Dienstag, 11. September 2018

Schulbeginn - Maschinenstart.

An den Tagen rund um Schulbeginn steht die Welt der Eltern, Schüler und Lehrer Kopf. Von 0 auf 100 geht es los. Jedes Jahr aufs Neue. Jedes Jahr aufs Neue beginnt sich die Schulwelt neu zu drehen.

Langfristige Vorbereitung und Organisation ist angesagt. Würde für alle Beteiligten dringend benötigt werden. Warum aber ist das System so hartnäckig? Wo sind die Rädchenzacken, die da nicht vorhanden sind, so dass die Systeme ineinander greifen können.

Wo ist der Anfang? Der Anfang des Systems ist sicher die Schulverwaltung. Ein Moloch an Regeln, Vorschriften, Rücksichtln und Vorsichtln, Bevorzugungen, Benachteiligungen, politischen Spielchen. In diesem bürokratischen Moloch müssen sich Menschen flexibel bewegen (was per se etwas unmöglich erscheint), geht es doch um die Verwaltung von jungen Menschen; Kindern. Und dann noch diese Aussenwelt. Die Welt außerhalb der Schule. Die nach völlig anderen Gesetzen organisiert ist. Die Welt der Eltern. SGA (Schulgemeinschaftsausschuss) hin oder her. Da knallen Interessen aufeinander.

Die Schule ist aber das stabilere und mächtigere System. Nach ihren Regeln läuft dieses Spiel ab. Anfang - klar definiert. Ende - klar definiert. Dazwischen: Regeln, Normen, Anforderungen, Zwischenschritte. Pausen - klar definiert.

Und dann: große Ferien. Aufatmen, loslassen, auslassen. Vergessen, verdrängen, wegschalten. Pause. Große Großpause für alle. Nur nicht an das Ende denken. Und dann kommt es. Schneller als erwartet. Bumm. Raketenstart.

Bildergebnis für industriemaschineErschöpfung nach einer Woche. Frust. Durcheinander. Hin- und herjonglieren. Retten. Bis die Maschine wieder ihr Funktionstempo hat. Da muss stark angetreten werden, viel Kraft schnell und plötzlich hineininvestiert werden. Und dann läuft sie wieder. Rattert, schnauft,verarbeitet, stößt aus.

Bis zur nächsten großen Pause.


Mittwoch, 1. August 2018

Lesen und darüber schreiben, die Zeit und ihre Grenzen

Nun, es sieht wohl so aus, als würde meine Immer-mit-Buch, immer-die-Nase-im-Text-Phase stocken. Wenn man meinen Blog ansieht, kann man den Eindruck gewinnen.

Dem ist nicht so. Das Problem ist unsere vielschichtige, sich in immer mehr Kanäle zerstreuende Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen.

Nun habe ich einen account auf instagram https://www.instagram.com/hertaemmer/ auf dem ich wöchentlich - immer mittwochs - #HertasBüchertipp poste. Ich nehme die Buchempfehlung mit Kamera auf und schicke meinen Buchtipp gleich einmal hinaus in die weite Welt.

Dann gibt es jeden Sonntag #Märchenraten, wo ich meine Leidenschaft für Märchen, diese immerwährenden Geschichten, auslebe. Auch das auf dem instagram-account  . Der aber schön weiterverlinkt ist auf den facebook-account: HertaEmmerBuchwelten

Ebenso, und das seit vielen Jahren, gibt es meine wöchentliche Buchempfehlung auf Radio OP, dem Minderheitenradio in Oberpullendorf/Burgenland/Österreich, die man sich leider nicht auf podcast anhören kann. Hier aber immer online live Radio OP Offenes Radio, Minderheitenradio.
RadioOP_online

Heuer fand das Internationale Literaturfestival GRENZENLOS LESEN zum 3. Mal erfolgreich und ganz wunderbar im Alten Kloster Lockenhaus statt, für das ich mehrheitlich verantwortlich zeichne. 
Das Festival besteht aus 6 verschiedenen Veranstaltungen
  • GLL Kinder- und Jugendtag KIJU
  • Vernissage einer Ausstellung eines Bildenden Künstlers,organisiert vom Köszeger Kunst- und Kulturverein
  • Lyriknacht Grenzenlos lesen
  • Lesefest Grenzenlos lesen
  • Kriminacht Grenzenlos lesen
  • Matinée Grenzenlos lesen
Der Verein Lesekultur ohne Grenzen, dessen Obfrau ich bin, das geniale Vorstandsteam, die BibliothekarInnen der Pfarrbibliothek Lockenhaus "Hausherren" im Alten Kloster, die PädagogInnen von Neuer Mittelschule, Volksschule und Kindergarten Lockenhaus, die Gemeinde Lockenhaus, all diese Kräfte gemeinsam machen ein Festival in dieser Größenordnung möglich. Dafür ein großes DANKE!

SAVE THE DATE! 
GRENZENLOS LESEN 2019 findet von 
21.-24. Juni 2019 in Lockenhaus statt!


Zurück zum Punkt.  Welche Bücher habe ich gelesen? Seit 2008 bespreche ich die von mir gelesenen Bücher, damals noch mangels genügend Austauschs in meinem unmittelbaren Umfeld. Nun mangelt es nicht mehr an Austausch sondern an Hinsetz-und Niederschreibzeit.

Nur jetzt gleich einmal: Diese Bücher sind schon hochgeladen, mit Bild und Verlinkung und Titel schön vorbereitet, aber ihnen fehlt noch jedes Wort der persönlichen Anerkennung, warum ich es gelesen habe, was ich daran so speziell und besonders gut gefunden habe. Aber es wird schon werden. Kommt Zeit, kommt Schreiben.

Stark in stürmischen ZeitenDie Flügel. Mircea CartarescuIm Kaff der guten Hoffnung


Ans Meer.Der Tag wird kommen! Josef WinklerSprachen. Eine verbale Reise durch Europa

 
Jud. Von Georg Thielbleiben. Von Judith TaschlerDas Ministerium des äußersten GlücksWenn die Zukunft kommtLillys Weg


Von den Märchen. Eine Liebeserklärung 
 Und jetzt ist auch schon wieder Schluss mit schreiben. Immerhin habe ich mir eine (zwei!) wunderbare Sehnenscheidenentzündungen eingehandelt, die dringend und nachhaltig Ruhe einfordern.
Babbit. Von Sinclair Lewis.



 Eure/Ihre Herta Emmer
... immer voller Ideen :-) 

und die Buchhandlung, die Verwirklichung meiner Leseleidenschaft ist auch auf facebook !





Samstag, 14. Juli 2018

Die Schönheit der Nacht. Von Nina George

Die Schönheit der Nacht

Die Schönheit der Nacht.
Nina George.

Das ist mein BUCH DES JAHRES 2018!

Von der ersten Seite an bin ich hineingesunken in das Leben von Claire, die alles so gut eingerichtet hat in ihrer Welt. Doch diesen Sommer wird sie ihre Struktur nicht mehr durchhalten. Etwas bricht auf. Und das hat damit zu tun, dass ihr Sohn seine neue Freundin mit ins Sommerhaus nimmt.

Eine Geschichte, von Ehe und Zeit. Davon, dass man irgendwann gezwungen wird, sein eigenes Leben zu leben.


Besprechung:
Vor der beeindruckenden Kulisse der bretonischen Küste lässt Bestseller-Autorin Nina George zwei Frauen sich selbst neu entdecken: ihre Wünsche und Träume, ihre Sinnlichkeit, ihr Begehren.

Die angesehene Pariser Verhaltensbiologin Claire sehnt sich immer rastloser danach, zu spüren, dass sie lebt und nicht nur funktioniert. Die junge Julie wartet auf etwas, das sie innerlich in Brand steckt - auf des Lebens Rausch, auf Farben, Mut und Leidenschaft. In der glühenden Sommerhitze der Bretagne, am Ende der Welt, entdecken die beiden unterschiedlichen Frauen Lebenslust und Leidenschaft neu - und werden danach nie wieder dieselben sein.
In der "Schönheit der Nacht" erzählt Nina George, Autorin des Welt-Bestsellers "Das Lavendelzimmer", sinnlich, intensiv und präzise von Weiblichkeit in allen Facetten: eine Geschichte vom Werden, vom Versteinern und vom Aufbrechen.

"Sie ist eine Frau, die in die Seelen der Menschen schaut." Thalia Magazin "Stories"




Also: an diesem Buch sollten Sie nicht vorübergehen, wenn Sie gerne gute Frauengeschichten und Entwicklungsgeschichten lesen.

Eure/Ihre Herta Emmer

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Freitag, 13. Juli 2018

Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

https://www.buchwelten.at/list?back=4eb7732b0eead510966416e6dc929b79&xid=4989935
Die relative Unberechenbarkeit des Glücks.
Antonia Hayes
blanvalet

Dieses Buch hat mit gefallen, weil es eine Kombination aus leichter Unterhaltung, Wissen über Astronomie, schwerer Schicksalsschlag, Australien und nie endender Liebe ist.

Ein ideales Sommerbuch.

Einfach hineinsinken, sich selbst und die Welt vergessen, dem zwölfjährigen Ethan folgen, seiner Mutter, dem wieder auftauchenden Vater. Der Leidenschaft zur Physik lauschen. Sterne beobachen. Abschließen. Wieder auftauchen.

Eure
Herta Emmer
jetzt mit online-shop 
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facebook


Besprechung
Mit leichter Hand zeigt Antonia Hayes in ihrem Debütroman, wie unser ganzes Lebens von physikalischen Kräften bestimmt wird." Emotion

Langtext
Alles, was geschehen kann, geschieht auch. Und genauso kann man alles vermasseln und trotzdem ein guter Mensch sein."

Der zwölfjährige Ethan hat ein paar ungewöhnliche Talente. Physik und Astronomie sind für ihn so selbstverständlich wie Lesen und Schreiben, und er sieht die Welt auf eine Weise, die anderen Menschen nicht begreiflich ist. Die wichtigste Person in seinem Leben ist seine Mutter Claire, aber je älter Ethan wird, desto öfter fragt er nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Er weiß nicht, dass er als Baby beinahe gestorben wäre und sein Vater in der Folge verurteilt wurde. Doch dann setzt ein unerwartet eintreffender Brief eine dramatische Kette von Ereignissen in Gang ...

Sonntag, 1. Juli 2018

Das Leben wartet nicht. Von Marco Balzano

Das Leben wartet nicht
Das Leben wartet nicht.
Marco Balzano.
Diogenes.

Eines der Bücher, die lange auf meinem SUB "Stoß ungelesener Bücher" gelegen sind. Dann gewandert. Der SUB wird von Zeit zu Zeit durchforstet. SNB "Stoß nichtgelesener Bücher" -> weiterschenken. Weiterhin auf SUB bleiben. oder beim Umsortieren wechseln in SAB. "Stoß angelesener Bücher".

Jedenfalls blieb Marco Balzano immer dabei. Im Spiel sozusagen.

Ich kannte den Autor nicht. Mich berührten die ersten Sätze. Ich wusste, es ist ein gutes Buch. Und die Zeit wird kommen, der richtige Moment, das Buch zur Hand zu nehmen und zu lesen. Ja, jetzt war es so weit. Ein Buch, das es verdient, langsam gelesen zu werden.

Der kleine Ninetto, Süditalien, Armut. Sardellen. Jeden Tag eine Sardelle. Schule, der Lehrer als Hoffnung, bis ins späte Alter kann er die gelernten Gedichte auswendig. Nur Lyrik hat einen Wert für ihn. Dann die Erkrankung der Mutter, er muss mitarbeiten. Aus und vorbei ist es mit der Schule. Sein Lehrer bleibt als prägende positive Figur.

Die Geschichte beginnt mit der Jugend und dann die Zeit im Gefängnis. Wir wissen lange nicht, was er denn getan hat, nur dass es etwas sehr schlimmes gewesen sein muss. Etwas, für das man büßen muss.

Marco Balzano erzählt in einer bildreichen Sprache die Geschichte vieler italienischer Kinder aus dem Süden, die schon sehr früh, mit 9, 10 Jahren alleine nach Norditalien geschickt wurden; sie sollten dort ihr Überleben sichern. Er selbst kommt aus so einer Familie und hat sich dieses Themas angenommen. Ninetto ist eine erfundene Figur, so hätten viele sein können. Er verschmelzt die vielen Geschichten, die ihm erzählt wurden - die Menschen leben ja noch - in diesen Roman hinein und schafft Literatur.

Viele, sehr beeindruckende Sätze finden sich, sie wären markierwürdig gewesen. Doch der Bleistift war nicht da. Ein Buch eines verlorenen Lebens. Der Rückblick eines Mannes in den fünfziger Jahren seines Lebens. Es hätte da ganz viel sein können. Er hätte Lehrer werden können oder Dichter. Ja, viele Geschichten sind in ihm, aber nie herausgekommen. Er hätte viele Kinder lieben können, aber da war nur eines, er hätte gerne so viel Zeit mit seiner Familie gehabt, aber da war immer die Existenzsicherung, stupide Arbeit in einer Fabrik. "... die einem das Hirn verblödet".

So viel "hätte", "wäre" und dann: ist nicht mehr drinnen. In diesem, seinem Leben. Es war nicht mehr möglich.
Und die Hoffnung: Die Kinder, die Enkelkinder, sie sollen es besser haben, sie sollen den sozialen Aufstieg schaffen.

Jetzt warte ich auf das nächste Buch von Marco Balzano.


Eure Herta Emmer

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Montag, 14. Mai 2018

Der Tod ist ein Wiener. Von Edith Kneifl



Edith Kneifl. Der Tod ist ein Wiener.
Die drei vom Naschmarkt ermitteln.
Haymon Verlag


Edith Kneifl ist schändlicherweise völlig an mir vorübergegangen gewesen. Auch, weil ich nicht DIE Krimileserin bin. Krimis "passieren" mir mehr. Und dann voll.

Als zarte Seele sind grausame Krimis und Thriller nicht meins. Aber da braucht man sich bei Edith Kneifl nicht sorgen.

Der Tod ist ein Wiener, das ist eine Geschichte, die zurückblendet in die letzten Kriegstage des zweiten Weltkriegs. Eine Zeit lang wissen wir nicht, was dieser Mord im Wienerwald mit unserer alten Frau, die sich verfolgt fühlt, die keinem vertraut, zu tun hat. Auch die Rückblendungen in eine nähere Zeit, in die Psychiatrie sind zuerst nicht zuordenbar. Der Knotenpunkt liegt an der alten Frau.

Edith Kneifl hat berechtigt viele Krimipreise und jetzt den Ehrenglauser bekommen. Die Krimis sind klug, unterhaltsam und leicht zu lesen. Und da sie so viele schon geschrieben hat, gehen mir für die nächste Zeit die Krimiromane nicht aus.

Eure/Ihre Herta Emmer
lesen ist Leben

Buch gleich im online-shop besorgen.

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Sonntag, 1. April 2018

Lied der Weite. Von Kent Haruf

Lied der Weite
Lied der Weite. Von Kent Haruf.
Verlag Diogenes

Kent Haruf habe ich mit dem Roman "Unsere Seelen bei Nacht" kennen- und lieben gelernt. Leider ist er schon verstorben, deshalb können wir ihn nicht mehr live erleben. Diogenes hat ihn entdeckt und ins deutsche übersetzt.

Sein Tonfall, seine stille Betrachtung der Landbevölkerung, sein ungeschminkter Blick auf die nicht so sichtbaren, die einsamen, die ausgestoßenen, die merkwürdigen, die verlassenen, die brutalen ist deutlich, die Sprache klar und einfach, doch niemals zeigt der Zeigefinger nach oben, niemals moralisiert er.

Lied der Weite handelt von drei parallelen Geschichten; das Mädchen, das plötzlich schwanger ist, die zwei kleinen Buben, deren Mutter an Depressionen leidet, die schrulligen Bauernsöhne, die alleine die Landwirtschaft führen. Alle wohnen im selben Dorf. Sie haben  - noch - nichts miteinander zu tun. Ja, und die Lehrerin. Sie verwebt die Netze.

Ich finde, man sollte sich Kent Haruf nicht entgehen lassen. Er ist so schön zu lesen. So still und episch, so fein und gelassen.


Gleich besorgen im online-shop oder persönlich in den buchwelten.

Eure / Ihre Herta Emmer

Sonntag, 18. März 2018

Die beste Bande der Welt

Die beste Bande der Welt
 
Saskia Hula: Die beste Bande der Welt.
Nilpferd in Residenz.
Illustrationen von Ina Hattenhauer

Dieses Buch hat mein Herz erobert. Es ist die Geschichte von Oskar, der zu keiner Bande gehört. Oskar beginnt eine Bande zu gründen. Sie ist zuerst die kleinste Bande der Welt (sie besteht aus Oskar), aber dann ....

.... entwickelt sich eine famose Geschichte. Oskar sucht einen Geheimplatz, beginnt zu bauen und erregt die Aufmerksamkeit der anderen Kinder. Durch besondere Klugheit und List gelingt es ihm, die beste Bande der Welt zu gründen.

EIN PERFEKTES VORLESEBUCH!

Es funktioniert mit diesem besonderen verschmitzten Witz von Saskia Hula, die Herzen aller Menschen zu erobern. Auch Erwachsene (die schneller die List entdecken), lachen laut oder schmunzeln still in sich hinein.

Es ist auch ein PERFEKTES SELBSTLESEBUCH. Das Geschichte funktioniert mit ganz wenigen Worten, die Bilder, gezeichnet von Ina Hattenhauer, ergänzen wunderbar und sind entzückend.


Saskia Hula, eine meiner besonders geliebten Kinderbuchautorinnen versteht es einfach, sich in die Welt der Kinder einzufühlen und genau den Punkt zu treffen, das Thema, das sie beschäftigt. (Als Erwachsene braucht man bei diesen Geschichten oft ein bißchen länger - wie ich z. B. bei "Das größte Geheimnis der Welt" ;-))

Nun: Absolute Leseempfehlung!

Herzlichst
Herta


im online-shop sofort kaufen, im Geschäft sofort erhältlich

Donnerstag, 1. März 2018

Das Ministerium des äußersten Glücks

 
Das Ministerium des äußersten Glücks. Von Arundhati Roy, S. Fischer Verlag.

Arundhati Roys erstes Buch "Der Gott der kleinen Dinge" ist 1997 erschienen und sie wurde dafür gleich mit dem Man Booker Price ausgezeichnet.  10 Jahre später erscheint "Das Ministerium des äußersten Glücks", wofür sie in Österreich den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch erhält (2017: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch, Hauptpreis für Das Ministerium des äußersten Glücks[9])

Das Buch steht im Bücherregal, Sichtpräsentation, d.h. es schaut mich an. Über Wochen. Ich spreche mit dem Buch: "Ich kann dich noch nicht mit heim nehmen.", das Buch schaut mich an. "Wenn die anderen gelesen sind, nehme ich dich mit heim", das Buch schaut mich an. Akzeptiert nicht. Lässt keine Ausreden zu.

Dabei habe ich wirklich, also ganz wirklich, einen sehr hohen Stoß, mehrere hohe Stöße um bei der Wahrheit zu bleiben. Das ist diesem Buch egal.

Man beugt sich einer höheren Gewalt. Ich lese das Buch in mehreren Tranchen. Fast wie einen Fantasy-Roman, erinnernd an ein Märchen. Da ich das erste Buch "Der Gott der kleinen Dinge" (shame on me!) nicht gelesen hatte, ist mir der Stil fremd, ich habe diese blumige Sprache, diese Verzweigungen, das Mäandern in verschiedenen Welten - oder doch nur in einer? - nicht erwartet.

Und lasse mich darauf ein. (Sie erinnert mich an Barbara Frischmuths "Die Kuh, der Bock, seine Geiß und ihr Liebhaber"). Ein sehr politisches Buch - und gleichzeitig geschrieben, wie unwahr. Die Leben, die Arundhati Roy uns hier vorsetzt wirken unwirklich, das kann es nicht geben. Indien so fremd, so anders, man riecht förmlich die Düfte der Räucherstäbchen und Gewürze.

Drei Teile umfasst es und jeder ist für sich allein schon ein Roman. Lange weiß man nicht, warum das Buch "Das Ministerium des äußersten Glücks" heißt, denn es gibt kein Ministerium im Buch und auch nicht wirklich Glück. Vielleicht kleine Momente des Glücks, aber sonst handelt das Buch von Ausgrenzung, Kastenwesen, Krieg (Kashmir), Verlogenheit, Verrat, Kälte, Verfolgung, staatlicher Willkür.

Der Krieg ist ein hartes Los. Und viele Jahre Krieg zerstören die Menschen, fügen unsägliches Leid zu. Und doch leben sie. Leben weiter, organisieren sich in ihren kleinen geschützten Welten. sei unpolitisch! wenn du überleben willst. Sei politisch! Gib dich nicht auf!

Ein sehr aktuelles Buch, das eine Region beschreibt, die derzeit nicht im Fokus der westlichen Medien ist. Dort ist noch immer Krieg? Und was bedeutet der Kashmir-Konflikt? Wie sieht ein Kastenwesen tatsächlich aus und ist es gerecht? Und wenn es nicht gerecht ist, was ist die Alternative? Und will jemand die Alternative? Und wenn ja, was sind das für Kräfte?

Das Buch löst keine dieser Fragen auf. Nur eine: wo Menschen noch ein Herz haben, können sie sich finden. Auch wenn das Ministerium unsichtbar ist, das Glück ist ein Vogerl (wie der Wiener sagt), ein schüchternes, verstecktes, aber existentes.

Das kommt vielleicht heraus. Aus diesem Roman. Was ist schon Glück. Was ist schon ein Leben. Und doch. Jeder Mensch zählt.


Eure Herta Emmer

Hier gleich im online-shop besorgen.
buchwelten.at

Dienstag, 13. Februar 2018

Das Päckchen. Von Franz Hohler

Das Päckchen
Das Päckchen.
Franz Hohler.
Roman. Verlag Luchterhand.

1. Franz Hohler kann man immer lesen.
2. Bücher aus dem Luchterhand-Verlag kann man auch immer lesen.

Beides bürgt für Qualität.

Natürlich habe ich es gleich mit nachhause genommen. Das Buch. Als es bei uns in der Buchhandlung angeliefert wurde. Und auch am selben Abend angefangen. Aber da waren noch ganz viele andere auf dem SUB. (Stoß ungelesener Bücher) und auf dem SAB (Stoß angelesener Bücher).

Begonnen habe ich im November. Fertiggelesen im Dezember. Jetzt schreibe ich darüber. Was sagt das über mich aus?
Erzählt habe ich es schon. Bei Radio OP, dem Minderheiten-Regionalradio, in dem ich jeden Mittwoch ein Buch vorstelle. Nur niedergeschrieben nie. Zum niederschreiben braucht der Mensch Muße. Muße bedeutet, sich verinnerlichen, konzentrieren, einlassen, Sätze kommen lassen.

Heute ist Faschingdienstag, ein Tag an dem ich zuhause bin. Im Burgenland ist Ausnahmezustand und ich lebe zurückgezogen. Das Geschäft ist geschlossen, weil Ausnahmezustand. Oberpullendorf ist eine große Faschingsgemeinde (ups -Stadt)

Aber jetzt einmal zum Punkt kommend. Das Päckchen. Von Franz Hohler.

Es beginnt mit einem Telefonat. Er, der Bibliothekar hört eine Telefonzelle läuten (ja, so etwas gibt es noch. Jedenfalls in der Schweiz. Auf Bahnhöfen). Er sieht sich um. Verwundert. Wen ruft eine Telefonzelle an? Niemand hebt ab.

Er weiß heute noch nicht, was ihn motiviert hat (oder welcher Teufel ihn geritten hat), zum Telefon zu gehen, den Hörer abzunehmen und "Hallo" zu sagen.

Eine alte Frau spricht mit ihm. Sie glaubt, er sei ihr Verwandter, er kann es ihr nicht ausreden und schon ist er drinnen in der Geschichte. Er muss wohl zu ihr gehen, es scheint ihr schlecht zu gehen. War das nicht die Verpflichtung jedes anständigen Menschen? Was würde seine Frau sagen? Er würde sich etwas überlegen.

Er, der brave Bibliothekar rutscht in eine Geschichte hinein, die ihn erstmals in seinem Leben dazu bringt, zu lügen, seiner Frau die Wahrheit zu vertuschen, in der Arbeit früher zu gehen. Verhalten, das er niemals an den Tag gelegt hat, ja das ihm völlig fremd war.

Es geht um ein geheimes Buch. Eine Originalschrift, gesucht von dubiosen Männern. Die Frau drückt es ihm in die Hand. "Nimm es und versteck es, es ist wertvoll". Es wurde vor vielen Jahren bei einer Bergtour gefunden, in einem Tagebuch beschrieben, der Besitzer würde ein reicher Mann werden. Doch wie Besitz eines verschollenen Originals erklären? Wie dies auch beweisen?

Parallel sinken wir in das Mittelalter ein. Wir begleiten einen Schreiberling. Den, der das Werk vollbracht hat. Die Zustände, die Lebenswelten. Liebe, Verrat, Krankheiten. Und kommen wieder hoch ins 21. Jahrhundert.

Doch wie die Geschichte wirklich ausgeht und was das mit Bergsteigen zu tun hat, kann ich leider nicht ausführlicher erzählen. Immerhin muss man die Spannung erhalten ...

Einfach zum Selberlesen.


Eure
Herta Emmer
Lesen tut gut.

Buch gleich im online-shop kaufen. und mehr erfahren unter www.buchwelten.at



Montag, 12. Februar 2018

Mitgift. Paul Michael Zulehner


Das Buch habe ich vor längerer Zeit schon gelesen und meinen Dank für den Text Paul Zulehner auch geschickt. Ich habe es über ein Jahr lang nicht veröffentlicht. Dabei ist es so gut. Vielleicht ein bißchen pubertär begeistert besprochen. Doch was schadet Begeisterung? Mut. Begeisterung. Tatendrang. Das ist doch, was wir alle wollen und brauchen. Auch Buchhändlerinnen.
Deshalb jetzt doch. Mitgift.

Sehr geehrter Herr Zulehner

Gerade habe ich das von Ihnen empfohlene Buch "Mitgift" fertig gelesen. Von Anfang an, gleich als Sie mir dieses überreichten, hatte ich das Gefühl, sie möchten mir etwas damit sagen. Einen Wink geben. Einen Hinweis liefern. Ein Rätsel entwirren.

Doch welches?

Natürlich vermutete ich unser vorangegangenes Gespräch. Wir saßen am Signiertisch und unterhielten uns, vielmehr tauschten wir Sätze aus, zwischen den vielen Bitten, Wortteilen, Hinweisen, Ermutigungen, Freudbekundungen, die seitens der Zuhörerschaft an Sie herangetragen wurden.

Doch blieb Zeit. Für den einen oder anderen Satz.

Wie sehr hätte ich meine Zunge in Zaum gehalten, hätte ich gewusst! Wiedereinmal ist mir meine offene Ahnungslosigkeit zuvor gekommen und ich habe mich ganz normal mit ihnen unterhalten. Nicht wirklich wissend. Mit wem! Welche Geschichte!

Dass ich es mit einem Kapazunder zu tun habe, das war mir schon klar. Immerhin hatte ich ihrem Vortrag gelauscht. und wie. Verdurstet und verhungert man doch. Hier. Immer wieder. Und ist froh, einen geistig gedeckten Tisch vor sich zu haben. Welch Labsal.

Nun. Ich bin eine Leserin. Ich darf mich wohl so nennen. Auf meinen Tischen, Nachtkastln, Fußböden, leeren Plätzen in verschiedenen Regalen stapeln sich Bücher. Solche die "angelesen" sind, solche die gelesen werden wollen, solche, die wirklich ganz sicher weitergelesen werden, solche die ausgelesen sind aber noch nicht besprochen. Ich lese für gewöhnlich an mehreren Projekten gleichzeitig. Hier ein Fachbuch, dort eine Zeitschrift, auf diesem Stapel Literatur in Form von Leseexemplaren (also vor Erscheinen), wieder an anderen Plätzen Bücher, die ich schon immer lesen wollte, AutorInnen, von denen ich mehr erfahren will. LieblingsschriftstellerInnen.

Mal wird das eine fertig, dann das andere. Und dazwischen gibt es solche, die ich öffne, und die dann diesen bestimmten Drang ausüben. Der bedeutet: ein Drängen in einem, wieder hinzugehen, früher ins Bett als sonst, weiterlesen, mehr erfahren wollen, nicht rausgehen aus dem Text, aus der Geschichte. Immer weiter. Mit zugefallenen Augen warten, ob sie nochmals aufgehen, damit man weiterlesen kann.

Nun. Ihr Buch "Mitgift" gehört zu dieser Sorte. Zuerst hatte ich noch das andere
Gott ist größer als unser Herz von Ihnen in der Hand, reingelesen, immerhin hatte ich mir das selbst ausgesucht, dort auf dem Büchertisch, um eine Signierung (Signatur ist es ja wohl nicht) zu bekommen. Lächelnd zuhause festgestellt, dass  schon ein Exemplar vor dem Bett liegt (vielmehr daneben. Der Sicherheitsstoß. Wenn er fällt, dann nicht mir auf den Kopf.)

Und dann zu "Mitgift" gegriffen. Ich könnte Ihnen nun unterstellen "hellsichtig" zu sein. Wahrscheinlich empathisch, lebenserfahren, das ganz sicher.

Ihre Erzählungen zu ihrem Leben. Kirchengeschichte pur. Am Anfang wie ein Geschichtsbuch. Für mich erhellend, vieles habe ich nur am Rande mitbekommen. Hier tun sich Erkenntnisse auf. Zusammenhänge werden klar. Politik! Macht!

Gleichzeitig ihr persönlicher Zugang. Wie wenig Sie über Ihre Erfolge und wie viel über ihre schmerzlich erfahrenen Ablehnungen schreiben. Tröstlich. Wir alle müssen lernen, mit Ablehnung umzugehen. Teil des "Chaos Lebens". Ihre Zitate. Mein Gott sind Sie gescheit!

Und die Berührung. Arbeiten und Lieben.
Mein Leitspruch. Arbeiten und Lieben sind eins.

Doch Hellseher.

Ich habe einen sehr feinen Mann gesehen. Fleißig. Wie hatte ich doch letztens erst mit jemandem besprochen, wie sehr Heimaufenthalte ein Kind zur Disziplin erziehen. Ich bin da wilder aufgewachsen. Die umfassende Bildung, die deutlich wird - ein Vorbild. Auch ein Lebensziel. Als Mensch wachsen. Reifen, vertiefen.

Die schönen Vergleichsbilder, die Sie zeichnen. Immer auch die Kunst zeigend. Lyrik, die Beziehung zu Musik. Die Kunst macht uns zum Menschen. Sie zeigt uns die Möglichkeit, dass es etwas Größeres gibt. Mehr als Alltag, mehr als Abwicklung und Funktionieren.

Und ihr Mut. Mutige Menschen müssen sich einer steiferen Brise stellen. Feigheit kann sich durchschummeln. Blutige Nasen haben Sie sich genug geschlagen. Und weitergegangen. Vorbildhaft.

Lieben. Gott ist der All-Eine. Die Liebe.

Ja, ich sehe vieles wie Sie. Die Menschen, die für Gott keine Kirche brauchen. Sie wissen mehr als ich. Ich kann nur erahnen, erfühlen, beobachten, sehen. Nur dieses kleine Umfeld wahrnehmen. Immer in der Gefahr, die Scheuklappen würden zu groß, die Selbstbezogenheit im Biotop zu undurchlässig, zu überzeugt. Das Bild von den "dicken Krugwänden". Eingeprägt.

Sie haben auch "aufgemacht". Nicht nur den beweisbaren, sichtbaren, belegbaren Teil der öffentlichen Arbeitswelt, auch - oft nur sehr am Rande erwähnt - den Zugang zur Mystik.
Zu einer Mutterwelt. Das empfangende und gebärende, das intuitive und fühlende. Wie schwer es ist, das anzunehmen in einer rationellen Welt, die nur messbares und beweisbares glaubt und für voll nimmt.

(Als Frau doppelt schwer, ist doch die Gefahr der "Hysterie-Ecke" zu groß - nämlich dort hineingestellt zu werden, nicht mehr als ganzer und denkender Mensch wahrgenommen zu werden. Der Kampf ist schnell verloren.)

Sie als Wissenschaftler! Und dann das! Wie Sie dem Skandal die Stirn bieten. Sie haben nichts zu verlieren? Schon zu viel verloren und damit die Freiheit, so zu sein? Ich werden noch mehr von Ihnen lesen.

Und Sie haben noch etwas aufgemacht. Ihre verborgene, intime Seite. Die Betroffenheit; gleichzeitig - und immer sofort - rauf auf den Feldherrenhügel, den Zusammenhang ansprechen, das gesellschaftspolitische Umfeld. Vom Kleinen ins Große schließen. Ja, so geht es vielen. Ja, dafür kämpfen ist wichtig. Dafür, dass Institution nicht kaputt macht. Dass Liebe viel größer ist, und niemals böse. Nicht der Teufel reitet uns. Gott schenkt uns. 

Was ich abschließend erwähnen möchte. Heute ist Donnerstag, der 2.3.2017. 23:21 Uhr. Vor genau einer Woche habe ich Sie kennengelernt, haben wir miteinander gesprochen.

So schnell geht es, wenn ein Buch, ein Text einen nicht mehr loslässt. (Obwohl dazwischen Fasching war, Verpflichtungen, Termine, Arbeitswelt.)

Ich danke Ihnen für die "Mitgift".

Herzlichst
Herta Emmer

www.buchwelten.at; buchwelten-online-shop.

Dienstag, 23. Januar 2018

Mörderisches Ufer. Ein Fall für Thomas Andreasson.

Mörderisches Ufer
Mörderisches Ufer. Der achte Fall von Thomas Andreasson.
Geschrieben von Viveca Sten. Verlag Kiepenheuer & Witsch.


Wie immer bei Viveca Sten ist es außerordentlich gefährlich mit einem Krimi anzufangen. Denn man hört nicht mehr auf. Was in Zeiten von hunderttausend Verpflichtungen und sonstigen Arbeiten, die man sich vorgenommen hat, nicht ideal ist. Denn alles bleibt unerledigt und unaufgearbeitet.

Ich habe Teile 1, 2, 3 und 4 gelesen, dann keines mehr angegriffen, aus oben genannten Gründen. Und auch, weil ich mir dachte, ich kann ja nicht nur über eine Autorin die ganze Zeit schreiben, weil ich sonst nichts gelesen habe.

Der ORF hat mich gebeten bei Guten Morgen Österreich drei Bücher zu beschreiben, eines davon sollte ein schöner Krimi sein. Nun, was macht Herta da? Sie greift zum neuesten Band von Viveca Sten. Das kann nur gut sein, beginnt zu lesen - und beendet das Buch nach einigen Stunden. In der Zeit ist Herta für die Umgebung nur bedingt ansprechbar. Man ist froh, dass es die Nacht gibt.

In diesem Band geht es um Kindesentführung und um Geldhinterziehung. Das bewährte Freundespaar Nora und Thomas begegnet uns wieder, in den letzten Jahren haben sich einige Änderungen ergeben. Kinder sind dazugekommen, Scheidungen wurden verarbeitet, Jobs gewechselt. Aber es macht gar nichts, dass man ein paar Bände ausgelassen hat, Viveca Sten erklärt schön in Nebensätzen, was passiert ist und wir sind voll im Bilde.

Ich bin natürlich ziemlich irregeführt worden. Dachte bei der Entführung an ganz andere Täter und Gefahren, als diejenigen, die es dann gewesen sind. Die Geschichte hat mich gefesselt, gehalten, und sie hat sich nicht ganz so schrecklich aufgelöst, wie ich vermutet habe, aber schrecklich genug.

Mehr kann ich vom Krimi leider nicht erzählen, da ich sonst die Spannung zerstöre.

Es ist ganz einfach. Hinsetzen, Buch aufschlagen, zu lesen beginnen, auf der letzten Seite aufhören, Buch zuschlagen, aufstehen, weiter machen.

Eure Herta Emmer

www.buchwelten.at
online-shop

Mittwoch, 3. Januar 2018

Raunächte

Raunächte
Raunächte.
Über Wünsche, Mythen und Bräuche - Märchen für Erwachsene
Von Isabella Farkasch. Verlag Goldegg

Schön erzählt sie die Geschichten über die Raunächte, die am 25. Dezember beginnen und am 6. Jänner enden.

Aber es gibt auch schon Weisungsnächte davor, der 21. Dezember als Wendetag und der 24. Dezember, die 0. Raunacht, Heilig Abend.

Mit diesem Buch durch diese Zeit "zwischen den Jahren" zu gehen, beruhigt, besinnt, gibt ihnen einen mystischen Anstrich, etwas, wonach wir in dieser Nicht-Zeit schon Sehnsucht haben. Rückschau, Vorausschau, Abschließen und Neu Beginnen sind die Themen von 25. Dezember bis 6. Jänner.

Wir wünschen uns doch gegenseitig alles Mögliche. Glück, Segen, Gesundheit, Erfolg. Wir schenken uns Glücksbringer; Kleeblätter, Sparschweine, Rauchfangkehrer, Hufeisen, Pilze. Und da sage mir einer etwas von Aberglaube!

Jedenfalls zahlt es sich aus, die Geschichten zu lesen, etwas abzusinken in die Märchenwelt, sich mit der Anderswelt auseinanderzusetzen. Wie lieben wir doch die Sagen von Merlin und den nordischen Göttern, die Geschichten von Tolkien, Herr der Ringe, von den Hobbits und Elfen, den Zwergen und Magiern, wie erfolgreich waren die Harry Potter-Bände, wo alles, was wir an mythischem Glauben haben schön verpackt wurde.

Da können wir uns doch auch dieses Buch zur Hand nehmen und die Geschichten von der Frau Holle, von Glück und Unglück, von alten Bräuchen und Erzählungen, genießen.

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Sonntag, 31. Dezember 2017

2017

2017 war für mich ein Jahr voller Überraschungen und unvorhersehbarer Wendungen.

Zuerst starteten wir die Umgestaltung in den buchwelten. Neue Möbel, neue Sortierung, neue Schwerpunktsetzung. Sie dauerte in der Erstphase 6 Wochen, die Fertigstellung und das Finetuning bis Ende Juni. Wie geplant. Schön ist es geworden und wir bekommen auch viel Lob von unseren Kunden.

Parallel organisierte ich GRENZENLOS LESEN 2017 mit viel finanzieller Unsicherheit und einem enormen Kraftaufwand durch ebendiese. Dann aber war es ein großer Erfolg, was für die Mühen entschädigt.

Politisch tat sich 2017 sehr viel. Zuerst die Krise der Grünen mit ihrer Jugend und der für mich vollkommen überzogenen Reaktion der Führungsspitze. Dann die Eiszeit zwischen Rot und Schwarz, Eva Glawischnig hatte über Ostern einen wilden Aussetzer, gerade als wir in den USA waren überschlugen sich die Ereignisse. Rücktritt Eva Glawischnigs, Rücktritt Mitterlehners, Neuwahlen zeigten sich am Horizont.

Dann die leidige Geschichte mit den Grünen Listenwahlen. Wieder nichts verstanden. Ich habe schon die Doppel/Dreifachspitze für keine gelungene Lösung gehalten.

Nun - und dann kandidierte ich für die Liste Peter Pilz. Da tat sich auf einmal ein Fenster auf, dass es möglich ist, mit vielen spannenden Leuten etwas auf die Reihe zu bekommen. Mit dem Einzug hatte ich immer gerechnet, mit den Nebengeräuschen in den anderen Parteien nicht. Die Grünen sind schon hart bestraft worden für ihre vielen Führungsfehler und das strukturimmanente Problem bei den Listenerstellungen. Jetzt gibt es für sie Zeit, eine grundlegende Reform der Strukturen anzugehen.

Buchhandlungstechnisch entwickelt sich die Buchabteilung hervorragend, das gewöhnliche Büromaterial ist als Markt nicht mehr vorhanden. Alles online. Nun, man wird sich 2018 an die neuen Nachfrageverhältnisse anpassen. Mich stört ja nicht, mehr Buch und mehr schöne Ware zu machen. :-)

Im großen und ganzen ein gelungenes Jahr. Viel gearbeitet, viel umgesetzt, viel Mut bewiesen, viele spannende Menschen kennengelernt und bewährte Beziehungen vertieft. Von allem viel.

Es ist wohl an der Zeit, dem Leben zu danken, das mich so reichlich mit Aufgaben beschenkt.

Und meine Zukunft? 2018 werden viele Weichen neu gestellt werden. Wir werden sehen welche und wohin die Reise geht. In meinem Kopf gibt es viele Ideen, viele Möglichkeiten, noch trage ich schwanger damit.

Na dann: auf ins Neue Jahr! PROSIT !
Tragen wir die Pläne gut aus und bringen sie lebensfähig in die Welt.

Eure/Ihre Herta Emmer
... immer voller Ideen ...


www.buchwelten.at

Florenz Tschinglbell. Christine Nöstlinger

Florenz Tschinglbell
Florenz Tschinglbell
Christine Nöstlinger
Nilpferd. 2016
 
 
Dieses Kinderbuch der von mir sehr verehrten Christine Nöstlinger habe ich nun schon über ein Jahr bei meinen gelesenen, noch zu besprechenden Büchern liegen.
 
Das Problem ist, ich habe die Geschichte nicht ganz richtig verstanden, wie ich meine. Und deshalb kann ich auch ganz schlecht erzählen, worum es geht.
 
Vordergründig war die Auswahl dieses Buches absichtsvoll. Als Tagesbuch für den 5. Dezember. Krampustag. Das Buch ist ja auch zum fürchten. Allein schon das Cover! Da haben alle spitze Zähne, schauen grimmig und gefährlich drein.
 
Und es liest sich - natürlich - sehr gut. Nur der Schluss. Als sie die Tür öffnet und da steht tatsächlich die Florenz Tschinglbell vor der Tür.
 
 
Ich müsste wohl ein Kind sein, um die Geschichte zu verstehen. Vielleicht kommt eines Tages ein Kind zu mir und erzählt mir die Geschichte noch einmal und dann verstehe ich sie.
 
 
 
Eure/Ihre
Herta Emmer
 
 
im online-shop der buchwelten ist das Buch zum Selberlesen prompt erhältlich.
und im analogen Geschäft, "echt" auch. www.buchwelten.at 

Samstag, 30. Dezember 2017

Zlateh die Geiss und andere Geschichten

Zlateh die Geiss
Zlateh die Geiss und andere Geschichten. Von Isaac Bashevis Singer. Mit Bildern von Maurice Sendak. Aladin. 2017

Ein Sammelband voller jüdischer Märchen / Erzählungen.

Wunderbar illustriert von Maurice Sendak.

Ich hatte bei einigen Geschichten gleich Bilder vor mir, wo und wem ich diese oder jene gerne vorlesen würde. Wie wir sie als Bild-Geschichten verwenden könnten, als Parabeln.

Ein großer Kunstschatz, ein wunderbares Buch, schön, kunstvoll, kunstsinnig. Durchsichtig und humorvoll. Jüdisch.

Danke, dass Isaac Bashevis Singer einige Geschichten gerettet hat, indem er sie aufgeschrieben und veröffentlicht hat. Singer erhielt 1978 den Nobelpreis für Literatur.

Allein das Vorwort ist schon so fein, so tiefgründig und liebevoll, dass es für eine Einführung in ein Geschichtenschreib-Seminar geeignet wäre. Oder einfach zum Nachher dasitzen und nachwirken lassen.

Diesen Sonderband wird es nicht ewig geben. Deshalb: Sofort kaufen und ins Bücherregal. Ein Buch für die Bibliothek.


Ihre / Eure Herta Emmer


buchwelten.at
online-shop

Samstag, 4. November 2017

Kämpfen. Von Karl Ove Knausgard

Kämpfen.
Von Karl Ove Knausgard
Luchterhand.

Das ist nun der sechste und letzte Teil der MINKAMP-Serie von Karl Ove Knausgard.

Mit dieser Serie - beginnend mit STERBEN - ist er zu meinen Lieblingsautoren aufgestiegen. Ich habe sie alle gelesen. Alle sechs Teile. Immer wenn der nächste Teil übersetzt war, habe ich sämtliche Romane zur Seite gelegt und Karl Ove Knausgard vorgezogen. Zu recht. Denn er ist ein außergewöhnlich guter Erzähler.

Kämpfen war dann schon eine Aufgabe 1267 Seiten. Überhaupt das Jahr 2016 und das Jahr 2017: Lauter solche Schmöker. Wer soll das alles lesen! Und wann!

Gut. Man selektiert. Frau auch. Wenn ich gewusst hätte, dass Knausgard 400 Seiten Hitler widment, ich hätte das Buch vielleicht nicht gelesen. ... man hat doch eh schon alles. und überhaupt. und mühsam. und nicht schon wieder ...  .

Aber seine Zugangsweise, immer in dieser radikal subjektiven Position verbleibend, das kann was. Seine Behandlung des Schmerzes, der erzwungenen Namenlosigkeit seines Vaters, der Zugang über die Lyrik, und dann die Weiterleitung in die Bedeutung der Namenlosigkeit. Was heißt es, wenn wir nicht benannt sind. Gibt es uns dann? oder nicht? Und die Überleitung in die strukturierte Auslöschung vieler Menschen und ihrer Namen. Ihrer Geschichten.

Knausgard hatte sich ja auch intensiv mit dem Täter von  Oslo und Utøya,, Breivik, auseinandergesetzt. Er las "Mein Kampf" im Original (in seiner eigenen Sprache natürlich, deutsch kann er ja nicht); er denkt intensiv über die Herkunft des Bösen nach. Ihn beschäftigt, wie ein Mensch, geboren, Baby, Kind, sich zu einem herzlosen, brutalen, menschenverachtenden Monster werden kann.

Sehr viel Tiefgang. Und dann wieder seine Familie, der Alltag. Die Seite, die wir von ihm kennen, was wir erwarten wenn wir die sechsteilige Serie lesen. Ihn. Sein Leben, seine Gedanken. Das durch diese subjektive Auseinandersetzung zum allgemeinen Manifest unserer Leben wird. Ein europäisches Leben im 21. Jahrhundert.

Lesen sie es im Urlaub.

Sie können auch die 400 Seiten über Hitler auslassen. Oder nur die 400 Seiten über ihn lesen und das Leben von Knausgard weglassen. Vielleicht wird der Mittelteil ja einmal als eigener Band gedruckt. Er wäre es wert.

Und dann treffen wir uns, und reden darüber. Über MIN KAMP, wie die Serie in Norwegen heißt.


Ihre
Herta Emmer

#lesen. immer. #hineinsinken. so oft es geht. #lernen. #wachsen

in den buchwelten kaufen. oder im buchwelten-onlineshop.

Hier die Besprechungen der anderen Teile


TRÄUMEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2016/01/traumen-von-karl-ove-knausgard.html
LEBEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2014/07/leben-von-karl-ove-knausgard.html
SPIELEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2013/12/spielen.html 
LIEBEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2012/04/lieben.html
STERBEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2012/01/sterben.html


Das Amerika der Seele https://hertaemmer.blogspot.co.at/2017/01/das-amerika-der-seele-karl-ove-knausgard.html

Sonntag, 1. Oktober 2017

Wählen und kämpfen

Heute ist der 1. Oktober 2017.
Tag der Gemeinderatswahlen im Burgenland.
2 Wochen vor der Nationalratswahl in Österreich.

Die Stimmung schaukelt sich auf. Alte Gräben werden wieder reaktiviert. Verschwörungstheorien geistern durch die Medien. Wahre und Ausgedachte.

Ich plane meinen Wahlkampfendspurt. Schreibe inhaltliche Papiere, versende sie an Medien. Es überrascht schon, wie viel an Inhalt und Meinung da ist, wenn man nur Jahre beobachtet hat. Genau hinschauen, zuhören, aufmerksam sein.

Was mir aufgefallen ist, ich oftmals nur in Stimmungslagen und Eindrücken wahrgenommen habe, wird jetzt, bei Faktenrecherche bestätigt.

  • Digitalisierung als DAS Thema. ... spielt in österreichs Politik keine Rolle 
  • Zuzug in die Ballungszentren, dadurch Ausdünnung des Landes .... spielt im Wahlkampf gar keine Rolle. Dabei sieht das jede/r!
  • Änderung im Arbeitsverhalten der nächsten Generation. ... die offizielle Politik ist damit beschäftigt, "Förderung" für Arbeitnehmer plus 50 zu propagieren --> für Gemeinden gedacht  Aktion 20.000 --> Die Hälfte der DG-Beiträge... typisch Industrieförderung, weil, wer hat schon Zeit und Personal einen aws-Antrag zu machen?
  • Stattdessen: Bürokratie, Zettelwirtschaft, Misstrauen seitens der Behörden, Umständlichkeit, neue Auflagen, Regelungen, immer enger zieht sich das Korsett der Vorschriften. Als ob man alles auf dieser Welt absichern und kontrollieren könnte. Es schränkt nur uns, die Kleinen da unten, ein.

Mit den Lösungen des 20. Jahrhunderts werden wir das 21. nicht bewerkstelligen.

So, jetzt schicke ich den Plan der Veranstaltungen raus.

Inhalte und Lösungen. Vorschläge, Ideen, Kreativität. Mal sehen, ob das ankommt.


Am Dienstag um 11.30 Pilzgespräche zu LANDFLUCHT IST WEIBLICH.
Hotel Ohr, Eisenstadt
Offenes Plattformgespräch.

Maria Stern, Herta Emmer und Michaela Rauschka.

Das mittlere und südliche Burgenland und Teile der Steiermark sind von starker Abwanderung gekennzeichnet. Vor allem zieht es junge Frauen weg: Auf der Suche nach Ausbildung und Berufschancen siedeln sie ab und kommen oft nicht mehr zurück. Fehlende Arbeitsplätze, lange Arbeitswege, mangelnde Kinderbetreuung in der Heimatregion lassen den urbanen Raum attraktiver erscheinen. In der Folge dünnt das Land noch mehr aus. Die Landflucht ist weiblich  (Ö1. Journal Panorama 19.9.17)

Alle wissen es: wir haben Lösungen.
Wir laden zum Gespräch.












Sonntag, 24. September 2017

Lesen hilft. Immer.

 Lesen hilft. Immer.

Das steht auf einer Kette, die ich bekommen habe. Weil sie so zu mir passt. Ich finde ja, weil das immer passt.

Lesen ist kein Selbstzweck. Eine Kulturtechnik zu beherrschen, nur so.

Das macht wenig Sinn. Es geht darum, zu erkennen, warum man lesen kann (können muss).

Weil man eintauchen kann in andere Menschen, andere Gefühle. In Geschichten, die man selbst nie erlebt hat und auch nicht erleben wird. Weil sie in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort spielen.


Und die Neugier? Ich will die Welt erfahren. Fragen tauchen in mir auf. Ich will sie auflösen.
Ein Buch hilft. Eine Zeitung. Eine Zeitschrift. Eine Meldung auf facebook.
Und was ich gar noch nicht wusste? Ich erfahre Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte. Ich bilde mir einen kritischen Geist heraus. Diskutiere mit anderen.

Lesen hilft.
Wenn ich etwas noch nicht weiß.
Wenn ich mehr wissen will.
Wenn ich traurig bin, verlassen, liebesbedürftig.

Wenn ich die Welt draußen lassen will.
Wenn ich glücklich, lustig, blitzend bin
Wenn ich die Welt herein lassen will.

Lesen hilft.
An den regnerischen Tagen. An den Tagen, an denen es zu heiß für irgendwas ist. An den kalten Wintertagen. In den Nächten.

Wenn ich mir unsicher bin. Wenn ich mir ganz sicher bin. Wenn ich eine Lösung suche. Wenn ich in meinem Problem versinken will.

Lesen hilft.
Wenn ich an der Welt teilnehmen will. Wenn ich nicht an der Welt teilnehmen will.

Lesen hilft immer.









Ein guter Mensch. Von Jürgen Bauer.

Ein guter Mensch
Ein guter Mensch
Jürgen Bauer
Verlag Picus.

Jürgen Bauer beschreibt in seiner Dystopie einen Mann, der sich bereit erklärt hat, als Wassertankfahrer anderen Menschen zu helfen.

Wir leben in Mitteleuropa. Es hat seit ewigen Zeiten nicht mehr geregnet. Selbst jetzt, im Frühling ist die Erde schon ausgetrocknet. Nur zeitweise kommt Wasser aus der Leitung, dann ist es aber grauslich und braun und stinkt.

Wasser sparen ist das Gebot der Stunde.

Die Lokale haben geschlossen, da sie das Geschirr nicht mehr abwaschen können. Auf den Wiesen sitzen arme Menschen, sie nennen sie "Die Durstigen". An der Stadtgrenze, eingepfercht in Lager die Hitzeflüchtlinge. Ihnen bringt er Wasserrationen.

Die Welt steht vor dem Kollaps. Die Reichen haben sich schon in die Berge oder in den Norden abgesetzt. Nur wenige sind da geblieben. Er zum Beispiel. Er findet, es können doch nicht alle einfach weggehen. Man muss doch auch vor Ort etwas tun.

Und er benimmt sich so, wie es erwartet wird. Er gibt niemandem, der sich nicht regelkonform an der Wasserausgabestelle angestellt hat. Auch nicht, wenn diese alte Frau kollabiert. Was soll er tun. Er hat seine Vorschriften. Und die sind streng.

Seine geliebt Frau ist weggegangen. Darüber kommt er nicht hinweg. Er folgt ihr auch nicht. Immerhin hilft sie ihrer Familie im Süden. Wer geht schon in den Süden? Waldbrände, noch größere Armut, noch weniger Wasser. Man hört auch von wilden Horden, die raubend und mordend durch die Gegenden ziehen.

Abends treffen sich die letzten Freunde abseits der Stadt. Man kennt sich schon lange. Jeder in seiner Welt gefangen. Darf man Hoffnung schöpfen?

Eine Gegenbewegung schürt Unruhe in diese schlimmen Zeiten. Sie verbrauchen Wasser! Sie schwimmen, sie schütten wertvolles Trinkwasser aus, sie demonstrieren. Sein Freund schließt sich auch diesen Wahnsinnigen an. Ganz irre wirkt er schon. Oder ist es die Hitze?

Er wirft seine letzte Blume weg.


Jürgen Bauer schreibt einen flüssig zu lesenden Roman über eine Möglichkeit der Zukunft, die nicht so weit weg erscheint. (Brände in Südeuropa, Wasserrationierung in Rom, ...)

Aber was er noch in diesen Roman legt ist die Frage: ist Wasser tatsächlich knapp oder verdienen da einige wenige an der Not von vielen? Stimmt es, was die Wahnsinnigen sagen? Und ist die Selbstgerechtigkeit des guten Menschen berechtigt?

Sehr lesbar ab 15. Das ist ein Roman für Erwachsene!

Ich habe ihn gelesen, als er gerade ganz heiß war. Im Sommer. Passte sehr gut. Not der Menschen gepaart mit autoritären Verbrechensregimes, begleitet von korrupten Mitläufern. Schöne Aussichten.


Ihre Herta Emmer

im buchwelten online-shop erhältlich. Und natürlich in der Buchhandlung selbst! :-)


Montag, 11. September 2017

Chikago. Von Theodora Bauer

Chikago
Chikago.
Von Theodora Bauer
Roman. Verlag Picus

Nun. Ja! Ich habe schon öfter Theodora Bauer zugehört, wie sie aus ihrem Buch "Chikago" vorgelesen hat. Ja! Ich habe auch schon kurz reingelesen gehabt. Beim Büchertisch.
Ja! Ich gestehe. Nicht mehr.

Bis jetzt.

Am Wochenende. Auch eine Buchhändlerin im Schulbuchbeginnstresswahnsinn braucht Phasen der Kontemplation. Man zwingt sich zum Nichtstun. Weil. eh schon wissen. Man muss auch einmal ein bißchen eine Ruhe geben. Also was tun. Rauf auf die Couch, rein in die Decken und Pölster. Sehnsüchtig, lüstern schauen auf den Tisch. Dort der Stapel der "Die will ich noch lesen" - Bücher.

Ein Griff. Es ist Chikago. Buch aufgeschlagen.

Ja! Und dann war es um mich geschehen.
Dieser inständige Ton des Perfekt (Vergangenheitsform), diese undurchdringliche Einfachheit, ja Banalität des Landlebens, unterspickt mit einer Tiefgründigkeit, mit  eine Feinsinnigkeit und einem Einfühlungsvermögen, dass ich mich wundere, wie so ein junges Mädchen schon (Theodora) in diesem Alter sich so hineinversetzen kann. In diese Menschen, die vor langer Zeit.

Es hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Leider hat man auch noch ein Umfeld. Man muss auch einmal mit Familie reden, mit Hunden spazieren gehen, sich sozial verhalten. Danach wieder in die Geschichte hinein - und sonntags - endlich wieder: Couch, Decke, Pölster, Hund in der Kniekehle. Perfekte Lesehaltung.

Absinken, Versinken, Bilder, dann aus.


Also: ich würde es an Ihrer Stelle lesen.


Ihre Herta Emmer

buchwelten-online-shop
und in der Buchhandlung www.buchwelten.at

Freitag, 25. August 2017

Herta Emmer und Liste Peter Pilz

Nun ist es also öffentlich. Ich kandidiere auf der Liste Peter Pilz.

Einem intensiven August, einem turbulenten Juli, einem aufregenden Juni, einem überraschenden Mai folgend ist die Entscheidung gefallen.

Ja, ich bringe mich ein. Öffentlich. Für die normalen Leute, die jeden Tag ihren Alltag bestreiten, einer überbordenden Bürokratie ausgeliefert sind, deren Sorgen und Nöte zugedeckt und überschrien werden von ganz lauten populistischen Tönen. Am liebsten mit dem A-Thema.

Ja, ich engagiere mich. Das ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Die Stimme erheben. Für Demokratie und Transparenz eintreten. Für die tatsächlichen gesellschaftlichen Veränderungen eine Plattform anbieten. Die da sind: Digitalisierung, Landflucht, 4. Lebensalter, und: BILDUNG!

Ja, ich werde für die KleinunternehmerInnen sprechen. Die Teil des gesellschaftlichen Alltags sind. Die im sozialen Gefüge ihrer Umgebung verankert sind. Die nicht mit Betriebsstandortverlegungen drohen können.

Ja, ich trete für Marktgerechtigkeit ein. Die Gesetze werden schärfer für die, die nicht groß sind und lockerer für die, die "den Politikern" zu mächtig erscheinen. Das darf nicht sein. Wir haben in den letzten Finanzkrisen, Spekulationskrisen, Bankenkrisen gesehen, dass all diese aus Gier verursachten Geldkatastrophen letztendlich von der Allgemeinheit aufgefangen wurden. Die Politik ist mächtig, mächtiger als Konzerne gerne möchten. Sie muss nur Mut fassen.

Ja, ich spreche mich für eine offene Gesellschaft freier Bürgerinnen und Bürger aus. Die Privatsphäre von uns allen muss gewahrt bleiben!

Ja, es geht!


In 60 Buchhandlungen durch Europa.

In 60 Buchhandlungen durch Europa.
Meine Reise zu den schönsten Bücherorten des Kontinents.
Von Torsten Woywod. Mit einem Vorwort von Benedict Wells.
Verlag Eden Books.

In 60 Buchhandlungen druch Europa.
Eine Liebserklärung an Buchhandlungen, an Bücher, an Leseräume.
Jedes Europäische Land wurde besucht, die schönsten Buchhandlungen ausgewählt, mit liebevollen Texten zur Intention der Buchhändler, ihrer Auswahl, ihren Motiven, ihrer Raumgestaltung versehen. - - > also auch ein LESEBUCH
nicht nur ein ANSCHAUBUCH

Und was mir noch ganz gut gefällt:
1.) man weiß ja eh nicht, wo man noch hinreisen möchte --> ein REISEBUCH!
2.) welche Autoren man noch nicht gelsen hat --> ein BUCHEMPFEHLUNGSBUCH!
3.) was man noch schenken könnte --> ein SCHENKEBUCH!

Wunderschön gemacht, tolle Oberfläche, viele Bilder der Buchhandlungen, empfehlungen zu den AutorInnen des Landes, zu Menschen in Buchhandlungen.

Ja, ein LIEBLINGSBUCH!

Eure Herta Emmer
die gerne noch mehr Fotos von schönen Buchhandlungen hätte

In den buchwelten gleich einmal besorgen buchwelten-onlineshop

Sonntag, 23. Juli 2017

Wo noch Licht brennt. Von Selim Özdogan

http://www.buchwelten.at/list?back=9deabaa06568f1ba9c6377fcaebf098f&xid=12284402
Wo noch Licht brennt.
von Selim Özdogan
Selim Özdogan
Haymon Verlag

Das ist die Geschichte von Gül.

Gül kommt zurück von der Türkei. Zurück zu ihrem Mann, der trotz Versprechen, auch Deutschland zu verlassen, viele Ausflüchte sucht, warum es "jetzt noch nicht" geht.

Auch ihre Kinder sind in Deutschland geblieben. Nur sie, die Tochter des Schmids, war allein zurückgegangen.

Nur: es freut sich niemand, dass sie wieder da ist. Sie kann bei ihrer Tochter wohnen, doch sie fühlt, dass sie eine Last ist. Ihr Mann, der gerade im Krankenhaus liegt, schreit sie an, was sie da tut! Die Wohnung zu klein und überhaupt.

Sie findet Anzeichen einer anderen Beziehung. Schluckt. Spricht es nie an. Sie wird hier bleiben. Bei ihrer Familie.

Sie kann nur schlecht Deutsch und geniert sich. Sie denkt an die ersten Zeiten in Deutschland zurück, als sie ihrem Mann gefolgt ist, die zwei kleinen Kinder bei ihrer Mutter gelassen hat. Das wird sie sich nie verzeihen. So war das eben, damals. Eine Frau folgt ihrem Mann.

Selim Özdogan (ein Mann) schreibt so eindrücklich und mit viel Feingefühl die inneren Monologe von Gül auf, dass ich zuerst geglaubt habe, Selim sei ein Frauenname.

Sie lernt einen jungen Burschen kennen. Die Treffen mit ihm hält sie geheim, als ob es unanständig wäre, ein Ersatzkind zu finden. Can lebt ein anderes leben als sie.

Ganze zitierwürdige Absätze. Wie zum Beispiel hier auf Seite 137. "Seine Wahrheiten und ihre Wahrheiten sind so verschieden, ... Jemand der jeden Tag Chilis isst, meint etwas anderes, wenn er scharf sagt, als jemand, der scharfe Sachen meidet.

  Gül kämpft mit sich, mit ihren Moralvorstellungen. Sie findet sich nicht ein, in diese neue Welt, die ihr fremd ist.

Ihr Mann - er lebt sein eigenes Leben. Sie ist nur lästig. Ihre Familie - ihre Familie zuhause in der Türkei - ihr so wichtig, entgleitet ihr. Sie bemerkt es erst nach dem Tod des Vaters. Sie hat wahrscheinlich idealisiert. Dass sich eine Familie überhaupt auseinanderleben kann. Undenkbar.


In diesem Roman, der wahrscheinlich der beste Roman des Jahres ist, entwickelt sich eine Frau aus ihren Beschränkungen heraus. Aber nicht freiwillig, sondern aus Not. Durch Zurückweisungen, Orientierung in der neuen Zeit, verändertem Umfeld.


Und sie geht hart um mit sich. Lässt "das Schlechte" nicht zu. Versucht, immer das Gute im anderen zu sehen. Scheitert, oder auch nicht.

Eine bemerkenswerte, feinsinnige Lebensgeschichte, die gerne gelesen werden möchte. In die man sich einfindet, umarmt.


Das ist ein Buch für Erwachsene.


Eure Herta Emmer

jetzt gleich in den buchwelten besorgen. buchwelten-onlineshop.

Montag, 17. Juli 2017

Das Ende von Eddy. Èdouard Louis.

Das Ende von Eddy.




Das Ende von Eddy.
Roman
Èdouard Louis
Fischer Taschenbuch.

In einer Zeitung, ich weiß nicht mehr in welcher, "Die Presse"?, las ich einen langen Artikel über den Autor, Èdouard Louis. Zu diesem Buch, und warum er es ewig, 10 Jahre? lang, nicht schaffte, einen Verlag für diesen Roman zu bekommen.

... Weil es diese soziale Schichte nicht mehr gibt
... Das interessiert niemanden
.... Vorgestrig

und als dann die Siege der Rechten kamen, da konnte er es plötzlich argumentieren. Diese Schichte gibt es. Diese Menschen leben in Frankreich (und überall in Europa, wie ich meine). Ihr seht sie nur nicht in euren Glaspalästen, in euren Innenstadtzirkeln. Ihr kommt mit denen nicht in Kontakt. Aber es gibt sie.

Das Ende von Eddy ist sehr autobiographisch. Edouard Louis beschreibt im Großen und Ganzen seine eigene Kindheit. Ein Kind von Fabriksarbeitern, Verkäuferinnen, Leuten, die mit 40 kaputt sind. Armut, Ärger gegen andere, Misstrauen gegen Bildung, Dauerfernsehen, schlechte Ernährung, das ganze Konvolut.

Und dazwischen der kleine schwule Eddy. Der das büßt. Das Schwulsein, das Anderssein, der durch alle Machtrituale der Kinder/Buben durchmuss. Wobei er der Schwächling ist. Seine Familie versucht redlich, ihn anzupassen, ihm Gutes zu tun. Die Schande zu verbergen. Doch es hilft nichts. Er ist einfach so, mit seiner hohen, schrillen Stimme, seiner übertriebenen Gestik. Schon von ganz klein auf.

Er zeigt die Sprachlosigkeit auf, oft in ganz markanten Zitaten, das Buch ist durchspickt mit Originalzitaten, mit direkter Rede, nur so kann er diesen Spiegel halten. Vorhalten, deutlich machen. Die rüde Sprache, der Dialekt, aber auch der Komplex, sich nicht helfen zu können.

Für mich ein durchaus aufdeckerisches Buch. Vieles ist mir nicht fremd, bin ich doch auch ein Kind vom Land. Beobachtend, wie ich als Kind war, habe ich solche Typen gesehen. Als Mädchen war ich nicht Teil dieser Männermachtbünde. Aber gesehen.

Édouard Louis kann diese Schichte aufzeigen, ohne sie vorzuführen. Ein Sachbericht. In Romanform

Eddy endet irgendwann. Und wird Édouard.
Manchmal passt jemand nicht in seine Familie. Manchmal muss jemand ausreißen.

Das kann jede/r lesen.
Die, die jung sind.
Die, die alt sind.
Die, die vom Land kommen.
Die, die in der Stadt leben.
Die, die verstehen wollen.

Jetzt gleich lesen. Das Ende von Eddy.
buchwelten-online-shop
www.buchwelten.at 



 Seite 73. "... Meine Eltern konnten sich keinen Teppichboden leisten, und so wollten sie auch keinen. Die Unmöglichkeit, es zu tun, verhinderte die Möglichkeit, es zu wollen, was wiederum das Mögliche verhinderte."


 Seite 194. Als es zum Aufnahmetest am Gymnasium geht. Der Vater. "Ich will nicht, dass du dich vor den anderen schämen musst und anders dastehst als sie, mit weniger Geld. ... , ich will nicht, dass du anders dastehst als die anderen."
 Seite 195. "... Vor allem, pass bloß auf, in der Stadt ist alles voller Araber. Wenn dich einer anschaut, schaust du weg, ..."

Das Buch hat sehr treffende Kapitelüberschriften, wo er versucht, seine Familienmitglieder vorzustellen. In verschiedenen Situationen, aus eigenem Blickwinkel, aus seinem Blickwinkel. Eine Aufzählung von Familienszenen und -geschichten.