der Todfeind des Kollektivismus, denn Selbstliebe bedeutet stets auch, auf die Interessen des sogenannten Großen und Ganzen weniger einzugehen. Es ist kein Wunder, dass die Wissenschaft gegen die vorherrschende Kultur da wenig Chancen hat -und sich ständig moralischer Vorwürfe ausgesetzt sieht. Dabei sind die Erkenntnisse Dawkins' wie auch die der übrigen Soziobiologen kein Aufruf, das "natürliche Recht" vor unsere Regeln zu stellen - und das Faustrecht wieder einzuführen.

Es sind Feststellungen. Die kann man leugnen. Dann aber steckt die Aggression eben im System, breitet sich unter dem Sofa aus, und die verdeckte Konkurrenz folgt dem Gesetz der Willkür. Ein Wettbewerb, der so läuft, ist immer brutaler als das offene Gefecht. Denn er baut weder auf Logik, Vernunft noch Natur, auch nicht auf Regeln und Konventionen, sondern auf Willkür, dem Schatten aller Ideologie. Wer also Wettbewerb und Konkurrenz als soziale und biologische Konstante leugnet, redet dieser Willkür das Wort. Wo die herrscht, sehen peace, love and understanding in der Tat komisch aus.

Kooperation

Die Wirklichkeit der Konkurrenz ist unbehaglich. Die Frage aber ist, ob der Wettbewerb der Evolution und damit aller von ihr geschaffenen Wesen tatsächlich gleichsam unser "Schicksal" ist. Geht's nicht anders? Ein bisschen Frieden? Diese Linie verfolgt, durchaus im Zickzackkurs, die vielfältige Forschungsarbeit rund um das schöne Thema Kooperation. Auch die Evolutionsbiologen haben einmütig festgestellt, dass nicht allein die Konkurrenz und der Kampf untereinander zur Konstante des Lebens gehören, sondern dass eben auch Kooperation, Zusammenarbeit also, eine wichtige Rolle spielt. Kooperation ist ein Wort, das die schönsten Gefühle weckt. Es ist ein gutes Wort. Nicht annähernd so böse wie Konkurrenz und Wettbewerb. Aber was steckt dahinter?

Kooperation ist die Fortsetzung des Egoismus mit anderen Mitteln. Moralisch sauber ist Kooperation sicher nicht. Die vom Jahrhundertmathematiker John von Neumann vor mehr als 60 Jahren begründete Spieltheorie gibt darüber eine klare Auskunft. Das Wort "Spiel" suggeriert eine Harmlosigkeit, die in der Kooperation nicht vorkommt. Alle Ergebnisse der Forscher zeigen, dass Menschen - und übrigens auch andere Lebewesen - nur dann kooperieren, wenn sie sich davon Vorteile versprechen. Der Eigennutz, der wesentliche Motor der Konkurrenz, beherrscht auch hier das Handeln, ist auch der Motor für die Kooperation. Selbst dort, wo man aus der Ferne Selbstlosigkeit in der Kooperation vermutet, lohnt es sich, genauer hinzusehen: Das sogenannte Gute dient stets dem eigenen Wohlbefinden. "Moralisches Verhalten ist reiner Eigennutz", nennt Wuketits das. Und die Moral, die ist nichts weiter als ein Regelwerk, das dazu dient, "eine Gesellschaft zu stabilisieren". Eine Welt voller selbstloser Menschen wäre ein trostloser Ort, an dem Trägheit und Langeweile herrschten. Es fehlte an Kultur, überall. "Unsere Kulturen sind lediglich Verfeinerungen der Evolutionsstrategie", sagt Wuketits.

Wer so tut, als gäbe es für ihn die Evolution nicht, verliert auch das, was sie hervorgebracht hat - seine Kultur. Warum konkurrieren Lebewesen überhaupt untereinander? Weil die Welt nicht perfekt ist. Lebewesen vermehren sich tendenziell im geometrischen Maßstab (1, 2, 4, 8, 16 etc.), während die Ressourcen arithmetisch (1, 2, 3, 4) wachsen. Das gilt für Essen wie für Brennstoff. Und ergibt ein Problem: Es langt unter natürlichen Bedingungen eben nicht für alle. Das ist die Grundlage der Konkurrenz und ihres Prozesses, des Wettbewerbs. Besonders eindringlich und als einer der Ersten machte darauf der britische Ökonom Thomas Malthus aufmerksam. Zum Ende des 18. Jahrhunderts prophezeihte er der Menschheit, die in den frühen Jahren der Industrialisierung besonders stark anwuchs, ein jähes Ende.

Warum blieb die Katastrophe aus? Wenn es stimmt, dass die Knappheit die Konkurrenz erst nötig macht, und daran ist naturwissenschaftlich nicht zu zweifeln, weshalb kam alles anders? Weil der Ökonom - wie bis heute seine Nachfolger, die bunte Untergangsszenarien an die Wand werfen - den wichtigsten Rechenfaktor übersehen hatte: die Fähigkeit einiger Menschen, auf Druck und Knappheit mit Nachdenken zu reagieren und nicht, wie es von der Natur vorgesehen ist, mit Gewalt. Denn es gibt zwei Formen von Konkurrenz. Nennen wir sie der Einfachheit halber "natürliche" und "intelligente" Konkurrenz. Die erste war immer da. Die zweite entdecken wir gerade.

Das Werkzeug Gewalt

Die natürliche Konkurrenz ist ökologisch lupenrein, unverfälscht - und brutal. Die Stärkeren holen sich ihren Teil der knappen Ressourcen. Die Schwächeren haben das Nachsehen und sterben im schlimmsten Fall. Gewalt ist das einzige "Werkzeug", das in dieser Welt der natürlichen Konkurrenz eine Rolle spielt. Der Wettbewerb ist immer nur auf die Anwendung dieser Gewalt ausgerichtet. Selbst Kooperationen sind nichts anderes als Täuschungsmanöver, die kurzfristig einen Vorteil sichern sollen. Denn es bleibt ja dabei: Es langt nicht für alle. Diese Lesart steckt bis heute all jenen in den Knochen, die sich vor Wettbewerb fürchten. Sie rechnen mit dem Schlimmsten. Es langt nicht.

Was aber ist intelligente Konkurrenz? Sie bekämpft vor allen Dingen die Ursachen des Problems, die Knappheit, in einem alles erfassenden Wettbewerb, der Überfluss schafft. Wenn die natürliche Konkurrenz und die Aggressivität darauf bauen, dass nicht genug für alle da ist, wie wäre es damit, die Verfügbarkeit der Ressourcen zu erweitern? Genauer zu suchen, zu fragen, zu experimentieren, zu entwickeln - kurz und gut, den evolutionären Druck vom "Schicksal" ins bewusste Handeln zu überführen. Das, nichts weniger, ist Denken. Das scheinbare Paradox ist, dass es für diese Form, die von der Knappheit über die Bedarfsdeckung zum Überfluss führt, eine Ordnung und eine Methode braucht, die aus sich heraus einen permanenten Wettbewerbsdruck erzeugt.

Diese Methode nennen wir Kapitalismus. Der Kapitalismus geht davon aus, dass aus etwas mehr gemacht werden kann. Alles in diesem System ist auf Vermehrung angelegt, auf die Beendigung der Knappheit und das Entstehen des Überflusses. Nun mangelt es sicher nicht an Versuchen, dieses System zu sabotieren, etwa durch die Errichtung von Monopolen - durch Betrug und Gier -, aber auch durch Zugriffe von Staaten, Ideologen und Interessengruppen. Doch die Marktwirtschaft ist zäher, sie setzt sich durch. Sie zerstört, wie der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter bestätigt, aber sie zerstört schöpferisch. Das Neue ist besser als das Alte. Das ist die einzige Form akzeptabler Gewalt: Am Ende muss mehr für alle herauskommen. Und auch das ist Wettbewerb, verbunden mit dem "egoistischen Gen". Es wird immer einen geben, der nicht einsieht, dass er sich dem Alten und Bestehenden einfach beugen soll. Weil das schlicht gegen die eigenen Interessen ist.

Wohlstandsbürgern, die von einer guten und ruhigen Natur träumen, mag vor dieser intelligenten Form der Konkurrenz grauen. Sie kennen die Alternative nicht, die in einem brutalen, kurzen Leben besteht, in dem der Stärkere immer alles kriegt.

Von dieser uralten Menschheitserfahrung musste auch Thomas Malthus ausgehen. Doch in seiner Lebenszeit veränderte sich die Welt stärker und nachhaltiger als je zuvor. Die kapitalistische Industrie begann ihren Siegeszug. Chemie, Maschinen, Konservierungstechniken - Fortschritt und Technik also - sorgten für mehr Essen für mehr Menschen. Das ist das Produkt der intelligenten Konkurrenz, die die natürliche allmählich überwindet.

Man muss nicht mehr den Tod anderer in Kauf nehmen, um zu überleben. Wenn das nicht gut ist, ist gar nichts gut. All das hat einen Preis: Man muss immer weiter wollen. Dass Menschen so sind, daran dachte Malthus nicht. Unser Ehrgeiz, unser Talent, Wettbewerb zu leben, wird bei Moralisten zu einem Rechenfehler.

Sicher: Wir haben noch viele alte Gefühle in uns, aus Zeiten, in denen die Knappheit herrschte. Und es gibt Rückfälle, aber kein Zurück. So fürchten wir uns vor der Konkurrenz und dem Wettbewerb, wie sich einige von uns noch vor Spinnen fürchten, weil sie in archaischer Vorzeit eine Bedrohung waren. Gegen diese uralten und überholten Ängste stehen volle Läden, eine Vielfalt an Ideen, Waren und Dienstleistungen. Problemlösungen. Das ist die Form peace, love and understanding, die wirklich zählt. Dafür steht der Kapitalismus und die Kraft seiner sozialen Intelligenz. Wer zurück zum "Natürlichen" will, der will die Gewalt.

Sei ein bisschen böse

Konkurrenz und Wettbewerb sind noch nicht völlig in ihrer intelligenten Form angekommen. Es wird noch lange ein Nebeneinander der alten Ängste und der neuen Möglichkeiten geben. Die Gefühle werden uns noch eine Weile irritieren. Umso wichtiger, dass wir Konkurrenz und Wettbewerb - und auch Biss, Kraft oder einfach Aggression, die dazugehören, realistisch und pragmatisch beurteilen. Und die Heuchelei beenden. Wir sind nicht immer lieb. Auch wenn das gern unter den Teppich gekehrt wird. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften haben die lustigsten und kleinteiligsten Thesen entwickelt, aber bei diesem Thema herrscht weitgehend Funkstille. Nur wenige, wie Jens Weidner, versuchen den Tabubruch.

Auf seinem Schreibtisch in der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften steht ein hübscher Fotorahmen, so einer, in den andere Leute das Bild ihrer Familie stecken, vielleicht auch noch das vom Hund dazu. Doch der 50-jährige Professor der Erziehungswissenschaften und Kriminologie hat sich sein Lebensmotto eingerahmt: "An evil action a day/keeps the psychiatrist away" steht da zu lesen. Weidner ist Experte für konstruktive Aggressivität. Er unterrichtet, schreibt ("Die Peperoni-Strategie") und lehrt, dass es nichts bringt, immer nur nett zu sein und den Wettbewerb zu scheuen. "Es geht uns um die Förderung der Durchsetzungsstärke", sagt er. Allein die Namen der Firmen, die Weidner mitbegründet hat oder an denen er beteiligt ist, lassen konkurrenzscheue Harmoniker das Kreuz schlagen: Da wäre etwa die "Aggressions-Seminar-Service & Management-Training ASS" in Hamburg. Oder, auch schön, das "Deutsche Institut für Konfrontative Pädagogik", ebenfalls mit Sitz in der Hansestadt. Beides klingt nicht nach "Reden wir mal miteinander", nach ganz langem Zuhören, viel Verständnis und echt auch ein bisschen Betroffenheit und so.

Dies hat mit der Realität und der Vita von Jens Weidner zu tun. Er hat lange Zeit in Gefängnissen gearbeitet, wäre in einem fast Direktor geworden. Während andere sich am Lagerfeuer der Friedensbewegung ihre Seele wärmten, ging Weidner als junger Kriminologe dorthin, wo der Wettbewerb ganz direkt und unmissverständlich stattfindet: in den Straßen der Slums und Vororte von New York und Philadelphia. Dort arbeitete er mit "stadtbekannten Schlägern, Hooligans, Skinheads und Gang-Mitgliedern", wie in seinem Lebenslauf vermerkt ist. Dort hat er gelernt, dass es nichts nützt, Aggressionen und Konkurrenzdenken zu leugnen. "Es geht darum, die Sache konstruktiv umzulenken, für eine Sache, für die Person selbst." Also den Eigennutz zu kitzeln, das egoistische Gen, damit das Messer in der Tasche bleibt.

Nicht überall versteht man das. Amüsiert erzählt Weidner von einem Seminar zum Thema bei Jungmanagern in der Schweiz, allesamt Absolventen einer Elite-Universität. "Die waren putzig", lacht er, "die meinten: Wir haben doch keine Feinde, keine Gegner, keine Konkurrenz. Wir haben alle tolle Zeugnisse und regeln das alles über unsere Qualität." Er schüttelt den Kopf. Da kann man nichts machen. Noch nicht. Er ist sicher: Die verstehen das bald.

Trotzdem macht er seither seine Seminare "nur noch mit Leuten mit Lebenserfahrung, also so von 35 Jahren aufwärts. Menschen also, die in ihrem Beruf und in ihrem Leben die Erfahrung gemacht haben, dass es ihnen nichts bringt, sondern schadet, wenn sie dem Wettbewerb ausweichen. Ganz egal, ob in der Firma selbst oder am Markt." Das Lernziel ist überschaubar und dennoch für viele schwer zu schaffen: "Die meisten Menschen wollen geliebt werden. Dadurch verspielen sie ihren Kredit. Geliebt werden, das ist Privatsache. Überall sonst geht es um Respekt. Wir machen den Leuten klar, dass es Wettbewerb gibt, dass Konkurrenz da ist - und dass man sich so verhalten soll, dass man erst gar nicht zuschlagen muss. Der andere muss wissen, dass der Angriff einen hohen Preis hat. Respekt ist Selbstschutz." Und, ließe sich hinzufügen, spart viele Diskussionen, Missverständnisse, jede Menge Leid und tonnenweise Zeit - was nicht nur im Geschäft nützlich ist.

Der konstruktive Aggressor ist berechenbar. Er zeigt, wo Grenzen sind. Systematisch bereitet Weidner seine Klienten auf den Umgang mit dem fremden Wesen Konkurrenz vor. "Wir trainieren, dass man bewusst aggressiv agiert, und zwar mit klaren Regeln. Erstens: Bleibe verhältnismäßig. Man kann nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Choleriker brauchen wir nicht. Zweitens: Das Gemeinwohl hat Vorrang. Aggressivität, die sich gegen das Gemeinwohl richtet, geht nicht. Drittens: Der Gegner muss genauso respektiert werden, wie man selbst respektiert werden will. Nicht etwa aus Altruismus, sondern einfach, weil die meisten Menschen Kränkungen und Demütigungen nicht vergessen. Das kann sehr teuer werden, wenn man sich wieder begegnet", sagt Weidner.

Dass er seine Klienten lehrt, "wieder kraftvoll zuzubeißen", bedeutet noch lange nicht, dass die Art von Aggression und Wettbewerbsdenken dort enden muss, wo sie heute bei nicht wenigen Managern angekommen ist: in der kurzfristigen Gier, die kein Morgen kennt. Hauen und Stechen allein, das tumbe Fordern immer höherer Renditen, also das Verhalten von "Heuschrecken", hat mit dem, was Weidner den Managern bewusst machen will, nichts zu tun. Im Gegenteil: "Wer seine Aggression gegen das System richtet, macht sich selbst zu seinem eigenen Konkurrenten. Das ist destruktiv. Wir wollen, dass unsere Leute lernen, mit einer natürlichen Sache wie Aggression und Wettbewerb natürlich und normal umzugehen." Wer ein Unternehmen als Einrichtung zur reinen Profitmaximierung sieht, verwechselt Ursache und Wirkung. Er hält Raubzüge für natürlich. Das ist nicht normal.

Konkurrent = Feind = dumm

Was Dackel wissen, lernen deutsche Manager also wieder ein wenig: herauszukommen aus der Heuchelei einer falsch verstandenen Harmonie, die nicht nur die Realität verzerrt, sondern auch noch blöde macht. Andere Länder haben solche Probleme nicht. Im selbstbewussten Frankreich kehrt kein Mensch das Konkurrenzdenken unter den Teppich, niemand denkt daran, die Sache mit dem Wettbewerb anders zu nennen, als sie tatsächlich ist. Vor elf Jahren richteten die Franzosen, staatlich gefördert und in bester Pariser Innenstadtlage, die École de Guerre Économique ein. Eine Schule für den Wirtschaftskrieg. Dort lernen Postgraduates und Manager gleichermaßen, wie es um die globale Welt der Konkurrenz bestellt ist. Kein Jammern, kein Zetern, kein rückwärtsgewandtes Harmonisieren, sondern offene und durchaus intelligente Auseinandersetzung mit dem Thema "Wie man die Konkurrenz erkennt, versteht und behandelt", wie es der Schulleiter Christian Harbulo t trocken sagt. Erkennen und verstehen, understanding also, immerhin, und behandeln, das heißt noch lange nicht umlegen. Wer nur Konkurrenten aufmischen will, der fliegt.

Rainer Michaeli bewundert die Franzosen für ihren Pragmatismus. Er leitet das Institut für Competitive Intelligence, also intelligenten Wettbewerb, im hessischen Butzbach. "Wir wollen den in Deutschland verpönten Begriff der Konkurrenz und des Wettbewerbs rehabilitieren. Konkurrenz ist für viele Wirtschaftsleute immer noch ein notwendiges Übel, etwas, das man tun muss, aber nicht will. Wenn es um die Konkurrenz geht, geht es immer nur um Gefühle und fast immer um die falschen", sagt Michaeli. "Die Formel, Wettbewerber gleich Feind, ist einfach dumm. Dann sieht man nur die Dinge, die einem Angst machen und die meistens mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben. Es geht um sachliche Analyse. Wir wollen aus einem Gefühl eine intelligente Haltung machen: Was kann ich von dem lernen, was tut er, was ich nicht kann; und was, vor allem, kann ich tun, was er nicht kann? Wenn man den Konkurrenten ohne Emotionen sieht, zum Wettbewerbsanalytiker wird, hat man enorme Vorteile."

Balance, nicht Harmonie ist dabei gefragt, wie im wirklichen Leben, erzählt Michaeli. Intelligence wird oft mit "Geheimdienst", also Spionage, ins Deutsche übersetzt. Treffender ist das alternative Wort Aufklärung. "Man will verstehen, wie der andere tickt. Wo liegen seine Stärken und Schwächen?" Und für die Antwort auf diese Fragen, sagt Michaeli, braucht man "keine naiven Weltverbesserer und Leute, die sich nicht mit der Wirklichkeit beschäftigen wollen, weil sie diese Wirklichkeit nicht wahrhaben möchten". Für sein Institut arbeiten "erwachsene Leute, erfahrene Ingenieure, Pharmazeuten, Manager aller Branchen - denn intelligenter Wettbewerb baut vor allem auf Menschenkenntnis". Wer lange genug im Geschäft gesehen hat, wie Menschen wirklich sind, der lässt sich nicht von dem Schmusekurs-Unfug einlullen, der heute von vielen Konzernen verbreitet wird. Es geht nie um Gut oder Böse. Menschen sind beides, aber nie eines allein. "Und so ist auch der Wettbewerb. Eine ganz menschliche Angelegenheit", so der Konkurrenzforscher.

Ein gutes Ziel, das die Competitive-Intelligence-Leute da haben, den Wettbewerb und die Konkurrenz unterm Teppich hervorzuholen. Das ist in Deutschland aber immer noch sehr suspekt. Amüsiert erzählt Rainer Michaeli auch, dass sich schon mal der Verfassungsschutz für die Truppe interessiert hat. Ihm ist es nur recht. "Denn es geht ja gerade darum, offen und nicht verborgen zu agieren. Wir haben nichts zu verbergen, im Gegenteil: Wir wollen, dass jeder versteht, dass ein offener Umgang mit Konkurrenz und Wettbewerb nur Vorteile hat."

Denn es ist nicht komisch, wenn man andere verstehen will. Sondern gut für einen selbst.

Wer das weiß, ist sehr weit. Ganz kurz nur vor love.

Und peace. -

Dienstag, 9. September 2008

Doron Rabinovici, "Der ewige Widerstand"


Einige Eindrücke nach Beendigung des Buches

Den Zustand Österreichs in der Monarchie - Basis für ein leicht unterdrückbares Volk, stellt Rabinovici u. a. so dar:

"... In dieser Geisteswelt war vom Individuum immer als einem verdächtigen die Rede und vom Subjekt als einem verkommenen. Für Selbstbestimmung blieb da nicht viel Platz. Umso leichter fällt ein Raunzen, das letzlich keine Veränderung will, sondern von Beginn an dagegen ist, aber bloß solange der Bestand dessen, wogegen es ist, gesichtert erscheint." (Seite 48)

Superklar auf den Punkt gebracht. Aus der OE kenne ich den vielzitierten Begriff: "Niemand will neue Probleme, wo man es sich mit den alten bereits gerichtet hat."


Zum zivilen Ungehorsam.

Ursprünglich erwähnt vom Amerikan Henry David Thoreau im 19. Jahrhundert, der sich gegen Krieg und Sklaverei aussprach. Ziviler Widerstand braucht Öffentlichkeit und Demokratie, er lebt in der Zivilgesellschaft auf.

Ziviler Widerstand verteidigt den Freiraum des Individuums. "Es kann kein Ende des Widerstandsrechts geben. In jeder Gesellschaft lauern Gefahren, denen entgegengewirkt werden müßte und die Haltung verlangen. (S112)"

Samstag, 6. September 2008

Zivilcourage

"Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen", Franca Magnani

Dieses Zitat ist so gut, treffend, punktgenau, dass ich es mir extra noch rausgeschrieben habe aus "Widerstand" von Doron Rabinovici.

Ich habe schon so viele Leute erlebt, die es sich erlauben, Menschen zu kritisieren, die in der Zeit des Nationalsozialismus nicht in der Untergrundbewegung des Widerstands waren. Weil sie die Augen zugemacht haben, weil sie die eigene Haut retten wollten, weil sie dachten, es wird schon nicht so schlimm sein ....

Genau diese Leute habe ich dann erlebt, wie sie beim kleinsten Gegenwind Wasser gelassen haben, bei Situationen wo es nur darum geht, die eigenen Versprechen, die eigenen großen Worte einzuhalten. Wie feig und ab welchem Punkt schon das Hemd näher ist als der Rock. Mit solchen Leuten kommen wir nirgends hin, da wird es dann wieder Helden brauchen.

Mir wäre es anders lieber. Zivilcourage in der heutigen Gesellschaft beginn ja schon dort, wo wir Klientelpolitik kritisieren. So mager.

Samstag, 30. August 2008

Blumen im Garten

Diese Blumen habe ich von meinen lieben KollegInnen geschenkt bekommen - und sie gedeihen wunderbar

Donnerstag, 28. August 2008

Armin Thurnher im Falter - Lob des Greisenalters

Wie wohl der Kommentar von Armin Thurnher tut! Dieses merkwürdige "Fassade ist Programm", Schönheit und Jugend als einzig erstrebenswerte Tugend, diese Plattheit ist für mich unerträglich geworden. Hier enttäuscht ja auch derstandard, indem offenbar die Qualität von politischen Parteien über die Durchschnittsalter- und noch besser (!) über die Jugendquote bewertet wird.

Wo kommen wir da hin?

Ich kenne keine AG, deren Qualität über den Altersschnitt des Vorstandes definiert wird.

Ich erlaube mir ja schon zu vermuten, dass diese Festlegung auf Altersschnitte, Fun-Business, Marketingkonformität, ein Bild von der Bedeutung der Politik abgibt, nämlich von einer schwindenden Bedeutung. Wo man etwas nicht mehr ernst nimmt, definiert man über Äußerlichkeiten. Mein Entsetzen gilt aber den PolitikerInnen und politischen Parteien (das gleiche?), die sich in dieses Fahrwasser spülen lassen und natürlich den Sog dadurch noch verstärken.

In diesem Sinne ist der Kontrapunkt im Falter eine Wohltat im derzeitigen Medienmainstream.

Mittwoch, 27. August 2008

die SPÖ - jetzt nicht mehr in der Koalition

Der Zug, die merkwürdige nicht-Überstimmungsvereinbarung mit der ÖVP, die aus der Koalition ausgestiegen ist, jetzt zu ignorieren, ist die gute Erkenntnis, dass die SPÖ in keiner großen Koalition mehr ist. Hat zwar gedauert, aber immerhin. Die SPÖ Basis hat ja sehr gemurrt und das Verhalten Broukals gutgeheißen. Wahrscheinlich kann Faymann jetzt doch noch etwas retten.

... und überhaupt hat die FPÖ so viele Plakate. Zwei Sorten. Mit weißem Hintergrund und lachendem Strache und mit dunkelblauem Hintergrund. Ich konnte nur lesen OHNE KEINE. Das ist ein toller Slogan.

Freitag, 22. August 2008

Die rote Prinzessin

Ein lesenswertes Buch - die Biographie der Großmutter, penibel recherchiert von der gleichnamigen Enkelin. Ich habe diese Frau bei der Lesung zur Vorstellung des Buches gesehen, dann aber nicht auf das Buch reagiert. Erst jetzt, einige Monate später ist es mir wieder in die Hände gefallen.

Die Schilderung eines Lebens, das unkonventionell war, weil die Konventionen wie brüchiges Eis unzuverlässig in einem sich radikal ändernden 20 . Jahrhundert keinen Halt boten. Sofka auch in ihrer Persönlichkeit stark genug, sich selbst Halt zu geben.

Ernst von Glasersfeld schreibt in seinem Buch Unverbindliche Erinnerungen, "Ich danke meinen Eltern, weil sie sich nie darum geschert haben, was die Leute sagen."

Hier ist der hocharistokratische Einfluss, die Erziehung zu etwas besonderem m. E. so stark, dass automatisch auf sich selbst Bezug genommen wird. Sofka, die rote Prinzessin, Reisende, Gebildete und immer lustvoll Lebende.

Montag, 18. August 2008

"Widerstand" von Joe Stretch

Das Buch wurde im Kulturmagazin vorgestellt und nachdem ich kurz danach bei Thalia eingefallen bin, von mir mitgenommen.

Ziemlich hardcore. Doch stellt es die Oberflächlichkeit unserer "Jugend-fun-Gesellschaft" sehr gut dar. Sicherlich nicht jederfraus Sache, ich habe es aber sehr flüssig gelesen und trotz inneren Widerständen (wie passend!) bis zum Ende durchgezogen.

Samstag, 16. August 2008

Mit dem Fahrrad von Wien nach Budapest


Ein sehr erholsamer und spannener Urlaub! Vorige Woche sind wir (mein Mann und ich) mit dem Fahrrad in Wien losgestartet und "ins Blaue" Richtung Budapest gefahren. Immer der Donau nach, da werden wir irgendwann in Budapest landen.

Gestartet in der Lobau (mit dem kleinen Hund im Anhänger) sind wir an einem heißen Sommertag bis Orth an der Donau gekommen. Vielen kleinen Rastplätzen in den Auen konnten wir nicht widerstehen und mussten die Stille im Naturpark genießen. Orth an der Donau hat uns aber nicht so angesprochen, so sind wir gleich mit der Fahrradfähre nach Haslau, über die Donau drüber, wir fahren am Südufer weiter. Dort übernachtet und am nächsten Tag über Carnuntum, Bad Deutsch Altenburg, Hainburg nach Bratislava.

Dieses Streckenstück ist ganz besonders nett, weil man durch die Ortschaften fährt und immer wieder einen wunderbaren Blick auf die Donau hat. In Bad Deutsch Altenburg sind wir durch den Park bis direkt an die Donau gefahren, wo wir in einem "landestypischen" Gasthof den Blick auf dei Schiffe genossen.

Bratislava. Alles ist wie Wien.

Der bereits geplante Radfahrabbruch und Weiterfahrt mit dem Schiff ist an freien Schiffsplätzen gescheitert - somit "Nochmals rauf aufs Rad und weiter!". Gottseidank haben wir keinen Platz auf dem Schiff nach Budapest bekommen, da wir jetzt ins Naherholungsgebiet von Bratislava eintauchen und auf einem gut ausgebauten Radweg weiter immer weiter fahren, der Regen uns streifenweise begleitet, er taucht immer dann in Streifen auf, wenn wir gerade auf einem Rastplatz sind - timing ist eben alles! und dann fahren wir die rückgestaute Donau, am Damm entlang und haben eine Wahnsinnsaussicht.

Diese Route ist dann 60 km lang, da Wahnsinnsaussicht auch fern touristisch-ähnlicher Infrastruktur ist und wir bis zum Kraftwerk (nirgends eingezeichnet, dass da ein Staukraftwerk kommt) durchfahren (müssen). Gabcikova, der nächste Ort, das Zentrum der Region mit Hotel, mein slowakisches St. Martin, die Ähnlichkeit ist frappierend, ist unser nächster Übernachtungsstützpunkt. Es ist Samstag und die Jugend trifft sich in der Dorfdisco.

Dort haben wir uns mit Bier und einem Stamperl Schnaps versorgt. Interessant, wie die Slowaken ihren Schnaps trinken, nämlich mit einer Art Himbeersaft dazu.

Am nächsten Morgen wieder rauf aufs Rad und nach Györ, jetzt nach Ungarn. In Györ zieht uns der Bahnhof mit magischer Kraft an und wir sitzen bald in einem Regionalzug, der wie unser Talent aussieht, in Richtung Budapest. Wir landen am Budapester Südbahnhof und radeln gleich in Richtung Donau, Zentrum, Innenstadt. Ein Super-Radwegleitsystem hilft uns dabei.

Da wir wie schon so oft in unserem Leben ohne Landkarte unterwegs waren und jetzt endgültig wissen wollen, wo genau wir uns aufgehalten haben, kaufe ich nun zwei Karten: Ungarn und Budapest.

Budapest ist wunderschön.

Wir verbringen zwei Tage in der Stadt und reisen dann aufregend! mit dem Zug nach Wien zurück. Der Ostbahnhof keleti put wurde wahrscheinlich unter Kaiserszeiten erbaut und seiterher nicht mehr renoviert - ähnlich wie der begeisterte Schaffner, der mir in einem Erlebniszug nach St. Pölten voller Stolz gesagt hat, dass der Waggon Original 60er Jahre und nicht renoviert ist.

Jedenfalls gibt es einen einzigen Schalter für Auslandsreisende, wo sich eine unendliche Schlange an Menschen anstellt, die Beamtin händisch und ohne Durchschreibpapier Tickets ausfüllt und nur ganz wenige Züge Fahrradmitnahme erlauben. Total schräg und rückständig. Trotz allem schaffen wir es, in einen Zug zu gelangen und erschöpft aber angefüllt mit hunderten wunderbaren Eindrücken spät in der Nacht in Wien zu landen.

Fazit: mit dem Fahrrad ist es superbefreiend, Innenstadtsightseeing locker und stressfrei - wir machens wieder!

Sonntag, 3. August 2008

die Gummibärenbande

was mich jetzt immer mehr fasziniert ist die Erklärung zu all den letzten grauslichen Vorkommnissen in Familien, jetzt aktuell Jugendliche die auf geplante Diebstouren gehen, "aber das waren doch geordnete Verhältnisse!"

Dort schaut keiner hin, dort ist gebügelt und aufgewischt, dort ist Ordnung, und das ist eine Erklärung, nicht mehr hinzuschauen, denn dort ist "Alles-in-Ordnung". Dort erschießen dann Männer plötzlich Frau, Kind, Eltern, weil sie der Normalität nicht mehr stand halten, dort gehen Jugendliche auf Diebstouren, weil ?

Die einzige Reaktion die ich zur aktuellen Jugendkriminalität gehört habe ist, Verwahrlosung, da die Familien auseinanderbrechen (soll woll heißen, liebe Frauen bleibt zuhause, ihr mit eurem Egoismus seid schuld) und als Reaktion, EINSPERREN!

Die ÖVP hat hier ja immer wieder die crudesten Ideen wie Straflager und jetzt Gefängnis, da gibt es sicher wieder keine Schamgrenze nach oben.

Warum erscheint diese Art der Normalität gesund? Dieses Heucheln und Fassade bewahren? Dieser Reflex, dass das die althergebrachte, gewohnte, vertraute Ordnung ist. Das Patriarchat, wo einer oben ist und viele unten, das ist die Normalität - und manchmal bricht sie hoch, wie Löcher im Asphalt und gibt giftige Dämpfe ab.

Dann stehen sie da, die Systembewahrer und sind ganz - betroffen.

und tun - nichts.

Das System der alleinigen Herrschaft hat immer nur Unterdrückung, Verbergen und seelische Not vieler hervorgerufen.

und dann - wundern sie sich.

Ein ganz kleines bißchen Zeitgeschicht, ein ganz kleines bißchen Literatur würde schon helfen. z. B. Herbstmilch. Das ist zwar schon 100 Jahre her, aber viel hat sich nicht geändert, nämlich im Erdulden von bestehenden Verhältnissen - und manchmal brechen sie eben (aus).

Freitag, 1. August 2008

Blickwinkel

Das, was du als Wahrheit wahrnimmst, wird davon bestimmt, als wer
du schaust und von wo aus du schaust.


weils so gut ist

allen einen anderen Blickwinkel, neue Persepektiven
- und mal quergedacht!

Mittwoch, 30. Juli 2008

die rechten

nun ist die Politik schon etwas interessantes, aber zur Zeit bietet sie schon besondere Schmankerln, z B. die rote Richterverschwörung gegen Westenthaler, wo er doch einfach nur eh ein ganz sowieso wichtiger ist und da erlaubt sich nun jemand gegen ihn Recht anzuwenden. Das kann nur eine Verschwörung der linken internationale sein, und jetzt erst recht kandidieren.

Wir werden sehen, was die anderen Orangen dazu sagen.

Dinkhauser, der Tiroler Bergrebell holt sich alles ins Boot was in den Bundesländern an enttäuschten alten ehemaligen Politpromis herumschwirrt, aus dem Burgenland Kölly und Rauter. Spannend. Was an Dinkhauser neu oder aufregend ist, ist mir sowieso ein Rätsel. Der ewige Systembewahrer, immer Sozialpartner, fast ein Leben lang AK-Präsident, und er schafft es tatsächlich, sich als newcomer zu positionieren. Toll. Der Mann ist an die 70? Jahre alt - und andere Parteien lassen sich über eine Jugendlichenquote definieren.

So viel Spaß hatten wir schon lange nicht mehr.

Sonntag, 27. Juli 2008

Liessmann - Theorie der Unbildung

Nun habe ich es doch geschafft, Liessmann fertig zu lesen. Die Kritik ist so dicht, in vielen Sätzen so gedrängt Erkenntnis, dermaßen viele Übereinstimmungen mit meiner Meinung, natürlich viel besser formuliert, umfassendst argumentiert - ein empfehlenswertes Buch!

Besonders:
"Was am Bildungsbereich exemplarisch sichtbar wurde, läßt sich als Tendenz generell beschreiben: Politik, die dem Markt die Regeln vorgeben sollte, wird selbst zu einem Spielfeld für Lobbys, die parlamentarische Kontrolle zurückgedrängt, die Verantwortung demokratisch legitimierter Institutionen in "unabhängige" Räte und Gremien ausgelagert; anstelle eines öffentlichen Diskurses treten die Ranglisten von Bewertungsagenturen, ..."

Wunderbar. Und somit wird alles monopolistischer kontrolliert. Und "sie" erzählen uns noch immer, das hätte etwas mit Kosteneffizienz zu tun. Ich glaube aber, dass sich schön langsam das Blatt wendet. Seit die Leute bemerken, dass alle Segnungen des freien Marktes an ihnen vorbeigegangen sind und - sogar! - das tägliche Leben teurer gemacht haben, also seit es am eigenen Leib spürbar wird, dass der heilige Markt nicht für alle da ist und sich schon gar nicht selbst reinigt, ja seitdem glaube ich, dass sich eine breite Bewegung bilden wird. Und zwar aus persönlicher Bedrängtheit heraus. Der Hausverstand - oft missbraucht - hat verstanden, dass die Versprechungen der Börsengurus und selbsternannten Finanzexperten, nicht halten.

Vielleicht braucht es noch etwas Zeit, aber nach Jahren des Sparens, um die Budgets zu sanieren, haben nur die "kleinen Leute" eingezahlt, und nun erkennen wir, dass man uns belogen hat. Fadenscheinige Argumente und inhaltsleere Worthülsen sind nun zu abgedroschenem Sprachmüll geworden. Es funktioniert nicht mehr.

Die ersten Anzeichen der Veränderung sind da. Ich hoffe, wir schaffen dies auch auf einem vernünftigen, moderaten Weg und nicht über Zugewinne der Rechten.

Mittwoch, 23. Juli 2008

die ÖBB und der Tourismus

Die ÖBB hat heute in den Regionalnachrichten verkünden lassen, sie habe nun ein neues Preiskonzept, das internationalen Tourismus von/mit/nach Österreich erleichtern und fördern soll. Wer ein Ticket hat, dass über die Grenze geht (bis Bratislava z. B.) erhält dieses günstiger, als kürzere Strecken innerhalb Österreichs kosten.

Das freut mich als Pendlerin.

Mich freut auch, dass es einen Pendlerzug St. Pölten - Wien gibt, der sich als Langstreckenzug tarnt, mit 5 Waggons bestückt ist, da ab dem 6. Waggon ein 2. Schaffner eingesetzt werden muss (hier wird aufgrund Kosteneffizienz dies nicht getan) und der täglich mit "starker Reisetag, bitte Platz reservieren" im internet zu finden ist. Diese Information zu geben ist sehr nett von der ÖBB, da diese Züge täglich überbelegt sind, selbst der eine einzige Waggon erster Klasse, da manche statt eine 3/4 Stunde schlecht zu stehen, lieber um einen Aufpreis gut sitzen.

Ich fahre diese Strecke nun seit mehr als einem Jahr und - es hat sich nichts geändert! Hier sieht man die Stabilität und Zuverlässigkeit unseres monopolistischen Bahnbetreibers. Hier ist auf die ÖBB verlass. Ich weiß, dass ich täglich um einen Sitzplatz kämpfen muss, den ich bezahle und jetzt überlege ich mir, ob ichs billiger kriege, wenn ich bis Ungarn buche, oder ob diese neue Begünstigung wie beim Ferienticket für alle Strecken gilt, außer Wien-St.Pölten. Hier sollte ich mich noch kundig machen.

Anm.: Die Jugendlichen, die sich ein Ferienticket Österreich kaufen, müssen nämlich immer Wien-St. Pölten aufzahlen (die setzen sich am Westbahnhof mit dem Ferienticket in den Zug und der nette Schaffner informiert sie dann, dass dieses erst ab St. Pölten gilt.). Aber die sind ja kein Tourismus nach neuester ÖBB-Diktion.

Montag, 21. Juli 2008

Rätselspiel: wer mit wem?

Bartenstein will nicht mit Faymann, dafür will Faymann nicht mit Molterer, aber alle wollen eine große Koalition. Setzen Sie sich ihre Wunschregierung zusammen. Das erinnert mich an die Puppenbilder aus Karton, wo man die Kleidung darauflegen und durch umbiegen der Laschen fixieren kann, oder auch diese dreigeteilten Kinderbücher, wo man Füße, Mittelteil und Kopf variabel verändern kann.

Leider ist dieses Spielchen Realität. Wer soll das noch ernst nehmen?

Bis jetzt habe ich keine inhaltliche Ansage vernommen. Die Alten stecken noch immer in ihren Intrigenspielchen und Personal-Job-zuwendungspoker und es schaut so aus, als ob sie da nicht rauskommen können. So eine abgehobene Klientel, abstoßend.

Zum Glück für die Großparteien ist der Wahltag vor den Lohnabschlüssen. Ich bin auf die Mikrosätze gespannt, mit denen man "die Inflation bremsen" will. Und da gibts tatsächlich Leute, die diesen Mumpitz glauben. Ein vorgeschobenes Argument, notwendige Lohnerhöhungen nicht zuzulassen. Gleichzeitig verändert sich nichts beim - seit Amerikas staatlicher Stütze der Banken zur Farce gewordenen - freien Kapitalmarkt.

Auf eine heiße Politwoche!

Sonntag, 20. Juli 2008

Liebeserklärung an die Großmutter

Mit großem Genuss habe ich das Buch von Henisch, "Eine sehr kleine Frau" gelesen, was für eine Liebeserklärung an die Großmutter! Er schreibt sanft und fließend, blendet die (damalige) Gegenwart nicht aus, manchmal versucht er verstärkt ins Heute zu kommen, hierbei sind Schwächen zu finden, was aber am Gesamteindruck keinen Schaden erzeugt.

Habe viel an unseren verstorbenen Ur-Opa denken müssen, der sich auch so intensiv, liebevoll und ungeteilt seinen Enkeln und Urenkerln angenommen hat.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Klimawandel - Atompolitik

An und für sich ist es unfassbar, wie die Atomlobby gezielt, professionell und offenbar erfolgreich Atomenergie als neue (!) Alternative zu erneuerbaren Energien verkauft. Als Marketering würde ich gerne das Werbebudget kennen, als Kämpferin für eine gesunde Gegenwart und Zukunft für uns und unsere Kinder, würde ich gerne 1/10 des Geldes für die weitere Effizienz von Solarstrom investieren.

Die Rendite wäre doch Wahnsinn!

Sowohl ideell und gesundheitlich, als auch fürs Geldbörserl

Leider glauben noch immer viele Systembewahrer, dass mehr vom selben hilft. Schade, sollten mal systemisches Fragen üben.

Fazit: Weitermachen, Weiterkämpfen, denn wenn wir das nicht tun, wirds noch einfacher für die alten Besitzer, die ihren Profit weitersteigern


ps: Es gibt gar nicht so viele Rohstoffe, wie Atompläne - hihi - auf die Preiseentwicklung sprich Preiserhöhung könnten wir options abschließen

Dienstag, 15. Juli 2008

und wir wählen wieder

alle Jahre wieder ... kommt eine Nationalratswahl. Anstatt ordentlich zu arbeiten, flüchten die Großparteien in eine neue Wahlauseinandersetzung. Mir ist bis jetzt schleierhaft, was sie sich an Verbesserung erwarten. Meine Wetten im Jänner sind eingetreten, da ich aber immer davon ausgehe, dass ich Wetten verliere ...

Nun hat der Herr Finanzminister genug. Ich auch. Kein Wort von Entlastung der Arbeit, die Herren hatten wohl keine Zeit die Steuern auf Arbeit zu senken, natürlich schaut das dann im ÖVP-Ressort Finanzen nicht so schön aus, wenn gewisse Steuereinnahmen, die jetzt wie ein unendlicher Quell sprießen, ausfallen und eventuell die "Wirtschaftspartei" (ha!) ihren Slogan, wir wirtschaften gut, nicht über besonders schöne Budgetzahlen argumentieren kann. Leider haben sie vergessen, dass es die Menschen sind, für die sie wirtschaften sollen und nicht das eigene Ego mit Budgeteinnahmenstatistiken zu füttern.

Keine der beiden Parteien nimmt das Thema des Nettowohlstandsverlustes von so großen Teilen der Bevölkerung auf. Ach ja, es könnte ja der Vorwurf kommen, sie hätten das heuer schon lösen können.

Auf einen spannenden Sommer und Frühherbst!

Sonntag, 13. Juli 2008

Sonntag im Burgenland

Ein guter Tag, wieder mit einem Roman zu beginnen. Ausgeglichenes Wetter, warm, keine stechende Sonne.

Peter Henisch, "Eine sehr kleine Frau". Trage das Buch nun schon länger mit mir herum, bin schon gespannt, die Kritiken sind ja ausgezeichnet.

Ella und Amanda - unsere Cocker Spaniel Hündinnen, 11 Jahre und 1 Jahr alt.