Sonntag, 15. Januar 2012

Aleph von Paulo Coelho

Aleph. Das Aleph. Ein Punkt, wo Raum und Zeit allumfassend sind.

Paulo Coelho at his best.

Nach der doch verwirrenden Veröffentlichung "Schutzengel" nun wieder ein Coelho, wo man sich einzelne Sätze als Mantras an die Wand pinnen möchte. Coelho beschreibt sich selbst. Er verwendet nicht mehr den Kunstgriff erfundener Personen, er beschreibt seine Zweifel und seinen plötzlichen Lösungsansatz; eine Reise.

Am Anfang ein bisschen sperrig. Coelho als zorniger, verzweifelter Mann, nur auf sich und seine Situation bezogen, entwickelt sich dann ein Spannungsbogen - die Reise in der transsibirischen Eisenbahn - dem man sich nur schlecht entziehen kann. Mystisch, verrückt, tiefgehend, liebend. Das Thema: Schuld und Verzeihung.

Gut. Für alle Coelho Fans wieder ein Lichtblick!


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Samstag, 14. Januar 2012

die Finanzkrise - umbenannt in Schuldenkrise

Wie doch eine Wortwahl die Blickwinkel verändert. Wie leicht doch das Volk und die Presse verführbar sind.

Zu beobachten an der Umbenennung der Finanz-, in Bankenkrise und heute heißt das alles Schuldenkrise der Staaten. Vergessen die Auffang- und Rettungssalti die die Staaten geschlagen haben, um die Banken zu retten. Vergessen, dass wir nicht nach der Lehre der Liberalen die Großen in Konkurs gehen ließen. Vergessen, wie heulende, jammernde, lächerliche Herren im Nadelstreif zu Bittstellern der Politik wurden, damit ihr Hemd gerettet wird.

Heute sind Hemd und Rock in Sicherheit. Heute diskutieren wir über die Sparquoten der Staaten. Und alle machen mit.

Warum merkt keiner, dass durch die geänderte Benennung die Verantwortlichen aus der Schuld gezogen werden? Warum machen ALLE Medien mit? Da ich nicht an Verschwörungstheorien (die Inhaber der Medien hätten ja eine Anweisung rausgeben können) glaube - bin ich nun doch überzeugt, dass die Lemminge in eine Richtung ziehen. Immer.

Wie freut sich die nach wie vor ungeregelte Finanzwelt!

Wie schön, dass alles so weitergehen kann wie davor! Junge Burschen spielen an Computern und berechnen dabei, ob wir gut aufgestellt sind oder nicht. Always playing games. Warum sollten die Computerspieler Unterschiede bemerken? Schaut doch die Phantasiewelt am Bildschirm genau so aus, wie die reale Welt am Bildschirm.

Und die intellektuelle Schichte diskutiert die Schuldenquote. Ein Jammertal.

Aber vielleicht verstehen ja die Einfachen Leute, worum es geht. Vielleicht sollten wir auf die hoffen, die sich dem Mainstream-Diskurs entziehen. Hoffentlich erleuchten die Lichter der Revolutionen auch bald Europa. Auf dass sich nicht alle von den Verdunklern an den Schalthebeln der Finanzen einlullen lassen.

Sonntag, 1. Januar 2012

Sterben.

"Für das Herz ist das Leben einfach: Es schlägt, solange es kann."

Karl Ove Knausgard beginnt mit dem Tod seines Vaters. Mit der Leichenbeschau. Mit welcher Poesie er die Körperfunktionen - die Abläufe des Sterbens - beschreibt hat etwas magisch anziehendes an sich. Er verliert sich in die Erinnerungen seines Lebens, Kindheit und Jugend in den 70er und 80erJahren. Er zieht dich in sein Leben, du verlierst dich mit ihm in seinen Vergleichen, Bildbeschreibungen, Stimmungen.

Ich würde nicht sagen: schonungslos. Sondern eher: tatsächlich.

und dann schließt sich der Kreis wieder zurück zum Ort der Leichenbeschau.
Dazwischen. ein ganzes Leben.


Leseprobe


Ein autobiographischer Roman. Wunderschön und wahr.

Im Frühjahr kommt der nächste Band aus dieser Serie auf Deutsch auf den Markt: Lieben. Ich warte schon darauf


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Freitag, 23. Dezember 2011

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben,
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
Als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

(Elli Michler)

Freitag, 9. Dezember 2011

Kaktusmenschen

Ein Buch für alle, die schon einmal einem echten Ungustl begegnet sind. Die schon einmal ungerechtes Verhalten erfahren haben, denen es schon einmal untergekommen ist, völlig unvorbereitet angefeindet, hintergangen, intrigiert oder einfach nur total ungut behandelt worden zu sein.

Rotraut Perner beschreibt hier diese Kaktusmenschen. Die um sich schlagen, stechen, an niemandem ein gutes Haar lassen.

- und wie man sich selbst vor ihnen schützt.


Sehr informativ, gut geschrieben, Pernersche Qualität eben.


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Die gelben Augen der Krokodile


Katherine Pancol, französische Autorin schreibt in diesem gewichtigen Roman über eine Frau, die so nicht mehr weiter kann. - aber eigentlich beginnt es mit dem Mann, der so friedlich seinen Morgen gestaltet.

und dann bist du schon drinnen in dieser Lebensgeschichte heute in Frankreich oder sonstirgendwo in der westlichen Welt. In diesen Welten zwischen Erwachsen-Vernünftig-Agieren und gewissenlosem Konsumieren. Zwischen den verstaubten Bildungsmenschen und den erfolgreichen Frauen erfolgreicher Männer der Oberschicht.

und dann bist du schon drinnen im Leben einer Frau, die geglaubt hat, sie hat ihren Rhythmus gefunden. Ihren Mann, ihre beiden Kinder, ihre Arbeit. Alles ist gut. Aber die Dinge ändern sich.

und dann bist du schon drinnen in der Erziehung einer störrischen Pubertären, in einer Mutter-Kind-Beziehung voller Vorwürfe und nicht erfüllter Erwartungen.

und dann - dann entwickelt sich diese Frau...

Kaum angefangen bist du schon drinnen und kannst nicht mehr raus. Eine spannende, wahre, Geschichte von Geschwisterbeziehung, Schüchternheit, großer Liebe, Berechnung, einfach alles drinnen.


Nachwirkend. gut. große Geschichte.




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Dienstag, 22. November 2011

Der Fremde und die schöne Frau

Pavel Kohout. Die schöne Frau lebt in S. S. hat schon viel erlebt. Die Monarchie, die Vertreibung der "anderen", die Zerstörung durch die Nazis, der Vertreibung der Deutschen, die Zerstörung durch die Kommunisten, die Zerstörung der Integrität der Einwohner, nochmals durch den Kommunismus. Die Befreiung von den Fesseln einer Diktuatur, die Zuwanderung von vielen neuen "anderen".

In dieser Umgebung lebt die Schöne Frau. Pavel Kohout beschreibt in diesem Roman des 20. Jahrhunderts - in diesem besonderen Ton, der die AutorInnen östlich der Donau ausmacht - mit diesem Gesang der Leichtigkeit, die im Hintergrund die schweren Töne des Moll verbergen möchte - Pavel Kohout also beschreibt ihr Leben.

Und dann dieser Mann, der plötzlich da steht, elegant, ehrlich, einfach und sie lässt sich (und dann doch nicht, woher und warum meint sie, so ablehnend, ja aristokratisch ablehnend sein zu müssen!) auf das Abenteuer ein. In dieser Stadt S., in der sie die Veränderung nicht bemerkt hat.


Und dann der Abschluss. Die mutige Schöne, die - ohne dass es viel erklärt wird - dann aufrecht und kompromisslos zu sich, zu ihren Gefühlen steht. Und der Fremde, der erstmals wieder ...

aber lesen Sie selbst!


Ein leise singender Roman von einem Leben, das "die Umstände" formten, aber nicht verformten.

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Samstag, 22. Oktober 2011

Paganinis Fluch

Lars Kepler legt hier einen Politthriller der Sonderklasse vor. Nicht umsonst wurde dieser Kriminalroman zum besten schwedischen Krimi 2010 gekürt.

Grandios!

Ein Feuerwerk, temporeich, böses Verstrickungen - und ganz zum Ende erst, klärt sich auf, was Paganini damit zu tun hat. Ein Blick in die Abgründe der Verstrickungen von Waffenhandel und Politik. Und ein Blick auf präzise arbeitende Polizisten. Und ein Einblick in Motivation und Arbeit von Friedensaktivisten.

Aber ganz wichtig. Ein spannender, reinziehender Roman, der einen nicht mehr loslässt, einsaugt. Ein - schauriges, erschütterndes - Lesevergnügen!


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Die Augenblicke des Herrn Faustini

Es kommt ganz still daher, dieses Buch. Herr Faustini ist auf der Suche nach dem vollkommenen Augenblick und trifft auf seiner Suche schrullige Personen, einsame Gegenden - ob er den perfekten Augenblick findet...

Wolfgang Hermann erzählt so unspektakulär, bescheiden und einfach das Leben dieses Mannes aus dem Bregenzerwald, der auf die Reise geht, den perfekten Augenblick zu finden. Ein feiner, tiefsinniger, oft heiterer Roman für stille Stunden. Einfach hinlegen und genießen.


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Susan Sontag, Zur gleichen Zeit


Jeder Aufsatz in diesem Taschenbuch ist es wert, für sich, bedächtnig, nachdenkend, gelesen zu werden. Jeder Text erzeugt einen Wiederhall, eine Resonanz, die nicht gleich zu vertreiben durch neue Eindrücke, mehr Lärm, wertvoll für die Menschenbildung ist.

Susan Sontag hält sich in ihren Inhalten nicht mit den Niederungen des Alltags auf. Sie beschäftigt sich mit den grundsätzlichen Fragen von Gerechtigkeit, Mut, Ethik; und kommt hier gleich wieder in den konkreten täglichen Ablauf, in die Gegenwart zurück, bleibt geerdet, da jeder Grundsatz eine Umsetzung im Hier und Jetzt fordert.

Wenn Sie schon nicht alle Aufsätze lesen, dann empfehle ich, zumindest ihre Ansprache zur Verleihung des Oscar-Romero-Preises an Ishai Menuchin zu verinnerlichen.

Ein großer Text. So wie jetzt gerade einzelne Reden (siehe Stephane Hessel) als kleine Handbücher veröffentlicht werden, wäre auch diese Ansprache wert, separat durch eine eigene Veröffentlichung gewürdigt zu werden.

Auch hier: Als Bildungstext für alle Bevölkerungsschichten geeignet (inkl. SchülerInnen und LehrerInnen, inkl. Heimatabenden zur Bildung eines starken, selbstbewussten Volkes)

Hier möchte ich nochmals auf den Text von Anneliese Rohrer verweisen, die fast flehentlich ethisches und öffentliches Handeln einfordert.


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